Interview mit Harald Windel und Benjamin Hoffmann

  • von ct Redaktion
  • 29. Mai 2009 um 17:20
  • 0

In dem folgenden Interview mit Harald Windel, dem erfolgreichsten Angler des Sichtungsfischen 2009 möchten wir den typischen Weg eines Interviews verlassen und die einzelnen Durchgänge aus der Sicht von Harald Revue passieren lassen. Hierzu werden wir die Durchgänge chronologisch durchgehen und Haralds Statements dazu wiedergeben.

Durchgang 1: Harald saß auf der Platznummer 27 (Fanggewicht 3350 Gramm), seine Nebenleute waren Günter Horler (Plz 26 – 4680 Gramm) und Andreas Heidemüller (Plz 28 – 6190 Gramm)

  Zu Beginn des Fischens habe ich 8 Bälle aus einem 50/50 Gemisch Futter (Mosella Competition – vdE Turbo braun- schwarz abgefärbt) und schwerer Flusserde auf die 13 Meter Bahn geworfen, dazu habe ich einige Bälle aus Flusserde und Mückenarven in das Zentrum meines Platzes gecuppt. Das Nachfüttern bestand aus einem Turnus von 15 Minuten in dem ich einen kleinen Ball aus Erde und Mückenlarven auf meinen Platz gecuppt habe.
Mein Problem zu Beginn dieses Durchgangs war, daß ich keinen Weißfisch gefangen habe und mich die kleinen Kaulbarsche zur Verzweifelung gebracht hatten. Sicherlich war es ein taktischer Fehler, daß ich weiterhin ein Gemisch aus Erde und Mücken nachgecuppt habe und damit die Kaulbarsche massiv auf meinen Platz gezogen haben. Ich konnte sehen, daß meine Nachbarn große Weißfische fingen und hierbei auf Pinkis als Hakenköder gesetzt hatten. Meine Versuche mit den Pinkis blieben jedoch erfolglos, so daß ich immer wieder auf 2 große Mückenlarven zurückgewechselt bin um eventuell einen der Brassen zu fangen - leider ohne Erfolg. Nach ca. 1 Stunde habe ich angefangen im Rhythmus von 15 Minuten pures Futter mit sehr vielen kleinen Mückenlarven und einigen Pinkis auf meinen Platz zu cuppen. 


Die  eingebrachten Mückenlarven sollten die vorhandenen Kaulbarsche sättigen und das Futter die Weißfische auf den Platz locken. Nach circa 1,5 Stunden stellten sich dann auch auf meinem Platz die Weißfische ein und nach 2 Stunden hatte ich die Rotaugen und kleinen Güstern massiv auf meinem Futterplatz  stehen, konnte aber den Vorsprung meiner Nachbarn nicht mehr einholen. Zu allem Übel verlor ich noch zwei große Fische in einem Ast, der vor mir im Wasser lag - wenn es mal nicht läuft, dann aber auch richtig! Bei den Montagen setzte ich zwingend auf Posen mit Stahlantennen. Zum Anfang fing ich gut mit der 1,5 Gramm Montage, zum Schluß lief die 0,8Gramm Montage jedoch eindeutig besser. Die Bebleiung dieser Montagen, welche ich in (fast) allen Durchgängen fischte, war eine 4-Punkt Bebleiung wobei das Hauptblei ca. 40cm vom Vorfach und 60cm vom Haken entfernt ist. Die Fall- bzw.  Bißbleie nahmen hierbei zum Haken hin ab. Das Bißblei war ein 13er Blei, darüber war ein 12er Schrot und zum Bulk ein 11er Schrot

Durchgang 2: Harald (Plz 19 – 3350 Gramm), Ralf (Plz 18 – 1929 Gramm), Thomas Del Fabro (Plz 20 – 2246 Gramm)
 
Die Taktik für diesen Durchgang hieß „ 2 Kilo zu fangen“. Mir war von Anfang an klar, das dieser Platz ein eher schlechter Platz war und das ich auf diesem Platz flexibel und sehr aufmerksam fischen musste. Da ich aus meinen Fehlern des ersten Durchganges gelernt hatte, warf ich in der Anfangsfütterung dieses Durchgangs lediglich 4 Bälle aus purem Futter mit einigen wenigen Pinkis auf die 13m Bahn. Auf diesen Futterplatz cuppte ich dann pures Futter mit einigen wenigen Mücken, Pinkis und ein paar Castern. Auf der 9m Bahn cuppte ich ein Gemisch aus Terre de Sommes und Flußerde. Dieses Gemisch war mit Mücken durchsetzt und sollte die Barsche auf diese Bahn ziehen. Parallel dazu warf ich leicht stromabwärts ständig etwas Ukeleifutter. Zu Beginn des Durchgangs fing ich auf der 13m Bahn dann gleich massiv Rotaugen zwischen 60 und 100 Gramm. Hierzu nutze ich wieder die 0,8 Gramm Montage des Vortages. Schon während des Befischens der 13m Bahn befütterte ich die Ukeleibahn ständig weiter. Nach ca. 15 Minuten konnte ich dann sehen, daß die Ukeleis auf meinem Platz waren und ich begann diese zu befischen. Mit einer 4x14 Posenmontage fischte ich in einer Tiefe von 60cm über meine Rutenspitze hinweg auf die Ukeleis und versuchte diese nicht dichter als minimal 11,5 m zu füttern. Um die Ukeleis auf dem Platz zu halten schoss ich dazu geklebte Pinkis auf den Platz. Um das Streufeld der geschossenen Pinkis möglichst klein zu halten mussten die Pinkis geklebt werden. Hierbei galt es sicher zu stellen, daß die Pinkis nur minimal geklebt waren und nach dem Auftreffen auf der Wasseroberfläche auseinanderbrachen. Ein Problem mit den geschossenen Pinkis war die Fresstiefe der Ukeleis. Sie folgten den Pinkis während des Absinkens und waren daher nicht mehr an der Oberfläche zu sehen. Dies war ein ernsthaftes Problem, denn es machte nur Sinn die Ukeleis zu Befischen, wenn sie auch auf dem Futterplatz waren. Waren die Ukeleis nicht auf dem Futterplatz, so musste die Kopfrute weiter befischt werden. Hierzu war es notwendig auch diesen Futterplatz während des Fischens weiter zu befüttern. Es galt also die Disziplin zu bewahren und die Ukeleimontage aus der Hand zu legen und die 13m Bahn zu befüttern, auch wenn die Ukeleis gerade auf dem Futterplatz waren. Die 9m Montage war in diesem Durchgang keine Option und ich fing hier nur einige (zu)kleine Barsche. Ich probierte einen Schnitt von 10 Ukeleis in Serie zu halten und dann wieder auf die Kopfrute zu wechseln und hier die Rotaugen zu fangen. Kamen die Ukeleis nach ständigem Füttern wieder auf den Platz, so befischte ich diese sofort wieder.

     

 Perfekt abgestimmtes Gerät ...

 

 ... und eingenetzt ist der nächste Brassen



Durchgang 3: Harald (Plz 13 – 3072 Gramm), Alexander Quell (Plz 12 – 2101 Gramm), Ralf Herdlitschke (Plz 14 – 2149 Gramm)

Der Platz zeichnetet sich durch einen schlechten Untergrund aus und so war mein Ziel ähnlich dem 2. Durchgang und dies hieß „2 Kilo – egal wie“. Die Anfangsfütterung bestand, wie im 2. Durchgang, aus 4 geworfenen Bällen purem Futter mit einigen Pinkis sowie einem Ball aus purem Futter mit Pinkis und Mückenlarven ins Zentrum des Platzes gecuppt. Auch die 9m Bahn befütterte ich wie im Durchgang 2. Gleich zu Beginn des Fischens konnte ich auch auf der Kopfrute 2 kleine Brassen und ein paar Rotaugen fangen. Dann wurde es jedoch merklich ruhiger auf meiner Kopfrutenbahn und ebenso bei meinem Nachbarn. Für mich ist es wichtig ständig darüber im Bilde zu sein, was meine Nachbarn fangen und mitzurechnen, wie ich dastehe. Hierzu habe ich im Training die gefangen Ukeleis und Rotaugen, sowie die kleinen Brassen gewogen und konnte so die gefangenen Fische meiner Nachbarn und meine eigenen Fische hochrechnen. In dem Durchgang wechselte ich nach ca. 20 Minuten von der Kopfrutenbahn auf die Ukeleibahn und befischte diese dann während des ganzen Durchganges immer wieder sobald sich die Ukeleis an der Oberfläche bemerkbar machten. Da ich in einem guten Rhythmus Ukeleis und Rotaugen fangen konnte war ich mir im letzten Drittel des Fischens klar, daß ich meine beiden Nachbarn in diesem Durchgang im „Griff“ hatte und meine Taktik ähnlich wie im 2. Durchgang aufging. Die 9m Bahn war übrigens auch in diesem Durchgang keine Alternative, da sich wieder nur einige kleine Barsche einstellten. Wie im Durchgang 2 lief es mit der 0.8Gramm Montage bei mir am besten. Der feine 22er oder 24er Haken wurde am 6er Vorfach mit ein oder zwei Mückenlarven beködert. Im Fazit war der 3. Durchgang dem 2. Durchgang sehr ähnlich, allerdings habe ich etwas mehr auf der 13m Bahn geangelt.

Durchgang 4: Harald (Plz 1 – 9066 Gramm), Burkhard Heil (Plz 2 – 3875 Gramm)

Der Wohl einfachste Durchgang für mich.... Es würde um Brassen gehen, das war mir vor dem Fischen klar. Ich fischte in diesem Durchgang etwas schwerere Posen zwischen 1,5 und 2 Gramm. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse (die Sonne kam von schräg vorn) musste ich in diesem Durchgang auch auf Glasfiberantennen umsteigen. Sicherlich ein Fakt der mich ungefähr fünf weitere Fische gekostet hat. Die eingesetzten Montagen waren typische Brassenmontagen mit einer 2-Punktbebleiung. Zwei 10er Schrote dienten hierbei als Bißblei und das 20er Vorfach ließ ich zur Hälfte aufliegen. Die Anfangsfütterung bestand aus 12 geworfenen Bällen purem Futter. Diese Bälle waren mit kleinen Mückenlarven, einigen geschnittenen Würmer und einer handvoll Castern durchsetzt. Sicherlich war dies meine mit Abstand massivste Anfangsfütterung, aber ich ging von Brassen aus und diese wollten am Platz gehalten werden. Zusätzlich habe ich noch einige Bälle auf die Matchrutenspur geschossen um diese meinem Nachbarn nicht komplett zu überlassen. Die 9m Bahn habe ich komplett außer acht gelassen und nicht befüttert da ich auf diesem Endplatz keinen Sinn erkennen konnte. Das Fischen begann dann gleich sehr beruhigend für mich, denn nach 3 Minuten hatte ich bereits einen Brassen der „Kiloklasse“ im Kescher.


Gleich ein paar gute Fische am Anfang und ein Lächeln für die Fotografen

Nach circa 20 Minuten waren es dann 5-6 Brassen und mir war klar, daß ich nichts verkehrt gemacht hatte. Nach ungefähr einer halben Stunde fing ich an regelmäßig nachzufüttern. Hierzu cuppte ich Erde mit reichlich kleinen Mücken und einigen geschnittenen Würmern auf meinen Platz, auch auf dieses Nachfüttern reagierten die Fische positiv. Am Ende des Durchgangs hatte ich dann 25 Bisse zu verzeichnen die zu 22 Brassen führten, 3 Fische hatte ich im Drill verloren. Wie schon eingangs beschrieben hätte ich bei besseren Sicherverhältnissen mit einer Stahlantenne sicherlich noch etwas mehr Fisch fangen können, denn auch auf dem Endplatz bissen die Fische sehr vorsichtig und spitz.

Durchgang 5: Harald (Plz 6 – 2161 Gramm), Roberto Massazette (Plz 5 – 899 Gramm), Burkhard Heil (Plz 7 – 625 Gramm)

Sicherlich der schlechteste Sektor auf der Strecke! Mein Ziel war es, hier eine Platzziffer im niedrigen Bereich der 20 Ziffern zu fischen. Hierzu wollte ich wieder 2 Kilogramm fangen. Das Füttern und die Montagen waren ähnlich den Durchgängen 2 und 3, jedoch fütterte ich hier auch die Matchrutenbahn konzentrierter mit, denn sie sollte hier eine Alternative sein. Ich hatte also 4 Alternativen: die 9m Bahn für die Barsche, die 13m Bahn als Weißfischbahn, die Ukeleispur sowie die Matchrutenspur für einen eventuellen Bonusfisch. Nach der Startfütterung konnte ich auf der Kopfrutenbahn einen kleinen Brassen sowie einige Rotaugen fangen. Nach diesen wenigen Fischen wurde es sehr, sehr ruhig auf allen Spuren. Das gleiche Phänomen konnte ich auch bei meinen Nachbarn registrieren, überall herrschte Ratlosigkeit und es wurden kaum Fische gefangen. Ich beschloß in diesem Durchgang mich auf das Befischen der Ukelei zu spezialisieren. Da die Umstände jedoch alles andere als optimal für das „Ukeln“ waren, mußte ich meine Technik anpassen. Bedingt durch den Rückenwind wurden die Ukeleis immer weiter herausgetrieben. Ich mußte also meine Montage auf diese Gegebenheiten anpassen und fischte eine 0,5 Gramm Pose auf 4 Teilen in 60 cm Wassertiefe über die Rutenspitze hinaus. Erschwerend kam hinzu, daß einfach nicht mehr soviel Ukeleis auf der Strecke waren. Dies bedeutete, daß ich sparsamer und genauer Füttern musste. Das Futter (Mosella Silverfish) dunkelte ich während des Durchgangs weiter ab um eine etwaige Scheuchwirkung zu vermeiden. Die wenigen geklebten Pinkis mußten möglichst zielgenau auf ca. 16m geschossen werden und dann die Montage unauffällig auf den Platz ausgependelt werden. Alles in allem keine einfache Geschichte. Bei meinen Nachbarn konnte ich sehen, daß sie die Ukeleis nicht richtig zum Stehen bekamen und wie schwierig das Fischen war. Im Endeffekt schien ich mit meiner Taktikumstellung alles richtig gemacht zu haben, denn ich konnte konstant etwas mehr Fisch fangen als meine Nachbarn. Die Matchrutenbahn befischte ich in diesem Durchgang ebenfalls, konnte aber nur kleine Rotaugen auf der Packlage fangen. Ich denke, ich konnte aus meinem Platz das optimale heraus holen und vermute, daß es richtig war, die Weißfischbahn zu vernachlässigen und voll auf die Ukeleis zu setzen.


Im letzten Durchgang folgte dann noch eine kleine Demonstration mit der Matchrute

Durchgang 6: Harald (Plz 22 – 3518 Gramm), Marco (Plz 21 – 1027 Gramm), Frank Weise (Plz 23 – 1216 Gramm)

In diesem Sektor der Strecke sollte wieder mehr Fisch kommen. Hinzu kam der Fakt, das ich im Training festgestellt hatte, das in diesem Sektor (Plätze 20 – 30) die Matchrute sehr gut zu fischen war. Aus meinen Trainingsdurchgängen waren meine Matchruten noch passend auf diese Plätze eingestellt und konnten ohne Änderungen eingesetzt werden. Die Fütterung bestand aus 3-4 Bällen geworfenem Futter mit Pinkis und Mückenlarven für die Kopfrute und circa 10 Bällen Futter mit reichlich Mückenlarven und Castern für die Matchrute. Nach der Startfütterung konnte ich auf der Kopfrute einen kleinen Brassen sowie einige Rotaugen fangen. Dann gestaltete sich das Fischen auf der Kopfrute jedoch sehr schwierig und ich bekam keinen Fangrhythmus auf die Kopfrute. Nach 30 Minuten fütterte ich mit dem PoleCup alle 15 Minuten ein Gemisch aus Erde und Mücken nach und wechselte auf die Matchrute. Hier konnte ich sofort Fisch fangen. Unter anderem, durch Zufall, einen kleinen Brassen am Ende der Packlage, direkt an der Kante zum tieferen Kanalbereich. Durch diesen Zufallsfang animiert, stellte ich meine Posenmontage 10 Zentimetertiefer und probierte ob weitere Brassen am Rand der Packlage standen. Sofort bekam ich meinen nächsten Biss und konnte den nächsten Brassen landen. Die Brassen waren also im tieferen Wasser und taten sich an meinem Futter gütlich. Wichtig beim Fischen auf die Brassen war den Köder absolut ruhig am Rande der Packlage anzubieten. Hierzu musste die Montage auf die Packlage geworfen werden und dann sehr vorsichtig von dieser herunter gezogen werden damit der Köder direkt hinter der Kante liegen bleib. Zog ich den Köder zu weit ins tiefe Wasser,  begann dieser zu driften und ich bekam keinen Biss mehr. Meine Wagglermontage bestand aus einem 6 bzw. 8 Gramm Zoomer, der 19er Haken wurde am 7er Vorfach mit 3 Mückenlarven beködert. Die Matchrute musste regelmäßig befüttert werden, unter anderem nach jedem Schiff bzw. alle 15-20 Minuten. Den Fisch schien das Nachfüttern nicht zu stören und das eingebrachte Futter mit den Ködern hielt die Fische am Platz. Während des Durchgangs kam einige Male etwas Strömung auf den Kanal. In diesen Momenten machte das Fischen mit der Matchrute keinen Sinn, denn die Brassen wollten einen absolut ruhigen Köder. In diesem Zeitraum war es wichtig, wieder mit der Kopfrute zu fischen und dort weitere Fische einzusammeln (der Platz wurde ja während der ganzen Zeit weiterhin alle 15 Minuten befüttert). So konnte ich unter anderem 2 Brassen in der letzten Stunde während einer Driftperiode mit der Kopfrute fangen.


Interview mit Benjamin Hoffmann zum Sichtungsfischen


  Hallo Benjamin,

zu Beginn möchten wir Dir zu Deinem erfolgreichen Abschneiden bei Deinem ersten Sichtungsfischen gratulieren. Sicherlich ist Dein Name vielen Anglern in Niedersachsen ein Begriff, bundesweit gibt es da sicherlich Nachholbedarf. Daher die Bitte an Dich um eine kurze Vorstellung Deiner Person.


BH: Hallo und Danke für die Glückwünsche! Meine Name ist Benjamin Hoffmann, bin  Jahrgang 1981 und wohne in Sulingen (Anm. der Red.: ca. 30 km von Nienburg an der Weser entfernt). Ich angele seit meinem 5. Lebensjahr und das im Verein des ASV Sulingen. Ich bin in der glücklichen Lage bei meinen Aktivitäten von meinem Verein und der Firma Sensas unterstützt zu werden. Im letzten Jahr habe ich meine Ausbildung zum Heil- und Erziehungspfleger abgeschlossen und gehe diesem Beruf seitdem nach.
 


CT: Du wirst Teil des deutschen Champions-Team bei er EM 2009 in Slowenien sein. Kannst Du uns kurz skizzieren wie Dein Weg zur EM verlaufen ist?

BH: Eigentlich habe ich meine Teilnahme bei der EM Thorsten Pohl vom ehemaligen AC Okertal zu verdanken. Mein Weg begann beim Anglertreff Niedersachsen 2007. Bei diesem Fischen hatte es „eigentlich“ nicht für mich gereicht, um eine Einladung zum Team Niedersachsen zu bekommen. Einige Angler waren einfach besser und wären eigentlich „dran“ gewesen. Da Torsten Pohl aber aus privaten Gründen nicht im Team Niedersachsen fischen wollte, wurde ich als erster „Nachrücker“ eingeladen und nahm diese Einladung gerne an. Das Angeljahr 2008 sollte dann also mein erstes Angeljahr im Team Niedersachsen werden. Die Durchgänge führten mich dann an den Gnevesdorfer Vorfluter. An diesem Gewässer galt es in starker Strömung Brassen zu fangen. Die Durchgänge 3 und 4 absolvierte ich mit dem Team dann beim diffizilen Fischen in Alt Brieselang. Letztendlich konnte ich dann gleich im ersten Jahr „Team Niedersachsen“ eine Einladung zum Anglertreff Einzel am Mittellandkanal erangeln. Der Anglertreff für Einzelangler 2008 wurde in Bülstringen, Sachsen-Anhalt abgehalten. Ich probierte mich auf meinen ersten Anglertreff möglichst perfekt vorzubereiten und verbrachte die Wochenenden vor dem Fischen fast komplett am Mittellandkanal in Bülstringen. Diese Anstrengungen sollten sich auszahlen und mein Lauf wurde mir fast etwas unheimlich, denn auch bei meinem ersten Anglertreff konnte ich soweit überzeugen, daß ich eine Einladung für das Sichtungsangeln 2009 in Wustermark erhielt. Und was soll ich sagen, auch hier konnte ich mich durchsetzen und jetzt fahre ich nach Slowenien. Wie gesagt, begonnen hat das alles im Jahr 2007 mit der Absage von Torsten Pohl. Ich denke es ist Zeit hier einmal DANKE zu sagen.

CT: Wie sah Deine Vorbereitung auf das Sichtungsfischen 2009 aus?

BH: Ähnlich wie beim Anglertreff  2008 in Bülstringen legte ich sehr viel Zeit in Vorbereitung auf den Event. 2 Wochen vor dem Sichtungsangeln verbrachte ich das Wochenende am Kanal und machte mich mit den Bedingungen vertraut. In dieser Zeit hatte ich das Glück bei Marco Beck und seiner Frau Astrid übernachten zu dürfen und mich dort wie zu Haus zu fühlen - an dieser Stelle mein „Dank“ an die Beiden. Nach diesem langen Osterwochenende fuhr ich dann wieder nach Hause und bereitete mich weiter vor. Am Samstag dem 18. April reiste ich dann ans Gewässer und wir begannen im Team zu trainieren. In unserem kleinen Team, bestehend aus Maik Osterwald, Peter Schührer, Frank Wiese, Marko Beck und mir, befischten wir das Gewässer und tauschten unsere Informationen aus. Gerade für einen relativ unerfahrenen Angler wie mich war es wichtig von den Erfahrungen eines Peter Schührer oder auch Marco Beck zu profitieren. Gerade das Angeln auf die Ukelei war für mich vollkommenes Neuland, welches ich zu betreten hatte. Hier konnte mir die Beiden wertvolle Tips geben. Bei unseren gemeinschaftlichen Abendessen gab es dann einen regen Gedankenaustausch und gerade die Ideen von Marco waren teilweise sehr erstaunlich für mich und öffneten mir neue Gedankengänge zum Fischen. Mir wurde aber auch schnell klar, daß ich meinen eigenen Weg beim Fischen finden mußte, denn eine Kopie von Marcos Angelstil war für mich in der kurzen Zeit nicht möglich. Die Trainingstage zeigten dann aber auch, daß ich auf einem sehr guten Weg war und so konnte ich in dieser elitären Truppe mit meinen Ergebnissen doch immer ganz vorne mitfischen.

     

 Benjamin Hoffmann hochkonzentriert...

 

 ... und mit dem nächsten Fisch



CT: Wie sah Deine Taktik vor dem ersten Durchgang aus?

BH: Das Training hatte gezeigt, das der Havel-Kanal in Wustermark jeden Tag ein anderes Gesicht zeigte und man flexibel fischen musste. Im Allgemeinen wartete ich immer die ersten 15 Minuten des Durchgangs ab, nach dieser Zeit versuchte ich meinen Platz zu analysieren und entscheid mich dann wie es weiter gehen sollte. Für mich bestanden 3 Möglichkeiten:

A.    Das Angeln auf große Fische am Grund: In diesem Fall formte ich harte Bälle mit Castern und vor allem Mückenlarven und setzte diese sauber mit dem PoleCup auf meinen Futterplatz ab. Auf diesem Futterplatz angelte ich dann relativ statisch mit Posen (meist mit Stahlantenne) der Gewichtsklassen 1,2 – 1,5 Gramm auf die größeren Fische
B.    Das Angeln auf Rotaugen: Der Futteranteil wurde erhöht und die Ballen nur lose gedrückt, so daß ich einen aktiven Futterplatz am Grund hatte. Dazu schoss ich regelmäßig einige Pinkis auf meinen Platz um die Rotaugen durch die herabrieselnden Pinkis in einem Fressrausch zu bringen. Die Posengewichte wählte ich dann etwas leichter, fischte aber weiterhin mit Stahlantenne.
C.    Das Fischen auf Ukelei: Wie schon beschrieben, war dieses Feld für mich relativ neu und ich profitierte hier stark von den Peter Schührer und Marco Beck. Beim Training hatten wir herausgefunden, das die Ukelei sich zwar ins flache Wasser füttern ließen, aber aus diesem flachen Bereich dann sehr schnell verschwanden. Aus diesem Grund fütterten wir uns die Rotaugen nicht dichter als 11,5m heran und achteten darauf, das die Ukelei mindestens 2m Wasser unter sich hatten. So blieben die Ukelei länger am Platz und ließen sich dort auch fangen. Ich befütterte die Ukelei mit Oberflächenfutter von Sensas und gab diesem Futter noch einige Mückenlarven bei. Generell reagierten die Ukelei sehr positiv auf Mückenlarven, so daß ich teilweise Mückenlarven pur auf die 11,5m Bahn warf, wenn der Wind dies zuließ. Ferner reagierten die Ukelei sehr empfindlich auf den Schatten der Kopfrute, so daß es empfehlenswert war, die Ukeleimontage immer über die Rutenspitze heraus zu pendeln.

CT: Was war für Dich wichtig während der Durchgänge?

BH: Flexibilität war sicherlich einer der Schlüssel zum Erfolg. Fischte man nicht mit höchster Konzentration und beobachtete nicht aufmerksam seine Nachbarn, so konnte man wichtigen Boden verlieren, denn es galt wirklich jeden Fisch zu erarbeiten und man durfte sich von teilweise sehr langen Beißpausen nicht „verrückt“ machen lassen.

CT: Wie wurde so ein relativ junger Angler wie Du im Kreis des Champions-Team aufgenommen?

BH: Die Teilnehmer begegneten mir sehr positiv und mit Respekt. Nach den Durchgängen unterhielt man sich über diese und tauschte dabei Informationen aus. Für mich war die Aufnahme in diesen Kreis kein Problem und ich fühlte mich wohl. Wobei gerade der Kreis um Marco Beck, Peter Schührer, Maik Osterwald und Frank Weise meine ersten Ansprechpartner waren.

CT: Für die interessierten Nachwuchsangler unter unseren Lesern, mit welchen Kosten muss man rechnen, wenn man erfolgreich an einem Sichtungsangeln teilnehmen möchte?

BH: Ich denke, daß mich das Sichtungsangeln ungefähr 1000€ gekostet hat. Sicherlich ein stattlicher Betrag, aber mir ist es diese Erfahrung wert. Es ist sicherlich so, dass man ohne einen gewissen finanziellen Background und Unterstützern ein Sichtungsangeln nicht stemmen kann. Aber ich denke, dies ist fast allen ambitionierten Matchanglern bekannt.

CT: Zum Abschluß dieses Interviews noch kurz Deine Ziele für die nächsten Jahre?

BH: Sicherlich ist es mein oberstes Ziel mich im Champions-Team zu halten und zu etablieren. Dieses Ziel wird sicherlich nicht einfach umzusetzen sein, denn die Dichte der Teilnehmer war sehr hoch und oft entscheiden nur Nuancen oder etwas Glück über Sein oder Nichtsein. Natürlich habe ich auch den Traum Einen oder besser noch beide Durchgänge bei einer EM oder WM zu fischen - man wird sehen.

Auch Deine Meinung ist gefragt!
0 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren