Interview mit Thorsten Küsters, Einzelsieger des Anglertreff Feeder 2012

  • von ct Redaktion
  • 24. Mai 2012 um 08:31
  • 9

Aus Nordrhein Westfalen kam nicht nur das Überraschungsteam des diesjährigen Anglertreffs Feeder am Teltow Kanal in Berlin, sondern mit Thorsten Küsters auch der erfolgreichste Einzelangler. Medial bisher noch nicht allzu sehr im Rampenlicht hat sich unser Redakteur David Möller einige Tage nach dem Anglertreff mit Thorsten für ein Interview getroffen und ihn zum Team, den verfolgten Taktiken und speziell seinem tollen Einzelerfolg befragt.

CT: Stell dich und das Team doch bitte einmal kurz vor
TK: Jens Koschnick, 24 Jahre, Oberhausen, Wolfgang Wierzba Düsseldorf, Thorsten Küsters, 28 Jahre, Willich, Thomas Drese, 52 Jahre, Kamp-Linfort, Ole Baklarz, 49 Jahre, Langenfeld

Das Team NRW
Das Team NRW


CT: Welche Informationen hattet ihr im Vorfeld über den Teltowkanal?
TK: Wir hatten sehr wenig Infos im Vorfeld wussten nur das der Kanal schmal, die Gewässertiefe nahezu gleich ist und das die Mückenlarve der Hauptköder sein wird.

CT: Habt ihr euch im Vorfeld zu den Favoriten gezählt?
TK: Nein, wir haben uns nicht als Favorit gesehen, eher als Außenseiter, die den Großen ein Bein stellen wollten. Was ja auch geklappt hat

CT: Welchen Weg musstet ihr bestreiten um beim Anglertreff am Teltowkanal teilnehmen zu können?
TK: Wir haben uns über den Bezirk für den Landesverband empfohlen. Beim Landesverband NRW ist es dann so, dass nach einem weiteren Angeln 5 Einzelangler zum Anglertreff gesendet werden.

Mit Thorsten Küsters und Thomas Drese waren am Ende zwei Angler aus NRW unter den Top 5
Mit Thorsten Küsters und Thomas Drese waren am Ende zwei Angler aus NRW unter den Top 5


CT: Wann seid ihr angereist und wie viele Tage waren fürs Training am Teltowkanal eingeplant?
TK: Wir sind am Dienstag angereist, haben uns dann erst einmal das Gewässer angeschaut. Mittwoch bis Freitag waren  fürs Training eingeplant.

CT: Hattet ihr im Vorfeld schon Erfahrungen mit Mückenlarven beim Feedern sammeln können?
TK: Nicht wirklich, wir haben hier bei uns in der Ruhr etwas damit rumexperimentiert. Haben dann eig. die Hoffnung ins Training gesetzt, dass wir dort möglichst viele Erkenntnisse sammeln können.

CT: Habt ihr im Training unterschiedliche Futtermischungen getestet?
TK: Die Basismischung war eigentlich bei jedem gleich. Es wurde nur unterteilt zwischen hell und dunkel. Außerdem haben wir unterschiedliche Lockstoffe getestet. Hinzu kam noch der Test, ob die Fische auf süßes oder salziges Futter reagieren. Am Ende hat sich eine dunkle, neutrale, auf Lebkuchenbasis basierende Futtermischung als optimal herausgestellt.

CT: War Erde im Einsatz und wenn ja wie wurde sie eingebracht?
TK: Nein wir haben keine Erde gefischt. Das ist beim Feedern problematisch. Die Konsistenz des Futters ist oft entscheidend. Diese ändert sich natürlich beim Einsatz von Erde/Lehm zu sehr. Von daher haben wir uns für pures Futter entschieden.

CT: Wie wurden die 2.5l Köder im Durchgang aufgeteilt?
TK: Fest eingeplant waren 0.5l kleine Mückenlarven und Vers de Vase als Hakenköder. Dann 0.5l Caster, 0.25l Würmer, Maden und Pinkys jeweils 0,25l.

CT: Wie sah eure Anfangsfütterung aus? Wie viele Körbe auf wie vielen Spuren wurden mit welchen Ködern eingebracht?
TK: Für die 40m Bahn 3-4 Körbe komplett ohne Lebendköderanteil, reines Futter. Auf der kurzen Bahn auf 20m auch 3-4 Körbe mit kleinen Mückenlarven.

CT: Da muss ich noch einmal nachhaken. Wieso habt ihr speziell auf der 40m Spur Futter ohne Lebendköderanteil gefüttert? Das wäre im Stippbereich eigentlich undenkbar.
TK: Die Taktik bestand darin, draußen die wenigen Standfische einzusammeln. Die Fische sollten nur einen Köder finden, nämlich genau unseren Hakenköder.

Oliver Baklarz kurz vor der Landung eines kleinen Brassens
Oliver Baklarz kurz vor der Landung eines kleinen Brassens


CT: Gab es eine einheitliche Taktik die umgesetzt wurde?
TK: Wir wussten, dass die kürzere Bahn die bessere ist. Haben aber im Training festgestellt, dass  man in der ersten halben Stunde auf der 40m Spur die Standfische wegfangen musste, weil danach auf dieser Spur mit wenig Fisch zu rechnen war.  Nach 30min wechselten wir auf die kurze Bahn und fischten dort bis zum Ende durch.

CT: Habt ihr während dem Verlauf des Angels die Taktik ggf. individuell anpassen müssen?
TK: Eigentlich haben wir alle die Taktik von Anfang bis Ende so beibehalten. Das einzige was variiert werden musste, waren die Hakenköder. Der Anteil an Mücken im Futter spielte auch eine wichtige Rolle.

Oliver Baklarz aus NRW hatte den größten Fisch des Anglertreffs am Haken
Oliver Baklarz aus NRW hatte den größten Fisch des Anglertreffs am Haken - Slideshow -



CT: Welcher Hakenköder war an beiden Wettkampftagen der beste?
TK: Zu Beginn fingen wir auf die Kombination 3 Vers de Vase + 1 Caster, je weiter das angeln fortschritt desto besser funktionierten reine Mückenlarven am Haken. So etwa 2-3 Stück. Wir haben teilweise auch gut mit Mistwurm + Caster gefangen. Sozusagen als Mückenimitat. Das hat auch gut funktioniert.

CT: Wart ihr zufrieden mit den gelosten Plätzen?
TK: Ich persönlich nicht. Am ersten Tag zog ich mit B16 zwar einen fischreichen Sektor, jedoch waren auf den niedrigen Nummern die meisten Fische zu erwarten.  Die anderen saßen auch eher mäßig. Wir hatten also am ersten Tag keinen Außenplatz. Am zweiten Tag hat sich das Blatt zu unseren Gunsten dann etwas gewendet. Wir zogen A1 als absoluten Kopfplatz, der von Thomas Dreese befischt wurde. Am Vortag kam von diesem Platz die absolute 1 von Michael Zammataro. Thomas hat am Ende des zweiten Tages die 2 im Sektor gemacht. Dann mit E17 hatten wir einen fast Außenplatz, wo sich Jens Koschnik mit einer tollen Leistung die 2 im Sektor sicherte. Wolfgang, Ole und ich saßen eher in der Mitte der Sektoren.

CT: Auf wie viele Betreuer konntet ihr zurückgreifen?
TK: Auf zwei, Uwe Gohr und Jürgen Koschnick. Hier nochmal ein Dank für die tolle kilometerpflasterei an der Strecke. Sie haben der Mannschaft viele wichtige Informationen während des Angels weitergeben. Vielen Dank auch nochmal vom ganzen Team!

CT: Gibt es schon eine Zusage für die WM in Südafrika seitens des Teams?
TK: Auf jeden Fall! Egal wo die Weltmeisterschaft stattfinden wird, wir als Team NRW freuen uns und sind stolz für Deutschland starten zu dürfen und werden die Chance auf jeden Fall wahrnehmen.

Thorsten Küsters mit einem seiner größten Gesamtfänge, gefangen in Holland
Thorsten Küsters mit einem seiner größten Gesamtfänge, gefangen in Holland


Thorsten Küsters war mit der Idealplatzziffer 2 und 26.064 Gramm der erfolgreichste Einzelangler beim Anglertreff Feeeder. David Möller hat ihn noch einmal nur zu seiner Person und seinem Einzelerfolg befragt.

Thorsten Küsters Einzelsieger des Anglertreffs Feeder 2012

CT: Hallo Thorsten wie fühlt man sich als frischgebackener Feeder-Anglertreffsieger?
Thorsten: Ja gut natürlich. Es haben mir sehr viele Leute gratuliert und ich  freue mich natürlich riesig über diesen Erfolg. Vielen Dank nochmal!

CT: Wie lange bist du nun in der Feederszene aktiv?
Thorsten: Eigentlich erst seit knapp 4 Jahren. Seit 2 Jahren befasse ich mich intensiver mit dieser Angeltechnik.

CT: Wie bist du speziell an beiden Tagen vorgegangen? Fangen wir mit Tag1 an:
Thorsten: Am ersten Tag auf B16 versuchte ich zu Beginn auf der langen Spur, auf der ich auch sofort drei kleine Brassen fangen konnte die Standfische wegzufangen. Danach wechselte ich sofort auf die kurze Spur, da meine Nachbarn dort schon Fische fingen. Ich fing dort mit zwei Mücken + Caster am Haken mehrere Fische, wobei ich auch noch drei gute Kilo-Brassen fangen konnte. Zum Schluss fing ich noch einen Aland von 1.8kg und am Ende konnte ich mir dann mit 18.5kg den Sektorensieg mit weitem Vorsprung auf den Zweitplatzierten sichern. Wobei ich sogar noch eine Brasse von ca 2kg kurz vorm Kescher verloren habe.

Thorsten an einem seiner Trainingsgewässer, der Ruhr
Thorsten an einem seiner Trainingsgewässer, der Ruhr - vergrößern -


CT: Bissen die Fische über die 4 Stunden konstant durch?
Thorsten: Es waren eigentlich die ganze Zeit Fische am Platz. Man musste halt ständig den Köder wechseln. Ganz wichtig war der Mückenanteil im Futter. Waren zu wenig Mücken im Futter, ließen die Bisse sofort nach.
Ich fütterte immer nach folgendem Schema 2-3 Körbe mit vielen Mücken, danach wurden wieder 2-3 Körbe ohne Lebendköderanteil eingebracht.

   
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CT: Wie lief Tag2:
Thorsten: Am zweiten Tag zog ich die D17 auf dem am Vortag 1287 Gramm gefangen wurden und die PZ9 kam. Keine gute Ausgangssituation. Ich begann mit der gleichen Taktik wie am 1 Tag. Fing auf der langen Bahn eine Brasse und wechselte danach sofort wieder auf die kurze Spur. Der erste Biss den ich auf der kurzen Spur bekam war eine Brasse von ca 1kg, die ich leider während des Drills verlor.
Nach weiteren 3 kleinen Rotaugen setzte eine Beisspause ein. Zum Glück liefen die Brassen nach 45 Minuten wieder auf meinem Futterplatz ein. Ich konnte dann viele kleine Brassen fangen und in der letzten Stunde hakte ich noch eine große Brasse von ca. 1kg an der Brustflosse und konnte diese dann nach einem 8minütigen Drill auch sicher landen.


Michael Schlögl sagte mir während des Durchgangs, dass ich weit vorne liegen würde, jedoch wusste er auch, dass auf D1 auch einige gute Brassen gefangen wurden. Es war zu dem Zeitpunkt also noch nichts entschieden. Als der Platz D1 dann verwogen wurde und die Waage bei 6.5kg stehen blieb war alles perfekt. Ich konnte mir mit 7.5kg den zweiten Sektorsieg sichern. Die Freude über meinen Sieg war natürlich riesig.


CT: Mit welchem Material bzw. welcher Montage hast du gefischt?

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Thorsten: Ich habe eine handgebaute Feederrute von Rolf Horsten vom Hot-Spot Angelsport in Krefeld  mit einer Länge von 4.11m mit 90g Wurfgewicht, aufgebaut auf einen Kevlarblank von Sportex und einer 0.5 Oz Spitze gefischt. Als Rolle verwendete ich die Shimano XTE-A Baitrunner 10000. Hauptschnur war die Stroft GTP R2 0.08mm, Schlagschnur die Stroft ABR in 0.25mm. Die Vorfächer waren 70cm lang mit 0.12mm Stroft GTM mit dem Tubertini Haken Serie2 in den Größen 14 und 15.  Als Montage verwendete ich eine normale Durchlaufmontage mit 15 g Futterkorb auf der kurzen und 30 g auf der langen Bahn.

Thorsten mit dem begehrten Pokal für den besten Einzelangler des Anglertreffs und der silbernen Mannschafts- sowie der goldenen Einzelmedaille
Thorsten mit dem begehrten Pokal für den besten Einzelangler des Anglertreffs und der silbernen Mannschafts- sowie der goldenen Einzelmedaille - Slideshow -


CT: Damit wären wir soweit durch und möchten uns herzlich für die offenen Worte bedanken und Dir alles Gute für die Zukunft wünschen. Möchtest du noch irgendwem danken?
Thorsten: Ich möchte mich nochmal bei meinem Vater bedanken, der mir das Angeln schon als kleines Kind beigebracht hat und natürlich meiner Freundin Ann-Christin die das alles mitmacht. Denn Angeln kostet bekanntlich viel Zeit und Geld.

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9 Kommentare
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  • thorsten küsters
    aus willich
    Danke
    Toni, Diaflash, ihr sprecht mir aus der Seele. Ich habe mit PZ B 16 und D 17 beide durchgänge in der mitte gesessen und konnte meine fische fangen. Ich denke die Taktik war entscheident und nicht der Platz!! Wer die richtige Taktik gewält hat war am ende auch vorne unabhängig vom platz!! Danke Toni für die glückwünsche!!
  • Toni Bougé
    aus Erftstadt
    Losglück
    Ohne wenn und aber, Thorsten hat eine Top Leistung hingelegt und dazu nochmals Glückwunsch. Es wäre wünschenswert wenn Top Leistungen auch als solche erkannt werden und nicht "nur mit gutem Sitzen" abgetan werden.
  • Diaflash
    aus Leipzig
    Losglück
    Übrigens: Wenn man bei großen Wettbewerben vorn sein will, braucht man neben viel Können und Ahnung auch etwas Losglück. Das gilt vom Shimanopokal bis hin zu einer Weltmeisterschaft. Dort wird übrigens prinzipiell ohne Abfänger gefischt. Und was ich persönlich immer als großen Mist empfinde, wenn gute Leistungen abgetan werden, na ja der hat ja auch gut gesessen. Und bei einem selbst stand natürlich der Meterhecht. ;-) Auch auf guten Plätzen springen einen die Fische nicht allein in den Kescher.
  • Diaflash
    aus Leipzig
    Losschlüssel
    Auch bei einen Losschlüssel werden am 2. Tag Sektoren verlost. Es gibt also keinen absolut fairen "glücksfreien" Losschlüssel. NRW hätte genausogut am Tag 2. die E1 haben können und die A 16. Am Tag 1 waren die Plätze am Ende von E übrigens nicht die Bringer. Na klar war die A1 ein Topplatz! Unbestritten, aber am Ende angeln in einem Team 5 Leute und nicht nur 1 oder 2.
  • onkel tom
    aus roermond
    Losglück
    @Kilobrassen am Kopf und am Ende Abfänger wäre eine möglichkeit.Sollte man vieleicht drüber nachdenken
  • onkel tom
    aus roermond
    Losglück
    Glückwunsch Thorsten Glückwunsch Team NRW Siege aus der mitte sind die schönsten:-) Gruß Tom
  • Kilobrassen
    aus Langenhagen
    Losschlüssel
    Darf es sein, dass ein Team bei einem Losschlüsselsystem bei zwei Außenplätzen auf der Strecke einmal einen Endplatz hat und einmal einen vorm Ende sitzt? Bei so vielen Mannschaften müsste doch eine Mannschaft die auf der einen Seite außen sitzt auf der anderen Seite eher sehr weit drinnen sitzen, oder? Andere Mannschaften waren nicht mal ansatzweise an den Außenplätzen dran. Ich komme selbst aus NRW und gönne es den Kumpels von Herzen, aber so ganz unbevorteilt bei drei Punkten Abstand zum 3. Platz scheint mir das nicht zu sein. Oder geht das nicht anders? Gruß Micha
  • Der_Martin
    "" KlauBa ( Beobachter in Berlin )""
    Auf den Punkt genau getroffen, Beobachter ob mit oder ohne Fernglas.
  • KlauBa
    aus Büttelborn
    TK
    Hallo Wie im Interview schon deutlich wird, ein klasse Kerl mit viel Sachverstand und äußerst sympatisch ! Toi,toi,toi für die weitere Karriere !!! KlauBa ( Beobachter in Berlin )