Jugend WM 2016 in Portugal - Interview mit Darran Bickerton (Team England)

  • von Markus Howanietz
  • 22. September 2016 um 10:30
  • 0

Nach unserem letzten Bericht mit Darran Bickerton hat sich eine Menge getan. Davon abgesehen, dass er weiterhin für eines der besten englischen Teams, den Kamasan Starlets, angelt, und dort regelmäßig und konstant Top-Ergebnisse einfährt, ist er jetzt auch noch Trainer des englischen U23 Teams geworden. Zusammen mit Trainerlegende Mark Downes reiste er nach Coruche, wo die Jugend U23 Weltmeisterschaft am 6. und 7. August stattfand. Wir haben die Gelegenheit genutzt und den als Weltmeister zurückgekehrten Angler aus Derby zu seinen Eindrücken und Erlebnissen befragt.

You can find the interview in English here

Interview mit Darran Bickerton

CT: Hallo Darran. Es ist sehr nett von Dir, dass du dir die Zeit nimmst uns ein paar Fragen zur Weltmeisterschaft in Coruche zu beantworten. Am Anfang des Jahres konnte in der Presse gelesen werden, dass du und Mark Downes zusammenarbeiten werdet und du der neue Trainer der englischen U23 Nationalmannschaft werden wirst. Hast du das kommen sehen?

DB: Mark hat mich das erste Mal während des letzten Sensas Finale in Frankreich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte sein Assistenztrainer zu werden. Es ist ein sehr schwieriger Job ein Team für Weltmeisterschaften auf die Beine zu stellen und rundum zu betreuen. Mark brauchte einfach Hilfe. Wir fischen beide gemeinsam im Kamasan Starlets Team und haben in der Vergangenheit schon häufiger informell über die Rolle des Trainers gesprochen, so dass ich die Frage mit einem Ja beantworten kann. Ich habe es kommen gesehen.

CT: Lass uns direkt mit den wichtigen Fragen beginnen! Beinahe niemand wird sich wirklich vorstellen können, wie die Arbeit und Organisation für ein Nationalteam vonstattengeht. Kannst du mir sagen, wie man als Angler in die Englische Nationalmannschaft kommt? Wie wählt ihr die Angler aus?

DB: In England führen wir einen Auswahltag durch, an dem jeder Angler, der internationale Ambitionen hegt, teilnehmen kann. Daraus werden dann 5 Angler ausgewählt, die das Land vertreten dürfen. In diesem Jahr haben allerdings bereits 4 der 5 ausgewählten Angler auf internationalem Niveau geangelt, so dass sie schon eine Menge Erfahrung mitbrachten. Alle Angler fischen außerdem für heimische Topmannschaften, so dass wir regelmäßig gegen sie antreten und sie deshalb auch kennen.

CT: Portugal ist ja nicht gerade in der Nähe. Wie sind du und dein Team angereist? Gab es aufgrund der Distanz irgendwelche Einschränkungen beim Gerät?

DB: Bei einer Weltmeisterschaft kann es realistischer Weise keine Einschränkungen beim mitgenommenen Gerät geben. Das bedeutete für unsere Angler die Anreise per Auto; 2000 km und zwei Tage reine Fahrzeit! Der Betreuerstab ist allerdings per Flugzeug angereist.

CT: Wann seid ihr denn in Portugal angekommen? Welche Taktiken habt ihr in der Übungswoche ausprobiert und wie funktionierten sie für euch?

DB: Das Team ist bereits 3 oder 4 Tage vorher angereist um sich erst einmal zu akklimatisieren. Tagsüber herrschten beim Angeln bis zu 45 Grad. Das sind Temperaturen, die wir aus England nicht gewohnt sind.

45 Grad und kein Schatten. Die Gluthitze und der kochende Sand machten es allen Anglern schwer.    45 Grad und kein Schatten. Die Gluthitze und der kochende Sand machten es allen Anglern schwer.
45 Grad und kein Schatten. Die Gluthitze und der kochende Sand machten es allen Anglern schwer.


Ich selber bin am Wochenende, also zwei Tage vorm offiziellen Training, angekommen.

Coruche ist eine allseits bekannte Wettkampfstrecke, und die meisten Leute wissen auch welche Taktiken dort angewendet werden. Allerdings weiß man vorher nie ganz genau, welche Fischarten und welche Fischgrößen anzutreffen sind. Das mussten wir also herausarbeiten.

In diesem Jahr waren dies die üblichen Barben, während die Ukelei allerdings völlig fehlten. Dafür gab es aber sehr viele Karauschen.

CT: In der Vergangenheit war Coruche ja eher für zwei Sachen bekannt: Die Matchrute und geklebte Maden. Wie wichtig waren sie in diesem Jahr? Welche Rolle spielte die Kopfrute?

DB: In diesem Jahr waren wirklich sehr viele Karauschen auf der Stecke, und die Kopfrute spielte eine weitaus wichtigere Rolle als die Matchrute. Wir hatten es auf der Kopfrutendistanz mit Futter und geklebten Maden auf Karauschen abgesehen und haben mit dem Waggler gefischt, falls wir keine Karauschen fangen konnten. Hier wurden einfach geklebte Maden für Barben gefüttert.

CT: Wir haben alle die Wiegelisten gelesen und konnten sehen, dass ihr euch am ersten Tag alle hervorragend geschlagen habt. Erzähl uns doch bitte ein wenig von deinem ersten Tag als Trainer! Hast du während des Durchganges die Taktik beeinflusst? Was für Anweisungen hast du während des Durchgangs erteilt?

DB: Wir haben einfach mehr Karauschen als andere Teams gefangen, weil wir sie mit schwereren Posen und größeren Haken befischt haben, so dass die kleinen Barben den Köder links liegengelassen haben und nur die Karauschen den Köder genommen haben. Diese waren im Durchschnitt größer als die Barben.

Große Barben waren eher die Ausnahme. Hauptfisch waren eindeutig die vielen Karauschen.    Große Barben waren eher die Ausnahme. Hauptfisch waren eindeutig die vielen Karauschen.
Große Barben waren eher die Ausnahme. Hauptfisch waren eindeutig die vielen Karauschen.


Der einzige Punkt, bei dem ich während des Durchgangs eingreifen und Anweisungen geben musste, betraf das Füttern. Wir haben bemerkt, dass viele Teams versucht haben unsere Karauschentaktik zu kopieren, so dass wir letztendlich viel häufiger füttern mussten um die Fische am Platz zu halten.

Gerade weil wir es wirklich so gut gemacht haben, musste ich zudem das Team ständig beruhigen und dafür sorgen, dass es konzentriert bleibt.

CT: Gab es zum zweien Durchgang irgendwelche Veränderungen?

DB: Ich war nicht der Ansicht, dass wir zu Beginn des Durchgangs irgendetwas ändern sollten. Auch das Team blieb mit dem vom ersten Tag identisch.

Wir lagen bereits mit großem Abstand in Führung und mussten kein Risiko eingehen.

Wir wollten einfach abwarten, wie sich das Match entwickelt und hofften darauf, dass weiterhin alle Karauschen fangen. Drei Angler hatten einen perfekten Durchgang erwischt und fingen seit dem Startsignal Karauschen, so dass sie von Beginn an jederzeit ihren Sektor dominierten.

Die einzige Veränderung, die ich im zweiten Durchgang vornehmen musste, betraf meinen Angler in Sektor D. Hier gab es keine Karauschen, so dass er während der ersten Stunde von einer Kopfruten- zu einer Matchrutentaktik wechseln musste.

CT: War es für dich eine große Überraschung, als du gehört hast, dass ihr gewonnen habt oder warst du stets über den Verlauf des Wettkampfes informiert? Was war zurückblickend der Schlüssel zum Erfolg der Englischen Mannschaft?

DB: Es war keine Überraschung, aber ich war unheimlich stolz auf das Team. Wir standen den ganzen Tag per Funkgerät in Kontakt, und ich wusste, dass England den gesamten Wettbewerb über am meisten Fische fing.
Der Schlüssel zum Erfolg war die Entscheidung die Karauschen mit einem schweren Mix aus Sensas Lake, Sensas Fine Carp und Sensas Terre de Reviere (schwere Flusserde) zu befischen und nach jedem zweiten oder dritten Fisch nachzufüttern.

 Am Ende war Team England wieder einmal der verdiente Sieger!

CT: Du warst jetzt bereits bei deinem ersten Einsatz als Trainer so erfolgreich, werden wir dich eventuell im Herrenteam, als Trainer oder sogar Angler, wiedersehen?

DB: Es war eine unglaubliche Erfahrung bereits beim ersten Mal als Trainer die Weltmeisterschaft zu gewinnen, und ich hoffe, dass ich diese Stellung noch ein paar Jahre weiter ausüben darf! ...und wenn ich das weiterhin so wie jetzt genieße, dann würde ich, eines Tages, mit Sicherheit gerne auch Teil des Trainerstabes für das Herrenteam werden.

CT: Danke für Interview und dir und deinem Team alles Gute für die Zukunft!

Auch Deine Meinung ist gefragt!
0 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren