Interview mit Thomas Pruchnowski

  • von Michael Borchers
  • 27. April 2006 um 22:27
  • 0

CT: Hallo Thomas, zu Beginn unseres Gespräches möchten wir Dir zu Deiner hervorragenden Leistung beim Sichtungsangeln am letzten Wochenende gratulieren. Schön, dass Du die Zeit gefunden hast, einige Fragen zum vergangenen Wochenende und zu Deiner anglerischen Zukunft zu beantworten

TP: Hallo an die Leser von www.champions-team.de und Danke für die Glückwünsche.

CT: Thomas, unsere Leser interessiert natürlich, wie Dein Erfolg vom vergangenen Wochenende zu Stande gekommen ist. Wir versuchen Deinen Erfolg mit einigen Fragen zu hinterleuchten und hoffen, dass wir am Ende des Berichtes etwas mehr wissen.

TP: Na, dann legt mal los.

CT: OK, wenn begann für Dich das Training zum Sichtungsangeln?

TP: Ich bin am Karfreitag angereist und habe mir die Durchgänge des champions-teams der Damen angeschaut.

Anmerkung der Redaktion: Den Bericht über die Frauen findet ihr hier: Link

CT: Du hast Dir die Durchgänge der Damen angeschaut?

TP: Ja, natürlich, warum nicht? Unsere Damen sind wirklich exzellente Anglerinnen und ich konnte mir eine Menge aus den Beobachtungen ableiten.

CT: Welche Beobachtungen hast Du bei den Damen machen können?

TP: Nun, zu allererst war die Strecke komplett neu für mich. Sie lässt sich mit der alten Strecke in Brieselang so gut wie gar nicht vergleichen.

CT: Wo liegen denn die Unterschiede zu der Strecke in Brieselang?

TP: Die Strecke vom vergangenen Wochenende ist um einiges breiter als die alte Strecke vom Vorjahr. Während die Strecke letztes Jahr circa 35m breit war, so ist die neue Strecke bis zu 80m breit.

CT: Konntest Du weitere Erkenntnisse gewinnen?

TP: Ja, auf der Strecke in Falkenrehde wurde wesentlich mehr Fisch gefangen. Die Gewichte der Damen gingen bis an die 8000Gramm Marke. Auf den strecken in Brieselang und Alt-Brieselang war man mit der Hälfte schon gut im Rennen.

CT: Wie ging die Vorbereitung dann für Dich weiter?

TP: Ich habe Ostereier mit meinem Sohn gesucht.....

CT: Wie bitte?

TP: Ja, ich bin am Samstag wieder zu meiner Familie gefahren und habe Ostereier mit meinem Sohn gesucht. Ich bin dann am Sonntag wieder in unsere Unterkunft nach Töplitz gefahren und habe meine Vorbereitung fortgesetzt.

CT: Apropos Unterkunft, wohnt eigentlich jedes champions-team Mitglied in einer anderen Unterkunft oder seid ihr zentral organisiert?

TP: Nein, in der Unterkunft haben auch noch Harald Windel, Andreas Diehl, Claus Müller und Günter Horler gewohnt. Zusammen haben wir dann auch unsere Trainingsdurchgänge gefischt und Erfahrungen ausgetauscht.

CT: Obwohl Ihr „eigentlich“ Konkurrenten seid, habt ich eure Erfahrungen aus den Trainingsdurchgängen ausgetauscht?

TP: Ja, um den Heimvorteil der im Berliner Raum ansässigen Angler auszugleichen haben wir zusammen gearbeitet. Man kennt sich schon viele Jahre und man schätzt sich. Allerdings wird sicherlich jeder Angler sein kleines Geheimnis für sich behalten haben.

CT: Wie sahen die Trainingsdurchgänge aus? Gab es Probleme mit Ukeleis, die am Havelkanal ja oft in ungeheuren Massen auftreten?

TP: In den Trainingsdurchgängen erkannten wir schnell, dass die Fische hier eine komplett andere Köderpräsentation wollten. Während man an den Brieselanger Strecken mit Posen zwischen 0,5 Gramm bis 1 Gramm angelt und den Köder durch Bleischrote der Größe 12-13 langsam absinken lässt und dazu bündig zum Grund angelt, wollten die Fische in Falkenrehde eine komplett andere Köderpräsentation.

CT: Beschreibe uns doch bitte kurz die Montage die Dir zum Erfolg verhalf.

TP: Ich habe mit Posen zwischen 2 Gramm und 3 Gramm, geangelt, also wesentlich schwerer als ich es sonst am Havelkanal gewohnt war. Die Montagen wurde mit einer Torpille und einer Punktbebleiung austariert, hinzu kamen 3 10er Schrote die ebenfalls als Bulk zusammen geschoben wurden. Diese 10er Bebleiung war circa 20cm von der Hauptbebleiung angebracht und schwebt 1 cm über Grund. Das 20er Vorfach wurde komplett aufgelegt.

CT: Wer den Havelkanal bei Brieselang kennt, der kann sich kaum vorstellen, das eine solche Montage erfolgreich sein kann...

TP: Kann ich mir vorstellen, aber es galt kleine Brassen zu fangen, und die Brassen wollten diese Montage und die damit verbundene ruhige Köderpräsentation.

CT: Der Havelkanal gilt als klassisches Mückengewässer, waren die Mückenlarven wieder Trumpf?

TP: Ja, das waren sie, allerdings wurde mit 4-5 Mücken als Hakenköder gefischt, also einem ziemlich großen Köder

CT: Das Thema Mückenlarven ist seit dem Aufritt von Ralf „Ernie“ Herdlitschke auf der Stippermesse in aller Munde. Wo hast Du deine Mücken bestellt?

TP: Ich habe alle meine Mückenlarven bei Ralf bestellt, ich tue das, weil ich weiß, dass ich dort immer Top Ware bekomme. Ich kann allen Lesern die Mückenlarven von Ralf nur wärmstens ans Herz legen.

CT: Welchen Eindruck hattest Du in Bezug auf die Ausgeglichenheit der Strecke?

TP: Die Strecke machte einen sehr fairen Eindruck, es schien zwar einige Plätze zu geben, die von der Fischen bevorzugt wurden, doch alles in allem ist es eine sehr faire Strecke.

CT: Welche Erfahrung konntest Du noch aus dem Training mitnehmen?

TP: Eine vollkommen neue Erkenntnis, und die habe ich Ralf Herdlitschke zu verdanken. Ralf hat mir vor den Durchgängen einen, für mich vollkommen neuen Tipp zum Färben des Futters gegeben. Die Brassen im Havelkanal stehen beim Fressen gerne in einer Wolke, das typische Wolkenfutter lockt aber Unmengen von Ukeleis an, da es beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche eine riesige Wolke gibt. Diesen Effekt möchte man natürlich umgehen, und dafür hat Ralf mir einen tollen Tip gegeben.

CT: Ein Konkurrent in Bezug auf das Sichtungsfischen gibt Dir einen Tip, ich bin überrascht. Aber erzähl weiter...

TP: Nachdem das Futter für das Angeln vorbereitet wurde, haben wir es mit schwarzer Farbe abgedunkelt. Das Futter hat die Farbe angenommen und wurde schwarz. Eine Stunde vor dem Angeln, und jetzt kommen wir zu Ernies Tip, habe ich rote Farbe zu dem bereits abgedunkelten Futter hinzu gegeben.

CT: Welche Auswirkungen hatte das Zugeben der roten Farbe?

TP: Durch die späte Zugabe der roten Farbe auf das vorher geschwärzte Futter gab es beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche keine rote Wolke. Ich kann Euch nicht sagen warum dies so ist, aber die rote Wolke wurde erst am Grund freigesetzt und hat dort ihre Wirkung auf die Brassen gezeigt. Dazu hatte das Färben mit schwarzer und roter Farbe noch den erfreulichen Nebeneffekt, dass die entstandene Mischfarbe einen tief dunklen Rotton hatte den die Fische sehr gut annahmen.

CT: Wo wir beim Thema Futter sind, wie sah Deine Futtermischung für die Durchgänge aus? Hast Du unterschiedliche Futtersorten angerührt?

TP: Mein Futter für jegliche Durchgänge sah wie folgt aus:

2 Kilo Mondial Nullens Etang
1 Kilo Mondial Etang braun
50 Gramm Lebkuchengewürz

Dieses Futter habe ich vor dem Anfeuchten mit einem 2mm Sieb gesiebt, um die groben Partikel auszufiltern und damit den Nährwert zu verringern. Außerdem habe ich durch das Sieben die aktiven Partikel entfernt, um so die Ukeleis nicht an den Futterplatz zu locken.

Nachdem die Futtermischung angefeuchtet war, habe ich sie mit 6 Kilogramm schwerer gesiebter Mondial Flußerde vermischt und das entstandene Gemisch mit schwarzer Farbe abgedunkelt. 1 Stunde vor dem Angeln wurden dann noch 50 Gramm rote Farbe zum Futter hinzu gegeben.

Dieses Futter habe ich sowohl für die Kopfrute als auch für die Matchrute gefüttert. Pro Durchgang habe ich habe ich dem Futter noch 200 Gramm kleine Mücken beigemischt. Diese Futtermischung, ungefähr 16 Liter, habe ich allerdings nie komplett aufgebraucht.

CT: Kommen wir zu dem eigentlichen Fischen während der Durchgänge. Wie gestalteten sich für Dich die ersten Durchgänge?

TP: Der erste Durchgang lief für mich nicht so gut: Claus Müller saß neben mir und hat deutlich mehr Fisch gefangen. Da fühlt sich dann kein Angler so wohl.

CT: Wie konntest Du dieses Problem abschalten, denn die nächsten Durchgänge liefen dann ja wieder sehr gut für Dich?

TP: Ich habe heraus gefunden, das die Fische von draussen auf die Futterplätze kamen, im ersten Durchgang habe ich ohne Mini Extension gefischt und somit nur auf 12,50m. Ab dem zweiten Durchgang habe ich mit dem Mini Extension gefischt und kam so auf 13m und damit schneller an den Fisch.

CT: Das war schon der Schlüssel zum Erfolg?

TP: Nein, nicht ganz. Gegen Ende des ersten Durchgangs habe ich herausgefunden, dass die Fische sehr gut auf das Cuppen von großen Mückenlarven und geschnittenen Würmern reagieren. Diese Taktik habe ich dann mit Erfolg in den nächsten Durchgängen praktiziert. Im Durchgang 6 saß ich auf der Platznummer 1, eigentlich ein guter Platz, aber ich kam nicht an die großen Fische. Ich probierte aus die Menge angeschnitten Würmern zu erhöhen und prompt stellten sich die Brassen bei mir ein. Leider ging mein Wurmvorrat gegen Ende des Fischens zu Ende, so dass ich diesen Durchgang nur als 2. beenden konnte.

CT: Der Durchgang Nummer 5 wurde ausschließlich mit der Matchrute gefischt, wie kam diese Entscheidung bei den Mitgliedern an?

TP: Eigentlich sehr positiv. Da die Matchrute bei internationalen Wettkämpfen eine immer größere Rolle spielt, ist es gut zu überprüfen, ob die champions-team Mitglieder diese Angelart beherrschen. Ursprünglich sollte noch ein zweiter Durchgang mit der Matchrute gefischt werden, da aber einige auch in den freien Durchgängen mit der Matchrute gefischt haben, wurde auf einen zweiten Durchgang verzichtet.

CT: Wo Du einzelne Angelarten ansprichst. Während Eurer letzten Durchgänge im Herbst spielten die „kurzen“ Bahnen auf 3m, 5m und 7m eine wichtige Rolle. Wie sah es dieses Mal auf diesen Spuren aus?

TP: Die kurzen Bahnen spielten in den Durchgängen gar keine Rolle. Die Kopfrute war die bevorzugte Angelmethode, außerdem kam die Matchrute zum Einsatz.

CT: Welche Änderungen mußtest Du während der Durchgänge vornehmen?

TP: Wenige, nachdem ich die oben beschriebenen Probleme abgestellt habe, konnte ich meinen Stil durchfischen. Ich persönlich halte nichts von zu vielen Experimenten während solch wichtiger Durchgänge. Noch dazu hatte nach dem dritten Durchgang ein gutes Gefühl was mir zusätzliche Sicherheit gegeben hat.

CT: Ab wann hattest Du da Gefühl, das es für Dich zum Gesamtsieg reichen könnte?

TP: Eigentlich gar nicht, Günter Horler hatte einen sehr beruhigenden Vorsprung, ich hätte nicht gedacht, dass es für mich noch reichen würde.

CT: Dieses Jahr stehen die WM in Portugal und die EM in Frankreich an, bei welchem Ereignis wirst Du vertreten sein?

TP: Wahrscheinlich in Frankreich. Diese EM könnte uns liegen, da es dort wohl auf große Brassen gehen wird und der Wurm als Köder eine entscheidende Rolle spielen kann. Wir hoffen dort auf ein gutes Mannschaftsergebnis und sind guter Dinge dieses auch zu erreichen. Zu dem Gewässer in Portugal gibt es nur sehr vage Informationen, der zu befischende Kanal ist erst ein Jahr alt und es gibt dort noch keinen natürlichen Fischbestand, so dass es eine Reise ins Ungewisse wird.

CT: Kommen wir noch mal zurück zum Sichtungsfischen, was war für Dich die größte Überraschung?

TP: Mich hat das schlechte Abschneiden von Harald überrascht. In den Trainingsdurchgängen ist Harald mit dem Gewässer eigentlich sehr gut zu Recht gekommen. Das schlechte Abschneiden während der Durchgänge kann sich keiner von uns erklären.

CT: Thomas, Danke für dieses ausführliche Gespräch. Das Team der CT Seite wünscht Dir und dem restlichen Champions Team für die Saison viel Glück und möglichst einen Podiumsplatz in Frankreich.

Mit Thomas Pruchnowski sprach Michael Borchers

Auch Deine Meinung ist gefragt!
0 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren