Interview mit Michael Schlögel

  • von Michael Schlögl
  • 12. April 2005 um 22:18
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Wie waren eure Erwartungen nach der Trainingswoche, wie habt ihr eure Chancen eingeschätzt?

Michael:
In der Trainingswoche waren wir sehr zuversichtlich. Wir haben sehr zeitintensiv mit 6 Stoppern und volles Programm gefischt. Wir haben in der Mitte immer gut gefangen. Jeden Tag fingen wir aus der Mitte heraus ca. 5-10kg Fisch, auch auf den schlechteren Plätzen. Ich und auch die anderen waren sehr zuversichtlich. Aber ihr seht, dieses soll nichts heißen. Im Gegensatz zur Bronzemedaille in Italien - dort kamen wir im Training auf keinen grünen Zweig- wurden aber überraschend Dritter. So ist das nun mal.

CT:
Was habt Ihr im Training herausgefunden, und für welche Taktik habt ihr euch entschieden? Wie sah eure Anfangsfütterung aus?

Michael:
Da man nur 10 Liter Futter zur Verfügung hatte, meiner Meinung bei dieser Strömung viel zu wenig, und der Fisch positiv auf Geräusch reagierte, fütterte ich in den ersten 5 Minuten nur 5 orangengroße Bälle Futter mit hohem Casteranteil und wenig Würmern. In der letzten Minute der Vorfütterung fing ich sofort an, jeweils abwechselnd 1 Ball Terra River mit Zuckis und Futter mit viel Caster in 10-Sekunden-Takt nachzufüttern. Nach Angelbeginn wurde dieses abwechselnd jede Drift wiederholt.

Das Futter bestand aus:

2,5 Liter Mosella Fav. Brassen

2,5 Liter Explosiv

Auf die 5 Liter Futter kamen noch 2 Pakete Mystery Mix.

In die 4 Liter Angelerde wurde noch 1/4 l Mosella Bentonit zum Kleben hinzugemixt. Als Köder entschieden wir uns für 1,5 l Caster + 0,5 l Würmer + 0,5 l Zuckis und als Hakenköder Maden.


CT:
Im Gegensatz zu anderen Anglertreffs hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass bei eurem Betreuerstab insbesondere bei Andre Hasselwander im ersten Durchgang Ratlosigkeit herrschte. Hat sich die fehlende Gewässerkenntnis doch bemerkbar gemacht, als die Taktik bei Andre und Vincenzo nicht aufging? Bekanntlich saßen beide auf schwierigen Plätzen, doch maximal 10 bis 12 Punkte sollten bei ihrer Klasse das Maximum sein.

Michael:
Bei Andre wusste man im Vorfeld, dass dieser Platz sehr schlecht war. Sein Nachbar Rene Bredereck hatte auch so einen Platz gezogen. Er fing an seinem Hausgewässer gerade mal 200gr. mehr. Andre fing hauptsächlich Barsche, die nicht in der Wertung waren.

Auf schlechten Plätzen konnte man dieses öfters beobachten.

Im Nachhinein hätte er den Versuch wagen sollen auf 9,5m zu fischen, aber bei 10 Liter Futter und Schiffsverkehr hatten wir uns nur für die 13m entschieden. Beim Training gab es auch auf unebenen Plätzen bei 15 Läufen 15 Bisse! Da ist man sehr voreingenommen.

Bei Vincenzo war es sehr flach, dort hätte man evtl. die Bolo einsetzen müssen. Aber bei 4 Trainingstagen und 10 verschiedenen Abschnitten und der Schlepperei kriegt man dieses schlecht koordiniert.

CT:
Du selber hast deinen Sektor an beiden Tagen überragend gewonnen. Bei wenig Platz und unter ständiger Beobachtung und Unruhe von 15 bis 20 Zuschauern sicherlich eine besondere Leistung. Hast du einfach das Gewässer besser gelesen, ein glücklicheres Händchen in deinen Entscheidungen gehabt, oder woran lag es?


Michael:
Man muss erwähnen, dass ich bei den 17 Leuten im Sektor die richtige Region gelost habe. Meine Plätze waren vom Untergrund o.k., so dass ich auch optimistisch in das Fischen ging.

Ich habe mit 2-4gr. Posen immer zur Sicherheit auf kleine Fische gefischt. Ab und zu ging da auch ein Bonusfisch drauf. Als ich merkte, dass es auf meinen Platz ruhiger wurde, nahm ich auch Lollies bis 10 gr. zur Hand und fing sofort Brassen. Die gab es aber nicht all zu viel.

Als ich auf dem blockierenden Lolly wieder Kleinfisch fing wechselte ich sofort wieder auf eine leichtere Pose. Am ersten Tag fing ich mit der 2 gr. Pose (Mosella Mst-11) ca. 2kg Fisch, mit der 4gr. Pose (Mosella Mst-11) ca. 2 kg Fisch und mit den Lollies Marke Eigenbau ebenfalls ca. 2kg.

Ich denke, dass ich schnell den Braten roch, als ich in den ersten 10 Minuten keinen Biss bekam. Ich reduzierte sofort den Würmer- und Casteranteil des Futters und ging auch auf einen kleineren Haken ( Xedion TXR-4 Größe 18 ), bestückt mit 3 Vers de Vase oder Kombi Caster mit Vers de Vase. Bei der Angelei mit dem Lolly benutzte ich ein 14er Xedion TXR-3 und ca. 10 bis 15 Vers de Vase.

Es dauerte einige Zeit, den Haken zu bestücken, dies wurde aber belohnt. Auf Wurm bekam ich im Gegensatz zum Training an beiden Durchgängen keinen Biss. Im Training bissen sogar kleine Rotaugen auf große Würmer. So konnte ich den ersten Tag mit 6,3 kg gewinnen der Zweitplazierte hatte 4,2kg zur Waage gebracht und im zweiten Durchgang kamen sogar 12,3 kg heraus. Der Zweite brachte 6,5kg zur Waage. An beiden stimmte mein Konzept mit dem sauberen Platz. Diese Kombination hat man nicht all zu oft.

CT:
Was denkst du, was abschließend die größeren Fehler von euch waren oder woran es gelegen hat, dass ihr eure Vormachtstellung nicht behaupten konntet?

Michael:
Ich meine, dass es Plätze gab, wo man sich nicht wehren konnte. Davon zogen wir einige. Dies soll aber auch nicht heißen, dass man da fast letzter wird. Da hätte man vielleicht die Bolo oder die 9,5m Bahn fischen müssen. Bei 14 Liter Futter wäre dies mit Sicherheit nicht passiert.

CT:
Das beim Anglertreff gestartete Mosella-Team wird nun die nächsten 12 Monate international vielleicht nur durch Harald Windel vertreten sein. Gibt es wieder Überlegungen und Anstrengungen, dass andere Teammitglieder beim Einzelanglertreff in Üichteritz, wieder zu einem Sichtungsfischen eingeladen werden?

Michael:
Ja, wir versuchen für den Newcomer Stefan Niessen vom „Team Mosella Bremen“ eine Einladung zu bekommen. Aber wer die Strecke kennt, weiß natürlich, dass sie ungerecht ist. Mit Können kann man da nichts erzwingen. Dort braucht man eine kräftige Portion Platzglück.

Michael, vielen Dank für Deine sehr interessanten Ausführungen.

Michaels Hompage erreicht ihr über: www.Michaelschloegel.de


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