Interview mit Andreas Dalcke zum Anglertreff 2006

  • von Steffen Quinger
  • 15. August 2006 um 13:08
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Interview mit Andreas Dalcke

Andreas Dalcke

Ct: Hallo Andreas und erstmal natürlich herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Anglertreffs.

Andreas: Vielen Dank

Ct: Eine erste Überraschung gab es bei der Aufstellung des CdA Stralsund. Peter Schürer und Du „nur“ im Betreuerstab, das löste doch einiges Erstaunen an der Strecke aus.


Andreas: Marco und Ralf sind selbstverständlich gesetzt, Lutz ist auch eine sichere Bank und sicherlich hätten auch Peter und ich dort unsere Ergebnisse geangelt. Peter hatte sich zugunsten von Erik bereit erklärt Erik zu coachen, da Erik ihn in Kroatien betreut hatte. Sicherlich auch eine gute Entscheidung, da Peter den Havelkanal besser kennt und somit als Coach auch für das gesamte Team wichtig war, denn angeln können beide.

Was mich betrifft, muss ich sagen, dass ich dieses Jahr in Kroatien die Club WM gefischt habe, beim Einzelanglertreff am Mittellandkanal in Haldensleben starten werde und dann auch noch zur WM nach Portugal fahre. Zudem habe ich letztes Jahr bereits den Anglertreff für Vereine gewonnen. Ähnlich wie bei Peter und Erik, verhielt es sich auch bei Henric und mir. Henric hatte in Kroatien nicht gefischt und u.a. mich betreut, zudem hat er am Havelkanal oft genug geangelt und hat dorrt ausreichend Erfahrung, so dass für einen Einsatz kein Risiko bestand. Da fiel es mir nicht schwer auch mal Betreueraufgaben wahrzunehmen und mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, denn ein wesentlicher Teil des deutlichen Erfolgs ist sicherlich auch dem Betreuerstab anzurechnen und wir haben diesmal nicht den Fehler von der Club WM wiederholt, einen zu unerfahrenen Betreuerstab zu haben.

Ct: Was meinst Du genau?

Andreas: Viele Plätze waren von den aktiven Anglern uneinsichtig, teilweise konnte nicht einmal gesehen werden, was der Nachbar macht und fängt. Insgesamt wurde damit gerechnet, dass man für eine ordentliche Platzierung 1500 Gramm benötigen würde und diese Zielvorgabe hatten natürlich alle in ihren Köpfen. Wenn man dann nur Fische mit einem Durchschnittsgewicht von 15 Gramm fängt, kommen natürlich langsam Zweifel, ob man damit im Soll liegt oder nicht.
Was fangen die anderen, gibt es Bonusfische, wird auf die Matchrute gefangen? Bei derartigen Verhältnissen sind die Betreuer enorm wichtig und sorgen für das nötige Vertrauen in die Angelei. Nicht wenige werden gedacht haben, dass sie zu wenig fangen und dadurch Posengewichte, Hakengrößen und Köder entsprechend vergrößert haben, um eventuell doch an größere Fische zu kommen.

Meist gab es jedoch nur Fehlbisse und Zeitverlust, denn wer die Zeit nicht optimal nutzte, dem fehlten am Ende die 100 Gramm zu einer guten Platzierung. Bei den sehr kleinen Fischen war es zudem wichtig, die richtige Bebleiung, Posentragkraft und auch den richtigen Köder zu wählen. Mit einem ausreichend großen Betreuerstamm, konnten diese Informationen sofort erkannt und umgesetzt werden.

Ct: Was hast Du während der Durchgänge noch erkannt, was wichtig für den Erfolg war?

Andreas: Sehr präzise und variabel zu angeln. Die verschiedenen Bahnen immer wieder mit kleinen Portionen unter Futter halten, dabei aber nicht zu viele Köder einzubringen. Die Angeltiefe und die Posengewichte variieren, bis sich kontinuierlich Bisse einstellen. Nicht zu lange eine Bahn beangeln, wenn die Bisse ausbleiben und den Futterplatz sofort wechseln, wenn sich ein Schwarm Ukeleis eingefunden hat. Es gab teilweise Phasen, da lief es auf ein oder zwei Pinkies besser als auf Mückenlarven und so war es auch immer wichtig, den Köder zu wechseln. Und natürlich auf die Betreuer hören.

Ct: Viele werden jetzt denken, dass ihr bestimmt ein perfekt auf den Kanal abgestimmtes Futter gefischt habt und auch das richtige Futter ein Schlüssel zum Erfolg war. Wie sah eure Futtertaktik aus, wie viel habt ihr gefüttert?

Andreas: Wir haben uns für die Fütterung mit dem Polecup entschieden und Futter und schwere Erde jeweils zu gleichen Teilen miteinander vermischt. Das Werfen schien uns zu ungenau, obwohl die Fische, wohl auch bedingt durch die Trainingswoche, gut auf Geräusche reagiert haben. Wir haben das kompensiert, indem wir 3 von 12 Kugeln ca. 1 Meter über der Wasseroberfläche abgekippt haben und so auch ein ausreichendes Plumpsen hatten. Am Sonntag haben wir dann die Anfangsfütterung auf 8 Kugeln reduziert.
Gefüttert haben wir in der Anfangsfütterung kleine Mücken, einige Caster, einige sehr klein geschnittene Würmer und vielleicht 30 bis 40 große Mücken, damit der vielleicht doch am Platz stehende Bonusfisch nicht gleich wieder verschwindet. Dazu noch einige tote Pinkies, da wir doch ein bisschen Respekt vor den Ukeleis hatten, die allerdings im Training wesentlich massiver auf der Strecke waren. Da war der Wetterumschwung dann doch noch ganz gut. Trotz der verschiedenen Köder war die Menge eher überschaubar. In 8 bis 12 Polecup-Kugeln passen halt auch nicht viele Köder.

Vorne haben wir dann auf die Barsche mit einem Gemisch aus Terre de Somme und Futter geangelt. Dazu wenig kleine Mücken und einige sehr klein geschnittene Würmer. Zwei Kugeln auf jede Bahn (5 und 8 Meter) am Anfang und dann kleine Bällchen je nach Beißverhalten hinterher.

Die Matchrute haben wir mit einem höheren Futteranteil und den gleichen Ködern befüttert. Vielleicht waren es ein paar Caster und Würmer mehr, denn am gegenüberliegenden Ufer ging es um den Bonusfisch und wir wollten die Matchrute auch nur in die Hand nehmen, wenn auf den anderen Bahnen überhaupt nichts mehr lief oder der Verlauf des Angelns zeigte, dass die Matchrute konstant Fische bringen würde. Nachdem, was ich allerdings gehört habe, hat aus unserem Team keiner die Matchrute in die Hand genommen. Es waren doch auch einige Schiffe unterwegs, die die Aussichten, mit der Matchrute Fische zu fangen, doch eher in Frage stellten.

Ct: Wie sah es mit dem Nachfüttern aus. Musste überhaupt nachgefüttert werden und wie reagierten die Fische auf das Nachfüttern?

Andreas: Meist wurde auf der Strecke mit dem Polecup nachgefüttert, einige fütterten jedoch auch aus der Hand und wir sahen, dass die Fische anscheinend positiv auf das Geräusch reagierten. Auch diese Information erwies sich als sehr hilfreich und wurde von unseren Anglern positiv umgesetzt. Dabei war es wichtig, sehr wenig, dafür aber regelmäßig zu füttern.
Alle 15 Minuten ein kleines Kügelchen aus Futter und Erde mit einigen kleinen Mückenlarven und Pinkies hielt die Fische bei Laune. Alternativ waren auch zwei kleine, sehr harte Kügelchen, die kurz hintereinander aus der Hand geworfen wurden sehr gut und animierten die Fische wieder auf den Platz zu kommen bzw. wieder zu fressen.

Ct: Sonst noch ein Tipp?

Andreas: Vielleicht eine Kleinigkeit am Rande, die aber mit den vielen anderen Kleinigkeiten auch nicht unwichtig war. Das Wasser im Uferbereich des Havelkanals war durch die anhaltende Hitze sehr moderig und roch faul. Wir haben daher aus dem Uferbereich kein Wasser genommen und insbesondere unsere Mückenlarven in einem stillen Mineralwasser schwimmen lassen. Denn gerade für die Barsche und die kleinen Weißfische waren sehr lebendige Mückenlarven am Haken sehr wichtig.

Ct: Wir hatten vermutet, dass der Wechsel von Dir und Ralf zu Mosella als Ausrüster Schwierigkeiten geben würde und unter Umständen zu Spannungen im Team führt?

Andreas: Ich denke, wenn man unser gesamtes Team an der Strecke gesehen hat, erübrigt sich diese Frage.

Ct: Vielen Dank und alles Gute für den Einzelanglertreff und die WM in Portugal

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