Interview mit dem dreifachen Weltmeister Wolf Rüdiger Kremkus

  • von Michael Borchers
  • 27. März 2007 um 11:37
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Würde man alle Angler nach dem bekanntesten Stipper in Deutschland fragen, so würde Wolf Rüdiger Kremkus immer noch der meistgenannte sein. Der dreifache Weltmeister aus Nordhorn hat auch in den vergangenen Jahren kaum an Popularität eingebüsst, da er immer wieder am Wasser, durchaus auch außerhalb des Stippfischens, anzutreffen ist, seine Fachbeiträge nach wie vor sehr geschätzt sind und er einfach ein sympathischer, offener Angelkumpel ist, der bei jedem Auftritt begeistert.
Der Altmeister, der Weltmeister, der international sicherlich erfolgreichste deutsche Angler hat uns auf der Stippermesse in Bremen Rede und Antwort gestanden.

                         
                        Wolf Rüdiger Kremkus
ct:

Hallo Wolf Rüdiger, schön Dich hier zu sehen. Bist Du ständiger Gast auf der Stippermesse, oder zum ersten Mal auf diesem Event?

WRK:

Nein, in den letzten Jahren habe ich mit keinem Lieferanten zusammengearbeitet und bin daher nicht auf Messen gewesen. Seit meiner Zusammenarbeit mit Sensas bin ich letztes Jahr auf der ANSPO gewesen und nun auch zum ersten Mal auf der Stippermesse.

ct:

Wir nehmen an, dass Du den Gerätesektor, die Entwicklungen natürlich trotzdem verfolgst. Wo siehst Du die Innovationen in diesem Jahr?

WRK:

Ich sehe keinen großen Spielraum für weitere Innovationen, die technische Entwicklung der Ruten ist abgeschlossen. Eine Veränderung sehe ich in der Verlagerung der Produktion aus Europa nach Asien. Diese Entwicklung trägt den steigenden Kohlefaserpreisen Rechnung, ohne diese Auslagerung wären die Ruten preislich kaum erschwinglich.

ct:

Welche der heute aktuellen Produkte hättest Du zu Deiner aktivsten Zeit gerne im Futteral gehabt?

WRK:

Die heutigen 13m Kopfruten sind schon eine Klasse für sich. Diese Ruten hätten wir damals gerne zur Verfügung gehabt. Generell spielen alle heutigen Rutenmodelle in einer anderen Liga als die damaligen Geräte. Wir haben damals mit 9 Meter langen Glasfaserruten gefischt und auch die waren einmal etwas besonderes und eine ganz schöne Quälerei.

ct:

Wo sind für Dich die größten Unterschiede zwischen den 80igern und heute?

WRK:

Als aller erstes haben sich die Fischbestände in unseren Gewässern verändert bzw. verringert. Seit dem Einbau der 4. Klärstufe gelangen viel weniger organische Abfälle in unsere Gewässer. Diese organischen Abfälle waren aber der Nährboden für eine sehr ergiebige Nahrungskette. Als bestes Beispiel können wir den Rückgang der Mückenlarven in unseren Gewässern nennen. Mückenlarven ernähren sich ausschließlich von organischen Abfällen, bleiben diese aus, so verschwindet die Population der Mückenlarven sehr schnell. Früher habe ich in einem kleinen Bach in der Nähe meines Hauses innerhalb einer Stunde bis zu 15 Liter Mückenlarven gefangen, heute gibt es dort keine nennenswerte Population mehr. Früher war Deutschland ein „Mückenland“, wir waren im Umgang mit den Mückenlarven sehr versiert und in Europa führend. So haben wir z.B. Die Holländer mit deutschen Mückenlarven versorgt.

Generell war der Kontakt zu den Holländern damals sehr gut. Wir haben damals viele Veranstaltungen mit ihnen gefischt, sowohl die Holländer bei uns, als auch wir bei ihnen. Als wir das erste Mal in Holland gewonnen haben, da war das schon eine kleine Sensation und für uns eine Riesensache. Weitere Erfolge sollten dann ja noch folgen ...

ct:

Wie würde „Deine“ Mannschaft aus den Weltmeisterjahren in heutigen Vergleichen abschneiden, vorausgesetzt, dass Ihr aktuelles Gerät zur Verfügung hättet?

WRK:

Sicherlich wären wir absolut konkurrenzfähig und würden vorne mitfischen. Wir waren alles angelverrückte und haben jede freie Minute am Wasser verbracht.

ct:

Was war das Geheimnis Eueres damaligen Erfolges?

WRK:

Ich denke den kann man grob gesagt an drei Punkten festmachen

–    Technik
–    Instinkt
–    gutes Futter

Technik:

Wir waren oft am Wasser und haben miteinander auf hohem Niveau trainiert. Dieses hohe Niveau verfeinerte auch unsere Technik. So bin ich z.B. „beidhändig“, ich kann sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand Füttern und Fischen, und das mit beiden Händen gleich präzise.

Instinkt:

Instinkt spielt eine wichtige Rolle bei einem erfolgreichen Angler. Ein guter Angler kann ein Wasser lesen und spüren, was unter Wasser vor sich geht. Trainieren kann man seinen Instinkt nicht, lediglich das Fischen im Training und bei Veranstaltungen kann den Instinkt durch Erfahrung ergänzen und verbessern.

Gutes Futter:

Auf gutes Futter lege ich sehr großen Wert. Gutes Futter bedeutet für mich vor allem frisches Futter. Ich habe oft das Futter für die ganze Mannschaft gemischt und dabei auf hochwertige Zutaten großen Wert gelegt. Ich schmeckte alle Zutaten ab, schmeckten die Mehle ranzig oder schimmelig, so habe ich diese nicht verwendet. Schimmeliges Futter ist für die Fische toxisch und lässt sie vom Angelplatz flüchten. Bedingt durch diesen Fakt haben für mich erstklassige Zutaten oberste Priorität.

ct:

Dein Ausrüster ist mittlerweile die Firma Sensas. Welchem Team gehörst Du an und auf welchen Veranstaltungen werden wir Dich sehen?

WRK:

Ja, ich fische für Sensas, und das zusammen mit meinem alten Team aus Nordhorn. Dieses Jahr werde ich den Colmic Cup (Berlin), den Faps Cup (Holland) und den Tubertini Cup in Cheb fischen. Sicherlich wird man mich auch auf den ein oder anderen kleineren Veranstaltungen sehen, geplant ist aber noch nichts weiter.

ct:

Fischt Du weiterhin Dein Futter welches unter dem Namen „Mein Futter“ bekannt ist?

WRK:

Ja, ich mische aber auch noch einen großen Teil meines Futters selber und kaufe einige weitere Produkte der Firma Sensas hinzu.

ct:

Führe bitte den Satz fort: In ein gutes Brassenfutter gehört.....

WRK:

… gutes Paniermehl, gutes Bisquitmehl und Gewürze (vor allem Zimt, Koriander und gute Vanille)

ct:

Wie informierst Du dich über die Angelszene? Schaust Du im Internet oder im liest Du Zeitschriften?

WRK:

Ich bin nicht wirklich gut informiert, ich lese ab und zu den Blinker, einen Internetzugang habe ich nicht.

ct:

Welches sind für Dich die drei besten Angler bzw. waren für Dich in Deiner Laufbahn die besten Angler?

WRK:

Da ich mich vor allen in den 80igern gut auskenne nenne ich Euch meine drei Favoriten aus dieser Zeit

Trabucco, Marks, Heaps


Wolf Rüdiger, wir sagen vielen Dank und wünschen Dir weiterhin alles Gute, Gesundheit und viel Erfolg am Wasser.



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