Interview mit Heiko Schmidt und Ralf Herdlitschke bei der EM 2013

  • von ct Redaktion
  • 14. August 2013 um 09:00
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Das deutsche Team fischte eine gute EM 2013 in Novi Sad / Serbien

Bedingt durch das Hochwasser und den sich stetig wechselnden Bedingen war an ein „normales“ Training kaum zu denken und trotzdem fischte das deutsche Team eine starke EM. Stellvertretend für das deutsche Team befragten wir die beiden Besten des Teams über Ihre Eindrücke. Während Ralf Herdlitschke schon seit vielen Jahren als einer der besten deutschen Angler bekannt ist, hat sich Heiko Schmidt in den letzten 2-3 Jahren in den Blickpunkt der deutschen Matchangler gefischt. Der 5. Platz in der Einzelwertung der EM ist sicherlich das Ausrufezeichen seiner tollen Entwicklung.

champions-team (CT): Fangen wir mit Dir an Ralf. Du wurdest kurzfristig für Günter Horler in das Team berufen (gute Besserung an Günter!). Welche Informationen hattest Du im Vorfeld der EM von der Strecke, mit welcher Erwartungshaltung bis Du zur EM gefahren?

Ralf Herdlitschke (RH): Ich habe Gespräche mit Jan vanSchendel und meinem Geschäftspartnern aus Ungarn geführt, dazu konnten wir über die hervorragenden Kontakte von Vinzenzo Natale (Vinzenzo hat das Matchangeln in Serbien mit aufgebaut und ist quasi ein Volksheld in Serbien) viele und richtige Informationen über das Fischen am Mali Kanal bekommen. Was das Thema Informationen im Vorfeld betrifft, waren wir also gut aufgestellt.


Ralf Herdlitschke im Sektor DRalf Herdlitschke im Sektor D

CT: Angekommen in Serbien, was waren Eure ersten Eindrücke von der Strecke, war an ein reguläres Fischen zu denken?

RH: Das Wasser stand sehr hoch, ungefähr einen Höhenmeter von der Wasserlinie am Sonntag, das machte fast 15m Distanz zwischen dem Platz am Abfang des Trainings und am Sonntag. An ein „wirkliches“ Training war also nicht zu denken.

CT: Heiko, wie sah Deiner Vorbereitung für die EM aus? Konnte man sich in irgendeiner Form auf das Fischen vorbereiten?

Heiko Schmidt (HS): Die Informationen im Vorfeld der Veranstaltung waren wichtig und man macht sich natürlich auch einen „Kopf“ – die Montagen binde ich mittlerweile aber immer erst am Wasser. Die Montagen entwickeln sich quasi von Tag zu Tag weiter, bis man am Wettkampftag dann hoffentlich die richtige Montage gefunden hat.

CT: Könntest Du ein paar allgemeiner Eindrücke / Daten zur Strecke nennen. Wie breit war die Strecke, wie tief, wie war die Strömung?

HS: Der Mail Kanal ist unter normalen Bedingungen circa 80m breit, in der Mitte circa 7m tief und es gibt so gut wie keine Strömung im Kanal ( lediglich Oberflächenströmung durch den Wind). Im Großen und Ganzen ein schönes Gewässer, welches ein wenig an deutsche Gewässer erinnert

Mali KanalDer Mali Kanal

CT: Wie entwickelte sich das Training über die Tage, in Deutschland hörten wir von ständig wechselnden Bedingungen?

HS: Die Gewässer verändern sich durch ein massives Training immer, entweder es wird besser ( wie der Silokanal) – sehr selten) oder meistens auch schlechter. Beim Mali Kanal war es so, dass zum Anfang die Fische sehr gut auf geschnittene Würmer reagiert haben, zum Ende der Woche wurde es dann mit den Würmern immer schlechter. Ansonsten waren die Spezies in allen Sektoren gleich, lediglich die Anzahl der Fische war unterschiedlich

CT: Wie geht man als Team eine solche Trainingswoche an? Wie werden Montagen, Techniken und Futterstrategien getestet?

HS: Klar. An jedem Tag wird in einer anderen Box trainiert, dazu wird die Strecke und die Nachbarbox im Auge behalten. Beispielweise konnten wir in diesem Jahr schon etwas Wichtiges über das Fischen mit der Matchrute am Mali Kanal vor dem Event herausfinden. Dazu haben wir erfolgreiche Feederangler am Kanal beobachtet und deren Technik auf unsere Methode kopiert. Bedingt durch diese Erkenntnis waren wir übrigens mit der Matchrute während der gesamten Woche gut unterwegs, auch wenn sie im Durchgang keine Rolle mehr gespielt. Futter – pures Futter – war übrigens am Mali Kanal ein sehr wichtiges Mittel zum Erfolg.

Heiko Schmidt mit der MatchruteHeiko Schmidt mit der Matchrute

CT: Ralf, Du bist ein alter Hase auf WMs und Ems. Wie war dein Gefühl vor dem 1. Durchgang? Was trautest Du Dir und dem Team zu?

RH: Nach dem Trainingstagen war mir klar, dass wir nicht sooo schlecht unterwegs waren, ich hatte mit einem Platz unter den Top 10 gerechnet. Wäre da nicht der schlechte Donnerstag gewesen, dann hätte ich meine Erwartung noch etwas höher angesetzt.

Will Raison mit FangergebnisWill Raison mit seinem Fangergebnis

CT: Welche Taktik verfolgte das Team am ersten Tag? Wie sah die Futtertaktik in der Startfütterung und während es Fischens aus?

RH: Wir haben 6 Bälle aus Turbo schwarz und Prestige Turbo ( vdEynde und Mosella im Verhältnis 2 zu 1 ) auf dem 13m Bahn geworfen und dann 3 Bälle darauf gecuppt. Die gecuppten Bälle waren abgebundene Erde mit Mückenlarven. Im Futter hatten wir tote Pinkis und Caster eingebracht. Auf die 3m Bahn haben wir dann zu Beginn einige Pinkis geworfen und diese Spur für 30 Minuten befischt.

CT: Wie sah lief der erste Durchgang bei euch Beiden?

RH: Ich habe die ersten Minuten wie vom Team besprochen auf der kurzen Bahn auf Ukeleis, Sonnenbarsche und Skimmerchen geangelt. In dieser Zeit sollte sich meine 13m Bahn aufbauen, die Fische sollten anfangen zu fressen, bevor ich sie beangelte, Dann bin ich als Erster meiner Region ( Anm. der Redaktion: neben ihm saßen die Italiener, Franzosen, Engländer und Serben) auf den 13m Bahn gegangen und habe diese relativ schwer befischt. Man hätte in diesen Gewässerabschnitt mit 1 Gramm gut angeln können, ich habe jedoch mir 2,5 – 3 Gramm den Köder sehr ruhig angeboten. Dann war es sehr wichtig, in einer hohen Frequenz immer wieder kleine Bälle aus Erde mit Mückenlarven nachzucuppen. Diese Frequenz musste bis zum Ende des Fischens immer weiter erhöht werden, dadurch baute sich mein Futterplatz immer weiter auf. Nach dem Fischen hat mir Des Shipp dann noch gesagt, dass 2 Maden der bessere Köder für die großen Fische war, auf Mückenlarven hatten zuviel kleine Fische gebissen. Letztendlich hatte ich meine stark besetzte Region aber im Griff und war mir meiner Plz 3 zufrieden.

HS: Zu Beginn habe ich auf der kurzen Spur sehr schwer ( 0,4 – 0,6 Gramm) geangelt und relativ gut gefangen, am Ende waren es circa 500 Gramm an Sonnenbarschen, Rotaugen und kleinen Skimmern. Während dieser Zeit habe ich die 13m Bahn immer wieder befüttert und bin dann nach 30 Minuten auf die 13m Bahn gewechselt. Auf der 13m Bahn hieß es dann arbeiten, arbeiten und nochmal arbeiten und am Ende des Tages konnte ich das Wort „Schieben“ von meinem Coach Jan Volz nicht mehr hören. Aber das gut, richtig und wichtig und so konnte ich meinen Platz aufbauen und dann am Ende einen guten 4. Platz erreichen. Ich hatte übrigens 10 Sekunden einen 150 Gramm Skimmer aber Haken, konnte ihn aber nicht rechtzeitig landen – das wäre Platzziffer 3 gewesen, die ging nun an Ferrucio Gabba aus Italien.

Ferrucio GabbaFerrucio Gabba

CT: Der erste Tag lief gut für das Team, änderte sich trotzdem etwas an der Taktik für den 2. Tag?

HS: Nicht wirklich, wir veränderten lediglich das Futter für die nicht gefischte Matchrute und eröffneten die 8m Bahn

CT: Tag 2, Heiko auf einem Endplatz, da wird man nervös und setzt sich selber unter Druck, richtig?

HS: nicht wirklich, ich setzte mich nicht unter Druck. Ich fischte die vorgegebene Taktik – wichtig war das Team und ich wusste, dass ich mit Rene einen top Coach an meiner Seite hatte.

CT: Wie lief das Fischen dann bei Dir ab Heiko?

HS: Das Fischen entwickelte sich langsam, ich lag lange im guten Mittelfeld des Feldes, war aber nicht „vorne dran“. Zum Ende des Fischens wurden dann grösser Fische auf der Strecke gefangen. Mein Coach Rene berichtete mir dies und wir begannen aggressiver zu Füttern. Nach kurzer Zeit konnte ich einen guten Karpfen anleinen und landen, das spülte mich nach vorne. Dann folgte Karpfen Nummer 2 und ich war auf Platz 2-3. Es waren noch 3 Minuten zu Angeln, ich setzte den Köder ein, die Pose stellte sich nicht hin... Mist Ukelei... Anschlag und das Gummi begann zu arbeiten, am anderen Ende hing ein 800 Gramm Brassen, solch einen großen Brassen hatten wir die ganze Woche nicht gesehen. Fisch gekeschert – Abpfiff – Sektorensieg – das war gut gelaufen und die Erkenntnis bestätigt sich, dass man beim Fischen auch immer etwas Glück braucht.

Heiko Schmidt beim KeschernHeiko mit einem gute Karpfen im Kescher

CT: Auch Ralf fischte am 2. Tag einen starken Durchgang. Fasse bitte kurz den 2. Durchgang für uns zusammen Ralf.

RH: Ich veränderte kaum etwas am 2. Tag, NUR das ich die 3m Bahn nicht mehr befischte und stattdessen einen Futterplatz auf der 8m Bahn anlegte, auf dieser Bahn waren die Fische deutlich grösser als auf der ganz kurzen Bahn, dazu konnte diese Bahn das ganze Fischen über beangelt werden. Ansonsten machte mir der Wind das Fischen sehr schwer, der Wind stand im meinem Bereich der Strecke genau auf der Kopfrute und machte eine saubere / notwendige Köderpräsentation unmöglich. Da zwischen meinem 5. Platz und dem Sektorensieg nur 500 Gramm lagen, bin ich mir sicher, dass ich bei besseren Bedingungen meinen Sektor hätte gewinnen können.

Ralf HerdlitschkeRalf mit seinem Fangergenis

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