Interview mit Thorsten Küsters zum Internationalen Feederfischen am Ternuezen Kanal in Gent/Holland

  • von ct Redaktion
  • 23. Juni 2014 um 20:18
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CT: Hallo Thorsten, Glückwunsch zum tollen Abschneiden beim Internationalen Feederfischen am Ternuezen Kanal im holländischen Gent.

TK: Danke für die Glückwünsche! Es war für mich ein sehr wichtiges Angeln im Hinblick auf die Feeder-Weltmeisterschaft 2015. Mit dieser Platzierung habe ich selbst nicht gerechnet.

CT: Die Veranstaltung war unter anderem deshalb so interessant, weil dort 2015 die Feederweltmeisterschaft stattfindet. Kannst Du den Kanal kurz beschreiben?

TK: Der Kanal ist an den meisten Plätzen über 200 Meter breit und in der Mitte bis zu 20 Meter tief. Riesige Kontainerschiffe befahren den Kanal pausenlos und permanenter Wellengang der Schiffe erschwert zusätzlich die Bisserkennung, da die Feederspitze in ständiger Bewegung ist. Der fast stehende Kanal weißt eine weitere Tücke auf, denn er ist sehr brackwasserhaltig. Je nachdem aus welcher richtung der Wind kommt, drückt das Wasser aus dem Meer in den Kanal. So kann das Wasser sehr salzhaltig sein, was man auch schmeckt. Dies ist ein sehr wichtiger Faktor.

CT: Bei dem Angeln handelte es sich um ein Teamevent, mit welchen Mitanglern hast Du in einer Mannschaft gefischt?

TK: Mit Freunden und sehr guten Anglern!! Bestehend aus Axel Heuser, Jens Koschnick, Oliver Baklarz und Freddy Küsters. Alles Jungs, denen ich zu 100% vertraue, da wir keine Geheimnisse voreinander haben. Hier kommt auch der Spass nicht zu kurz, denn der sollte bei all dem Wettkampfstress nie vergessen werden.

Das deutsche Team mit dem holländischen Nationaltrainer Jan van Schendel

CT: Wie der Veranstaltungstitel schon sagt, war es ein internationales Feederfischen. Aus welchen Ländern waren die Angler angereist?

TK: Der komplette englische Nationalkader um Tommy Pickering war mit 3 Manschaften vor Ort, hinzu kammen weitere 3 Teams um Jan van Schendel vom niederländischen Nationalteam. Das belgische Nationalteam war mit 2 Teams angereist und dazu kamen das Team Matrix Belgien und aus Österreich das Team Maver Austria. Insgesamt waren es 30 Mannschaften, diverse lokale Teams mit starker Besetzung und viel Erfahrung an diesem Kanal.

CT: Wann seit Ihr mit dem Team angereist und wie habt Ihr trainiert?

TK: Ich selbst bin Donnerstag mit Freddy Küsters angereist. Da ich an diesem Gewässer noch nie gefischt habe, wollte ich wenigstens 2 Sektoren befischen, um erste Eindrücke von der Strecke zu gewinnen. Der Rest des Teams folgte Freitag.


CT: Wie waren Eure Trainingseindrücke? War die Strecke fair und wie ist die Strecke mit dem Trainingsdruck „klar“ gekommen?

TK: Donnerstag lief es sehr zäh. Ich konnte lediglich 5 Barsche und 1 Brassen von 500 Gramm fangen. Ich verlor aber 4 grosse Brassen an einer Kante, was uns erste Erkenntnisse brachte. Freddy konnte 4 Barsche und 10 Grundeln fangen. Ein Barsch wog im schnitt ca. 200-400 Gramm und war somit eine Option.

Der Freitag brachte uns sehr viele Erkenntnisse. So konnten wir 2 verschiedene Entfernungen mit je 2 Leuten befischen und sehr viele Infos sammeln. Im Schnitt fingen wir alle zwischen 8 und 12 Fische, bestehend aus Brassen zwischen 500-1000 Gramm und Barsche bis zu 400 Gramm. Zusätzlich konnte Jens noch eine Meeräsche von ca. 2,5 kilo fangen und ich eine Flunder von 80 Gramm.

Da Freitag der Kanal von vielen Anglern beangelt wurde, merkte man das diese Strecke sehr fair und vor allen Dingen von der Bodenbeschaffenheit überall fast gleich war.


CT: Wie sah Eure Taktik für das Angeln aus? Was waren Eure Zielfische und hattet Ihr einen Plan B falls Euer Masterplan nicht hinhauen würde?

TK: Es sollten zu Beginn 2 Bahnen befüttert werden. Die erste Spur um die 15 Meter hinter der ersten Kannte, ausschliesslich mit Castern und toten Pinkies. Die zweite Spur wurde auf 35 Metern mit Castern und geschnittenen Würmern befüttert. Jeweils 4 Körbe. Zielfisch war ganz klar die Brasse und auf diese sollte die ersten 2 Stunden geangelt werden. Ging dieser Plan nicht auf, so sollten auf der kurzen Bahn Mückenlarvern gefüttert werden, um Barsche zu fangen. Zwischendurch sollte auf der 35 Meter Bahn im Rhythmus von 30 Minuten immer ein Korb mit 10 Castern und 2-3 geschnittenen Würmern gefüttert werden. In der letzten Stunde sollte dann die lange Entfernung gefischt werden, um noch einen Bonusbrassen verhaften zu können, was uns im Training auf allen Plätzen gelang.

Plan B war das Angeln auf Meeräschen, welches aber nur eine Option war, falls ein Angler noch keinen Fisch im Netz haben würde. Diese fing man sehr nah am Ufer, so um die 5-8 Meter aber nicht auf allen Plätzen. Diese Option konnte in der 3 und 4 Stunde gezogen werden.

Eine schöne Meeräsche für Jens Koschnick


CT: Futter ist beim Feederfischen ein extrem wichtiger Punkt und Du bist bekannt dafür, dass Du Futter aus dem Hause HJG Drescher einsetzt. Kannst Du uns kurz sagen welche Sorten Du im Training ausprobiert hast und warum Du dann ein bestimmtes Futter im Durchgang eingesetzt hast?

TK: Da ich sehr viel Vertrauen in meine Mischungen habe und ich weiss, welche Futtermischung wie funktioniert, haben wir nur eine Futtersorte mit genommen. Unsere Mischung sah wie folgt aus: 1 kg TK Feedermix " ACTIVE MIX" ohne gelbe und rote Partikel, 100 Gramm aufgekochten gemahlenem Hanf und 2 Kappen " TK ONE" Pulverlockstoff. So hatten wir ein Futter, welches für Brassen bestens geeignet war, sich aber auch schnell aus dem Korb löste, wenn es darum ging, mit Mücken im Korb auf Barsche zu angeln.

CT: Welche Lebendköder hast Du beim Fischen eingesetzt, was war der Top Hakenköder?

TK: 1 L Caster, 0,5 L Würmer, 0,25 L kleine Mücken, 0,1 L tote Pinkies, 0,25 L Pinkies und Maden und 50 Gramm große Mücken für den Haken.Es gab für jeden Fisch fast nur einen Hakenköder. Sollte es auf Brassen gehen waren 2 Caster die erste Wahl, für Barsche 3-4 Mückenlarven und für Meeräschen 2 Maden. Dies stellte sich im Training als optimal heraus und brachte die meisten Bisse. Der Top Hakenköder waren 2 Caster.

Ole Baklarz


CT: Kommen wir zum Tackle. Welches Gerät hast Du eingesetzt, welche Korbgewichte waren notwendig?

TK: Auf der kurzen Entfernung fischte ich unsere neue Horizon S-Class in 3,6 Meter/60 Gramm mit einer 1 oz Carbonspitze. Für die 35 Meter Bahn durfte ich unseren neuen Prototypen, die Horizon S-Class in 3,8 Meter und 60 Gramm und einer 1,5 oz Carbon Spitze einem letzten Härtetest unterziehen. Bei den anderen Jungs waren die Längen der Ruten ähnlich.

Wir fischten ausschliesslich Openend Futterkörbe in 20 Gramm auf der kurzen entfernung und 40 Gramm auf der 35 Meter Bahn.

CT: Wie liefen die beiden Durchgänge für Dich ab?

TK: Im ersten Durchgang war ich sehr nervös. Ich hatte A 13 gezogen im Außensektor und links neben mir einen Engländer sitzen, der den ersten Brassen fangen konnte. Den ersten Biss bekam ich nach 45 Minuten, eine Flunder von 60 Gramm. Das komplette Angeln lief sehr zäh, überall war wenig Fisch zu sehen. Nach einer Stunde fing ich dann meine erste Brasse von 800 Gramm und konnte direkt eine Weitere von 1 kg nachlegen. Dies verschaffte mir etwas Sicherheit, dass wir auf dem richtigen Weg waren. So behielt ich meine Taktik bei und konnte nach 1,5 Stunden meine dritte Brasse fangen. Nach 2 Stunden wechselten wir die Taktik und ich begann auf der kurzen Entfernung Barsche zu fangen. Dies gelang mir sehr gut und ich konnte 3 gute Barsche fangen. In der letzten Stunde beangelte ich wieder die längere Entfernung. Dort konnte ich direkt noch eine Flunder von 150 Gramm fangen und 15 Minuten vor Schluss bekam ich dann meine erhoffte Brasse ans Band. Leider verlor ich diesen Brassen von ca. 800 Gramm vor dem Unterfangkescher, doch am Ende reichte dies trotzdem zum Sektorensieg mit 3921 Gramm. Der 2. Platz im Sektor wurde mit 3100 Gramm vergeben.


Am 2. Tag loste ich Platz B 20. Wir fischten die gleiche Taktik wie am ersten Tag, da wir diese für sehr effektiv hielten. Wir lagen mit dem Team auf Platz 5 der Gesamtwertung, was uns zusätzlich Mut machte.

Ich konnte nach der Fütterung und dem Startsignal direkt Bisse verzeichen, die ich aber nicht verwerten konnte. Meine erste Brasse fing ich erneut nach 45 Minuten. Diese wog direkt 1,2 kg. Wieder war abzusehen, das sich wenig Fisch auf der Strecke aufhielt. Trotzem konnte ich in den ersten 1,5 Stunden 3 weiter Brassen fangen. Nach 2 Stunden wechselten wir wieder unsere Taktik und fischten auf Barsche. Dies gelang mir erneut und ich fing 3 Barsche und 1 Rotauge in der 3. und 4. Stunde. In der letzten Stunde wechselte ich wieder auf die 35 Meter Bahn. Auf dieser Entfernung lief es sehr gut und ich fing in der letzten Stunde 4 Brassen zwischen 500 und 1.200  Gramm und 2 Flundern. Mit diesen Bonus Brassen konnte ich meinen Sektor erneut mit 10222 Gramm für mich entscheiden.

CT: Die englischen Angler haben das Fischen ja dominiert. Hast Du eine Idee warum diese Angler so erfolgreich sind?

TK: Dafür habe ich eine einfache Erklärung. Zum ersten sind sie mit 3 Teams, also 15 Mann angereist. Alles hervorragende Angler, die eine Woche lang trainierten und sich austauschten. So war es ihnen möglich, fast jeden Platz zu befischen. Diese Informationen werden gebündelt aufgenommen und spezifische Taktiken für jeden einzelnen Platz ausgearbeitet. Hinzu kommt, das es in England einen unglaubliche Teamgeist gibt, jeder ordnet sich dem Team unter. Das Team steht über allem und jeder gibt alles, um mit dem Team ganz oben zu stehen. Die Einzelwertung ist ein Bonus. Wer sich diesem System nicht unterordnet, hat keine Chance in das Team zu kommen.

CT: Vielen Dank für das Interview Thorsten, wir hoffen, dass Du diesen Erfolg im nächsten Jahr bei der WM wiederholen kannst!

TK: Das würde ich sofort unterschreiben!! Es wäre für mich ein Traum, bei einer Weltmeisterschaft auf dem Podium zu stehen. Wir müssen aber realistich bleiben und sehen, dass einige gute Nationen wie Ungarn und andere fehlten. Zwar wird England nur mit einem Team starten dürfen, sie sind für mich aber Favorit. Ich hoffe natürlich, dass ich durch diesen ersten Härtetest wertvolle Informationen für 2015 habe, um hoffentlich mit dem Team gut abschließen zu können.
Jetzt gilt es erstmal alle Kräfte zu bündeln, um unser Team in Irland bestmöglich zu unterstützen. Drückt uns die Daumen.

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