Interview mit Jean Desque

  • von ct Redaktion
  • 30. Januar 2009 um 15:21
  • 0
Am ersten Abends des International Anglers Meeting hatten wir die Möglichkeit mit einer DER Größen in der internationalen Matchangelszene zu sprechen. Jean Desque, Mitglied der französischen Nationalmannschaft und gleichzeitig der Name bei  Sensas stand uns Rede und Antwort.


Jean Desque mit dem französischen Sensas Team

CT: Hallo Jean, wir freuen uns, dass wir Dich nach vielen Jahren wieder zu einem Fischen in Deutschland begrüßen dürfen. Kannst Du dich noch an Dein letztes Fischen in Deutschland erinnern?

JD: Ja das kann ich, vor circa 10 Jahren habe ich an einer Veranstaltung mit meinem Kollegen Thomas Engert teilgenommen. Ein schönes Fischen, bei dem aber leider die Fische getötet wurden und aus diesem Grund haben wir an keinen Fischen in Deutschland mehr teilgenommen. Beim IAM stimmten aber alle Randbedingungen und die Strecke wurde uns unter anderem von Alan Scotthorne wärmstens empfohlen.

CT: Seit wann bist Du in Brandenburg und wir waren Deine ersten Eindrücke der Strecke?

JD: Ich bin zusammen mit meinen Mannschaftskollegen am Donnerstagabend in Brandenburg angekommen. Wir haben uns dann die Strecke nur kurz angeschaut und die Hardliner bewundert, die bei 4°C und Dauerregen am Kanal ausharrten. Wir waren nach der langen Anreise ziemlich ausgelaugt und haben uns dann ins Hotel zurückgezogen.


Konzentriertes Trainieren war angesagt

CT: Welche Informationen hattest Du im Vorfeld des Events und von wem hast Du diese bekommen?

JD: Ich hatte im Vorfeld der Veranstaltung einige Informationen von Marco Beck und Thomas Engert bekommen. Diese Informationen sagten aus, dass es sich bei dem Fischen um ein Angeln handeln würde, bei dem sowohl die Kopfrute als auch die Bologneserute wichtig sein würden. Auch wurde die long-long Rute erwähnt, eine Methode die bei uns in Frankreich gar nicht gefischt wird und die für uns nur schwerlich eine Alternative darstellt.

CT: Dein Team hat im Training im Sektor E gesessen, wie waren dort Eure Eindrücke?

JD: Wir haben sehr gut gefangen, der Fischreichtum des Silokanals ist enorm und das Training war für uns eine große Freude. In Frankreich gibt es sehr viele Veranstaltungen, die mit einigen wenigen Fischen gewonnen werden. Da kann man sich vorstellen, wie diese Fischerei an einem natürlichen Gewässer für uns war. Im Training ist uns dabei aufgefallen das die Fische sehr gut auf rote Köder reagierten, daher fiel unsere Wahl in erster Linie auf den Köder Mückenlarven.

CT: Wie habt ihr eure Köder aufgeteilt und welcher Futtermischung habt ihr euer Vertrauen geschenkt?


Jean Desque war nicht nur anglerisch ein gefragter Mann

JD: Das hing von den Sektoren ab. In den Sektoren A bis C haben wir die Lebendköder wie folgt aufgeteilt.
1 Liter Caster, 1,5 Liter  Joker, 750ml Wurm, 250ml Maden

In den Sektoren D und E nutzten wir folgende Köder.
1,5 Liter Caster, 1 Liter Joker, 500ml Wurm

CT: Sensas ist der Inbegriff für qualitativ hochwertiges Futter. In Deutschland oft ein regelrechter Kult um die Futterzubereitung betrieben. Welche Rolle spielt Deiner Meinung nach das Futter am Silokanal und welche Merkmale sollte es haben?

JD: Wir nahmen ein Futter aus 2 Kilo Fond und 2 Kilo Riviere, dazu kamen noch 9 Kilo Terre de Reviere. Insgesamt ein schweres, sehr gut bindendes und nahrhaftes Futter. Mit diesem Futter konnten wir sicherstellen, dass wir es Futter konzentriert und mit viel Lebendködern versetzt auf den Angelplatz einbringen konnten. Um das Aroma zu verstärken gaben wir noch eine Flasche Aromix Vers de Varse hinzu. Ich bin mir sehr sicher, dass dieses Futter am Silokanal perfekt funktioniert und ich denke, dass wir auch beim nächsten Fischen am Silokanal auf dieses Futter setzen werden.

CT: Als Angestellter des Global Players Sensas hast Du einen sehr umfassenden Überblick über die Matchanglerszene in Europa. Wie sieht für Dich hier der allgemeine Trend aus und was waren die gravierendsen Änderungen in den letzten Jahren?


Der Silokanal machte auch dem französischen Team Spaß

JD: Die Angelszene verändert sich zur Zeit massiv und das vor allem durch äussere Einflüsse. Hier sind zwei Faktoren maßgebend. Zu allererst sicherlich die sich stetig verbessernde Wasserqualität in den Gewässern Europas. Bedingt durch diesen sicherlich positiven Umstand verändert sich die Fischwelt in den Gewässern und die Fischpopulation an sich nimmt etwas ab. Auf diese Veränderung können und wollen sich die Angler aber einstellen, es gilt die vorhandenen Fische präzise zu beangeln, sicherlich eine Herausforderung die reizvoll ist und von den Anglern gerne angenommen wird. Das größte Problem für uns Angler, aber auch für die ganze Gewässerfauna ist das ungebremste Wachstum der Kormoranbestände. Schien das Problem vor Jahren noch regional begrenzt, so kann man jetzt sehen, wie ganze Landstriche von diesen Vögeln leer gefressen werden. Ist ein Landstrich leergefressen ziehen die Schwärme weiter. Aktuell wird gerade der Norden Spaniens von einer Kormoranplage heimgesucht und man ist auch hier nicht in der Lage das Problem in den Griff zu bekommen. Eine Lösung in der Komoranfrage kann nur europaeinheitlich erfolgen und sie muss schnell erfolgen, ansonsten werden die Süßwasserbestände einen irreparablen Schaden davontragen. Es gibt übrigens noch ein Land in Westeuropa in dem man die Kormoranproblematik „im Griff“ hat. Dieses Land ist Italien und ich denke jeder kann sich vorstellen, wie die Italiener dies erreichen. Eine weitere Änderung ist das Aufkommen von Commercials. Dies ist sicherlich auch eine Resultat aus den beiden oben aufgeführten Punkten und unserem gemeinsamen Hobby zuträglich, denn gerade in England hat der Angelsport einen wahren Boom durch die Commercials erlebt.

CT: Welchen Stellenwert besitzt die feine Friedfischangelei in Frankreich und wie wird das doch eher enttäuschende Abschneiden der französischen Mannschaften bei den internationalen Wettkämpfen der letzten Jahren aufgenommen?


Am zweiten Tag hatte Jean Lospech und fischte trotzdem stark

JD: in Frankreich hat die feine Friedfischangelei einen enorm hohen Stellenwert – es gibt über 10.000 Angler die an fast jedem Wochenende an einem Wettkampf teilnehmen und circa 50.000 Angler, die gelegentlich mit der Kopfrute an Wettkämpfen teilnehmen. Alleine an der von mir organisierten Sensas Challenge nehmen mehr als 1600 Teams teil. Dementsprechend enttäuscht ist man natürlich auch über das eher schlechte Abschneiden des Teams bei den letzten Wettkämpfen. Das Team und der Verband sind aber optimistisch und wir denken, dass wir die richtigen Angler haben um an die ganz großen Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen. Die hierzu nötigen Änderungen im administrativen Bereich werden in den nächsten Jahren vorgenommen. Ein Vorbild sind hier sicherlich die Italiener. Auch sie hinkten jahrelang ihren Erwartungen hinterher und konnten dann in den letzten Jahren auf der internationalen Bühne famos zuschlagen! Im übrigen sehe ich und das sage ich nicht nur weil ich Gast in diesem Land bin auch großes Potential im deutschen Team. Angler wir Günter Horler und Ralf Herdlitschke haben ihr außerordentliches Können unter Beweis gestellt und mir ist auch bewusst, was ein Marco Beck zu leisten im Stande ist. Ich denke, dass auch im deutschen Team einige Veränderungen in Background stattfinden müssen und dass man dann größere Erfolge feiern könnte.


Den Spaß hatte Jean bis zum Schluß nicht verloren

CT: Werden wir Dich beim IAM 2009 wieder begrüßen dürfen und hast Du vor noch weitere Fischen im deutschsprachigen Raum zu besuchen?

JD: Ich habe dies auf jeden Fall vor und sollte sich dies irgendwie einrichten lassen, dann werde ich 2009 wieder am Silokanal zum IAM vor Ort sein. Mit und meinen Mannschaftskollegen hat es hier sehr gut gefallen und wir haben in 2009 noch eine Scharte auszubessern! Das Fischen am Silokanal ist hervorragend und die Organisation des Events hat internationales Format, solch eine Veranstaltung unterstützen wir gerne.

CT: Vielen Dank Jean, wir hoffen Dich und Dein Team Ende Oktober wieder begrüßen zu dürfen. 

Auch Deine Meinung ist gefragt!
0 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren