Die Tobias Klein Kolumne: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing...

  • von Tobias Klein
  • 18. August 2014 um 09:55
  • 2

Modernes Friedfischangeln ist schön. Aber halt auch ganz schön teuer. Deswegen schlackern auch nicht wenige Matchangler aufgeregt mit den Ohren, wenn sie das magische Wort des Sponsorings auch nur hören. CT-Kolumnist Tobias Klein hat sich so seine Gedanken über Sponsoring im deutschen Angelsport gemacht und gewährt Einblicke in den Alltag als unterstützter Matchangler.

Kostenloses Equipment in rauen Mengen? Sowieso. Firmenwagen inklusive Fahrtkostenerstattung. Aber hallo. Und als Sahnehäubchen obendrauf natürlich noch ein prall gefülltes Spesenkonto, mit dem man selbst die kostspieligsten Übernachtungen im Fünf-Sterne-Luxus-Resort locker schultern kann. All diese Dinge sind doch bitteschön Selbstverständlichkeiten, wenn man von einem Angelgerätehersteller unterstützt wird, neudeutsch „gesponsert“ wird. Und dafür muss man nichts weiter tun, als Fische aus dem Wasser zu ziehen. Manch einer von Ihnen wird jetzt sagen „Ein Traum wird wahr!“, ich sage „Träumen Sie weiter!“.

Von hier nach SponsoringVon hier nach Sponsoring: Für viele Angler ist das Dasein als unterstützer Angler ein kleiner Traum.
Dabei ist allerdings vor allem „Geben“ angesagt anstatt nur „Nehmen“.

Sponsoring - ein Versuch der Begriffserklärung

Gut, man wird wohl eine Handvoll derartiger anglerischer Glückspilze mit dem Beruf „Profi-Angler“ ausfindig machen können, wenn man denn nur lange genug nach ihnen sucht. Wundern darf man sich dann aber nicht, wenn diese im Regelfall keinen deutschen Pass ihr Eigen nennen. Denn allein dort, wo ein großes öffentliches Interesse besteht, bietet sich auch ein entsprechend großer Absatzmarkt für die Industrie. Je größer der Absatzmarkt, desto mehr wird natürlich auch gefördert. Bestes Beispiel ist hier wohl das britische Mutterland des Angelns. Dort genießt die Matchangelei einen besonders hohen Stellenwert. Mitsamt dem medialen Status, dem wir ihm in Deutschland gerne verleihen würden.

Live-Berichterstattungen im TV, wöchentliche Interviews mit den erfolgreichsten Anglern der Nation im Radio und natürlich auch ein Sponsoring-Programm, welches seinem Namen alle Ehre macht. Doch von all dem sind wir in Deutschland nun einmal Lichtjahre entfernt. Im Gegenteil, wir müssen sogar aufpassen, dass wir unsere Passion nicht allzu zu sehr in der Öffentlichkeit zur Schau stellen. Denn wir (Match-)Angler sind bekanntlich zähnefletschende Tierquäler und manche von uns wurden sogar in jüngerer Vergangenheit bereits durch selbsternannte Tierschutzorganisation vor den Kadi gezerrt.

Wenn man sich also seine Gedanken zum Begriff des Sponsorings im deutschen Angelsport macht, sollte man sich zuallererst vielleicht die Frage stellen, was genau man denn unter dem Terminus „Sponsoring“ in Deutschland verstehen darf. Erste Antworten liefert die Definition aus der Enzyklopädie des kleinen Mannes, wikipedia.de. Danach ist Sponsoring „die Förderung von Einzelpersonen (...) durch ein kommerziell orientiertes Unternehmen, in Form von Geld-, Sach- und Dienstleistungen mit der Erwartung, eine die eigenen Kommunikations- und Marketingziele unterstützende Gegenleistung zu erhalten“.

Angeln und Abkassieren? Weit gefehltAngeln und Abkassieren? Weit gefehlt, denn auch als unterstützter Angler wird man regelmäßig nicht für die eigene Angelei bezahlt.

Lässt man den wissenschaftlich durchaus fragwürdigen Ruf von wikipedia einmal außer Acht und wendet diese Definition auf den Angelsport an, bedeutet das auf den Punkt gebracht: Angler Z erhält von Angelgerätehersteller XY jeweils Geld und/oder Ware, damit er die Produkte des Unternehmens medienwirksam in Szene setzt und dadurch den Umsatz ankurbelt. So weit, so gut.

Weiterhin offen bleibt jedoch, ob „Förderung“ ausschließlich den kostenlosen Erhalt von Ware bzw. die Gewährung von Geldleistungen meint. Oder reicht gar die Möglichkeit aus, Waren direkt über einen Hersteller etwas günstiger als über den Fachhandel zu beziehen, um als gesponserter Angler durchzugehen? Meiner Erfahrung nach sind Angler mit kostenlosem Equipment vom Sponsor im Bereich der Matchangelei schon recht selten und nur die wenigsten von ihnen können gar mit ihrer Friedfischangelei auch noch Geld verdienen. So ungern ich also ihre Träume zerstöre: Die meisten der unterstützen Angler in Deutschland müssen für ihr Angelutensil zahlen und müssen damit weiter „normalen“ Berufen nachgehen.

Darüber hinaus gibt es natürlich eine Vielzahl von unterstützten Matchanglern, die eine besondere Form des Sponsorings erfahren. Eben all jene Angler, welche ihr Equipment vergünstigt über einen wohlgesonnenen Angelgerätehändler und nicht direkt über ein Unternehmen der Angelbranche beziehen. Und das sind beileibe nicht wenige, sondern wahrscheinlich die Mehrheit aller unterstützten deutschen Angler.

Ohnehin sind die Grenzen oft fließend. So gehen viele Unternehmen neue Wege und lassen weite Teile ihres Sponsoring-Programms gezielt über den angeschlossenen Fachhandel laufen. Über ein solches „Händler-Team“ holt man sich den Händler vor Ort mit ins Boot und überlässt nicht selten ihm direkt die jeweils geltenden Rabatte der jeweiligen Teamangler. Für mich hat diese neue Form des indirekten Sponsorings aber eigentlich viele Vorteile. Denn was wird in diesem Fall schon mehr von mir erwartet, als dass ich mit passender Teambekleidung und der jeweiligen Marken-Ware am Gewässer aufschlage und angle? Recht wenig Verpflichtung für recht viel Gegenleistung.

Alles in allem, kann man also festhalten: Vergleichsweise wenige Angler haben die Möglichkeit, Waren direkt über einen Angelgerätehersteller zu beziehen. Noch viel weniger haben gar das Glück, als Repräsentant eines solchen Unternehmens geführt zu werden. All diese Angler mögen sich über die ihnen zu Teil werdende Förderung vielleicht nicht beklagen können, müssen aber im Normalfall dafür auch einiges mehr leisten, als eben nur ab und zu Fische aus dem Wasser zu ziehen. Gefragt ist immer öfter eine neue Gattung an Teamanglern. Wie ich es gerne nenne, „Teamangler 2.0“.

Teamangler 2.0 - Ein Idealbild

Im Idealfall kann man als Unternehmen auf einen versierten Angler bauen, der am Gewässer immer mehr Fische als seine Nachbarn aus dem Wasser zieht und damit schnell zum Vorbild für all die übrigen Angler wird. Und natürlich ist sein überragender Fangerfolg ausschließlich auf die durchdachte Ausrüstung mit eingebauter Fischfang-Garantie aus dem Portfolio seines anglerischen Favoriten in Sachen Angelgerätehersteller zurückzuführen. Praktische Demonstration ist regional gesehen schlicht und ergreifend die beste Werbung.

Denkt man allerdings überregional, müssen härtere Geschütze aufgefahren werden, um die Endkunden bzw. den Fachhandel im mittlerweile hart umkämpften Angelgerätemarkt auf die eigenen Kreationen aufmerksam zu machen. Hier schlägt dann vor allem die Stunde der schreibenden Zunft. Denn mal ehrlich, selbst wenn es einen Angler gibt, der sich immer wieder und vielleicht auch gerade aufgrund eines speziellen Produktes aus der breiten Masse hervorhebt, wer sorgt am Ende dafür, dass diese Tatsache auch an die Öffentlichkeit gelangt? Sicherlich nicht der nett gemeinte Anschlag an der Tür irgendeines Vereinsheims. So etwas wird natürlich meist durch die Marketing-Abteilung des jeweiligen Unternehmens besorgt. „Pressemitteilung“ ist hier das Stichwort.

Die kleinste Marketing-Abteilung der WeltDie kleinste Marketing-Abteilung der Welt: Immer öfter übernehmen Teamangler die Aufgaben von Werbe-Strategen.
Da ist Multitasking gewissermaßen an der Tagesordnung. 

Doch warum sollte man als Unternehmen unnötiges Geld für eine ganze Schar an Marketing-Spezialisten ausgeben, wenn die gleiche Arbeit wesentlich günstiger und noch dazu authentischer von Teamanglern geschultert werden kann. Denn jemandem, der selbst tief in der Materie steckt, dem glaubt man eher, als einem Marketing-Strategen, der nur selten die Gewässer dieser Welt zu sehen bekommt.

Gewöhnlich bedarf es für einer medienwirksamen Präsentation der eigenen Produkte also eigentlich nur eines raffinierten Anglers, der seine Freude über einen tollen Fang auch mal mit einem entsprechenden Lächeln in die Kamera ausdrücken kann. Dazu noch einen einigermaßen begabten Fotografen, der weiß, auf welche Details es uns Anglern ankommt und wie man die fraglichen Produkte durch geschicktes „product placement“ ansprechend in Szene setzt. Zu guter Letzt muss noch ein Schreibtischtäter her, der pfiffige Texte zu den Bildern aus dem Ärmel schütteln kann. Fertig ist die Mini-Marketing-Abteilung, die zweifellos ihre Wirkung bei den Anglern nicht verfehlen wird.

Mit werbewirksamen Unternehmungen ist es mit dem Dasein als Teamangler aber noch lange nicht getan. Hinzu kommen Auftritte auf Fach- bzw. Händlermessen und die obligatorische Funktion als Bindeglied zwischen Fachhandel und Hersteller. Denn mal ehrlich, bei wem beschweren Sie sich als Gast einer Pizzeria, wenn Ihnen die vorgesetzte Pizza einmal nicht so recht schmecken mag? In der Regel lassen Sie Ihrem Unmut wohl an der Servicekraft aus und rennen nicht direkt wutentbrannt zum Koch in die Küche. Etwas diplomatisches Geschick steht daher einem Teamangler in der heutigen Zeit ganz gut, wenn es darum geht, die Interessen des Fachhandels und die des fördernden Unternehmens unter einen Hut zu bringen.

Wenn man als unterstützter Angler zu allem Überfluss auch noch so viel anglerische Erfahrung und öffentliche Reputation besitzt, dass man mit dem eigenen Namen für ein ganzes Produkt-Programm bei einem Unternehmen einstehen kann bzw. dieses im schlimmsten Fall auch noch selbst entwickeln soll, wird es sogar noch zeitintensiver. Keine Frage, es mag Paten geben, welche offensichtlich recht wenig mit der eigentlichen Entwicklung „ihrer“ Produkten zu tun haben. Und dennoch gibt es selbst heute noch Angler, welche sich den unbequemen Schuh der Produktentwicklung anziehen und tüfteln bis der Arzt kommt.

Das Ergebnis bzw. ein kritisches Feedback mag einem Unternehmen zwar nicht immer gefallen, hat man als Teamangler jedoch einen Sponsor an seiner Seite, der das anglerische Input ernst nimmt, wird man Equipment schaffen können, welches seines Gleichen sucht. Für mich sind solche Angler mit entsprechendem Fachwissen und dem nötigen Biss, um auch unliebsame Erkenntnisse aus der täglichen Praxis brühwarm an ihren Sponsor weiterzugeben, daher mindestens genauso wertvoll, wie eine gut laufende Marketing-Maschinerie.

Als Dank erhalten diese Teamangler im Idealfall die Anerkennung ihres Sponsors oder gar der Angelöffentlichkeit. Obendrein die Möglichkeit, ihr Equipment besonders günstig bzw. kostenfrei zu erhalten. Ebenfalls gratis gibt es allerdings eine gehörige Portion Neid von all jenen dazu, welche vielleicht nicht derart im medialen Mittelpunkt stehen. Wie heißt es aber so schön: Neid muss man sich hart erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt. Und wollen Sie heutzutage als Teamangler Karriere machen, dann können Sie mir eines glauben: Teamangler zu sein heißt am Ende über weite Strecke schlichtweg harte Arbeit.

Markentreue oder doch eher Markenblindheit?

Etwas weiter oben bin ich bereits kurz auf die „authentische Werbung“ mittels Teamanglern eingegangen und will zum Abschluss natürlich auch noch auf die größte Gefahr des Daseins als gesponserter Angler hinweisen: Den Verlust des Blicks für das Wesentliche.

Denn wo bleibt bitteschön noch Raum für Authentizität bzw. Objektivität, wenn ich von einem Unternehmen unterstützt werde und daher weitgehend ausschließlich dessen Produkte verwende? Vielleicht hat man als Teamangler ja Glück und knackt den Jackpot mit einem Unternehmen, das Qualität der erbarmungslosen Quantität vorzieht. Ja, so etwas gibt es. Da draußen gibt es aber bestimmt mindestens genauso viele „Nieten“. Dann sitzt man schnell zwischen den Stühlen oder - in unserem Fall - Sitzkiepen.

Einerseits besteht schließlich eine gewisse Verpflichtung gegenüber dem Sponsor, ihn und sein Portfolio in der Öffentlichkeit in ein gutes Licht zu rücken. Andererseits will man natürlich auch keine falschen Empfehlungen aussprechen, die wie ein Bumerang auf einen zurückkommen können. Denn wenn man die rosarote Sponsoren-Brille einmal ablegt, dann wird man auch als Teamangler eines Tages erkennen, dass es an und für sich kein perfektes Produkt-Programm eines bestimmten Herstellers gibt. Stattdessen wird man selbst als vollkommen markentreuer Angler nicht darum herum kommen, das ein oder andere - und nun kommt das böse Wort - Fremdprodukt einzusetzen.

Doch selbst in einer aufgeklärten Zeit wie der heutigen wird bei manchem Hersteller nach wie vor blinde Markentreue gefordert. Ohne wenn und aber, jegliche Kritik unerwünscht. Ich gebe zu, dass es unter diesen Voraussetzungen schwer sein mag, sich als Teamangler eine gewisse Grund-Objektivität zu konservieren. Grenzenlose Markentreue oder - wie ich es allzu gerne nenne - grenzenlose Markenblindheit hat jedoch vor allem zwei gravierende Nachteile.

Das sprichwörtliche Brett vor dem KopfDas sprichwörtliche Brett vor dem Kopf: Die Aufgaben als markentreuer Teamangler und eine gewisse Objektivität unter einen Hut zu bringen ist keine leichte Übung.

Erstens hilft es mir als Unternehmen auf der Suche nach Verbesserung oder Weiterentwicklung meiner Produkte herzlich wenig, bekomme ich von meinen Teamanglern lediglich „Friede-Freude-Eierkuchen“-Rückmeldungen. Wenn alles nur „perfekt“ ist, ja wozu benötige ich dann eigentlich noch eben selbige Team- bzw. Testangler? Werben könnte man schließlich auch mit Anzeigen in den Medien hervorragend. Wenngleich das wohl mehr kosten würde, als ein Teamangler, der für entsprechende Publicity sorgt.

Für mich jedoch zweifellos viel größer ist die Gefahr, eines Tages wirklich von keinem einzigen „normalen“ Angler mehr für voll genommen zu werden, wenn ich den lieben langen Tag ein Loblied nach dem anderen auf meinen Sponsor anstimme. Auch wenn ich tatsächlich das Produkt des Jahrtausends bei meinem Sponsor gefunden haben sollte, so lassen sich auch mit Produkten anderer Hersteller Fische an Land ziehen.

Bedenken sollte man als Teamangler darüber hinaus, dass oft der eigene Anspruch oder der Geldbeutel den meisten Anglern imaginäre Grenzen setzt, eben fernab von Equipment im High-End-Bereich. Grenzen, die man sich als Teamangler stets wieder ins Gedächtnis rufen sollte und vielleicht auch einmal auf ein Konkurrenzprodukt verweisen sollte, hat der eigene Sponsor wider Erwarten einmal nichts in der gewünschten Preisklasse auf Lager.

War der beratene Angler dann mit dem erteilten Ratschlag zufrieden, bin ich mir sicher, dass man ihn eines Tages wiedersehen wird. Vielleicht ja dann zu einem Zeitpunkt, in dem er mehr Geld investieren will oder schlichtweg mehr Kapital für seine anglerische Karriere zur Verfügung hat. Und dann können Sie sich sicher sein, dass er sich lieber bei mir und meinem Sponsor eindeckt, als bei jemanden, von dem er innerlich einfach nur denken kann: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. 

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2 Kommentare
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  • shimano75
    aus Hüllhorst
    Andre Kuhlmann
    Trifft genau ins Schwarze. Endlich mal jemand der durchblicken lässt was Sponsoring heißt. Ich kenne genug von den sogenannten Vollsponsoren :-)
  • Thomas Finkbeiner
    aus Beilstein
    Sehr gut ge- und beschrieben!!
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