Interview mit Stefan Posselt zum internen champions-team Angeln

  • von Steffen Quinger
  • 07. Mai 2005 um 16:36
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Interview mit Stefan Posselt

Stefan,

herzlichen Glückwunsch zu Deinem Erfolg. Mit einer durchschnittlichen Platzziffer von 4 Punkten hast Du das beste Ergebnis geangelt und warst damit erfolgreicher als z. B. Christian Panno, Günther Horler und die mit dem Heimvorteil ausgestatteten Berliner um Ralf Herdlitschke ( "Ernie" ) und Marco Beck.

Frage:

Wie hast Du Dich vorbereitet, wie oft hast Du am Havelkanal und Hohenzollernkanal trainiert und wie zufrieden warst du mit den Strecken in Bezug auf die Chancengleichheit?

Antwort:

Die Strecken waren sehr ausgeglichen und vor allem abwechslungsreich, man konnte bzw. musste mehrere Methoden angeln, um erfolgreich zu sein. Am Havelkanal wären zwei Abfänger je Seite sicher besser gewesen, so hatten die beiden Außenplätze doch einen Vorteil, den ich einmal auch selbst nutzen konnte. Zum Training war ich an jeder Strecke einen Tag angeln, am Wochenende zuvor.

Frage:

Dein gutes Ergebnis setzt voraus, dass sich die Fische Deinem Futter sehr positiv gegenüber gezeigt haben. Kannst Du uns verraten, mit welchem Futter bzw. mit welcher Futtermischung Du an beiden Kanälen geangelt hast?

Antwort:

Das Futter war auf jeden Fall nicht verkehrt... . Am Havelkanal habe ich gefischt:

1 kg Favourite Lake

1kg Favourite Gardon

1 kg Competion

2 kg Lehm natur (leicht)

Futterfarbe braun

Am Hohenzollern:

1kg Competion

1kg Favourite Brassen

½ kg Favourite Gardon

3 kg schwere Erde

Futterfarbe schwarz

Das Futter am Hohenzollern habe ich extrem feucht gemacht, damit keine Partikel aufsteigen und die Milliarden Ukelei verrückt machen.

Frage:

Bei drei Metern Wassertiefe, keiner Strömung, keinem Schiffsverkehr und der Vorfütterung vom Training war eine taktische Frage die Wahl der Anfütterungsmethode: hast Du Dich für den Pole-Cup oder die Fütterung aus der Hand entschieden und wie viel hast Du am Anfang gefüttert?

Antwort:

Ich habe die Anfangsfütterung komplett mit der Hand gefüttert, habe aber in 3 von 5 Durchgängen nicht nachgefüttert! Auf dem Außenplatz im Havelkanal habe ich nachgeworfen, im Innenbereich mit dem Pole-Cup nachgefüttert. Beim 5. Durchgang hätte ich aber komplett mit dem Pole-Cup füttern sollen, da habe ich mich etwas verspekuliert.

Frage:

Mit welcher Tiefeneinstellung hast Du das Angeln begonnen und wie hat sich die Wahl Deines Hakenköders im Laufe des Angelns entwickelt?

Antwort:

Ich habe in beiden Kanälen bündig angefangen und bin bei Erscheinen der Brassen 10 cm tiefer gegangen. Am Havelkanal waren die Rotaugen auch 5-8 cm über dem Boden gut zu fangen. Am Havelkanal fischte ich fast durchgängig mit 2 Mücken am Haken, ab und zu habe ich mal ein Pinki dazugesteckt. Am Hohenzollern habe ich auf der Kopfrute mit 2 Mücken, auf der Matchrute mit 4-5 Mücken geangelt.

Frage:

Was war wirklich wichtig? Kannst Du uns drei Dinge nennen, die wesentlich zu Deinem Erfolg beigetragen haben, die speziell an diesen Gewässern sehr wichtig waren?

Antwort:

Aus meiner Sicht war es am wichtigsten, zur richtigen Zeit die richtige Rute in der Hand zu haben, es gab eigentlich keinen Fangplatz, der für drei Stunden gereicht hat. Beim 4. Durchgang habe ich z.B. an 4 Plätzen Fisch gefangen. Zweites war es wichtig, den Futterplatz sehr exakt zu beangeln. Durch die fehlende Strömung hat es sehr lange gedauert, bis ein neben dem Futter platzierter Köder vom Fisch gefunden wurde. Als drittes schätze ich, dass meine Futtertaktik ohne Nachfüttern mir größere Fische auf den Platz gebracht hätte.

Frage:

Welche Posenmodelle bevorzugst Du für diese Art der Kanalangelei und mit welchen Tragkräften hast Du geangelt? Hast Du eine Lieblingspose und wie war eine typische Bebleiung bei Dir aufgebaut?

Antwort:

Ich habe in beiden Kanälen hauptsächlich eine schlanke Tropfenform gefischt. Im Havelkanal hatte ich für die ganz feinen Montagen sehr schlanke Posen zwischen 0,75 und 1,5 gr. montiert, im Hohenzollern zwischen 1 und 3 gr.. Die Bebleiung war eine Kette von Schroten ab Nr. 12 größer werdend vom Vorfach bis zum Hauptblei. Im Havelkanal war das Hauptblei ca. 40 cm, im Hohenzollern maximal 20cm vom Vorfach entfernt.

Frage:

Mit der Matchrute wurde teilweise feststehend, teilweise mit Slider geangelt. Welche Methode war Dein Favorit und wie war eine typische Matchrutenmontage bei Dir aufgebaut?

Antwort:

Im Havelkanal feststehend, Waggler 10-12 g, ca. 1 g Blei an drei Punkten verteilt, im Hohenzollern Slider 12-16 g, 3-4 g Blei drunter, unter dem Hauptblei noch ein Nr. 5 und ein Nr. 7

Frage:

Mal eine Frage zur Stimmung untereinander. Die einen tragen „grün“, die anderen lieber „blau“ und wieder andere weder „grün“ noch „blau“. Wie steht es mit der Stimmung, der Hilfe untereinander, gibt es Grüppchen oder kann man von einer Einheit sprechen? Wer ist dir am nächsten, mit wem tauscht Du Dich aus? Angeblich sollst Du sogar bei Ernie übernachtet und in Sensas-Bettwäsche geschlafen haben!

Antwort:

Das stimmt, ich habe bei Ralf übernachtet, wir verstehen uns sehr gut und haben uns natürlich auch über das Angeln ausgetauscht. Das ist keine Frage der „Farben“ sondern einfach nur eine des persönlichen Verstehens. Ich finde, die Stimmung hat sich in den letzten Jahren ständig verbessert. Natürlich gibt es immer eine gewisse Grüppchenbildung, das ist gerade für Neueinsteiger sicher nicht leicht. Da kann ich nur den Tipp geben, geht auf die anderen zu, es gibt so gut wie Keinen, der nicht ehrlich antwortet und Hilfestellung gibt, wenn er gefragt wird.

Frage:

Ob nun EM, WM oder auch beides, Anfang Juli wirst Du uns in Finnland vertreten. Kannst Du schon einen Ausblick geben, was die Nationen dort erwartet und welche Methoden dort geangelt werden? Wer sind Deine Favoriten und wie schätzt Du die Chancen des deutschen Teams ein?

Antwort:

Anfang der 90er war dort mal eine WM, allerdings im Herbst, da war ein Kaulbarsch schon gut...! Wie uns die Finnen verraten haben, soll es im Sommer dort besser gehen. Ich erwarte eine Kanal-Angelei, bei der es darum geht, die vorhandenen Fische möglichst auf seinen Platz zu ziehen und auch die vorsichtigsten Fische an den Haken zu bringen. Favoriten sind für mich England und Frankreich, dazu dann noch Ungarn, Polen und natürlich Belgien.

Wir haben Chancen, das Podium zu erreichen, Belgien letztes Jahr hat's gezeigt. Dazu müssen wir die Trainingswoche intensiv nutzen und uns das Gewässer durch strategisches Training erarbeiten.

Materialübersicht:

Schnurdurchmesser Kopfrute / Vorfach: 0,10/0,08

Hakengrößen Kopfrute: 18-22 (Havelkanal), 18 Hohenzollern

Gummizugstärke / über Teile: 0,8/0,9 über 3 Teile

Schnurdurchmesser Matchrute / Vorfach: Vorfach 0,08

Hakengrößen Matchrute: 18-20 (Havelkanal), 16-18 (Hohenzollern)

Modell Kopfrute: Mosella Favourite M900 (noch, ab heute Xedion 1)

Modell Matchrute: Milo Titanic 4,20m

Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Steffen Quinger

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