Interview mit dem Europameister Günter Horler

  • von ct Redaktion /matchangler.com
  • 24. Juli 2008 um 12:40
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Günter Horler bei der Ehrung seines größten sportlichen Erfolgs

Zu Beginn des Interviews möchte Günter Horler sich bei allen Gratulanten bedanken. Er hat sich ausnahmslos über jeden Glückwunsch und jede Nachricht gefreut. Ganz besonders möchte Günter sich jedoch bei „Opa“ Uwe Böttcher für seinen handgeschriebenen Brief bedanken. Sein weiterer Dank gilt den Firmen Mosella und Sensas, welche ihn in den letzten Jahren unterstützt haben. Dazu gilt Günters Dank dem DAV e.V. Der DAV stellt Günter den rechtlichen Rahmen, um seiner Passion, dem Friedfischen nachzugehen. Ein eit Jahren wichtiger Eckfeiler auf Günters Weg ist Vincenzo Natale, ihm gebührt Günters Dank und Respekt.

Das folgende Interview wurde in Zusammenarbeit von champions-team und matchangler.com geführt. Vielen Dank an Jason Greatorex für die Übersetzung.


Michael Borchers mit Günter Horler beim Interview während der Browning Champion´s Trophy

champions-team:
Zuerst natürlich noch einmal Herzlichen Glückwunsch von unserer Seite. Wir freuen uns mit Dir uns sind einfach nur begeistert, dass Du den Titel geholt hast.

Wir möchten bei unseren Fragen mit der Vergabe der Plätze am Sonntagmorgen beginnen.
Welche Gedanken gingen vor dem zweiten Durchgang durch Deinen Kopf als Dir mitgeteilt wurde, dass Du auf dem Platz B 23 sitzen würdest. Ein Platz auf dem im ersten Durchgang eine Platzziffer 1 gefischt wurde und der nur unweit von Deinem Platz C 2 vom ersten Tag lag?


Mit dem richtigen Platz war alles möglich

Günter Horler:
Nachdem mir meine Platznummer mitgeteilt wurde standen mir Tränen in den Augen, denn mir war klar, dass dieser Platz ein guter Platz sein würde. Ich hatte schon mehrmals bei internationalen Events einen guten Platz und eine dementsprechende Platzziffer nach Tag 1. Am zweiten Tag hatte mich dann aber das Losglück immer verlassen. Am Sonntag war es dann endlich anders, zusammen mit dem Gefühl, dass ich mich an dem Gewässer sehr sicher fühlte war ich sehr positiv gestimmt vor dem zweiten Durchgang.

champions-team:
25/26 (1982 Kremkus) Jahre nach dem letzten Einzeltitel für einen deutschen Starter konntest Du endlich wieder eine Goldmedaille für die in letzter Zeit arg gebeutelte deutschen Matchfischer erringen. Welche Gefühle hattest Du während der Siegerehrung und dem Abspielen der Nationalhymne?

Günter Horler:
Die Siegerehrung war ein sehr emotionaler Moment für mich. Die jahrelangen Anstrengungen hatten sich ausgezahlt. Den ersten Titel nach dem Großen Wolf Rüdiger Kremkus nach Deutschland zu holen ist eine große Ehre für mich und erfüllt mich mit stolz. Es gab Zeiten da lief es nicht gut für mich und das Team und in solchen Zeiten stellt man sich dann schon die Frage „Wofür das alles?“ Bei der Siegerehrung wurden all diese Fragen beantwortet und ich wusste, dass sich die letzten Jahre gelohnt hatten.


Ein weiterer schöner Brassen auf dem Weg zum Erfolg

champions-team:
Welche Infos zum Gewässer hatte das deutsche Team im Vorfeld und wie zutreffend waren diese Informationen?

Günter Horler:
Es war uns möglich im Vorfeld einige Informationen zu dem Gewässer zu bekommen. Diese einzelnen Informationen machten uns klar, dass es sich um ein Brassenangeln handeln würde, welches dem Fischen in unseren deutschen Gewässern sehr ähnlich sein würde. Unsere Informationen sagten  aus, dass es um große Brassen und Barben gehen würde, welche sehr sauber befischt werden mussten. Diese Informationen waren dann absolut zutreffend und wir waren damit gut vorbereitet für die Veranstaltung.

champions-team:
Wie verlief die Trainingswoche für das deutsche Team? Welche Rolle spielten die Rollenrute und die kurze Bahn beim Training? Inwieweit veränderte sich das Gewässer während der Trainingswoche?

Günter Horler:
Die Trainingswoche lief für das Team und auch für mich sehr gut. Wir kamen alle schnell an die Fische und fühlten uns am Gewässer wohl. Der Montag und Dienststag waren für mich persönlich nicht perfekt. Dies lag zum einen an einem schlechten Platz und zum anderen an einer taktischen Trainingsvorgabe. Nachdem wir unsere Taktik am Mittwoch festgelegt hatten, lief es aber auch bei mir sehr gut. Die Rollenrute war in einigen Sektoren eine wichtige Alternative, die Ergebnisse reichten aber nicht an die Ergebnisse der Kopfrute heran. Die kurze Bahn stellte für uns keine Alternative dar, wir waren uns sicher, dass das Beissverhalten auf der kurzen Bahn immer schlechter werden würde und nicht mehr als maximal 4 Kilo auf dieser Bahn zu fangen waren.


Günter mit einem schönen Trainingsbrassen

champions-team:
Welches Futter habt ihr eingesetzt und mit welchen Erden habt ihr es gemischt?

Günter Horler:
Da es auf große Brassen gehen sollte, setzten wir beim Futter auf eine Mischung aus 50% Explosiv und 50% Favourite Brassen (beide von Mosella). Diese beiden Sorten setzten wir nur mit TTX Mais an, so dass wir ungefähr 6-7 Liter Nassfutter hatten. Vor dem Fischen setzte ich dem Futter noch ein Päckchen Explosiv Powder zu. Ich hatte das Gefühl, dass die Fische auf den Lockstoff reagierten, denn ich hatte immer nach 2-3 Minuten die ersten Fische auf dem Platz. Einige rote Partikel sollten einen zusätzlichen Reiz auf die Fische ausüben.


Zielfisch gefangen: Ein Netz voll mit dicken Brassen

Neben dem Futtergemisch nutzen wir noch circa 10 Liter schwere Flusserde welche wir mit 1 Kilogramm grauen Lehm versetzten. Der graue Lehm verleiht der Erde eine hohe Bindekraft und erlaubt die Zugabe von vielen Lebendködern. In das Erde-Lehm Gemisch gaben wir gleich nach der Köderkontrolle an der Strecke unsere gesamten kleinen Mücken (Joker), damit diese in dem Gemisch an Aktivität verlieren. Ein Punkt, der nach unserer Meinung dort sehr positiv für das Fischen mit Mückenlarven auf Brassen war und auch bei uns meistens funktioniert.

champions-team:
Mit welcher Taktik ging das deutsche Team in die Sektoren und wie sah eure Anfangsfütterung aus?

Günter Horler:
Unsere Taktik war ganz klar auf das Fischen mit der Kopfrute auf 13 Meter ausgelegt. Die 13 Meter Bahn war überwiegend die tiefste Bahn und sie war aufgrund des schwierigen Beissverhalten am saubersten zu befischen. Die Rollenspur war eine Alternative und konnte vor allem im Sektor E eine wichtige Rolle spielen. Die kurze Bahn stellte wie schon oben beschrieben für uns keine Alternative dar. In den Sektoren D und E wollten wir außerdem etwas leichter Fischen, da diese Sektoren  flacher waren.
Meine Anfangsfütterung bestand aus circa 2,5 Liter Futter, 2,5 Liter Erde (mit den kleinen Mücken), 100ml Würmer und 100ml Castern. Dieses Futter wurde mit 7-8 „Apfelsinen“ ins Gewässer gebracht. Dazu wurden einige Ballen auf die Rollenspurt gesetzt. Da uns klar war, dass die letzte Stunde die entscheidende Stunde sein würde, hatten wir uns unsere besten Köder, insbesondere die großen Mückenlarven, für diese wichtige Zeit aufbewahrt.


Günter Horler bei der Anfangsfütterung

champions-team:
Wie üblich waren 2,5 Liter Lebendköder erlaubt. Wie habt ihr euch die Köder eingeteilt?

Günter Horler:
Unser Lebendköder setzen sich aus 500ml kleine Mücken, 500ml große Mücken, 750ml Wurm, 500ml Caster und 250ml roten Maden und Pinkis zusammen. Wichtig erschien mir im Nachhinein vor allem eine gute Qualität bei den Mücken.

champions-team:
Wie hast Du es geschafft an den Welsen vorbei zu fischen und fast ausschließlich Brassen zu erbeuten?

Günter Horler:
Ich denke, dass der richtige Aufbau des Futterplatzes dafür entscheidend war. Im Training meinte ich heraus gefunden zu haben, dass die Welse sehr auf Würmer reagieren. Aus diesem Grund bin ich mit dem Einsatz von Würmern sehr vorsichtig gewesen. Bei den  Futterbällen der Anfangsfütterung und auch beim Nachcuppen setze ich vor allem auf die Mücken. Es schien mir auch wichtig zu sein, dass man nicht zuviel Mücken fütterte sondern die Dosis der eingebrachten Mücken erst bei verbessertem Beissverhalten der Brassen erhöhte.

Regelmässiges Cuppen mit einem dem Beiß- verhalten angepassten Anteil an Mückenlarven war ein Schlüssel zum Erfolg.


Die Brassen erwiesen sich als kampfstark
und es galt jeden Fisch sicher auszudrillen und zu landen.


Außerdem war es wichtig, den Futterplatz immer wieder sehr genau zu befischen. Dies erreichte ich, indem ich die Pose auf den Futterplatz absetze circa 10-20 Sekunden auf einen Biss wartete und dann die Montage, sofern kein Biss erfolgte, leicht über den Futterplatz zog, sie anhob und dann wieder sauber auf dem Futterplatz absetzte. Ein einfaches, stationäres Fischen auf Brassen brachte kaum Erfolg und war an diesen Tagen meiner Meinung nach die verkehrte Wahl. Jeder Brassen musste auf dem Futterplatz gefunden und der Köder dem Fischen ins Maul geführt werden. Dies ist eine Art zu Fischen, die dem Angeln an meinem Heimatfluss dem Main sehr ähnelt und mir daher in Haut und Haar übergegangen ist. Bei uns an den Gewässern fängt man oft nur 5 Fische in 3 Stunden und jeden dieser Fische muss man sich sauber erangeln. Sicherlich ein Training, welches mir an der Morava zur Gute gekommen ist.

champions-team:
Es war auffällig, dass Du fast nach jedem Cuppen einen Fisch fangen konntest. In welchen Abständen hast Du gecuppt und was hast Du gecuppt?

Günter Horler:
Ich habe generell alle 5-10 Minuten und nach jedem Fisch gecuppt. Ich habe das Erde-Lehm Gemisch gecuppt, anfangs mit wenigen Mücken, zum Schluss als die Brassen massiv auf dem Futterplatz standen dann mit einem sehr hohen Köderanteil. Wie schon oben beschrieben, habe ich den Wurmanteil sehr gering gehalten und von meinen 750ml Würmern habe ich knapp die Hälfte nicht ins Wasser gebracht. Ich habe jedem Futterball einige Caster beigegeben, so dass meine 500ml Caster zum Ende des Fischens aufgebracht waren. Da ich die Dosis an Mücken im Futter immer weiter erhöhte, waren meine Futterbälle in der entscheidenden letzten Stunde fast rot durch den hohen Mückenanteil. Ich habe mir während des ganzen Fischens für diese wichtige Zeit des Fischens die besten Köder zurückbehalten. Während viele Angler in den schlechteren ersten 2 Stunden auf die kurze Bahn wechselten habe ich meinen Futterplatz weiter aufgebaut und konnte so in der letzten Stunde am besten fangen, während meine Nachbarn klar das Nachsehen hatten. Bei meinem Mannschaftskollegen Ralf Herdlitschke lief es übrigens ähnlich. Auch wenn er „nur“ eine Platzziffer 3 und eine Platzziffer 5 gefischt hat, so er sicherlich genauso gut gefischt wie ich, nur halt nicht so optimal gesessen.


Nicht immer war die Sitzkiepe der beste Platz zum Drillen

champions-team:
Welche Hakenköder kamen zum Einsatz?

Günter Horler:
Die Brassen habe ich meist auf 4-5 Mücken gefangen, ab und zu wollten die Brassen die Mücken noch mit einer roten Made garniert haben.

champions-team:
Welche Posenform hast Du gefischt und wie war Deine Montage aufgebaut?

Günter Horler:
Ich habe das Modell Bubble der Firma Cralusso gefischt. Die Posenform hat sich bei mir für diese Art des aktiven Brassenfischen bewährt. Ich habe diese Posen in den Gewichten 3 Gramm bis 8 Gramm aufgebaut, gefischt habe ich aber vor allen Gewichte von 4 Gramm bis 6 Gramm. An einer 12er Hauptschnur, welche an einem 1,2mm Gummi befestigt wurde, schloss ein 25 cm langes Vorfach der Stärke 0,10mm an. Der Haken war ein Haken der Größe 18 aus der Serie 1 von Mosella. Die Bebleiung sah wie folgt aus: Direkt am Vorfach befestigte ich ein 7er Blei, weitere 15cm später kam das nächste 7er Blei, 10 Zentimeter später folgte das Hauptblei. Die beiden 7er Blei lagen komplett auf dem Grund auf, die Hauptbebleiung schwebte kurz über dem Grund.


Zweimal 3 Stunden Action mit 22 kg am ersten Tag und 14 kg im zweiten Durchgang

champions-team:
Wie war der Zusammenhalt im Team während der Trainingswoche und den Wettkampftagen? Überwog die Freude nach Deinem Sieg oder die Enttäuschung am 2. Tag noch auf Platz 7 abgestürzt zu sein?

Günter Horler:
Der Zusammenhalt während des Trainings war sehr gut und im Gegensatz zu den Jahren davor wussten wir alle in welche Richtung wir gehen wollten und konnten so das Training voll durchziehen. Nach dem 2. Tag war die Enttäuschung im Team und zum Teil auch bei mir  jedoch groß. Für uns war es nie einfacher auf dem Podium zu stehen und ich bin der Meinung, dass es auch machbar gewesen wäre. Wir arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam an dem Ziel wieder ein deutsches Team auf das Podium zu bringen. 2006 in Frankreich war es möglich und auch in diesem Jahr war es mehr als möglich. Ich hoffe, dass wir uns als Team und auch im Betreuerstab weiter entwickeln werden und dieses Ziel dann möglichst bald erreichen.

champions-team:
Wie war das Feedback nach der Siegerehrung, welche Nationen sind auf Dich zugekommen und haben Dir gratuliert?

Günter Horler:
Zu allererst hat mir natürlich das deutsche Team gratuliert. Dann kamen noch die Holländer und auch Guido Nullens den ich seit vielen Jahren kenne hat mir anerkennend auf die Schulter geklopft. Da ich am nächsten Tag arbeiten musste, habe ich die Veranstaltung kurz nach der Siegerehrung leider verlassen müssen. Mir wurde aber ausgerichtet, dass sich noch etliche andere Teilnehmer nach mir erkundigt hatten. Ob die Jungs nur ein Bier ausgegeben haben wollten oder mir gratulieren wollten kann ich aber nicht sagen (Günter lächelt bei diesen Worten).

champions-team:
Seit wie vielen Jahren fischt Du im Champions-Team, und war es Deine erste Medaille?

Günter Horler:
Ich fische seit 16 Jahren im Champions-Team und müsste damit der dienstälteste Angler sein. Dies ist meine zweite Medaille. 2000 konnte ich mit dem Team Mosella die Silbermedaille bei der Club WM in Portugal erringen.

champions-team:
Welchen Stellenwert hat dieser Erfolg für Dich und auch für das Team?

Günter Horler:
Für mich ist dieser Titel die Bestätigung für jahrelange Arbeit und bereitet mir eine große Genugtuung. Klar bin ich auch stolz, ich denke das ist aber nicht verwerflich. Dem Team und auch mir gibt dieser Titel neuen Antrieb und Energie für die nächsten Aufgaben.

champions-team:
Auf welchen Veranstaltungen werden wir Dich in diesem Jahr noch sehen?

Günter Horler:
Ich werde beide Anglertreffs mitangeln, dazu noch den Internationalen Anglertreff  und den Shimano Cup am Silokanal und die beiden Fischen in Cheb. Weitere Fischen sind möglich, stehen aber noch nicht fest.

champions-team:
Was macht Günter Horler wenn er nicht angelt?

Günter Horler:
Wenn ich nicht gerade angele, dann verbringe ich vor allem Zeit mit meiner Freundin. Im Winter halte ich mich im Fitnessstudio fit, zu mehr reicht die Zeit dann nicht mehr.

champions-team:
Wir danken Dir für Deine Worte und wünschen Dir weiterhin alles Gute, Glück und Gesundheit.



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