Winterliche Rüsselträger - Friedfischangeln im Winter

  • von Tobias Klein
  • 12. März 2014 um 09:32
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Nachtfrost - No Pain, no gain

Friedfischangeln im Winter ist freilich nicht Jedermanns Sache. Nicht nur die Eiseskälte nagt stetig an den Kräften des Anglers. Auch verlangen träge Fische nach einer gehörigen Portion an anglerischer Finesse, um am Ende erfolgreich von Dannen ziehen zu können. Matthias Weigang und Tobias Klein wagten den Versuch mit der Feederrute am Fließgewässer und geben Ihnen einen Futtertipp für die kalte Jahreszeit an die Hand.

„Es hätte doch auch schlimmer kommen können!“, rede ich mir unentwegt ein, während ich die Utensilien für den bevorstehenden Trip an den nahe gelegenen Fluss in der Kälte meines Angelraumes zusammensuche. Ich muss gestehen, die Organisation meines Angelequipments hat schon bessere Zeiten erlebt. Der Examensstress der letzten Monate und seine Nachwehen gingen nicht spurlos an meiner Ordnung im Angelraum vorbei. Bin ich normalerweise eine gewisse Grundordnung gewöhnt, fühle ich mich momentan eher wie auf einem Schlachtfeld.

Während ich noch schlaftrunken die Schotten meines Angelraumes dicht mache, gehe ich innerlich meine "Einkaufsliste" noch einmal durch: Feederruten - check; Rollen - check; Anbauteile - check; Futterkörbe und weiterer Krimskrams - check; Köder - check; Futter - Das Futter...! Das wäre eine schöne Überraschung geworden.

Futter nach niederländischer Schule

Während ich zielsicher auf mein Arsenal an Futtermittel zusteuere, pfeift mich Matthias zurück: „Habe ich doch schon alles gemacht. Guten Morgen!“ Stimmt! Am Boden liegen zwei leere Futtertüten (aus der Next Generation-Futtermittelserie von Fishing Tackle Max). Die hätte er aber auch mal wegräumen können. Fällt aber freilich nicht ins Gewicht bei dem derzeit vorherrschenden chaotischen Zustandes des Raumes. Wie auch immer. Unschwer kann ich erkennen, dass wir heute mit einer Futtermischung angeln werden, die in Windeseile eine Vielzahl an Freunden unter den Feederanglern gefunden hat: Das Black Competition Mix.

Warum darauf Matthias’ Wahl fiel? Ganz einfach. Die Mischung besteht nicht nur aus den hochwertigsten Zutaten, sondern basiert auf der jahrzehntelangen Erfahrung von Matthias an der Feederrute. Wie keinen anderen Deutschen hat seine Angelei der stete Kontakt mit den Stars der niederländischen Feeder-Szene geprägt. Ich sage daher immer, in ihm steckt ein halber Niederländer. „Wenngleich ich zwar bei heiklen Bedingungen gerne auf mein Allround-Futter, das ‚Aktiv Mix‘ zurückgreife, sollte man im Winter auf feiner gehaltene Mischungen zurückgreifen. Doch keine Sorge, die Mischung hat immer noch genügend Klebkraft, um die Köder sicher auf den Grund zu bringen und birgt ausreichend Partikel, die auch gewichtige Flussfische lange am Angelplatz beschäftigen.“, erklärt er mir seine Futterwahl etwas genauer.

 Next Generation-Futtermittel von Fishing Tackle Max - Black Competition Mix

Die Mischung des heutigen Tages (je ein Kilo pro Angler) runden zwei Hände gequetschten Hanfs ab. Der Hanf regt die Verdauung etwas an und ist damit Garant für eine langanhaltende Fresslust der Fische am Platz. Die schwarze Farbe der Mischung verhindert, dass wintertypisch misstrauische Fische abgeschreckt werden. Nachdem die Mischung angefeuchtet wurde kommen noch gut 10 % des neuen „Birdfood BF4“ (ebenfalls von FTMAX) in der gelben Variante hinzu. Die gelben Futterpartikel setzen nicht nur unübersehbare Highlights in der Mischung. Vielmehr sind diese mit wertvollen Sämereien versetzt, die die Lockwirkung der Futtermischung noch einmal enorm steigern. Alles in allem kann damit eigentlich doch gar nichts mehr schiefgehen und wir machen uns frohen Mutes auf ans Fließgewässer.

Distanzwahl mit System

Wir sind uns einig: Um die Ausbeute zu maximieren, wollen wir auf verschiedenen Angelspuren jeweils eigene Angelstellen anlegen. Matthias nimmt sich der entfernteren Spur auf gut 52 Metern an, während ich den Uferbereich auf 33 Meter beackere. Zuvor haben wir die Struktur des Bodens und die Tiefenverhältnisse durch mehrmaliges Auswerfen unserer leeren Futterkörbe erkundet. Langsames Ziehen des Korbes über den Grund verrät uns dabei, ob vielleicht Hindernisse oder andere potenzielle Ärgernisse am Gewässerboden liegen, welche bei der späteren Angelei Etliches an Nerven und schlimmsten Falls auch noch Fische kosten könnten.

Die Strömung bedingt eine Angelei mit 60 Gramm-Blockfutterkörben, sodass wir uns der 3,90 Meter langen Version der Next Generation Feeder bedienen, die wir mit 2 oz Lake Carbon Spitzen ausstatten. Damit haben wir ein handliches Gerät zu Hand, das selbst mit dicken Flussfischen noch spielerisch fertig wird. Auf der Rolle findet sich eine feine 0,10 er geflochtene Hauptschnur, der rund 10 Meter monofile Schlagschnur (Tubertini Gorilla UC-4) vorgeschaltet wird. Dies sorgt für den nötigen Puffer im Drill und eine Angelei mit feinsten Vordächern wird möglich.

Für die Anfangsfütterung setzen wir jeweils fünf Korbladungen an unsere Angelstellen, jede davon gespickt mit einigen Hanfkörnern und wenigen Pinkies. Nach dem letzten Korb der Startfütterung kommt der 16er Haken an die 0,12er Vorfachschnur (Tubertini „Serie 2“ auf Tubertini „Fluorine“-Schnur) und wird mit zwei Maden versehen. Es wird ernst. Bereits wenige Sekunden nach dem Eintreffen des Korbes verneigt sich bei Matthias die Spitze. Der Anhieb sitzt und ein rasanter Kampf mit dem Gegner am anderen Ende der Angelschnur beginnt.

Made-Wurm-Kombination

Derartige oder vergleichbare Formulierungen würde man an dieser Stelle wohl lesen, wenn wir uns im Hochsommer oder Frühjahr zu einem Ansitz an dieser Stelle entschlossen hätten. Im Winter ist jedoch alles anders und man muss sich einer Tatsache bewusst sein: Es kann dauern, bis der erste Biss zu Tage tritt. Anders verhält es sich natürlich, wenn man die Hotspots des Gewässers kennt. Oft stapeln sich in tiefen Hafenbecken oder dergleichen die Fische. Solche Sternstunden sind in der Hauptströmung des Flusses doch eher die Seltenheit und es braucht allerhand Geduld und auch eine gewisse Portion anglerischer Finesse. Sowohl Matthias als auch ich suchen stets die anglerische Herausforderung und die Entscheidung für den schwerer zu beangelnden Hauptstrom fiel uns am Ende recht leicht.

Warten, warten, warten

Auch nach einer guten Stunde haben wir noch keine Bisse verzeichnen können. Im Winter keine Seltenheit, sodass es nun auf Ausdauer ankommt. Auch wenn keine Bisse kommen, sollte der Korb und die Montage alle fünf bis zehn Minuten neu ausgebracht werden. Die Köder müssen oft variiert werden, um die Allüren der Fische zu überwinden. So halten es Matthias und ich in der Folge. Nahezu stoisch wird jeder Korb nach einem festen Schema eingeholt, der Hakenköder inspiziert und ggf. variiert, bevor schließlich eine neue Korbladung an der Angelstelle versenkt wird. Blinder Aktionismus ist eher abträglich als erfolgversprechend.

Matthias Weigang mit Fang

Während ich beobachte, wie die immer stärker aufkommende Wintersonne die letzten Reste des Morgenreifs vertilgt, kann Matthias wie aus heiterem Himmel den ersten Anschlag setzen. „Nein!“, fährt es ungläubig aus mir heraus. Ein „Na klaaa!“, ernte ich mit fast schon hämischem Grinsen seinerseits. Die ersten Schläge des Fisches werden durch das fein abgestimmte Gerät mit Leichtigkeit abgefangen und der erste Fisch des Tages liegt auch schon wenig später geschlagen im Netz. Eine stattliche Winter-Brasse hat sich die Made-Wurm-Kombination einverleibt und schürt in mir wieder die Hoffnung auf den ersehnten winterlichen Fang.

Tobias Klein mit Fang

Gut zehn Minuten später ist die Spitze meines anglerischen Ziehvaters wieder krumm und ich zwinge mich trotz immer klammer werdenden Finger, meinen Futterrhythmus sukzessiv zu erhöhen. In der Folge bringe ich alle zwei Minuten einen neuen Korb an meine Angelstelle, um so vielleicht auch endlich den ersten Schuppenträger auf meine Angelstelle aufmerksam zu machen. Und tatsächlich, nach gefühlt 10 weiteren Korbladungen „klingelt“ bei mir die gelbe Zitterspitze zum ersten Mal. Mit einem erfreuten „Tobi hier!“, hebe ich den „Hörer“ schließlich ab und lege damit den Grundstock für die „Standleitung“ des Angeltages...

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