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Europameisterschaft in Polen - Eviva EspanaSonntag, 26. Juni 2011, kurz vor der Siegerehrung. Auf einmal kam doch noch Leben, ein Hauch von Heiterkeit und Glanz in die Europameisterschaft 2011. Plötzlich stand die spanische Mannschaft jubelnd und feiernd inmitten der anderen Nationalmannschaften und lauthals wurde "Eviva Espana" gesungen. Die Spanier waren die heimlichen Gewinner dieser 17. Europameisterschaft und überall wo sie auftauchten gab es anerkennenden Applaus.Ansonsten war es eine sehr bescheidene, gar trostlose EM bei der man eher den Eindruck hatte, dass die Polen zu dieser Veranstaltung verdonnert worden wären, als dass sie sich um diese internationale Veranstaltung beworben hätten. Es fing damit an, dass lange Zeit nicht klar war, an welchem Gewässer in Polen die EM eigentlich stattfinden würde. Immer wieder wurden neue Gewässer in den Ring geworfen, zeitweise hieß es sogar, dass die Veranstaltung in ein anderes Land verlegt werden würde. Am Ende war es dann der Kanal Ulgi in Opole für den man sich trotz aller Unsicherheiten entschied.
Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Hochwasser an der Warta in Poznan im letzten Jahr, sollte es nun besser werden, doch man entschied sich für einen Umflutkanal der Oder, der natürlich auch hochwasseranfällig war, in diesem Fall sogar äußerst sensibel auf Regenfälle im südlichen Polen reagierte, denn das Wasser wurde umgehend milchkaffebraun und schnell und vernagelte die Mäuler der Fische. Von diesem Umstand konnte sich die technische Kommission der FIPS Anfang Mai noch selbst ein Bild machen, als beim polnischen Grand Prix fast keine Fische gefangen wurden und seitdem brodelte wieder die Gerüchteküche. Eine Terminverlegung und natürlich weitere Ausweichgewässer sowie ein Fischbesatz wurden eifrig diskutiert und fast täglich gab es neue Wasserstandsmeldungen. Gleiche Bedingungen für alle, aber trotzdem schade für die Teams, die gerne im Vorfeld trainiert hätten oder trainierten und kaum Fische fingen. Denn erst zwei Wochen vor Beginn des offiziellen Trainings wurde dann endgültig festgelegt, dass im Ulgi Kanal gefischt wird und mitgeteilt, dass man Fische besetzten würde. Wie man diese Fische im Kanal halten wollte wurde dabei allerdings nicht verraten und da die Fische in der angrenzenden Oder mehr Nahrung und Sauerstoff vorfinden, konnte man davon ausgehen, dass sie sich auch auf den Weg Richtung Oder machen würden. Ein Netz sollte gespannt werden, doch wie spannt man ein Netz über einen 45 Meter breiten und 3 Meter tiefen Kanal, der dazu auch noch eine nicht unwesentliche Strömung aufweist? Einige Nationalmannschaften trainierten im Vorfeld und die durchsickernden Informationen ließen nichts Gutes vermuten. Einzelne Fische wurden gefangen, überwiegend Barsche und Ukeleis und meist an einer Hand abzählbar. Pro Team und Tag selbstverständlich.
Mit viel Wind begann die Trainingswoche sehr stürmisch und es war in den Wellen nicht einfach die kleinen Fische sauber zu beangeln. Hier und da mal ein Bonusbarsch, Brassen oder Aland und dann kam die Meldung, die das Angeln der ersten Tage eigentlich zur Makulatur werden ließen. Am Abend des zweiten Trainingstages sollten nun doch Fische besetzt werden. Rotaugen und Brassen, 2,5 Tonnen. Sicherlich nicht allzu viel für diesen Kanal, doch sofern es nun möglich sein sollte 3 Weißfische mit 400 bis 500 Gramm Gesamtgewicht zu fangen, so würde das Angeln auf die kleinen Brutfische kaum mehr relevant sein, denn mit den Kleinstfischen kam man in den 4 Stunden Angelzeit auf maximal 350 bis 400 Gramm.
In der Trainingswoche kristallisierten sich einige Plätze heraus an denen größere Fische gefangen wurden. Keiner wusste so recht warum, doch bestimmte Trainingsboxen produzierten immer wieder einige Brassen von 600 bis 800 Gramm und auf bestimmten Plätzen sammelten sich Barsche von 50 bis 250 Gramm. Wer dort saß fing seine Fische, es war maximal die Frage wie viele. Die Waliser fingen 11 Brassen an einem Trainingstag und es gab einige Plätze über die Strecke verteilt auf denen man auf 13 Metern 10 bis 12 Barsche fangen konnte.
![]() Das deutsche Team der Europameisterschaft 2011 Der Ulgi Kanal war gesäumt von zum Teil bis zu 1 Meter breiten in Wasser ragenden Schilfgürteln, es gab aber auch viele Plätze die einfach nur sandig und ohne jeglichen Bewuchs am oder im Wasser waren. Teilweise waren auch kleinere Krautfelder im Uferbereich und wer Kraut oder Schilf auf seinem Platz hatte, der konnte zumindest mit einer guten Anzahl an Brutfischen in seinem Bereich rechnen. Kleine Kehrströmungen oder auch nur ein etwas größerer Stein im Uferbereich machten Hoffnung an diesen Plätzen einige Grammfische zu fangen. Verschiedenste Taktiken kamen zum Fang der Kleinstfische zum Einsatz. Während die Italiener, Belgier und Franzosen ständig kleinste Futterportionen sehr feines Ukleifutter mit wenigen kleinen Mückenlarven warfen, cuppten viele Nationen haselnussgroße Bällchen aus dunkler Terre de Somme mit kleinen Mückenlarven direkt an das Schilf, das Kraut oder einen im Wasser liegenden größeren Stein. Wer im Uferbereich einen strömungsfreien Bereich oder einen kleinen Kehrstrom vor sich hatte, konnte zudem mit kleinsten Kügelchen purer Mückenlarven, die sich nach dem Auftreffen auf die Wasseroberfläche lösten und langsam zum Grund sanken erfolgreich nachfüttern.
Die Teilnehmer mussten sich ihren Platz also erst einmal genau anschauen und dann entsprechend der Ufer- und Wasservegetation in der Box die Sitzkiepe aufbauen. Mehrere Futterplätze wurde dann im Uferbereich angelegt, denn nicht jeder optisch gut aussehende Platz war nachher auch produktiv und je mehr Kleinstfische auf dem Platz waren, desto höher war auch die Wahrscheinlichkeit einen der vielen Raubfische auf den Platz zu ziehen. Meist waren es Hechte oder auch mal Rapfen, die kräftig unter den kleinen Fischen aufräumten. Die Raubfische zogen den Kanal hoch und runter und es war nur eine Frage der Zeit bis mal wieder einer auf dem Futterplatz raubte und bis auf weiteres erstmal kein kleiner Fisch zu fangen war.
Alles wurde versucht, um auch noch den letzten Kleinfisch auf dem Angelplatz bzw. im Bereich des Angelplatzes zu fangen. So verließen einige Angler ihre Kiepe und suchten rechts und links die Schilfbüschel oder Krautfelder nach Fischen ab oder wer lieber sitzen bleiben wollte, angelte mit der langen Kopfrute parallel zum Ufer. Nichts wurde unversucht gelassen, doch die Regeln sagen, dass man zwar innerhalb der Abgrenzungen seinen Platz befischen darf, doch jeder Fisch muss sofort nach dem Fang in den Setzkescher. So wurde Gramm um Gramm zum Platz gebracht und wer seine Fische im Eimer zwischenhälterte kassierte im Nachgang einen Punktabzug. Es zeichnte sich ab, dass Gewichte ab 400 Gramm für die Mannschaftswertung ein sehr gutes Ergebnis wären und so konzentrierten sich die Franzosen gegen Ende der Woche ausschließlich auf die Kleinfischangelei im Uferbereich mit dreiteiligen Kits. Geangelt wurde entsprechend fein und leicht. 8er Hauptschnüre, 7er Vorfächer von 10 bis 15 cm Länge, darüber ein Bulk aus 12er Schroten und sensibelst ausgebleite Posen von 0,1 bis 0,3 Gramm Tragkraft kamen zum Einsatz. Passen musste auch der Gummizug, der die erste Flucht eines Bonusbarsches abfangen, ihn aber auch daran hindern musste in das Kraut zu flüchten. Viele Kleinigkeiten machten den Unterschied aus, denn bei diesen geade noch beangelbaren Fischen musste vieles passen, sonst gab es zu viele Fehlbisse. Das lag sicherlich daran, dass sich zu kleine Fische auf den Köder stürzten und diesen nicht schlucken konnten, doch Vorfachlänge, Bebleiung und Hakengröße mussten einfach passen. Dazu brauchte man kleine, quirlige und dabei sehr feste Mückenlarven für den Haken. Oder man angelte mit Foullies, den kleinen Futtermücken und da zeigte sich, wie perfekt beispielsweise die Franzosen den Rhythmus aus Füttern, Beködern, Bisse verwerten, usw. angeln können.
Auf die größeren Fische wurde überwiegend mit Cralussos, allen erdenklichen Lutscherposen aber auch normalen Strömungsposen geangelt. In den oberen Sektoren D und E war es schmaler und flacher, so dass dort die etwas schwereren Monturen zum Einsatz kamen, doch mit einer Range von 2 bis 8 Gramm war man in allen Sektoren gut gewappnet. Teilweise wurden zum absoluten Blockieren bis zu 30 Gramm geangelt, doch Bisse waren dann nicht mehr zu sehen und jeder Biss war kostbar. Es war nicht ungewöhnlich in der Trainingswoche keinen Fisch auf 13 Metern zu fangen, doch es gab auch noch die Spur am Ende der Packlage. Diese Bahn wurde mit den ersten 5 bis 7 Teilen der Kopfrute erreicht und teilweise war es sogar tiefer als in der Mitte des Kanals. Am Ende der Stein wurden vor allem Bonusbarsche von 100 bis 200 Gramm gefangen, sehr selten war auch mal ein Weißfisch dabei. Im Trieb gab es kaum Bisse und somit wurde die Pose überwiegend stark verzögert geführt. Jeder Lutscher musste dabei sensibelst ausgebleit werden, denn es gab nicht viele Chancen auf einen Biss und gerade in den Wellen war es wichtig, dass die Posenantenne trotz der verzögerten Führung nur so wenig wie möglich aus dem Wasser ragte. Steve Gardener aus dem englischen Team markierte dazu die obere Hälfte seiner roten Posenantennen mit schwarzer Farbe und erst wenn die Antenne bei zu starker Verzögerung rot zeigte, ließ er wieder laufen.
Der erste Durchgang begann mit einem Paukenschlag, einer faustdicken Überraschung. Das spanische Team angelte die 4 Stunden in jedem Sektor geschlossen auf Ukeleis und beendete den ersten Tag mit nur 11 Punkten vor Frankreich (16,5) und Polen (20). Insbesondere die ersten 30 Minunten waren entscheidend, denn in dieser Anfangszeit zogen die Ukeleis in 4 bis 6 Metern Uferentfernung die Plätze hoch und runter und man konnte sie einsammeln bzw. einige der bis zu 20 Gramm schweren Fische fangen und das Netz relativ schnell mit 200 bis 300 Gramm füllen.
Es folgte der zweite Durchgang und es bestand wenig Hoffnung, dass die Angelei nun besser werden sollte. Im deutschen Team wurde Ralf Herdlitschke durch Mike Osterwald ersetzt und es galt den Schaden zu begrenzen. 50 Punkte und ein 20igster Pltz standen nach dem ersten Durchgang zu Buche und somit war noch reichlich Luft nach oben.
Denn es gab gute Gründe warum auf einmal Futter und Würmer auf den Plätzen einiger Nationen waren, da der Ausrichter der Europameisterschaft am Freitagabend doch noch Fische besetzt hatte. Mehrere hundert Kilo Brassen, Barsche, Schleien und Rotaugen waren eingesetzt worden, doch die Teams hatte keiner informiert. Lediglich die Belgier hatten vom Hotel aus die Fischtransporter kommen sehen und waren zugleich zur Strecke geeilt, um zu sehen, was denn dort in den Kanal gesetzt werden würde, doch man konnte nur schwer glauben, dass die polnische Mannschaft und auch im Weltverband gut vernetzte Nationen wie Italien und Frankreich nicht über den Besatz informiert worden waren.
Das deutsche Team legte einen guten zweiten Durchgang hin und wurde in der Tageswertung des zweiten Tages 9ter. Mike Osterwald in Sektor A hatte bei seinem ersten internationalen Einsatz sogar noch Pech, als er einen kurz vor dem Ende gehakten Aland nicht mehr in der regulären Zeit aus dem Wasser bekam, so dass es am Ende Platz 10 wurde. Harald Windel im B Sektor fing seinen Bonusbarsch und zusammen mit 90 Kleinfischen wurde s am Ende der 7. Platz. Auf Johannes Böhm wartete im Sektor C bereits ein Rudel Barsche, die er nach und nach in seinen Kescher lotste. Gut geangelt und mit dem entsprechenden Platzglück war das am Ende mit 14 Fischen und 1.016 Gramm der Sektorensieg. Bei Henric Plass kamen auf den beiden stromabliegenden Plätzen D 1 und D 2 nach zwei Stunden 3 Bonusfische auf der 13 Meter Bahn, so dass er in den letzten 1,5 Stunden auch auf einen größeren Fisch pokerte und die kleinen Fische nicht mehr angelte. Aus dem Bonusfisch wurde es nichts, so dass es am Ende der 8te Platz wurde. Die eingesetzten Fische zogen gegen die Strömung Richtung Wehr, so dass der zweite Halbsektor in E am zweiten Tag der fischreichste Sektor war.
René Bredereck erschreckte sich regelrecht, als er nach 6 Tagen am Ulgi Kanal auf Platz 17 den ersten Biss auf 13 Metern bekam. Ein guter Aland konnte von ihm eingenetzt werden und dabei bleib es nicht. Eine kleine Barbe und einige Kleinfische brachten zusammen mit dem Aland 847 Gramm auf die Waage, was am Ende den dritten Platz im Sektor bedeutete. Das deutsche Team beendete damit die Europameisterschaft auf einem 14ten Platz bei 27 Mannschaften. Das spanische Team kam im zweiten Durchgang nach anfänglichen Schwierigkeiten wieder auf Kurs und konnte seinen Medailenraing mit dem zweiten Platz verteidigen. Sicherlich die Überraschung der WM und ein toller Erfolg für die Spanier nach dem enttäuschenden Abscheniden bei der Weltmeisterschaft 2010 im eigenen Land.
Verdienter Europameister wurden die Franzosen, die sicherlich die perfektesten Kleinfischangler sind. Schon in der Traingswoche zeichnete sich ab, dass man sie wohl ganz vorne finden würde und es war eine Augenweide zu sehen, wie sie die kleinen Fische versammelten, konzentriert und kontinuierlich jeden Fisch mitnahmen und die Barsche, die zwischendurch immer wieder einstiegen mit dem feinen Gerät nicht verloren, sondern in den Kescher bugsierten. Den Franzosen nicht unähnlich im Stil angeln die Belgier, so dass deren dritter Platz auch nicht unbedingt überraschte, doch es blieb gerade bei diesen beiden Mannschaften ein fader Beigeschmack, denn zu deutlich war zu sehen, dass sie ihr Wissen um den Besatz auch entsprechend am Kanal umsetzten. Dem polnischen Ausrichter konnte man am Ende leider nur bescheinigen, dass es eine farb- und trostlose EM mit vielen Fragezeichen war. Sportlich konnte man bezüglich des Fischbesatzes sicherlich von einer Wettbewerbsverzerrung sprechen und am Ende reichte es bei der Siegerehrung auf einem heruntergekommenen Pausenhof nicht einmal für einen Blumenstrauß für die Sieger.
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