Interview mit Peter König

  • von Henric Plaß
  • 11. April 2006 um 21:43
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CT:

Hallo Peter,

wenn man so Deine Funktionen auflistet, fragt man sich automatisch, wie Du diese ehrenamtliche Tätigkeit, ob im Land Thüringen oder als verantwortlicher Trainer des champions-teams unter einen Hut bekommst.

Peter:

Das ist nicht leicht, ich kann mich hier nur für das große Verständnis bei meiner Frau bedanken, die sehr oft allein zuhause sitzt und die meisten Sachen regeln muss, ohne mich an ihrer Seite zu haben. Dieses Problem kennen aber sicher viele ehrenamtlich agierende Funktionäre, man muss Kompromisse machen und darf natürlich auch seine Familie nicht zu kurz kommen lassen. Seitens der Firma Mosella habe ich volle Unterstützung für meine Tätigkeit als Trainer und Referent. Ich möchte deswegen auch hier diese Plattform nutzen, um in erster Linie meiner Frau Dank zu sagen, aber auch meinem Arbeitgeber für das Verständnis zu danken.

Ich bin aber trotzdem auf viele Freunde angewiesen, die mich bei der Vorbereitung und Durchführung von Sichtungsangeln unterstützen oder aktiv bei der Vorbereitung und letztendlich der Teilnahme unseres Teams an EM oder WM mitwirken.

Ohne diese stillen Helfer wäre vieles nicht zu leisten auch ihnen hier nochmals Dank für die gute Zusammenarbeit und Hilfe.

CT:

Wie beurteilst du die momentane Lage des champions-teams?

Peter:

Unser Team ist so stark wie nie zuvor und wir können wirklich stolz sein in Deutschland so gute und vor allem engagierte Angler zu haben! Das Abschneiden in den letzten Jahren hat gezeigt, dass wir es geschafft haben eine Mannschaft zu formen, die international durchaus mithalten kann. Die Platzierungen des Teams, aber auch die Einzelplatzierungen sprechen hier Bände.

Wir sind so oft knapp an einem Podiumsplatz vorbeigeschrammt, dass es wirklich langsam Zeit wird die deutsche Fahne, wenn auch ohne Hymne, endlich einmal wieder nach oben steigen zu sehen! Daran arbeiten wir jedes Jahr wieder neu mit viel Energie und Hochdruck.

Für mich und Thomas ist wirklich nicht einfach und manchmal sehr schwer aus vielen einzelnen Individualisten und den unterschiedlichsten Charakteren ein gut funktionierendes Team zu formen. Gerade Angeln ist ein sehr starker Individualsport, gern werden kleine Geheimnisse oder Tricks aus Erfolgsdruck für sich behalten. Dazu kommt noch, als Trainer die Belange aller zu berücksichtigen ohne das dabei sich einer aus dem Team benachteiligt fühlt.

Dann diese Angler zu einem Team zu formen, mit einer Sprache und einem Geist für ein Angeln zu motivieren, ist oft sehr problematisch. Trotzdem ist es uns aber in den letzten Jahren immer besser gelungen, da die Bereitschaft sich in unserem Team einzuordnen von jedem Angler mittlerweile vorbehaltlos akzeptiert wird.

Die internationale Dichte an guten Anglern ist mehr und mehr zusammengewachsen, so dass die Anglerischen Erfolge von Teamgeist und einem perfekten coaching bestimmt werden. Es ist international nicht mehr möglich bei diesem großen Teilnehmerfeld von bis zu 34 Nationen, mit nur 1-2 Leuten zu betreuen. Man braucht, um Erfolg zu haben, für jeden Angler einen erfahrenen Betreuer und noch mindestens 2 erfahren Teambetreuer für die Koordination während des Angelns, die alle zusätzlich mit technischen Hilfsmitteln in Kontakt stehen, um situationsschnell agieren können.

Hier nur ein Beispiel. Die italienische, ungarische und französische Nationalmannschaften haben einen erfolgsorientierten Betreuerstab der seines gleichen sucht.

Hier sind ca. 10 -20 Leute rund um das Team in speziellen Funktionen bis hin zum Verpflegungspersonal tätig, so das die Angler sich auf das wesentliche, sprich das Angeln konzentrieren können.

Alleine durch diese Tatsache, dass wir mit wenigen finanziellen und technischen Mitteln so einen Erfolg hatten, spricht für die Klasse unserer Angler, auf die ich wirklich stolz bin.

Dass sich im champions-team wirklich die Besten der Besten treffen, merkt man auch an der langjährigen Leistungsbereitschaft einzelner Teammitglieder.

Man kann zum Beispiel bei Christian Panno, Marco Beck, Ralf Herdlitschke, Stefan Posselt, Günter Horler oder Peter Schürer fast schon von Teamveteranen sprechen. Sie zeigen jedes Jahr immer wieder, dass die frisch eingeladenen und sehr hoch motivierten Angler gegen diese "alten" Teammitglieder es sehr schwer haben.

Ich bemerke aber auch im Team ein immer stärkeres Zusammengehörigkeitgefühl, das war früher leider nicht immer so.

Jetzt wird sich mehr untereinander geholfen und man ist offener zueinander. Ich glaube auch, dass dies ein wichtiger Baustein und wesentlicher Schlüssel zu den Erfolgen in den letzten Jahren gewesen ist.

CT:

In den vergangenen Jahren war ja Günter Horler der dominierende Angler im champions-team. Aber gerade in letzter Zeit konnten wir beobachten, dass die Angler aus dem Berliner Raum zunehmend auf dem Vormarsch sind. Woran liegt das, oder deuten wir hier die Zeichen der Zeit falsch?

Peter:

Nein, da habt ihr schon Recht. Günter hat sehr lange souverän das Team dominiert. Wir haben es aber geschafft, sein Wissen und Können und letztendlich auch seine Erfahrung, den anderen Anglern im Team gut zu vermitteln. Das ist ja auch der Trend den ich ansprach, es ist alles offener und freundschaftlicher geworden. Man redet mehr untereinander und arbeitet miteinander und nicht gegeneinander !

Dazu kommt sicher auch, das sich um Marko Beck und Ralf Herdlitschke auch ein fester Kreis von guten Anglern gebildet hat, der viel von den Beiden profitiert.

Allein und ohne entsprechendes Umfeld kann sich niemand im champions-team etablieren, das müssen leider immer wieder einige Neuankömmlinge im Rahmen der Sichtungsangeln erfahren. Ich kann nur jedem raten auf die Teammitglieder zuzugehen und mit ihnen zu sprechen – es wird hier keiner ausgegrenzt oder wie ein stiefmütterlich behandelt!

CT:

Was macht einen guten Angler aus, worin unterscheiden sich die champions-team Mitglieder von den tausend anderen ambitionierten Friedfischanglern?

Peter:

Sicherlich zuerst im Engagement, denn es gehört sehr viel Zeit und Kraft dazu, um auf dieser Ebene über Jahre mitzufischen.

Neben dem nötigen finanziellen Spielraum braucht man auch ein hohes Kontingent an Freizeit und natürlich Fitness. Der unbedingte Wille es sehr weit zu bringen muss vorhanden sein.

Leider sind diese Vorrausetzungen in dieser Zusammensetzung nicht oft vorhanden. Wer verdient schon gutes Geld und hat nebenbei jede Menge frei verfügbare Zeit?

So haben sich in den letzten Jahren etliche gute Teammitglieder, wie z.B. Steffen Perk , Michael Diener und Andre Hasselwander freiwillig aus dem Team verabschiedet, da sie einfach aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen andere Prioritäten setzten mussten.

Ich finde solche Entschlüsse immer sehr ehrlich, jeder von uns weiß sehr gut, wie schnell es familiär mal aus dem Ruder laufen kann, wenn man nur noch angeln geht!

Eine ganz wichtige Eigenschaft ist die Teamfähigkeit! Das war in den letzten Jahren oft der Knackpunkt, an denen sich auch sehr gute Teammitglieder messen lassen mussten.

Da hat sich aber menschlich in den letzten 2 Jahren sehr viel bewegt, es nutzt uns kein noch so guter Angler etwas, wenn er am Ende sein Wissen und Können dem Team vorenthält und es im internationalen Maßstab zu Querelen im Team kommt. Dazu zählen auch negative Äußerungen von Teammitgliedern über das Team selbst in der Öffentlichkeit. Ich möchte niemanden einen Maulkorb verpassen, aber eventuelle Probleme müssen zuerst im Team geklärt werden und nicht über die Presse.

So wie es in jeder anderen Sportart auch mit Erfolg gehandhabt wird. Soviel Ehrlichkeit verlange ich von jedem Angler, wenn er dazu nicht fähig ist, hat er im Team auch nichts zu suchen.

Ich bin nicht bereit Egomanen zur WM oder EM zu nominieren, es ist ein Teamwettkampf, an dem auch nur ein Team teilnehmen kann.

Ich möchte hier auch einmal ganz besonders betonen:

Wir vertreten als champions-team auf internationalen Veranstaltungen die Deutschen Angler und haben hier auch eine gewisse Vorbildfunktion und sind somit auch gleichzeitig das Aushängeschild in Sachen Angelsport für Deutschland.

CT:

Alle Angler des champions-teams werden ja von Firmen unterstützt. Gibt es da nicht oft Befindlichkeiten gegeneinander?

Peter:

Nein eigentlich nicht! Natürlich ist jedes Teammitglied von den Produkten seiner unterstützenden Firma überzeugt, steckt doch oft gerade in Futtermischungen oder anderen neuen Produkten das Know-how des Teamanglers, hier spiegelt sich seine Einstellung und sein Wissen wieder. Das champions-team wird übrigens offiziell unterstützt von Mosella, Sensas und Rive – Ihnen hier nochmals herzlichen Dank für die tatkräftige Unterstützung.

Ich möchte hier nochmals betonen, dass für mich als Trainer die Farbe für die ein Angler fischt keinen Unterschied macht, für mich zählt nur das, was in der „Jacke“ steckt, sprich Leistung und Teamfähigkeit.

CT:

Wie sind Deine Erwartungen an die EM in Frankreich und an die WM in Portugal?

Peter:

Für die EM in Frankreich zähle ich unser Team anhand der zu erwartenden Angeltechnik und Fischarten zu den Top Five!

Die Teamaufstellung für beide Veranstaltungen steht natürlich noch nicht, aber ich hoffe schon, dass unsere versierten Mückenangler hier zum Zuge kommen und sich ganz vorn platzieren.

Wir sind schon seid vergangenem Jahr in der Vorbereitung dieser EM, über Thomas Engert haben wir da auch die beste Connection nach Frankreich.

Portugal 2006, Weltangelspiele, ein wahnsinniges logistisches Unternehmen, ich bin gespannt wie das die Portugiesen lösen werden. Natürlich haben wir Teamangler, die gerade in Portugal schon sehr viel Erfahrung gesammelt haben, aber hier dürfen wir die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, da durch die Entfernung ein sehr hoher finanzieller Aufwand gegen eine Topbetreuung spricht und die zu beangelnden Fischarten wie Boga und Meeräsche für unsere Teamangler eine besondere Herausforderung darstellen.

Ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, dass ein großer Teil der Kosten für solche Veranstaltungen durch die Teilnehmer selbst getragen wird.

Ich verspreche, dass wir euch natürlich wie auch 2005, mit schnellen Informationen aus erster Hand von diesen Events versorgen.

Neben Bildern und Texten werden wir es auch einmal mit einer DVD für die interessierten Angler in Deutschland versuchen. Doch dazu später hier mehr!

CT:

Gibt es Ambitionen Michael Schlögl wieder für das champions-team zu motivieren? Für viele Angler ist ja Michael einer der besten Angler in Deutschland!

Peter:

Ja, das ist richtig und wir alle profitieren sicher von Michaels Wissen, Können und seinen internationalen Kontakten. Da ich persönlich seit Jahren einen guten Kontakt zu Michael habe und ich natürlich mit ihm auch über dieses Thema schon öfters gesprochen habe, kann ich hier sagen, dass im Moment für Michael nur das Team Mosella im Vordergrund steht und wir mit einer Rückkehr ins champions-team im Moment nicht rechnen können. Aber die Tore ins champions-team stehen ja für jeden offen.

CT:

Vom 21. – 23.4.2006 findet ja wieder im Raum Berlin ein Sichtungsangeln statt.

Peter:

Stimmt!

Ich möchte hier auch die Gelegenheit nutzen alle interessierten Angler zum zuschauen einzuladen! Den genauen Terminplan und Ort könnt ihr kurzfristig unter www.champuions-team.de erfahren. Ich möchte nur darum bitten, die Fahrzeuge nur an den geeigneten Orten abzustellen und natürlich die Absperrungen zu beachten!

CT:

Sicherlich kritisch ist zu sehen, dass die Sichtungsangeln der letzen Zeit häufig im Berliner Raum stattfinden. Sicherlich ein Vorteil für die Berliner und ein Nachteil für alle auswärtigen in Bezug auf Gewässerkenntnis, Logistik und natürlich auch Kosten. Gibt es Bestrebungen auch wieder in anderen Bundesländern zu angeln und woran liegt es, dass häufig in den Berliner Kanälen gefischt wird?

Peter:

Das finde ich nicht! Mein Bestreben ist es, dass unser Team noch flexibler in den Angeltechniken und den international hohen Ansprüchen gerecht wird. Die Voraussetzungen dafür finden wir im Moment nur an den Kanälen im Raum um Berlin. Vor allem im Frühjahr ist es schwierig geeignete Gewässer zu finden, die den Ansprüchen eines Sichtungsangelns gerecht werden.

Dazu kommt, es ist natürlich einfacher 4 Angler aus dem Saarland nach Berlin reisen zu lassen, als 8 Berliner in das Saarland. Ich habe hier im Berliner und Brandenburger Raum einfach das nötige Hinterland und die entsprechenden Leute die mich bei der Ausrichtung unterstützen. Wichtig ist natürlich auch, dass die rechtliche Lage im Bundesland uns keinen Strich durch die Rechnung macht.

Gute Angler sollten überall klar kommen, egal ob an der Saar oder an der Elbe. Der Vorjahresbeste, Stefan Posselt, ist übrigens durchaus kein Berliner, sondern einfach nur ein sehr guter Angler, der sich optimal und flexibel auf die Gewässer einstellen kann.

Zu den Austragungsgewässern muss ich hier noch einmal betonen, dass wir Gewässer aussuchen, die auch den Berlinern eigentlich fremd sind, so das wir hier nicht unbedingt von Heimvorteil sprechen können.

CT:

Es war bereits zu hören, dass es Überlegungen gibt, zum Sichtungsangeln des champions-teams im Herbst 2006 10 Newcomer einzuladen. Kannst du uns dazu schon genaueres sagen.

Peter:

In den letzten Jahren habe ich aus Sicht der Angler viele positive Veränderungen ins champions-team gebracht und so soll es auch weiterhin bleiben. Wir überlegen logischerweise immer wieder, wie wir die Arbeit im Team effektiver gestalten und die Topangler um das champions-team noch fester und enger zusammen rücken können. Ich möchte dazu jetzt noch nichts genaueres sagen, aber im Trainerteam wird über so etwas natürlich gesprochen und beraten. Aber für genauere Aussagen ist es jetzt noch etwas zu früh.

CT:

Wie können Angler mit dir in Kontakt treten und Fragen stellen zum Team oder auch zu Produkten der Firma Mosella?

Peter:

Hier bitte ich euch das Stippforum zu nutzen ( Link), hier bin ich regelmäßig Gast und gebe gern und bereitwillig Auskunft über alle Anliegen und Fragen die Euch beschäftigen!

CT:

Stichwort Mosella. Was ist in den nächsten Monaten von Mosella zu erwarten und wie schätzt Du die Lage der Angelindustrie ein?

Peter:

Ich habe mich nicht von ungefähr für die Firma Mosella entschieden, ich sehe hier für die Zukunft ein riesiges Potential an dem ich mitwirken möchte. Die Firmenleitung hat ein zukunftweisendes Konzept erarbeitet und durch den riesigen Firmenneubau den Grundstein für eine sehr erfolgsversprechende Zukunft gelegt. Die Produktangebotspalette der Firma Mosella wird sich enorm erweitern, es werden u.a. neue Futtersorten und Lockstoffe auf den Markt kommen, hier werden wir noch stärker die Erfahrungen der Teamangler wie z.b. eines Ralf Herdlitschke nutzen, um auch die Futtermischungen noch besser den Gewässern in unseren Breiten anzupassen.

Die Firma Mosella wird noch mehr nach dem Prinzip „Produkte vom Angler für Angler“ arbeiten, so dass sich die Angler in der Zukunft auf sehr viele innovative Produkte freuen können. Durch die Konzentration der Topangler in unserem Team können diese Innovationen schneller und besser umgesetzt werden.

Mit der Xedion-Rutenserie haben wir zudem Kopfruten am Markt etabliert, die sicher mit zu dem Besten gehören, was in Deutschland im Rutenbereich angeboten wird. Hier werden wir im Herbst 2006 weitere Entwicklungen präsentiert können.

Offen ist leider auch, wie sich die Preisentwicklung in der Zukunft für hochwertige Carbonruten gestaltet. Auch relativ preisgünstige Standorte außerhalb Europas können nicht mehr mit so günstigen Produktionskosten punkten. Die Preisschraube zieht immer mehr an. Ich denke schon, dass wir uns auf eine Preiserhöhung in diesem Bereich gefasst machen müssen. Im Rollenbereich hat sich die Qualität der aus Fernost kommenden Produkte enorm verbessert, leider sind hier durch Patentrechte für einige Lieferanten Grenzen gesetzt, die eine weitere Qualitätsverbesserung eher hemmen dürften.

CT:

Danke Peter für diese Antworten, wir hoffen dich in Zukunft noch stärker in das Erscheinungsbild von www.champions-team.de einbinden zu können.

Peter:

Gerne und auch Danke an Euch, ich bin immer bereit Rede und Antwort zu stehen. Auch in der Öffentlichkeit kann mich jeder gerne ansprechen und ich werde versuchen, alle Fragen die an mich gerichtet werden zu beantworten.

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