Mit Johannes Böhm am Mittellandkanal

  • von Johannes Böhm
  • 07. April 2012 um 04:30
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Unweit von der vielmals für Anglertreffs genutzten Strecke bei Ellersell/Bülstringen gibt es einen Streckenabschnitt im Mittellandkanal an dem man zu fast jeder Jahreszeit, wenn man nicht mit all zu vielen Menschen dort angelt und auch nicht zu viel Lärm macht, ein paar Fische überlisten kann. Ca. 5 km von der Strecke der diversen Anglertreffs, gegenüber des Lagerhauses "Baro", richten wir unseren Angelplatz ein.

Es ist Anfang April, Ostern steht vor der Tür, das Wetter ist grau, für den ganzen Tag ist ein frischer Wind vorhergesagt. Die Strecke hier ist bis zur Uferkante von großen Steinen unter Wasser gesäumt, die auch eine unregelmäßige Kante zwischen 13 und 15m vom Ufer aus bilden. Am Rand sitzt man, anders als an vielen Kanälen, auf einer Wiese, allerdings ca. einen Meter über der Wasseroberfläche. Hinter uns führt ein gerade an Wochenenden viel genutzter Radweg entlang, dahinter dann schon der Deich und wiederum dahinter der direkte Zufahrtsweg zum Kanal.

Wir entscheiden uns aufgrund mehrerer Faktoren für das Angeln mit der Matchrute. Zum Ersten haben wir mit der Matchrute keine Probleme mit dem doch recht starken Wind, wäre ein Fischen mit der Kopfrute doch fast unmöglich. Zweitens sind wir mit der Matchrute in keinem Konflikt mit den hinter uns fahrenden Radfahrern, so kennen doch viele von uns das Problem mit den oft rücksichtslosen Radlern. Drittens und auch der entscheidende Fakt ist, dass wir mit der Matchrute von der Steinpackung unabhängig sind. Das heißt, dass wir uns eine schöne steinfreie Strecke ausloten können und nicht ständig mit dem Haken in den Steinen fest hängen, uns Haken und vielleicht sogar Montagen abreißen.

Nach ausgiebigem Loten entscheiden wir uns für eine Distanz bei etwa 18-20 Metern, hier ist es noch mal 20cm tiefer als direkt hinter den Steinen, hängt wahrscheinlich mit der Fahrrinne zusammen. Aus selbigem Grund, nämlich wegen der Schifffahrt, bleiben wir recht nah am Ufer, würden sonst die großen Schuber doch noch stärker unser Futter verwirbeln wenn sie direkt darüber fahren würden. Außerdem müssen wir so nicht immer rausholen wenn eine Schubeinheit vorbei fährt. Und gerade zu erwartende Fische, wie Plötze und Aland nehmen auch mal ganz gern einen treibenden Köder.

Das Futter:
Ich entscheide mich heute für eine relativ helle Futtermischung, reagieren die Fische hier doch nicht negativ auf einen hellen Futterteppich. Wahrscheinlich bedingt durch die vielen fahrenden Schiffe, wird dadurch das Wasser doch relativ trüb gehalten.

Die Futtermischung
Die Futtermischung


In meinen Eimer rühre ich eine Tüte Mondial Special Match, eine Tüte Mondial Etang braun und eine halbe Dose Amino Flash Lebkuchen an. Einige mögen sich vielleicht wundern warum ich eine so leichte Futtermischung wähle. Später dazu mehr.
Weiterhin habe ich eine Dose Amino Flash Color gelb dabei, kann ich damit bei stehendem Wasser und einer etwas höheren Feuchtigkeit des Futters eine super attraktive Wolke ins Wasser bringen und somit noch den ein oder anderen Fisch auf meine Futterspur locken.

Zum Einsatz kommt eine relativ helle und leichte Mischung
Zum Einsatz kommt eine relativ helle und leichte Mischung


Den 2 kg Futter gebe ich nach und nach in mehreren Befeuchtungsphasen ca. 1,2 l Wasser hinzu, kann ich danach Bälle formen ohne dass mir Futter an den Händen klebt. Das Futter hat eine mittelgrobe Struktur, somit genug Klebkraft um Köder an den Grund zu bringen. Es riecht herrlich nach Lebkuchen, das war im Mittellandkanal schon immer erfolgversprechend.

Die fertigen Futterbälle
Die fertigen Futterbälle - vergrößern -


Die Köder:
Auf meinem Ködertisch habe ich Caster, Maden und Pinkies. Sowie eine handvoll Maiskörner und ein paar große Mücken für den Haken.

Madenreiniger kommt zum Einsatz
Madenreiniger kommt zum Einsatz
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Die Anfangsfütterung:

Zu Beginn schieße ich 8 Bälle. Das Futter habe ich zuvor mit einer Hand voll Castern und ein paar wenigen Maiskörnern versetzt. Ich erwarte am heutigen Tag doch den ein oder anderen Aland oder auch größere Plötze, deswegen die vielleicht übertrieben optimistische Fütterung. Zusätzlich zu den 8 Bällen schieße ich noch 2 weitere Bälle mit reichlich gelber Farbe, so feucht, dass ich gerade noch Bälle formen kann. Die werden eine herrliche Futtersäule im Wasser abgeben und auch den ein oder anderen Fisch von weiter weg an meinen reich gedeckten Futterplatz holen.
Das Futter wähle ich absichtlich nicht schwer oder versetze es gar mit Erde, weil ich ja mit der Matchrute nicht die Möglichkeit des Blockierens des Köders habe. Meine Montage treibt also bedingt durch Schleuse und Schifffahrt in meiner Spur. Mein Futter wird aufgewirbelt und setzt sich wieder, ich muss somit nicht immer wieder einwerfen um auf mein Futter zu kommen, sondern kann auch mal 2 bis 3 Meter hinter dem Einschusspunkt meiner Futterbälle mit einem Biss rechnen.

Das Gerät:

Ich montiere an meine 4,20 m Tubertini T-Match, WG 10-25 g, eine Tubertini Vertigo 4500, einen Pro 12 Waggler in 14 g, laufend auf einer UC6 in Schnurstärke 0,16 mm. Der Waggler ist sehr tief ausgebleit, damit ich auch die feinsten Bisse erkennen kann. Trotzdem aber ein so schwerer Waggler, damit ich gegen den wirklich starken Wind auch vernünftig auswerfen kann.

Johannes Böhm mit der Hardware
Johannes Böhm mit der Hardware


Die Schnur ist wirklich super, kann ich sie mit einem kurzen Ruck unter Wasser schlagen, sie wird beim Verschieben des Stopperknotens nicht spröde und taucht auch bei starkem Wellengang nicht wieder aus dem Wasser auf. Auf der Schnur habe ich ca. 5 g Blei. Die Vorfachlänge wähle ich mit 23 cm relativ kurz, nehme ich so die Bisse schneller wahr als mit einem langen Vorfach, lassen hier die Fische manchmal den Köder schnell wieder los.

Der Fang:

Zu Beginn kommen die Bisse sehr verhalten. Wir bekommen gar Wenige. Durch immer wieder erneutes Füttern mit patschigem Futter und gelber Futterfarbe können wir aber doch nach und nach immer mehr Fische aktivieren. Nach ca. einer Stunde haben sich die Fische eingestellt. Zuerst fangen wir einige kleinere Plötzen und Aländer. Nach einiger Zeit mischen sich mehr und mehr Güstern und auch kleinere Brassen mit unter die gefangenen Fische.

Ein mittlerer Aland
Ein mittlerer Aland - vergrößern -


Im Sommer, wenn das Wasser wärmer wird, kann man hier auch richtig große Brassen fangen. Vermutlich ist aber das Wasser noch zu kalt und auch durch den Wind zu unruhig.

Die Konsequenz:

Ich bin mit dem Ergebnis voll zufrieden, die Futterstrategie ist aufgegangen, wir haben einige Fische gefangen. In der kompletten Futterspur haben wir immer wieder Bisse bekommen. Die Fische haben ziemlich vorsichtig gebissen, oft konnten wir mit der Mückenlarve gepaart mit ein oder zwei Pinkies die meisten Bisse bekommen. Aber auch Caster und Maden gingen. Einen Aland konnte ich auch mit einem halben Maiskorn überlisten.

Kein einfaches Angeln am Mittellandkanal - da freut man sich über jeden Fisch
Kein einfaches Angeln am Mittellandkanal - da freut man sich über jeden Fisch


An Alle einen tollen Start in die Saison und Frohe Ostern!

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