Auf Aland im Frühjahr

  • von Michael Borchers
  • 04. April 2007 um 22:20
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Es ist Ende März, und März ist der Monat in dem wir in unserer Firma den alten Resturlaub aus 2006 nehmen müssen. Da ich noch einige Tage alten Urlaub aus 2006 zu nehmen hatte, nahm ich mir also die letzte Woche im März frei. Da ich keine weiteren Verpflichtungen für diese Zeit angenommen hatte, war diese Woche für mich fest fürs Fischen gebucht. Und wie es der Zufall so will meinte es Petrus mit mir sehr gut und bescherte mir bestes Angelwetter mit Temperaturen jenseits der 15 C Marke und jeder Menge Sonnenschein. Schnell war ein Manöverplan für die Woche aufgestellt, es sollte auf Alande gehen. Ich habe das Glück in der Nähe der Elbe zu wohnen, und die Elbe ist im Frühjahr eine Bank auf Alande. Ich hoffte auf große Fische der 3-4 Pfund Klasse (ich weiß, für unsere Freunde von der Donau sind das keine großen Fische) hatte aber Zweifel da wir letzte Woche noch mit Schneefall zu kämpfen hatten. Ich wollte aber nicht nur in der Elbe den Alanden nachstellen, sondern auch in einem der Nebenflüsse der ebenfalls einen guten Alandbestand aufweist. Mit diesem Gewässer möchte ich auch meinen kleinen Bericht starten.

Der Nebenfluss


Zusammen mit einem guten Freund wollten wir Alande fangen, und zwar in einem Fluss der nördlichen von Hamburg in die Elbe mündet. Der Fluss war an der beangelten Stelle circa 20m breit und 180cm tief, die Strömung war gleichmäßig und nicht zu stark, so dass mit Posen der 0,75Gramm-1,50Gramm Klasse an der Kopfrute geangelt werden konnte.                 

Der Aland nimmt seine Nahrung gerne im Trieb und nicht so sehr, wenn der Köder mitsamt dem Vorfach auf dem Gewässergrund aufliegt und sich nicht bewegt. Alande sind Vielfraße, so dass jede Menge Lebendköder gefüttert werden sollten. Einen Schwarm von mehrpfündigen Alanden kann man kaum satt füttern und bei gefangenen Fischen quellen Köder und Futter meist aus dem Schlund. Trotzdem sind sie scheu und vorsichtig und ein kleiner Köder wie z. B. ein bis zwei Maden mit einem 16er bis 20er Haken wird trotz des großen Maules lieber genommen als das große Madenbündel oder die drei Würmer am 10er oder 12er Haken. Alande sprechen auf helles Futter mit vielen farbigen Partikeln an. Die Partikel können dabei trotz Strömung ruhig ein bisschen auftreiben, die Alande werden den Futterplatz schon finden, vorausgesetzt, der Tisch ist gut gedeckt. Je nach Strömung kann ruhig etwas leichter als sonst geangelt werden, wobei die Pose im freien Lauf immer mal wieder verzögert wird, so dass die Montage mit dem langen Vorfach auftreibt und den Alanden bestenfalls in Maul treibt. Gerade bei der Verzögerung und dem Auftreiben des Hakenköders kommt es meist zu vehementen Bissen und der Tanz kann beginnen.
Um Alande erfolgreich nachzustellen hat es sich bei uns im Norden bewährt ein Futter zu fischen, welches ein fruchtiges Aroma (z.B.Tutti Frutti) besitzt und mit vielen Partikeln durchsetzt ist. Partikel deshalb, weil Partikel auftreiben und die Alande anlocken. Besonders gut reagieren die Fische auf rote Partikel die circa 2 Stunden vor dem Fischen in das bereits angefeuchtete Futter gegeben wurden. Ein weiteres Muss ist die Zugabe von Maden, Maden werden sowohl mit dem Futter auf den Platz eingebracht als auch mit der Madenschleuder auf den Platz geschossen.

 Das Futter Zutaten


Bei einer Tiefe von nur 180cm und einer leichten Strömung spricht nichts gegen das Schiessen der Maden. Ist das Gewässer tiefer oder die Strömung stärker so raten wir von dem Schiessen der Maden ab und empfehlen die Maden zusammen mit dem Futter einzubringen oder kleine Madenbälle mit Kies zu kleben.

Das Angeln: Zum Anfang des Fischens warf ich einige Bälle des mit Maden durchsetzten Futters auf meinen Platz, mein „Kumpel“ entschied sich für das Cuppen und brachte das Futter so punktgenau aus. Nach dem ersten Einsetzen ließ ich die Pose in freier Drift über meinen Futterplatz laufen - kein Biss. Nachdem die Pose neu eingesetzt wurde variierte ich die Köderführung und wechselte zwischen freier Drift und einem verzögerten Führen. Etwa 3m hinter dem Futterplatz tauchte meine Pose zügig ab. Dieser Punkt weit hinter dem Futter sprach für einen Alandbiss, denn hier stehen die Fische oft und nehmen die abtreibenden Partikel und Maden auf. Mein Anschlag wurde mit einem herausschnellen des 0,9mm Gummis quittiert. Sollte das schon gleich der erste Aland sein? Nein, es war „nur“ ein schönes Rotauge um die 150 Gramm, das den Köder voll genommen hatte und am feinem Gerät (20er Haken, 8er Vorfach) einen schönen Drill lieferte. Nach dem der erste Fisch versorgt war, setzte ich meinen Montage sorgfältig auf meinem Futterplatz ein. Am Ende der Drift tauchte die Pose wieder zügig ab und wieder tobte ein schönes Rotauge am Ende der Montage. Bei meinem Angelkumpel sah es ähnlich aus. Auch er hatte auch dem stromauf liegenden Platz viele Bisse und fing eine stattliche Anzahl an Arten und Stückzahl. Rotaugen bildeten die Hauptbeute, dazu konnte er noch Rapfen, Güstern, Brassen, Barsche und Ukeleis fangen. Es fehlte eigentlich nur ein Fisch, der Aland.... Ich beschloss meine Taktik zu ändern und begann nach einer Stunde des kontinuierlichen Fanges besagter Fischarten Maden auf meinen Platz zu schiessen. Und das war ein Fehler...... Die Ukeleis zogen massiv auf den Platz und es war unmöglich durch diesen Schwarm zu gelangen. Dieser Spuk hielt auch nach 20 Minuten, nachdem ich aufgehört hatte Maden zu schießen an. Erst dann gelang es mir wieder Rotaugen und Co. zu überlisten. Während meiner Ukelphase hörte ich einen triumphierenden Ruf vom Nebenplatz, mein Mitangler konnte den ersten Aland fangen.

Bei mir tat sich in Sachen Aland aber weiterhin nichts. Jede Menge Rotaugen, Güstern und Brassen fanden den Weg zu meinem Köder, jedoch kein Aland. Ich beschloss, schon aus reiner Neugierde, einen weiteren Versuch mit dem Madenschiessen zu starten, doch nach einigen Minuten war mein altes „Problem“ dann wieder auf dem Platz, die Ukelei...

Das Madenschiessen als Erfolgsrezept zum Alandfang wurde damit zu den Akten gelegt und nicht weiter verfolgt. Leider brachten auch alle weiteren Tests keine Alande zu Tage, so dass wir nach circa 3 Stunden und weit über 100 Fischen das Fischen einstellten und uns den Alanden geschlagen gaben. 1:0 für die Alande, aber wir hofften auf ein Rückspiel. Trotzdem konnten wir eine kleine Erkenntnis aus diesem Fischen ziehen. Will man hier auf Ukelei angeln, dann ist das Madenschiessen ein gutes Mittel zur erfolgreichen Ukeljagd.

Rückspiel an der Elbe:

Beim Rückspiel hatten wir Heimrecht und wählten die Elbe nördlich von Hamburg als Spielstätte aus. Die Elbe ist hier circa 1km breit und in der Fahrrinne (die nur schlappe 500m entfernt ist) 13m tief. Die Elbe ist in diesem Bereich ein Tidenfluss mit einem Tidenhub, der bei circa 4m liegt. Die Ufer der Elbe sind mit einer Steinschüttung gesichert die bei Hochwasser circa 12 m in den Fluss hineinragt, die Wassertiefe zwingt uns dann mit einem 4 teiligen Top Set zu fischen, welches dann gerade ausreicht. Die Strömung schwankt je nach Wasserstand zwischen „stehend“ bis „ganz schön Zug drauf“. Das Fischen in der Elbe bietet ein unverwechselbares Panorama, jeden Tag fahren einige Dutzend Containerriesen (200m+) den Fluss hinauf um nach Hamburg zu gelangen und die Ladung zu löschen, bzw. neu aufzunehmen. Diese Riesen verursachen übrigens einen enormen Wellenschlag, den es bei der Wahl seines Angelplatzes zu berücksichtigen gilt.

 

Das Angeln: Wie beim Hinspiel war ich wieder mit meinem Kumpanen unterwegs. Wir hatten uns ein Buhnenfeld ausgesucht, in dem es möglich war, etwas leichter zu fischen. Beide bauten wir Montagen mit 1,5 Gramm und 4 Gramm auf, denn wir sind der Meinung, dass viele Angler in der Elbe viel zu schwer fischen und bevorzugen das leichtere Fischen auf die Elbfische. Nachdem die Montagen aufgebaut und eingestellt waren begannen wir mit unserer Anfangsfütterung. Auch hier setzte ich wieder auch ein fruchtiges Aroma und Maden in meinem Futter, auf das Schiessen von Maden verzichtete ich aufgrund der Beschaffenheit des Gewässer (Strömung, Tiefe und Wind).


Vollkommen elbtypisch passierte nach dem Füttern erst einmal gar nichts. Die Ursache für das lange Warten auf den ersten Biss ist in der enorm großen Wasserfläche der Elbe zu sehen. Die Fische brauchen erfahrungsgemäß immer circa 45 Minuten bis sie den angelegten Futterplatz finden. Während dieser Zeit gilt es den Platz unter Futter zu halten. Auch bei diesem Fischen tauchte die Pose nach circa 45 Minuten das erste Mal unter. Die mit Maden beköderte 1,5Gramm Montage wurde voll genommen und nach dem Anschlag wurde der 1,0mm Gummizug lang und länger. Was wohl dieses Mal am anderen Ende hing. Kein Aland..., sondern eine schöne Elbgüster (sind bei uns bekannt und beliebt für ihre Kampfkraft) hatte den Köder voll genommen. Also Haken neu beködert, einen Futterball mit Maden nachgesetzt und die Montage wieder eingesetzt. Die nächste Drift blieb jedoch erfolglos. Die Montage neu eingesetzt änderte ich die Bleie etwas und ließ die Pose über den Platz laufen. Circa 5m hinter meinem Futterplatz tauchte die Pose dann unter. Der Anschlag hatte gefasst und das Gummi begann seine Arbeit zu verrichten, gespannt wartete ich was für ein Fisch dieses Mal aus den Fluten auftauchen würde. Und siehe da, es ging doch.

   

Ein Aland der 400 Gramm Klasse hatte meinen Köder genommen, zwar kein Riese aber ein Aland. Dann wieder dasselbe Spiel, Haken neu beködern, Futterball mit Maden nachsetzen und dann Montage einsetzen. 3 Driften später tauchte die Pose wieder ab und der nächste Aland kam zu Vorschein. Nach dem 4. Aland erhöhte ich den Madenanteil im Futter, denn mir war bewusst, dass die Fische den Futterplatz nun voll angenommen hatten. Innerhalb der nächsten 2 Stunden konnten wir circa 15 Alande und einige schöne Güstern, Brassen und Rapfen fangen.

   
 

Dieses Spiel war damit an uns gegangen und der Ausgleich war geschafft. Unentschieden, und wer die launige Diva Fisch kennt und der Natur mit einer gewissen Portion Demut begegnet ist mit einem Unentschieden eigentlich zufrieden.
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