Die Tobias Klein Kolumne - Wir haben die Wahl!

  • von Tobias Klein
  • 11. Juni 2015 um 09:25
  • 2

Wer an Hege- oder Gemeinschaftsangeln auf deutschem Boden teilnimmt, der muss sich in der Regel schon vor dem eigentlichen Angeln für eine Angelart entscheiden. Entweder Pose oder Futterkorb ist vielerorts die Devise. Tobias Klein fragt, ob die Wahl der Angelart nicht lieber wieder dem Angler überlassen werden sollte.

Vor nicht allzu langer Zeit plädierte ich angesichts des immer mehr Einzug haltenden Spartendenkens unter uns Matchanglern für einen Blick über den eigenen anglerische Tellerrand hinaus. Unter dem Slogan „Das Beste zweier Welten“ war mein Credo: Nicht „Pose oder Futterkorb“, sondern „Futterkorb und Pose“.

Doch was nutzt es, wenn man meinem Aufruf folgt und sich als Angler besten Falls mit beiden Philosophien des modernen Friedfischangelns gleichermaßen gut auskennt? Eins ist sicher: als Teilnehmer eines Hege- oder Gemeinschaftsangelns hierzulande herzlich wenig. Denn die grundlegende Aufspaltung der Anglerschaft zwischen „Posenvirtuosen“ und „Futterkorbjunkies“ setzt sich  auch bei den Friedfisch-Events nahtlos fort.

Gebt den Anglern die Wahl zurück

Hatte man vor nicht allzu langer Zeit als Angler noch die Möglichkeit, eine eigene Entscheidung über die beste Angelmethode unmittelbar vor Ort zu treffen, so muss man sich mittlerweile bei den großen Friedfisch-Events schon im Vorhinein festlegen. Im schlimmsten Fall mit der Folge, dass man sich auf reinrassigen Feeder-Events beispielsweise das lautlose Angeln vor den Füßen „on the drop“ auf kleine Fische mit der Lang-Lang-Rute verbaut. Oder anders herum kann es bei ausgewiesenen Posen-Events durchaus vorkommen, dass man mit Waggler und Co. im Anschlag jenen Fischen, welche auf über 80 Metern (Feeder-)Wurfweite fresslustig buckeln, nur freundlich zuwinken kann.

Sie haben die Wahl: Nicht wenige Friedfischangler wünschen sich bei der Teilnahme an Hegefischen mehr Mitbestimmung. Und sei es auch nur, die Entscheidung über die auszuübende Angeltechnik wieder selbst treffen zu können.

Liegt es da nicht nahe - gewissermaßen für den Fall der Fälle -, die Angelmethode frei zu geben und es wieder dem Angler zu überlassen, mit welcher Technik er seinem Hegeauftrag am besten nachkommen will? Aus rein anglerischer Sicht hätte man so auf jeden Fall die besten Möglichkeiten, um am Ende ein möglichst ansehnliches Netz an Schuppenträgern vorzuweisen und das ungeliebte „ohne Fang“ zu umgehen. Deswegen sage ich: Gebt den Anglern die Wahl zurück!

Kunde Friedfischangler ist König

Meine Forderung richte ich jedoch bewusst nicht allein an die Veranstalter moderner Friedfisch-Events da draußen. Denn als Mitwirkender bei der Organisation mehrerer Events weiß ich sehr wohl, dass am Ende nicht die Organisatoren die Entscheidung über die auszuübende Angelart im Alleingang treffen, sondern vielmehr der „König Kunde“, d.h. der einzelne Angler selbst, zumindest indirekt die Angelmethode bestimmt.

So sind gerade kleine bis mittlere Vereine mit großer Wasserfläche auf die Unterstützung von Anglern aus Nah und Fern bei Hegemaßnahmen zwangsläufig angewiesen. Diese tragen dann natürlich den jeweiligen Vorlieben ihrer jeweiligen Klientel Rechnung. Schließlich geht es letzten Endes ja einzig und allein darum, die maximale Zahl an hegewilligen Anglern ans Vereinsgewässer zu locken.

Pose oder Futterkorb: Mit welcher Angelmethode lockt man als Organisator wohl die meisten Teilnehmer eines Hegefischens in die sprichwörtliche Mäusefalle?

In Regionen wie etwa dem Osten bzw. Norden Deutschlands sind vor allem Posen-Events die Kassenschlager, während der Süden und Westen der Republik mittlerweile eindeutig von der Feederrute dominiert wird und damit vor allem Futterkorb-Events wie Pilze aus dem Boden sprießen. Es müsste daher schon ein regelrechter Ruck durch die Gemüter der deutschen Matchanglerschaft gehen, um genügend Teilnehmer für neu ins Leben gerufenen Veranstaltungen mit freier Methodenwahl zu finden. Einem regen Andrang kann man sich als Ausrichter letzten Ende dann aber natürlich nicht sicher sein und läuft unweigerlich Gefahr, schlimmsten Falls mit lediglich einer Handvoll hegewilliger Angler am Gewässer zu sitzen.

Warum aufwändig, wenn es doch auch einfach geht?

Darüber hinaus sind wir Friedfischangler mit der Zeit schlicht und ergreifend ein Stück weit faul geworden. Wer von uns opfert schon gerne seine Freizeit, um sich mit allen Methoden des modernen Friedfischangelns zu beschäftigen? So sind wir Deutschen eben gerne für jede nur denkbare Eventualität gerüstet und leben dies allzu gerne auch in unserem Hobby voll aus. Daher schleppen wir wahre Arsenale an Montagen mit den unterschiedlichsten Posenmodellen, Tausende Haken in allen nur denkbaren Variationen und zahlreiche Futterkörbe mit uns ans Wasser.

Hinzu kommt noch eine Batterie an Kopfruten-Kits mit den verschiedensten Gummizügen, am besten noch eine Ersatzrute, falls die teure Kopfrute wider Erwarten doch einmal bricht. Feederruten haben wir natürlich ebenso jede Menge im Angelzimmer rumstehen. Auch diese wollen natürlich einmal ans Wasser und Gassi geführt werden. Dazu gesellen sich Matchruten, Boloruten, Lang-Lang-Ruten, und, und, und, die allesamt ungenutzt nur Staub ansetzen würden.

Time is running out: Nicht selten fällt heutzutage die Entscheidung zu Gunsten lediglich einer Angelmethode aufgrund von Zeitnot bzw. der eigenen Bequemlichkeit der Angler.

Wollte man also wirklich gezielt an „freien Events“ teilnehmen, müsste man wohl zwangsläufig die eigene Einstellung überdenken und die jeweilige Ausrüstung bloß auf das Nötigste beschränken. Okay, in anderen Ländern klappt das mit dem nötigsten Equipment doch auch ganz gut. Bestes Beispiel sind die Mammut-Events in Irland oder England, in Rahmen deren man schlichtweg alle Angelmethoden beherrschen muss, um am Ende auf dem Podest ganz oben zu stehen. Hat man eine weite Anreise, hat man dort einfach nicht den Platz hat, um jede Menge an Equipment mitzuschleppen.

Typisch „deutsch“

Hierzulande kommt allerdings wie bereits oben angedeutet ein typisch deutsches Phänomen zum Tragen: Es gibt kaum eine andere Nation, die eine vergleichbare Affinität in Sachen Angelausrüstung an den Tag legt, wie wir „Krauts“. Denn wer von uns will sich denn bitte mit EINER Feederrute oder vielleicht nur EINEM Kit zur Kopfrute zufrieden geben? (Angel-)Gott bewahre! Was man hat, wird zur Schau gestellt und damit basta.

Typisch deutsch: Die extreme Affinität zu Angelausrüstung in Hülle und Fülle gehört zu deutschen Anglern wie das Sauerkraut zu Deutschland.

Bei allem Idealismus und vehementen Verlangen nach Veranstaltungen mit freier Methodenwahl muss man sich also gerade in der heutigen Zeit eines eingestehen: Letzten Endes liegt es in der Hand von uns Anglern, Events mit freier Methodenwahl durch entsprechende Nachfrage wieder „en vogue“ zu machen. Deswegen bin ich überzeugt: Wir haben die Wahl!

Auch Deine Meinung ist gefragt!
2 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren
  • Der_Martin
    Hallo, ich verstehe den Sinn nicht so ganz: Wenn ich mich für eine Angelart bei einer Veranstaltung festlegen muss, tu ich das im Vorfeld und muss die Entscheidung auch beherzigen. Ist es an dem Tag so, dass die Fische weit von Ufer stehen und ich mit der Pose nicht diese Entfernung angeln kann, habe ich Pech gehabt, dazu ist die Situation für alle anderen in dem Abschnitt gleich. Es werden doch bestimmt immer noch Veranstaltungen organisiert wo fischen nach Lust und Laune geduldet wird. Und als letztes, wenn mir etwas nicht gefällt, zwingt mich niemand dabei zu sein.
  • breamer
    Hallo, zuerst ein Mal, den Bericht finde ich sehr gelungen...vor allem die Fotos...wirklich klasse und nicht so bierernst. Trotzdem bin ich anderer Meinung, vielleicht weil ich aus dem Norden der Republik komme ;-) Ich finde es grundsätzlich sinnvoll und gut die Angelart festzulegen. Wahrscheinlich wird sonst auch bald in der Aue bei Sulingen gefeedert :-) Ich bin absoluter Posenangler, natürlich respektiere ich aber die Feederangler und auch hier im Norden gibt es absolute Feederspezialisten. Hier gibt es viele kleine Dorfveranstaltungen mit 25 bis 50 Teilnehmern, auch hier setzt sich das Feedern immer mehr durch, leider...sorry. Ich würde es mir wünschen, die Gewässer bei Veranstaltungen in Strecken ein zu teilen, eine Strecke für Feederangler, eine Strecke für Posenangler. Zum Glück wird es bei einigen Veranstaltungen schon so gemacht, bei denen jeder Verein zum Beispiel 5 Angler schicken darf (früher nannte man dieses, glaube ich Mannschaftsangeln aber diese gibt es ja nicht mehr) Grüße von der Nordseeküste