Interview mit Michael Schlögl

  • von ct Redaktion
  • 04. April 2007 um 14:28
  • 0
Nachgefragt bei Michael Schlögl

Michael Schlögl gehört seit mehr als 20 Jahren zu den prägenden Personen im Bereich der modernen Friedfischangelei. Zahlreiche nationale und internationale Erfolge begleiten seine anglerische Laufbahn. In seiner Angelschule begeistert er jedes Jahr mehrere hundert Angler für das Stippfischen mit den Geräten und Methoden des modernen Stippfischens. Michaels Name steht auch für zahlreiche Innovationen und zukünftige Entwicklungen. Wir haben uns mit ihm auf der Stippermesse in Bremen über seine persönliche Zukunft und die Zukunft des Stippfischens unterhalten.


Ct:

Hallo Michael,

wir haben vorhin mit dem Altmeister Wolf-Rüdiger Kremkus gesprochen und ein bisschen in Erinnerungen geschwelgt, jetzt aber zur Gegenwart und zu zukünftigen Entwicklung der modernen Friedfischangelei.

Wo befinden wir uns Deiner Meinung nach im Moment? Boomt das Stippen, befinden wir uns noch im Wachstum oder erleben wir bereits eine rückläufige Entwicklung bzw. Stagnation?

Michael:

Ich denke, speziell in den Angelarten Stippen, Matchen und Bolo ist eine Stagnation zu erkennen. Da ich rund um das Jahr in ganz Deutschland mit Ausnahme des Ostens präsent bin, sehe ich bei offenen Hegeveranstaltungen überwiegend die gleichen Angler, die auch weite Wege nicht scheuen. Das eine Jahr laufen sie in der Kleidung des Sponsors X, die nächste Saisoninder Kleidung der Sponsors Y herum. Es gibt natürlich auch treue Verbundenheit mit den Firmen, aber neue Gesichter sieht man kaum. Das liegt sicherlich auch daran, dass sie tiefer in die Tasche greifen müssen als gesponserte Angler und das machen demnach nicht viele Neuangler mit. Die Rechtslage im Westen und die Schwierigkeit mit den Erfolgen der Anglertreffs zu werben erschweren dies. Die Zukunft sieht somit nicht unbedingt positiv aus.

Ct:

Was fehlt, ist sicherlich der Nachwuchs. Wie können wir die Jugend mehr begeistern, wie können wir ihr Interesse für die Stipperei wecken?

Michael:

Ich persönlich führe ein Demofischen einmal im Jahr gratis in einer bestimmten Region durch. Letztes Jahr war der Mittelandkanal an der Reihe, dieses Jahr findet es am 26. Mai 2007 in Trebur am Oberwiesensee statt. Nähere Infos gibt es bereits auf www.michaelschloegl.de. Letztes Jahr kamen ca. 100 Jugendliche zu der Vorführung und anschließend gab es noch ein Jugendhegefischen an gleicher Stelle. Das kam sehr gut an. Darüber hinaus muss ich aber als selbständiger Unternehmer mit meinen Kursen letztendlich Geld verdienen, so dass dies mein kostenfreier Beitrag zur Förderung der jugendlichen Angler ist. Die Jugendlichen können natürlich auch gerne bei den Erwachsenenkursen teilnehmen, wobei ich ihnen finanziell mit 10 € Ersparnis gegenüber dem regulären Seminarpreis entgegenkomme. Auch spezielle Kurse nur für Jugendliche kann ich anbieten. Die Jugendwarte der Vereine können jederzeit an mich herantreten und die Ferienzeit bietet sich hierfür sehr gut an. Der Vorteil ist, dass ichvor Ort zu den Vereinen fahre. Den einen oder anderen Jugendliche habe ich so schon begeistern können und manchmal sehe ich sie auf offenen Hegefischen wieder, was mich natürlich sehr freut
.


Ct:

Dein Name steht für einige Innovationen und kaum ein Stipper hat in seiner Ausrüstung keine Produkte aus Deiner Kollektion. Wie schwierig ist es, jedes Jahr neue, interessante Produkte zu entwickeln und wie steht es mit der Produktpiraterie?

Michael:

Da ich in meiner Person ein hundertprozentiger bin und nichts dem Zufall überlasse, mache ich mir natürlich immer wieder Gedanken, was man entwickeln oder verbessern kann. Die Innovationen stammenmeist aus der Praxis und meinen guten internationalen Kontakten mit erfahrenen Spitzenanglern aus den führenden europäischen Ländern. So habe ich den letzten Jahren einige clevere Artikel auf dem Markt gebracht. Die Herstellung ist „Made in Germany“, d.h. ich muss natürlich für einen höheren Preis einkaufen als die Fernostanbieter. Ich lege sehr viel Wert auf Qualität und Funktionalität. Aber wie der eine oder andere bereits gesehen hat, bin ich im folgenden Jahr schon nicht mehr der alleinige Anbieter. Viele Trittbrettfahrer schließen sich an und kopieren meine Ideen oder bieten ein ähnliches Produkt unter ihrem Namen an. Die Angler vergessen aber zum Teil, dass es doch noch Qualitätsunterschiede unter den kopierten Produkten gibt. C’est la vie, damit muss ich leben. Innovative Produkte zu entwickeln wird natürlich Jahr für Jahr immer schwieriger.

Von der FirmaMosella wird es unter meinen Namen ab 2008 einige interessante Produkte zu erwerben geben. Nur ausgewählte Artikel, die ich für gut befunden habe und mit denen ich mich identifizieren kann werden in die Auswahl kommen. Sowohl im Feederbereich als auch im Stippbereich wird sich dort einiges tun.

Ct:

Als ein Trend der letzten Zeit, erkennen wir immer mehr die Feederangelei. Auch Du hast hier in der Vergangenheit sicherlich einen persönlichen Schwerpunkt gesetzt und zusammen mit der Firma Mosella einige Feeder-Tandem Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Warum ist Feedern auf einmal so angesagt? Insbesondere die Firmen müssten doch ein Interesse daran haben, geräte- und futterlastigere Angelarten zu fördern?

Michael:

Bei uns boomt die Federangelei. Innerhalb einiger Tage sind Koppelfischen mit 100 Tandems restlos ausgebucht. Das zeigt, was sich hier abspielt und wie groß das Interesse ist. Als Angellehrer muss ich hier natürlich nachziehen und am Ball sein. Einige Erfolge in den Niederlanden und der Gewinn des Mosella Feederfinales 2006 unterstreichen dies. Ich hoffe, dass in dieser Sparte auch einmal eine WM ausgetragen wird. Ich würde es unterstützen. Auch ältere Leute konnte ich durch meine Feederkurse wieder für die Friedfischangelei begeistern. Wenn man Hegefischen durchführt, sollte man jedoch nur die Feederrute oder die tragende Pose zulassen. Alle Angelarten frei zu geben kommt nicht so gut an. Vorteil: Die Kosten pro Angler und auch im Tandem sind wesentlich geringer und man kann teilweise sogar noch mehr fangen als mit der Pose. Das sind die wesentlichen Vorteile, warum es bei uns so stark angenommen wird.

Ct:

Persönlich hast Du und das Mosella Team seit zwei Jahren an keiner Club WM mehr teilgenommen, letztes Jahr wurde sogar der Anglertreff verpasst. Das kann passieren, doch es stellt sich die Frage, wie es weitergeht mit dem Mosella Team, denn nichts begeistert mehr als der Erfolg.

Michael:

Das weiß ich natürlich auch nicht. Wir werden uns in diesem Jahr jedenfalls Mühe geben. Allerdings wurde es uns in den letzten 3 Jahren mit dem Austragungsort sehr schwer gemacht. Früher war es gerechter und ich kann mich noch an die Worte erinnern als es hieß: „Ein Jahr wird im Westen gefischt das andere Jahr im Osten.“ Ähnlich war es damals bei den Vdsf –Kaderfischen; 4 Fischen im Norden sowie 4 im Süden. Die weitangereisten Angler haben nicht so viel Geld und Zeit mal ca. 1.200 km zu fahren um dort kurz trainieren zu gehen. Die Zeiten sind vorbei. Ich kenne mittlerweile sehr viele Angler, die das zu Recht nicht mehr einsehen. Hinzu kommt noch der Kauf von Mückenlarven und weiteren Ködern, Übernachtung und Startgebühr. Da kann man mit der Family auch ohne Probleme in den Urlaub fahren, wenn man alle Kosten addiert. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ferner darf man noch nicht einmal Werbung machen, sofern man beim Anglertreff ganz vorne ist. Diese Aspektemotivieren einen also nicht unbedingt. Man kann nichts dabei ernten.

Ct:

Sicherlich richtig und auch problematisch, doch wie können Lösungen aussehen? In den letzten Jahren hat sich bei der Veranstaltungsvergabe der Anglertreffs kein Landesverband in den Vordergrund gedrängt, so dass sich im Endeffekt ein Verband aus den neuen Bundesländern zur Verfügung gestellt hat. Jedes Jahr das gleiche Problem. Jeder könnte ausrichten, doch wenn es konkret wird, gehen insbesondere die Köpfe der Vertreter der Westverbände nach unten. Einzig Herry Panno im Saarland stellt dort regelmäßig einen schönen Anglertreff auf die Beine.
Müssen sich alle, die mit der Situation unzufrieden sind, nicht an die eigene Nase fassen?

Michael:

Da habt ihr recht. Solange es keine anderen Ausrichter gibt, gibt es keine Alternativen. Das macht das ganze in der Sache aber leider uninteressanter für weit angereiste Angler. Man muss auch noch bedenken, dass gerade bei den Hegestrecken der Anglertreffs Monate vorher extra offene Veranstaltungen bzw. Bundeslandtreffs organisiert werden, um die Strecke kennenzulernen. Der Heimvorteil ist somit noch ausgeprägter, da dort vermehrt die Angler fischen, die die kürzeren Wege haben

Ct:

Die Mitglieder des Teams Mosella Germany kommen aus den unterschiedlichsten Ecken in Deutschland. Günter Horler aus Offenbach, Harald Windel aus Bremen, Burkhart Heil aus Karlsruhe, usw. Alle unter einen Hut zu bekommen bedarf es Zeit und guter Kommunikation. Wie nachteilig siehst Du die Entfernungen der Teammitglieder untereinander?

Michael:

Das ist das kleinste Problem. Die Mannschaftsmitglieder Andre Hasselwander, Vincenzo Natale, Michael Schlögl, Michael Diener und Günter Horler wohnen voneinander nur 20 Minuten Fahrtzeit entfernt. Die beiden auswärtigen Teammitglieder Burkhart und Harald scheuen sowieso keine weiten Wegstrecken. Ich kenne andere Teams, die wesentlich weitere Entfernungen zu bewerkstelligen haben. Es ist eher so, dass die geringe Entfernung ein ausschlaggebender Punkt für den Erfahrungsaustausch und den Erfolg bei uns ist.

Ct:

Du wirst dieses Jahr auch nicht an der Browning Champions-Trophy teilnehmen. Eigentlich eine Pflichtveranstaltung für alle, die in der anglerischen Öffentlichkeit stehen und in der Angelbranche arbeiten. Es bliebe somit mit dem Anglertreff für Mannschaften max. ein Start bei einer überregionalen, übergeordneten Veranstaltung. Reicht das?

Michael:

Ja, das reicht. Meine Tochter Fabienne hat am 4. Juli Geburtstag. Die Familie ist mir wichtiger. Ich müsste am 5. Juli einen Tag ca. 750 km fahren und könnte nicht vorher trainieren. Wer mich kennt, der weiß, dass ich bei wichtigen Events einige Tage vorher immer trainiere. Halbe Sachen mache ich nicht, ich versuche eben ein Perfektionist zu sein.

Ct:

Was macht Michael Schlögl in 10 Jahren?

Michael:

Ich hoffe, dass ich gesundheitlich noch in Schuss bin und dazu weiterhin Hobby + Beruf vereinen kann. Die Sucht kann man nicht so einfach aufgeben

Ct:

Lassen wir mal weg, welche Vorraussetzungen natürlich erfüllt sein müssten, damit Du noch einmal bei einer WM oder EM starten könntest. Würdest Du gerne noch über die Club WM hinaus international fischen und kann es sein, dass es in den nächsten Jahren Anstrengungen Deinerseits geben wird, wieder dabei zu sein?

Michael:

In dieser Konstellation eher nicht. Als Mosella vor ein paar Jahren den Antrag über die Gleichberechtigung zweier DAV-Trainer für die Herren stellte und den Vorschlag einbrachte jeweils einen Trainer mit der Verbundenheit zu Sensas und einenmit der Verbundenheit zuMosella zu stellen, und mich beim DAV vorgeschlagen hatte, wurde ich abgeblockt. Man bringt anscheinend die falschen Vorrausetzungen mit und ist unerwünscht.

Somithat sich dies erübrigt

Ct:

Wir geben Dir morgen frei. Deine Frau haben wir mit den Kindern den ganzen Tag in den Zoo geschickt, das Wetter ist prächtig und draußen steht der Hubschrauber mit deiner Ausrüstung. Es gibt keine Zuschauer und keine Fragen, einfach mal einen Tag angeln. Wo dürfen wir Dich hinfliegen?

Michael:

Dann würde ich gerne mal Big Game fischen gehen. Nur mal von der Alltagswelt abschalten.

Ct:

Wer sind derzeit die drei besten deutschen und die drei besten internationalen Angler?

Michael:

Bei den deutschen Anglern ist es schwer zu sagen, da auch hier die Sichtungsangeln in der letzten Zeit immer in denselben Regionen und den damit verbundenen Gewässern stattfinden. Das verzerrt das Ganze. Für mich ist in der Stipperszene ganz klar und unangefochten Günter Horler die Nummer 1. Bei der WM hat er allerdings noch nie Glück gehabt, und das benötigt man nun mal, um ein bisschen berühmt zu werden. Günter hat z.B. die Sichtungsangeln im letzten Jahrzehnt überwiegend dominiert. Er ist kollegial und hat sein Wissen an die ct-Mitglieder weitergegeben, was ihm letztendlich in den letzten beiden Jahre das beste Ergebnis bei den Sichtungsangeln gekostet hat. Andere deutsche Angler kann ich nicht mehr gut beurteilen, da ich mir schon lange keine Sichtungsangeln mehr angesehen habe. Spricht man nur von der Angelart Feederfischen, so ist für mich die Nummer 1 national sowie international ganz klar Michael Zammataro. Muss man beide Methoden, mit und ohne Pose beherrschen, wie so eine Art Zehnkämpfer in der Leichtathletik, so denke ich, bin ich auch unter den Top Anglern zu finden.

International ist Steve Gardner, der auch bei der inoffiziellen WM Rangliste auf dem Podium steht, die Nummer eins für mich. Obwohl er nie Einzelweltmeister war, nennt man ihn „Mr. Konstant“. Er ist sehr oft unter den Top 10 gewesen und für die Mannschaft sehr wertvoll. Nummer 2-3-4 Alan Scotthorne, Tamas Walter, Will Raison je nach Tagesform und Losglück


Ct:

Genug der Theorie abseits des Wassers und abschließend noch ein Tipp von Dir. Ein Futter, auf das Du Dich immer verlassen kannst?

Michael:

In der Strömung muss immer Explosiv Fließwasser mit rein. In Kanälen oder im Stillwasser am Grund immer Competition Classic als Basis.

 

Wir bedanken uns und wünschen Dir für die Zukunft alles Gute und hoffen, dass Du weiterhin viele neue Angler für das Stippfischen begeistern kannst.


Zur Angelschule und vielen interessanten Produkten: www.michaelschloegl.de


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