Interview mit Mario Litschl über die WM 2012 in Tschechien

  • von Reinhard Nadlinger
  • 13. November 2012 um 04:16
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Reinhard Nadlinger: Erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinem tollen Erfolg! Ein 4. Platz bei einer Weltmeisterschaft kann sich schon sehen lassen. Kannst du uns ein paar Fragen beantworten und deine Eindrücke von dieser Veranstaltung schildern?


Mario Nitschl mit Teamkapitän Andreas Steyrer

Mario Litschl: Danke für die Glückwünsche. Ja, was soll ich sagen, meine ersten Weltmeisterschaften und dann passiert so etwas. Ich möchte mich auf diesem Weg bei allen Gratulanten für die vielen positiven Reaktionen und Glückwünsche bedanken. Auch möchte ich hier ausdrücklich feststellen, dass so ein Erfolg mit Sicherheit kein Einzelerfolg ist. Ohne das gesamte Team und ganz besonders die Betreuer sind Erfolge auf diesem Niveau nicht möglich.

Reinhard Nadlinger: Welche Infos hattet ihr über das Gewässer im Vorfeld?
Mario Litschl:
Nun, uns war dieses Gewässer nicht unbekannt. Wir hatten vor einigen Jahren dort bereits Qualifikationsbewerbe zur Club WM geangelt. Im Laufe des Jahres haben wir aber Infos bekommen, dass sich die Angelei dort sehr verändert haben soll. Die großen Brassen seien nur mehr sehr vereinzelt auf der Strecke, die Ukeleiangelei würde dort inzwischen dominieren. Auch die Welse sollten eine immer größere Rolle spielen.

Die Strecke


Reinhard Nadlinger:Welche Eindrücke konntet ihr während der Trainingswoche gewinnen? Veränderte sich das Gewässer während des Trainings?
Mario Litschl: Die gesamte Trainingswoche verlief für uns als Team sehr unterschiedlich. Montag konnten wir im C-Sektor fast keine größeren Fische fangen, die Ukeleis dominierten auf allen Linien. Am Dienstag  im A-Sektor plötzlich völlig andere Voraussetzungen. Dort konnten wir das erste Mal wirklich regelmäßig größere Fische fangen. Am Mittwoch im D-Sektor waren wieder nur die Ukeleis und nur sehr vereinzelt Grundfische zu fangen. An diesem Tag angelten die Jungs aus Deutschland neben uns und wir konnten feststellen, dass auch dort dieselben Ergebnisse erzielt wurden. Auch England in der unmittelbaren Nähe hatte scheinbar keinen Schlüssel zum Erfolg gefunden. Am Donnerstag änderten sich die Bedingungen schlagartig, starker Dauerregen und kräftiger Wind machten ein Training im E-Sektor unmöglich, alle Boxen blieben leer. Der Wasserstand der March begann zu steigen und die Strömung wurde von Stunde zu Stunde stärker. Damit mussten die Montagen und das Futter für das Abschlusstraining am Freitag komplett neu angepasst werden. Am Freitag das Abschlusstraining im B-Sektor. Lutscher bis ca. 15g waren notwendig um vernünftig Angeln zu können. Für Samstag war noch eine Erhöhung des Wasserstandes vorher gesagt.

Reinhard Nadlinger: Welche Strategie habt ihr als Team für den ersten Tag festgelegt?
Mario Litschl: Unser Plan war etwas flexibel ausgelegt, je nach Platz und Sektor wollten wir die erste Stunde auf Ukelei angeln. Dabei wurde mit der Speedrute oder, falls es der Grund zuließ, mit der Stipprute auf Top 5 geangelt. Die jeweiligen Betreuer sollten beim Eintreffen der ersten Grundfische die Entscheidung über einen Wechsel auf die 13 Meter Bahn treffen. Ansonsten wollten wir bei den Ukeleis bleiben und diese falls notwendig auch auf der 13 Meter Bahn beangeln.


Tag 1 - Sektor B - Platz 3


Reinhard Nadlinger: Welches Futter bzw. Erde hast du verwendet?
Mario Litschl: Ich verwendete eine Mischung aus 1 kg Sweet Bream, 1 kg Black Magic (Browning) und 0,5 kg TTX mit etwas Süßstoff angereichert. Dazu kam eine schwere Flusserde, die schließlich die10 Liter Futter für die Startfütterung ergaben. Dieser Mischung wurden noch 200 ml Würmer und 200 ml Caster sowie 100 ml kleine Mücke beigefügt.

Die gesamte Mischung wurde zu Beginn auf die 13 Meter Bahn geworfen. 4 Liter Double Lehm hatte ich zum cuppen vorbereitet, wobei ich am Anfang sechs Bälle mit vielen Mücken und sehr klein geschnittenen Würmer gecuppt habe. Zum Ukeleiangeln hatte ich noch 6 Liter Ukeleifutter mit leichter Erde vorbereitet.

Reinhard Nadlinger: Wie habt ihr eure Lebendköder zusammengestellt?
Mario Litschl: An Köder haben wir 500 ml große Mücken, 500 ml kleine Mücken, 500 ml kleine Würmer, 500 ml Caster, 250 ml tote Maden und 250 ml Pinkie für die Ukelei verwendet.

Reinhard Nadlinger: Kannst du uns deine Eindrücke vom ersten Tag schildern?
Mario Litschl: Das Los hatte mich in den B-Sektor auf die 31 gebracht. Ein Platz direkt unter einer Versorgungszone, mitten in der Stadt. Bereits während der ersten Vorbereitungen waren viele Leute anwesend. Ich dachte noch, na das kann ja was werden. Bernd Bohatzsch, einer meiner Betreuer, meinte „du hast einen sehr starken halb Sektor gelost, mit Raison, Gabba, Erdei und Aufderhaar“.

Während dem Aufbauen war keine Zeit mehr für weitere Gedanken. Für die 13 Meter Bahn hatte ich ausschließlich Cralusso Posen von 8 bis 30 g aufgebaut. Für die Ukeleiangelei hatte ich noch Speedruten bis 5 Meter vorbereitet. Die kurze Bahn mit Top 5 konnte ich nicht angeln, der Grund war einfach nicht geeignet.

Bereits kurz nach dem Start konnte ich die ersten Ukeleis mit der 3 Meter Rute fangen, ein schöner Rhythmus war möglich und so konnte ich wie alle anderen im Sektor Ukelei für Ukelei fangen. Die ersten eineinhalb Stunden wurden nur Ukeleis gefangen. Als mein oberer Nachbar auf die 13 Meter Bahn wechselte, konnte er sofort eine große Brasse fangen.


Am ersten Tag klappte es mit den Brassen


Da das Ukeleiangeln mit zunehmender Zeit immer schwieriger wurde, wechselte ich auch auf die 13 Meter Bahn, konnte dort aber keinen Erfolg verbuchen. Ich fütterte deshalb mit dem Pole Cup nochmals sechs Bälle Double Lehm mit kleinen und etlichen großen Mücken nach und wechselte wieder für 15 Minuten auf die Speedrute. Da einige Angler oberhalb weitere vereinzelte Brassen fangen konnten wechselte ich wieder auf die 13 Meter Bahn – nun waren die Fische da. Nach einigen kleineren Brassen konnte ich einen Fisch von ca. 1500 g landen. Ich wusste, jetzt ist einiges möglich. Als mir mein Betreuer Andreas Steyrer dann noch mitteilte, dass mich Alan Scotthorne beobachten würde, war es kurzfristig sehr schwierig für mich, die Mücken sauber auf den 18er Haken zu bekommen. Nach jedem Brassen cuppte ich eine Kugel Double Lehm mit vielen Mücken. So konnte ich meinen Rhythmus beibehalten und noch weitere kleinere Brassen landen.

Nach dem Schlusssignal begann das Bange warten. Was würden meine Brassen an Gewicht bringen? Bei der Abwaage konnte ich mit 5562 g das bis dahin höchste Gewicht vorweisen – würde das aber für die Eckplätze reichen? Nach einigen Minuten stand es aber fest, ich hatte den Sektor gewonnen!

Reinhard Nadlinger: Kannst du uns deine Gedanken schildern?
Mario Litschl: Unbeschreiblich! Viele Gratulationen und Glückwünsche, auch von den Nachbarn und Zuschauern. Ich hatte Gänsehaut und bereits Gedanken an den nächsten Tag.
Bereits nach kurzer Zeit erreichte uns die Info, das wir punktegleich mit Deutschland auf dem 5. Platz der Mannschaftswertung lagen. Auch Markus Balogh hatte seinen Sektor mit einigen großen Brassen gewonnen.

Reinhard Nadlinger:  Ich nehme an, jetzt war Feiern angesagt?
Mario Litschl: Sofort nach der Rückkehr ins Quartier wurde mit einem Bier auf unseren Erfolg angestoßen. Gleichzeitig begannen die Planungen für den nächsten Tag. In der Mannschaftsbesprechung beschlossen wir unsere Taktik am nächsten Tag etwas offensiver auszurichten.

Reinhard Nadlinger: Welche Veränderungen habt ihr gegenüber dem ersten Tag vorgenommen?
Mario Litschl: Wir wollten mit einer helleren Brassenmischung auf der 13 Meter Bahn angeln. Wie am Tag 1 wollten wir in der ersten Stunde die Ukeleis beangeln, um dann auf die 13 Meter Bahn zu wechseln.

Reinhard Nadlinger: Wie war dann dein zweiter Tag?
Mario Litschl: Der zweite Tag brachte mir die E 2, es wären sicherlich auch schlechtere Plätze möglich gewesen. Mein unmittelbarer Nachbar auf E 1 war ebenfalls ein Sektorsieger vom Vortag. Damit war klar, ein direktes Duell mit einem hoch motivierten Lutz Weissig stand mir bevor.

Auch diesmal waren wieder die Lutscher Posen von 6 – 15 g im Einsatz. Zusätzlich habe ich noch eine 3 g Montage mit normaler Pose sowie die Speedfischruten vorbereitet. Die Startfütterung bestand so wie am Vortag wieder aus 10 Liter Futter mit 200ml Würmern, 200 ml Caster und 100 ml kleinen Mücken. 6 Bälle Double Lehm mit hohem Anteil an Mücke wurden wieder gecuppt.


E-Sektor am 2. Tag


In der ersten Stunde wieder dasselbe Bild, die Ukeleis spielten die Hauptrolle. Die meisten Nationen hatten sich für einen Start auf Ukeleis entschieden. Nach einer Stunde wurden die Ukeleis wieder deutlich weniger und ich startete den ersten Versuch auf der 13 Meter Bahn. Direkt auf dem Futterplatz konnte ich sofort eine kleine Nase fangen. Nach einigen Fehlbissen, die Fische waren extrem vorsichtig, konnte ich noch einen kleinen Giebel fangen. Leider war kein weiterer Fisch mehr zu fangen, die Gründlinge und die Ukeleis stellten sich auf der 13 Meter Bahn ein. Auch bei den übrigen Teilnehmern war kein Erfolg auf der 13 Meter Bahn zu bemerken.

Ein Wechsel zu den Ukeleis war wieder angesagt. Aber auch die diese waren nur mehr sehr vereinzelt zu fangen. Ein neuer Plan war notwendig. Mit der 3 g Montage wechselte ich wieder auf die 13 Meter Bahn um dort Ukeleis zu sammeln. Die letzten eineinhalb Stunden konnte dort bei jedem Trieb noch ein Ukelei einsammeln. Dabei waren die Ukeleis vereinzelt erheblich größer als die im Uferbereich. Nachdem ich einen vernünftigen Rhythmus aufbauen konnte wollte ich von dieser Taktik bis zum Schluss nicht mehr abweichen.

Ja und dann waren da noch die letzten 30 Sekunden – ein Ukelei war noch zu fangen. Als plötzlich der Gummi von einem wirklich großen Fisch aus der Rute gezogen wurde. Die Zeit war leider zu knapp, der Haken war aufgebogen. Kein gutes Gefühl kann ich dazu nur sagen.

Bei der Abwaage war wieder banges Warten angesagt, ein kleiner Erfolg aber gleich zu Beginn. Lutz Weissig konnte ich am Kopfplatz um 133g hinter mir lassen. Damit war ich eigentlich schon zufrieden. Als Andreas Steyrer nach der Abwaage zurück gelaufen kam und mir schon von weitem die Zwei andeutete, konnte ich es kaum glauben.
Erste WM und dann eine Eins und eine Zwei im Sektor war auch für mich selbst kaum vorstellbar.


Mario Litschl mit seinem Fang vom zweiten Durchgang


Reinhard Nadlinger: Deine Reaktion auf den 4. Platz?
Mario Litschel: Mir war bereits nach kurzer Zeit klar, dass mein geringes Fanggewicht mein Nachteil sein würde. Und so war mir klar, dass ein Podiumsplatz nur sehr schwer möglich sein würde, aber die Hoffnung war doch da. Aber auch mit einem 4. Platz kann ich sehr gut leben. Bei der Siegerehrung auch noch als Vierter die Bühne betreten zu dürfen war ein unbeschreibliches Gefühl, dass hoffentlich noch eine Weile anhält.

Zum Abschluss möchte mich auf diesem Weg beim gesamten Team insbesondere bei meinen Betreuern Andreas Steyrer, Bernd Bohatzsch und Günter Gatterbauer bedanken. Auch bei der Firma Browning und bei Frerk Petersen möchte ich mich für die jahrelange Unterstützung bedanken.

Siegesehrung
Siegerehrung WM 2012 Einzelwertung, rechts Mario Nitschl


DANKE für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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