Interview mit Will Raison

  • von ct Redaktion
  • 18. März 2008 um 10:58
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  Stammdaten Will Raison:


Alter: 32 Jahre

Wohnort: South of London

Mitglied der englischen Nationalmannschaft seit: 1998

Einzeleuropmeister 2005

Mehrmaliger Mannschaftsweltmeister

Höchstes Fanggewicht in einem Match:

452 englische Pfund (Karpfen) bei einem Commercial in 5 Stunden
75 Kilo Brassen in einem See in Dänemark ebenfalls in 5 Stunden

Partner: Daiwa, Sensas

Interview mit Will Raison:


Hallo Will,

wer waren in Deiner Jugend Deine anglerischen Vorbilder und welche Angler schätzt Du mittlerweile in England und Europa?  Mit wem tauscht Du Dich bei der Nationalmannschaft am meisten aus?

Will Raison:

Steve Gardner und Bob Nudd waren für mich große Vorbilder in meiner Jugend. Diese Angler waren Fixpunkte an denen ich mich ausrichten konnte, anglerisch auf einem hohen Niveau und dazu ein Vorbild für die Jugend. Diese beiden Weltklasseangler konnte man immer um Rat fragen, eine Antwort blieben sie nie schuldig.


Senior und Vorbild im Nationalteam: Steve Gardner


Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Jean Desque aus Frankreich, ich besuche ihn mindestens einmal im Jahr und gehe mit ihm fischen. Auch zu Tamasz Walter pflege ich ein gutes Verhältnis und wenn er in der Nähe ist übernachtet er oft bei mir. Wir fischen dann zusammen in der Goldvalley Anlage, welche in England sehr bekannt und dazu im Familienbesitz unserer Familie ist.

http://www.goldvalleylakes.com/index.htm

Ich pflege zu allen Anglern aus dem Nationalteam ein gutes Verhältnis und das, obwohl wir über ganz England verstreut leben. Nächste Woche treffe ich mich z.B. mit Alan Scotthorne, mit Des Shipp fische ich in einer Winterliga. Wir haben schon ein freundschaftliches Verhältnis bei uns im Team, welches wir aber auch pflegen.


                       Auch ein guter Freund von Will Raison: Weltmeister Tamasz Walter

champions-team:

Dein Vater ist auch Dein Betreuer. Welche Bedeutung hat Dein Vater für Deinen anglerischen Werdegang?

Will Raison:

Es ist ein großes Glück für mich, dass mein Vater gleichzeitig mein Betreuer ist. Ich stamme aus einer alten Anglerfamilie, selbst mein Großvater war schon ein bekannter Angler der eigene Angelgeschäfte aufgebaut hat. Mein Vater ist ebenfalls ein regional sehr bekannter Angler. Diese Erfahrung aus den regionalen Wettkämpfen, zusammen mit einer großen internationalen Erfahrung, machen ihn zu einem wichtigen Bestandteil meiner anglerischen Erfolge. Mein Vater kennt mich besser als jeder andere Mensch, so dass er Fragen beantworten kann welche ich noch gar nicht gestellt habe.

champions-team:

Du bist Profi und lebst von Deinen Sponsoringverträgen und Preisgeldern. Verrätst Du uns, was Du 2007 an Preisgeldern verdient hast?

Will Raison:

Ich lebe nicht alleine von meinen Preisgeldern, zusammen mit meinem Vater betreibe ich 3 Angelgeschäfte sowie die Teichanlage Goldvalley. Zusammen mit den „Verpflichtungen“ gegenüber meinem Partnern Daiwa sowie Sensas habe ich zeitlich sehr ausgefüllte Tage. Natürlich komme ich trotzdem wirklich oft zum Fische und in einem „normalen“ Jahr kommen da so circa 10.000 Pfund Preisgeld zusammen.



champions-team:

Von welchem Futter Deines Ausrüsters Sensas bist Du am meisten überzeugt? Welches Futter fängt immer Fische?

Will Raison:

Ich habe einen ganz klaren Favoriten im Futterprogramm von Sensas, und das ist das Futter mit dem Namen „Lake“. Dieses Futter setze ich sehr gerne ein, nutze aber auch andere Futtersorten wenn der Umstand dies verlangt.


Sensas Lake

champions-team:

Die deutsche Mannschaft hat in Ungarn nicht das richtige Konzept gefunden und es blieben viele Fragen offen. Was war aus Deiner Sicht dort wichtig und entscheidend?

Will Raison:

Zu aller erst ist die Strecke in Velence nicht so fair wie sie scheint. Das Training hat gezeigt, dass es Plätze gibt die Fische bringen und dass es Plätze gibt auf denen man keine Chance hat. Gegenüber der Strecke in Velence teilten einige Inseln die Regattastrecke vom restlichen Teil des Sees ab. Zwischen diesen Inseln gab es einige Lücken. Hatte man einen Platz zugelost bekommen, der gegenüber dieser Lücken war, so konnte man Fische fangen. Saß man einer Insel gegenüber war es eher schwierig bis unmöglich im Sektor entscheidend einzugreifen. Gefüttert haben wir puren Lehm mit einigen wenigen Jokern, denn wir hatten das Gefühl, dass ein Zuviel an Ködern und Futter den Platz kaputt machen würde, daher dieses magere Füttern. Ein weiteres Problem war das vorsichtige Beissen der Fische, unsere Waggler sind fast nie abgetaucht sondern haben nur kurz ihre Drifft verändert.


                                               Einzeleuropameister 2005: Will Raison

champions-team:

Auf welchem Treppchen sehen wir Dich und die englische Nationalmannschaft dieses Jahr. Eher in der Tschechischen Republik oder in Italien?

Will Raison:

Es wäre schön wenn ich beide Events Fischen dürfte, es ist immer eine besondere Ehre für mein Land starten zu dürfen. Die Einteilung für dieses Jahr steht allerdings noch aus. Gerade nachdem wir im letzten Jahr keinen Mannschaftstitel erringen konnten sind wir dieses Jahr besonders „scharf“ darauf einen Titel nach England zu holen. Zur Vorbereitung werde ich am Sensas Finale an der entsprechenden Strecke in Tschechien teilnehmen, dieses Fischen findet 3 Wochen vor der EM statt und ist ein wichtiger Test für mich. In Italien war ich bereits und konnte mich dort mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen. Gerade in Italien kam es mir zu gute, dass ich für eine Weltfirma wie Daiwa angeln darf, denn Daiwa verfügt in der ganzen Welt über hervorragende Kontakte welche ich nutzen kann.

champions-team:

Kannst Du uns einen Ausblick auf die EM und WM dieses Jahr geben? Auf welche Bedingungen müssen sich die Teilnehmer einstellen, um welche Angelmethoden, Fischarten und Taktiken wird es in der Tschechischen Republik und in Italien gehen?

Will Raison:

Die Strecke in Tschechien wird vielleicht über Ukeleis entschieden, ein guter Freund von mir hat dort ein Fischen mit 500 Gramm Ukeleis gewonnen. Es gibt dort aber auch Brassen, so das man gespannt sein darf welche Angelmethode den Sieg bringen wird. Fischt man auf dieser Strecke allein, so kann man dort massenhaft Fisch fangen, bei einem grossen Event soll die Strecke aber sehr launisch sein.

Bei den Weltmeisterschaften in Italien geht es auf Brassen und Karauschen, es kann aber auch sein, dass Sonnenbarsche eine entscheidende Rolle spielen werden. Auch bei dieser Strecke wird das Angeln eine haarige und etwas platzabhängige Geschichte werden.


                          Die englische Nationalmannschaft bei der WM 2006 in Portugal

champions-team:

Du bist einer der besten Matchrutenangler der Welt. Welche Rute aus dem Daiwa Sortiment gefällt Dir persönlich am besten, mit welcher Rute angelst Du am liebsten?

Will Raison:

Ich bin mit der Matchrute groß geworden, von meiner Jugendzeit an habe ich die Matchrute gefischt, auch heute schätze ich sie als ein variables Werkzeug, mit dem ich mich oft von anderen Anglern unterscheiden kann. Mit der Pole bin ich an die 13m Bahn gebunden, mit der Matchrute bin ich da wesentlich flexibeler. Meine Lieblingsruten die Daiwa MatchWinner in 13ft (390cm) sowie die Daiwa Spectron M2. Diese Ruten sind Made in Scotland und erfüllen alle meine Wünsche in Bezug auf Qualität, Rutenaktion und Verarbeitung. Sicherlich sind dies nicht die billigsten Ruten auf dem Markt, aber dafür Qualität Made in Scottland.

champions-team:

Dein Nummernschild an Deinem VW Bus ist einzigartig und originell zugleich. Wie oft wurde Dir Dein Kennzeichen von Deinem Auto schon geklaut?


                         Aufgepasst, wenn bei einem Wettkampf dieser Wagen in der Nähe parkt

Will Raison (lacht):

Dieses Nummernschild ist ein Geschenk meines Vaters und Gott sei Dank wurde es erst ein einziges Mal gestohlen.

champions-team:

Wie viele Tage in der Woche bist Du am Wasser und wie viele Tage im Jahr hast Du Sponsorentermine?

Will Raison:

Ich denke das ich im Jahr ungefähr 200 Tage am Wasser bin. Es gibt aber auch Tage, an denen präpariere ich nur meine Montagen am Wasser oder teste Tackle für meinen Partner Daiwa. Ich versuche aber mindestens 3 Wettkämpfe pro Woche zu fischen, die Tage Mittwoch, Samstag und Sonntag sind typische Wettkampftage in England. Für mich ist Angeln eine Lebenseinstellung und es gibt nicht einen Wettkampf den ich nicht genieße oder der mir keinen Spaß bereitet. Am Ende der internationale Saison ziehe ich mich dann mit meinem Team an eine Teichanlage zurück und fische 7-8 Wochen fast jeden Tag einen kleinen Wettkampf. Diese Tage sind für mich immer sehr erholsam und bereiteten mir unheimliche Freude. Die Teichanlage verfügt über eine Center Park ähnliche Struktur und während ich tagsüber Fische geht meine Freundin shoppen oder unternimmt etwas auf eigene Faust. Die Abende verbringen wir dann zusammen mit dem Team oder auch mit unseren Partnerinnen, alles in allem eine wunderbare Zeit.

Sponsorentermine... das kann man gar nicht richtig sagen. Die Firma Daiwa ist für mich wie eine Familie, wir haben untereinander ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, von daher sind Termine mit Daiwa eher Treffen mit Freunden denn Pflichttermine. Ich fische mittlerweile seit mehr als 10 Jahren Produkte von Daiwa und bin damit einer der Greenhorns in unserem Team, ich möchte damit sagen, dass das Tackle von Daiwa zu fischen eine Art Lebenseinstellung für mich ist und ich voll hinter dieser stehe. Wenn Ihr mich nach einer Anzahl an Sponsorenterminen fragt, dann würde ich sagen „circa 50“


Ein begehrter Interviewpartner

champions-team:

Und wenn es mal einen Tag gibt, an dem Du nicht angelst und keine Sponsorentermine hast, was machst Du dann? Was sind Deine Interessen außerhalb des Angelns?

Will Raison:

Ich baue gerade ein Haus, besitze 3 Angelgeschäfte und gehe 200 Tage im Jahr Angeln, da bleibt nicht viel Freizeit übrig. Wenn ich doch mal ein paar Stunden habe und nicht am Wasser sitze, dann schaue ich gerne meinem Verein Tottenham Hotspurs beim Fußball zu.

champions-team:

Auf welche Veranstaltung freust Du Dich dieses Jahr am meisten und kannst Du unseren deutschen Lesern eine offene Veranstaltung in Europa empfehlen, wo es sich lohnt, einmal daran teilzunehmen.

Will Raison:

Die wichtigsten Fischen sind die Fischen die ich für mein Land bestreiten darf, also die WM und EM, dazu gibt es einige wichtige Fischen in England an denen ich teilnehme. Wenn man in England fischen möchte und einem Commercial aus dem Weg gehen will, dann würde ich den River Why empfehlen. In toller Landschaft in der Nähe zu Wales gelegen kann man dort an einigen exzellenten Fischen teilnehmen. Die Umgebung bietet dazu den Familien viele Möglichkeiten, vom Shoppen in kleinen netten Städten bis Natur pur ist dort alles vorhanden

champions-team:

Die Angelei mit der Feederrute wird in Deutschland immer populärer. Welchen Stellenwert hat das Feederangeln in England und denkst Du, dass es über kurz oder lang einen internationalen Titel nur für das Feederfischen geben könnte?

Will Raison:

Ich persönliche sehe da in den nächsten Jahren keine Veränderungen, in den entsprechenden Gremien ist man strikt dagegen, so das keine Änderungen zu erwarten sind. Ich England sind bei den meisten Wettkämpfen die Angelmethoden frei und die Feeder ist dort manchmal ein Muss.


Ein Meister mit der Matchrute

champions-team:

Auf dem Kontinent hat man das Gefühl, dass in England ganz klar das Fischen in Commercials dominiert. Ist dem so? Und wenn ja, könnte das ein Problem für die internationalen Ambitionen der britischen Mannschaft sein? Oder werden Angelmethoden und Techniken, die international wichtig sind zu Gunsten der Commercials vernachlässigt?

Will Raison:

Vor einigen Jahren führten wir in England diese Diskussion, mittlerweile sehen wir die Commercials als etwas „Positives“ an. Diese Commercials bringen viele Angler ans Wasser, unter anderem auch Angler die wir dort sonst nicht sehen würden. Übrigens springen die Fische an den Commercials nicht von alleine in den Kescher, auch dort muss man sauber fischen um gut zu fangen. Am Anfang der „Commercial Zeit“ angelte man nur auf Karpfen, es wurden Unmassen von Pellets in das Gewässer eingebracht welche nicht nur von den Karpfen sondern auch von den Brassen und Rotaugen aufgenommen wurden. Die Population dieser beiden Fischarten entwickelt sich prächtig , mittlerweile hat sich eine richtige Szene für Rotaugen und auch Brassen an den Commercials gefunden. Im Allgemeinen fischen wir an den Commercials mit Mückenlarven auf Rotaugen und diesem Umstand verdanken wir, dass die englischen Matchangler mittlerweile sehr versiert im Umgang mit den Mückenarven sind.


                                 Will Raison bei der Europameisterschaft 2007 in Italien

Ein weiterer Fakt wie nützlich die Commercials für uns sind, zeigt die EM 2007 in Italien. Dort galt es auf Karauschen zu fischen und diese mit dem Einwurf von losen Maden zu befüttern. Genau diese Technik habe ich z.B. an der Goldvalley Teichanlage auf Rotaugen perfektionieren können, so das ich mich in Italien sehr schnell an die Gegebenheiten anpassen konnte. Meinen Mannschaftskollegen ging es ähnlich, so dass wir fast die Italiener an ihrem Heimatgewässer geschlagen hätten. Zu guter letzt möchte ich hier noch anfügen, das wir auch in England tolle Fischen an Kanälen und Flüssen haben und sich auch viele von uns treffen, um nach den aktuellen CIPS Regeln den Besten unter uns auszufischen.

champions-team:

Vom 31.10. bis 2.11.2008 veranstalten wir zusammen mit dem deutschen Verband eine große internationale Veranstaltung am Silokanal in der Nähe von Berlin. Dazu sind viele europäische Nationalmannschaften eingeladen und der Kanal und die Fänge sind wirklich sehr gut. Alan Scotthorne war bereits zweimal bei einer großen Veranstaltung an dem Kanal und er war begeistert. Wir würden uns freuen, wenn wir Dich am Ende des Jahres noch einmal in Deutschland begrüßen könnten und wünschen Dir alles Gute, Glück und Gesundheit für das kommende Jahr.

Vielen Dank für das Interview.

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