Lehm Teil 1

  • von Michael Borchers
  • 14. Juli 2005 um 11:29
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Lehm Teil 1
Beschaffung, Verarbeitung und Haltbarkeit

Lehm ist in der heutigen Zeit entweder pur oder als Zugabe zum Futter nicht mehr aus den Rezepturen erfolgreicher Matchfischer wegzudenken.

Dieser erfolgreiche Futterzusatz ist uns Matchfischern in Europa meistens näher als man denkt und relativ leicht zu beschaffen. Wie man an Lehm kommt, wie man ihn gewinnt und verarbeitet wird in diesem Bericht erläutert und mit Bildern unterlegt.

Beschaffung

- Gehen Sie in ländliche Gegenden, in kleinere Orte und fragen Sie ältere Mitbürger, ob sie wissen, wo es Lehm- oder Tonkuhlen gibt. Nach dem Krieg wurden aus dem Lehm dieser Kuhlen Ziegelsteine für den Wiederaufbau gewonnen. Die Lehmkuhlen sind heute oft zugewachsen, nach dem Tipp eines Mitbürgers aber immer noch zu erkennen.

- Fragen Sie einen Landwirt, ob er Gegenden mit lehmigen Böden kennt, oft sind Landwirte sehr redselig und hilfsbereit. Eine paar amüsante Geschichten und Anglerlatein aus der Jugend gibt es meistens gratis dazu. Die Böden sollten jedoch unbehandelt und frei von Düngemitteln sein.

Verarbeitung

- Suchen Sie sich Stellen, an denen Sie den Lehm leicht abbauen können. Lehm lässt sich aus Steilhängen wesentlich leichter abbauen, als ihn aus einer ebenen Fläche zu graben. Lassen Sie sich nicht von Steinen und Wurzeln abschrecken, im Moment sieht der Lehm noch nicht so aus, wie wir ihn aus den Angelgeschäften kennen.


Lehmkuhle am Steilhang

- Entfernen Sie großzügig die oft vorhandene Humusschicht auf dem Lehmboden. Das Ende der Humusschicht spüren Sie sofort, der Boden wird nun hart und zäh und lässt sich nur noch mühsam erarbeiten.

- Arbeiten Sie den Lehm am besten mit einem Spaten aus dem Boden.

- Füllen Sie den Lehm in mitgebrachte Gefäße ab, sortieren sie die gröbsten Steine, Grünreste und Wurzeln aus dem Lehm.

 

Gesammelter Lehm

Großansicht vom abgebauten Lehm
 

- Nachdem die gewünschte Menge Lehm gewonnen wurde, muss dieses grobe Gemisch aus Steinen, Blättern und Lehm gesiebt werden.

- Für das Sieben des Lehms empfehlen sich zwei Siebe unterschiedlicher Maschendichte, im ersten Schritt eine grobe Maschenweite, um den Lehm von Unrat zu befreien, danach ein engmaschiges Sieb, um ein feines Endprodukt zu erhalten.
Je trockener die Jahreszeit, desto einfacher lässt sich der Lehm sieben. Nach andauerndem Regen insbesondere im Frühjahr fällt es schon schwer, den nun sehr stark klebenden Lehm durch Siebe mit großer Maschenweite zu drücken.
Ihre Hände danken es Ihnen, wenn Sie beim Sieben einen Handschuh benutzen, scharfe Steine und der feine Lehm können die Haut verletzten oder aufrauen.


Die beiden Lehmsiebe

- Der zu siebende Lehm sieht vor dem Siebvorgang so aus

 

 

- Der Lehm wird im ersten Schritt durch das grobe Sieb gedrückt

 

 

- Nach dem Sieben werden die verbleibenden Steine und Reste entsorgt

 

 

- Die Struktur des Lehms wurde durch das Sieben deutlich feiner, zum Fischen ist er aber noch unbrauchbar

 



- Um den Lehm für den Matchfischer nutzbar zu machen, wird der grob gesiebte Lehm durch das zweite, feinere, Sieb gedrückt.





 

Vor dem zweiten Durchgang

Auch beim feinen Lehm nicht den Handschuh vergessen
 


Das fertige Produkt

- Der Lehm kann nun durch noch feinere Siebe gedrückt werden, um somit so fein zu werden, so dass man mit ihm auch Mückenlarven trennen kann.

Haltbarkeit

Trockener, von organischem Material befreiter Lehm ist, sofern er kühl und trocken gelagert wird, über mehrere Jahre haltbar. Wir lagern unseren Lehm offen in großen Wannen im Keller. Zwei- bis dreimal im Jahr suchen wir Lehm in der Größe von zwei 40 Liter Wannen selbst und haben somit immer einen frischen Vorrat.

Was sich nun leicht anhört, ist jedoch eine ziemlich schweißtreibende und zeitintensive Arbeit. Die richtigen Stellen finden, Graben, schleppen und sieben. Wer gerne experimentiert und viel mit Lehm angelt, der sollte sich einfach mal die Mühe machen. Wer wenig Lehm einsetzt und die Zeit lieber im Wasser als in der Lehmgrube verbringt, der ist mit den Produkten aus den Fachgeschäften sicherlich besser beraten.


Im 2. Teil werden wir den Lehm anfeuchten, einfärben und ihm die entsprechende Konsistenz geben.

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