Interview mit Piotr Lorenc

  • von Andreas Gorczyca
  • 10. September 2005 um 22:56
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Piotr,

herzlichen Glückwunsch zum Europameistertitel an deine Mannschaft, den Betreuerstab und alle fleißigen Helfer.

CT:

Wie war die Stimmung in der polnischen Mannschaft in der Trainingswoche? Wie zufrieden ward ihr mit euren Trainingsergebnissen und welche Chancen habt ihr euch insgeheim ausgerechnet?

Antwort:

Die Stimmung war gut, wir haben uns jeden Tag verbessert und die Schwierigkeiten des Gewässers erkannt. Es war sehr warm und das Wasser wurde immer klarer. Dadurch wurden gute Fänge besonders in der Mitte der Strecke immer schwieriger. Anfangs fingen wir 6 bis 9 kg pro Angler und Tag, am Ende der Woche waren 1,5 kg ein gutes Ergebnis. Wir fingen im Training Barben bis 3 kg, Brassen bis 1,5 kg, Zährten und Rotaugen. Einzig mit den Ködern hatten wir wegen der Wärme Probleme diese frisch zu halten.
Nach der Trainingswoche wussten wir bedingt durch unsere Betreuer, welche Plätze auf der gesamten Strecke gut und welche weniger erfolgsversprechend waren. Wir haben jeden Platz im Training beobachtet und uns dementsprechend in den Durchgängen taktisch an unsere Informationen gehalten.
Somit haben wir uns auch keine großen Ziele gesteckt. Wir wussten, dass wir unsere Plätze ob nun gut oder schlecht optimal umsetzten mussten und jeder einen großen Fisch fangen sollte. Wer das schaffte, war zwangsläufig vorne dabei und dementsprechend haben wir auch unsere Chance gesehen.

CT:

Wer waren für euch die Favoriten auf den Titel des Europameisters?

Antwort:

England und Ungarn. Im Training sahen wir, dass auch Frankreich und Italien immer besser zu Recht kamen, so dass wir zusätzlich auch diesen beiden Mannschaften gute Chancen eingeräumt haben.

CT:

Die meisten Teams haben auf die schweren Barben und Brassen geangelt und ihre Taktik dementsprechend ausgerichtet. Wie war eure Taktik für den ersten Tag?

Antwort:

Wir rechneten mit größeren Standfischen und dementsprechend war unsere Taktik, in den ersten 20 Minuten mit leichteren Montagen den Platz führend zu befischen und einen größeren Fisch zu fangen. Klappte das nicht, wechselten wir auf die 7 – 9 Meter Bahn und versuchten dort Rotaugen oder Zährten zu fangen. Danach gingen wir auf Ukeleis und sollte sich auch hiermit kein Erfolg einstellen, musste einer der am Ufer zahlreichen Brutfische gefangen werden. Nach der Hälfte der Zeit blockierten wir dann mit schweren Lutschern den Köder am Platz und versuchten damit einen der größeren Fische zu fangen.

CT:

Das Gewässer erwies sich schon im Training als sehr schwierig. Wenig Fische, dafür aber große. Welche drei Dinge waren eurer Meinung nach besonders wichtig und mussten besonders gut umgesetzt werden?

Antwort:

•  Die Umsetzung der in der vorherigen Frage beschriebenen Taktik

•  Informationen von unserem Betreuerstab

•  Die richtige Dosierung von Futter pro Sektor und Angelplatz. Auf den gemäß unseren Beobachtungen schlechteren Plätzen haben wir den Futteranteil beträchtlich reduziert

CT:

Mit welchem Futter hat das polnische Team geangelt und könnt ihr unseren Lesern die Futtertaktik eures Teams erklären? Wie sah eure Anfangsfütterung aus, wie war das Verhältnis von Futter und Lehm? Wie wurde nachgefüttert und wie habt ihr eure Köder aufgeteilt?

Antwort:

Das Futter war eine polnische Mischung, die wir euch nicht verraten möchten. Ein Mix aus Fertigmischungen und Einzelmehlen mit einer feinen Struktur und sehr starker Bindung. Wir haben das Futter 1/1 mit schwerer Erde gemischt und am Anfang 10 Kugeln ohne Köder geworfen. Dazu kamen je nach Platz 5 bis 7 Kugeln schwerer Erde mit Castern, Würmern, kleinen Mückenlarven und Mais. Auf den besseren Plätzen wurden zudem 4 Bälle geklebter Maden mit Kies gesetzt, auf den schlechteren Plätzen nur 2.
Nachgefüttert wurde nur mit dem Pole-Cup. Auf den guten Plätzen wurde 1,5 Stunden Maden mit Kies nachgefüttert, auf den vermeintlich schlechteren Plätzen ausschließlich
schwere Erde mit kleinen Mückenlarven und Castern. Nach 1,5 Stunden auf den guten Plätzen fütterten wir auch hier nur noch mit Erde, Mückenlarven und Castern. Der Grund war, dass man auf den besseren Plätzen 90 Minuten lang Barben fangen konnte, auf den schlechteren Plätzen jedoch eher Brassen und die Brassen insbesondere auch in der zweiten Hälfte der Durchgänge. Unsere Köder waren 1 Liter Maden, 0,5 Liter Caster, 0,5 Liter kleine Mückenlarven und der Rest kleine Rotwürmer und ein bisschen Mais für die Anfangsfütterung.

CT:

Welche Posen habt ihr geangelt und mit welchen Gewichten? Habt ihr die Lutscher eures Altmeisters Gutkiewicz gefischt? Welche Schnurdurchmesser und Gummizüge hattet ihr montiert?

Antwort:

Wir haben Hauptschnüre von 0,22 mm bis 0,25 mm und Vorfächer von 0,19 mm bis 0,22 mm gefischt. Im schnelleren A-Sektor kamen Cralussos von 50 bis 60 Gramm zum Einsatz, in den langsameren Abschnitten fischten wir Lutscher von Gutkiewicz in Gewichten von 30 bis 40 Gramm. Dazu hatten wir normale Strömungsposen in den Gwichten 6-8-10 Gramm für die ersten 20 Minuten aufgebaut. Unsere Gummis hatten Stärken von 1,4 bis 1,8 mm und gingen über 3 Teile.

CT:

Wie sah eure Bebleiung aus und habt ihr eure Fische blockiert gefangen oder auch beim Führen des Köders?

Antwort:

Wir fischten überwiegend ein 40 cm langes Vorfach. Darüber waren 3 Schrote der No. 1 und nach 50 cm ein Wirbel. Über dem Wirbel kam die Hauptbebleiung. Wir stellten fest, dass es besser ist, 2 bis 3 Bleikugeln von 15 bis 20 Gramm zu montieren, als eine einzige große Bleitorpille. Die No. 1 Schrote wurden entsprechen verschoben oder als Bulk gefischt. Bis auf die ersten 20 Minuten haben wir meist blockiert gefischt und den Köder keinen Zentimeter bewegt.

CT:

Habt ihr eure Taktik am zweiten Tag verändert?

Antwort:

Nein. Wir hatten das Glück, dass 4 Angler von uns bereits nach 15 Minuten einen großen Fisch im Kescher hatten. Das gab uns allen Sicherheit. Lediglich Zbigniew Milewski hatte nach 1,5 Stunden noch keinen Fisch. Gemäß unserer Taktik fütterte er jedoch weiterhin schwere Erde mit Mückenlarven und Castern und fing somit einen guten Brassen, drei weitere gingen leider verloren.

CT:

Nach dem ersten Durchgang hattet ihr zwei Angler mit Chancen auf einen Podiumsplatz. Leider hat es nicht gereicht. Haben die beiden zu wenig riskiert oder habt ihr in erster Linie versucht mit der Mannschaft ganz nach vorne zu kommen?

Antwort:

Der Teamerfolg stand vor allem anderen. Alle haben sich dem Team untergeordnet. Wir wussten, dass der Erfolg bei dieser Europameisterschaft auch vom Glück abhing. Einerseits musste man überhaupt einen großen Fisch an den Haken bekommen, andererseits durfte dieser auch nicht zu groß sein, da er sonst meist verloren ging. Somit war allen klar, dass ein Podiumsplatz nur mit dem entsprechenden Glück und dem Anbiss von Fischen, die man auch landen konnte, zu tun hatte.

Piotr,

vielen Dank für das ausführliche Interview. Wir wünschen Euch für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Andreas Gorczyca

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