Die Preußen kommen...

  • von Pascall Brandenburg
  • 09. Oktober 2007 um 20:19
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Als Student, dem die Semesterferien bevorstehen und resultierend aus dem doch sooo stressigen Studienalltag Ermangelung an Angelzeit widerfährt, macht man sich Gedanken, wie man nun effektiv die bevorstehenden (wohlverdienten) 10 Wochen Freizeit sinnvoll mit seinem liebsten Hobby gestaltet.
Es musste also etwas her, was man im Großraum Berlin nicht jeden Tag erleben kann. Da blieb nicht mehr all zu viel offen. Barbenangeln war das Schlagwort. Da mir das nötige Wissen über die vorhanden Fanggründe fehlt,  musste also jemand her, der sich in der Materie auskennt und gewillt ist, seine Freizeit auf zu opfern.
Nach einem Aufruf im Stippforum tat sich schnell ein Lichtblick am Horizont auf. Der Retter in der Not war Markus Fischer, Mitglied im Sensas-Team Jagsttal und eine Kompetenz im Bereich des Barbenangelns.
Einziger Haken an der Sache war die Entfernung von knapp 600 Kilometer ins wunderschöne und idyllisch am Main gelegene Miltenberg. Bedingt durch die Entfernung einigte man sich auf einen 5-tägigen Aufenthalt.
Um den Schadstoffausstoß meines Pkws, im Zeitalter der Erderwärmung, einem vernünftigen Personenverhältnis zukommen zu lassen und den finanziellen Aufwand zu halbieren, entschloss sich mein Vereinskamerad Alex dazu dem Trip bei zu wohnen.

Nach Abschluss aller im Vorfeld zu treffenden Planungen war es nun endlich soweit.
Am Donnerstag den 09.08. befanden wir uns, also Alex, ich und 16 Liter Maden pünktlich um 07.00 auf dem Weg nach Unterfranken.
Jedoch verschwand mit jedem gefahrenen Kilometer, der uns unter immer graueren und regenreicheren Himmel führte, unser Optimismus und unsere Euphorie, da der uns gebotene Ausblick alles andere versprach als Aussicht auf tolles Angelwetter. Die Radionachrichten die über Hochwasser informierten, taten ihr Übriges.
Nach sechsstündiger demotivierender Fahrt gab es dann das erste Mal Ausblick auf den Main. Nur was war das? Die schnell fließende, bräunliche Brühe sah, dem Hochwasser sei Dank, nicht wirklich nach unserem Barben-Eldorado aus.


Der Main mit reichlich Wasser

Endlich angekommen bei unserem Herbergsvater Markus sah man ihm seine Meinung zum Thema Barbenangeln im Main förmlich an seinem doch eher gezwungenen Lachen an.
Um uns der Depressivität ein wenig zu entreißen, lud er uns auf einen obligatorischen Besuch der ansässigen Angelgeschäfte ein. Also ab nach „Aschebersch“ (für die Preußen unter uns, damit ist Aschaffenburg gemeint), um den Ossi zu besuchen. Positiv überrascht präsentierte sich uns ein wirklich sehr gut sortiertes Geschäft, das in Berlin mehr als konkurrenzfähig wäre. Nach kurzem Geplänkel kam man dann auch zum Beweggrund unseres Besuches, nämlich dem Barbenangeln am Main. Dies löste bei ihm jedoch eher verhaltene Äußerungen zu Fangaussichten aus, aber zumindest blieb uns ein ehrlich gemeintes „Viel Erfolg“ beim Verlassen des Geschäfts. Zur Abrundung des Ausfluges ging es dann noch nach Kahl zu J.P.. Dort begrüßte man uns sehr freundlich und man fand auch allerhand interessante Produkte, nur leider keinen Optimismus für das Angeln im Main.
Als gebrochene Petrijünger traten wir nun den Heimweg an, um das Futter vorzubereiten und die Angeltaktik zu besprechen.

Für das Futter wählten wir helle grobe Brassen- und Karpfenmischungen mit hohem Sättigungsgrad, um eventuell auf unserem Platz eintreffenden Barben auch genügend Futter zur Verfügung zu stellen, um sie am Platz halten zu können. Ein weiterer Bestandteil  war gelbe Terre de Fond,  eine trockene sehr schwere Erde, die unser Futter am Boden halten sollte. Auf 5 kg Futter kamen  2 kg Terre de Fond.
Jedoch wichtigster Bestandteil des Futters sollten geklebte Maden mit reichlich Kies sein. Pro Angeltag rechneten wir mit mindestens 2 Liter Maden.


helles, schweres, grobes Futter

Nun zur Angelart:   

Bedingt durch die widrigen Umstände war Markus der Meinung, dass es das Beste wäre, zu tunken, und zwar mit dem Futterkorb.
Jeder der mich nur ein wenig kennt, kann sich also meine Begeisterung zu dieser Art Fische zu fangen bildlich vorstellen. Auch die Tatsache, dass sich an der Montage eine Pose befand, die zu allem Überfluss auch noch in die falsche Richtung zeigte, machte die Sache für mich, als Verfechter der Blei tragenden Pose, nicht besser. Aber Ziel war es ja auch nicht „kultiviertes Fischen “ zu praktizieren, sondern Barben zu fangen. In diesem Fall heiligt also der Zweck die Mittel. Zum Glück blieb mir ja noch meine geliebte Kopfrute.
Als Montage wählten wir eine einfach Feedermontage (siehe Abb.), die aus monofiler 0.20mm starker Stroft GTM besteht.


Die Tunk-Futterkorb-Montage

Der erste Angeltag:

Pünktlich 06.30 weckte uns Markus mit einem zärtlichen „Guten Morgen“, um uns an den bereits gedeckten Frühstückstisch zu führen. Er war wohl der Meinung, dass wenn wir schon nichts fangen, wir zumindest satt sein sollten.
Das Wetter sah nicht wirklich vielversprechend aus, aber zumindest regnete es noch nicht.
Am Wasser angekommen montierten wir unsere 13-Meter-Kopfruten mit den von Markus zur Verfügung gestellten Tunkmontagen und versahen unsere Kits mit Kabelbindern, um die Tunkmontage samt Futterkorb auf unseren Futterplatz ausbringen zu können. Ich hatte meine Bedenken, ob das bei mir so reibungslos funktionieren würde, stellte aber fest, dass dies wirklich eine zuverlässige Art ist, die Montage, ohne ein ungewolltes frühzeitiges entleeren des Futterkorbes und Hänger im Uferbereich, auf den angelegten Futterplatz aus zu bringen.
Nach kurzer Testdrift mit verschieden Körben entschieden wir uns für Futterkörbe der 50g-Klasse. Diese ließen sich in dem ca. zwei Meter tiefen Wasser am besten blockieren sowie bei leichtem Anheben über den Futterplatz führen.
Das verwendete Vorfach hatte eine Länge von einem Meter und eine Stärke von 0.18mm. Als Haken kamen Flachstahlhaken, die ein Aufbiegen bei den von uns erhofften Barben verhindern sollten, in den Größen 8-14 zum Einsatz.
Nach absolviertem Aufbau zeigte Markus, wie man seiner Meinung das Verhältnis von Maden, Kies zu wählen hat. Auf zwei Liter Maden kam ca. ein Liter Kies. Kies und Maden werden vorsichtig angefeuchtet und reichlich mit Madenkleber versetzt bis die Konsistenz der geklebten Maden teigartigen Charakter annimmt und sich regelrecht zerreißen lässt.
Leider war es nicht wirklich einfach diese Konsistenz zu erreichen, da  die hohe Luftfeuchtigkeit die Maden zusätzlich anfeuchtete.


geklebte Maden waren wichtig

Endlich fertig mit Aufbau und Madenkleben begannen wir mit dem Füttern. Als Initialfütterung setzten wir ca. 10-12 Ballen  Futter und 2-3 Ballen geklebte Maden in Höhe der Rutenspitze.
Markus hingegen vergnügte sich mit seiner Feederrute und einem 150g-Futterkörbchen weiter draußen und überließ uns die Kopfrutenspur.
Nun galt es als Erstes das richtige Führen der ungewohnten Montage zu erlernen. Es war wichtig die Montage in einem 45°-Winkel zu führen, um ein durch die starke Strömung bedingtes Ausbilden eines Schnursackes zu verhindern und somit immer direkten Kontakt zu erhalten. Ebenso ist es wichtig die Montage in dem genannten Winkel beim Abtasten der Futterspur zu heben und zu senken, um eine optimale  Dosierung der Drift des Korbes zu erreichen. Hilfreich war dabei die montierte Pose, die Rückschlüsse auf die Lage des Futterkorbes und des Führungswinkel verriet.
Bei jedem erneuten Ausbringen der Rute wurde der Futterkorb mit Futter und Maden bestückt. Das Futter wurde sehr stark gepresst, damit es nicht sofort ausgespült wird  und man einen hohen Anteil an Maden im Inneren des Korbes einschließen kann. Dazu wird der Korb in die Futterwanne gelegt und das untere Teil des Korbes leicht mit Futter gefüllt und dann mit ungeklebten Maden befüllt und mit einer Lage Futter verschlossen. Danach drückt man in beide Seiten des Korbes immer wieder Futter nach um den Inhalt des Korbes weiter zu verdichten, zusätzlich zum Andrücken der offenen Unter- und Oberseite wird der Korb auch noch von Außen angedrückt. Dazu eignen sich besonders gut Körbe aus Edelstahl, da ihr Material weniger schnell ermüdet und bricht.

Nach etlichem Male Ausbringen des Gefüllten Futterkorbes und ca. eineinhalb Stunden warten hatte Alex nun endlich einen Fisch am Haken. Doch das Aufsteigen des Fisches an die Oberfläche verriet schnell, dass es sich nicht um eine Barbe handelte. Aber nichts desto trotz  lieferte dieser Fisch einen beachtlichen Kampf, den Alex dann aber dominierte und eine sehr gute Nase landen konnte. Einen Fisch den wir in unseren Breiten selten bis gar nicht, besonders in dieser Größe fangen.


Alex "The Nose" Dittrich

Zumindest schienen die Fische nicht gänzlich durch Hochwasser und schlechtes Wetter verschreckt. Alex gelang es weiterhin etliche Nasen und Rotaugen zu fangen, nur Markus und mir war es nicht wirklich vergönnt Fische zu fangen. Irgendwie wurde ich immer unruhiger, der Gedanke als Schneider nach Hause zu gehen, gefiel mir ganz und gar nicht, wohlmöglich würde Alex sogar die erste Barbe fangen. Und wer Alex kennt, kann dies gut nachvollziehen. Würde es ihm gelingen wirklich als Erster eine Barbe in seinen Kescher zu befördern, würde dies bedeuten, dass einem über Monate hinweg dieser Triumph wieder und wieder vorgekaut wird. Also beförderte ich verstärkt mit Maden gespickte Futterballen auf meinen Futterplatz, in der Hoffnung, dass sich Nase und Co. auch endlich bei mir einstellen. Doch leider schien mir das nicht vergönnt. Plötzlich begann Alex nach uns zu rufen.


Alex mit dem ersten Barbenkontakt

Schnell legten Markus und ich unsere Ruten zur Seite, um Alex zu Hilfe zu eilen. Diesmal löste sich der Fisch nicht vom Grund und uns war klar, dass es sich um eine Barbe handeln musste. Doch irgendwie war Petrus nicht gnädig mit uns. Alex schaffte es den Fisch bis in den nahen Uferbereich zu drillen, doch die vehementen Schläge des Fisches auf den steinigen und mit Muscheln versehenen Boden setzten dem Vorfach dermaßen stark zu, dass es letztendlich Riss und uns lediglich der Anblick einer Rückenflosse blieb. Auch wenn ich mit wochenlangem Geprahle der ersten gefangenen Barbe hätte leben müssen, hätte ich ihm den ersten Fisch gegönnt.
Es gelang mir dann noch ein paar Rotaugen zu fangen und zu meinem Erstaunen einen Brassen von drei Kilogramm.


3 kg Mainbrassen

Zumindest wussten wir nun, dass die Barben doch fressen und wir tankten somit ein wenig Motivation.
Markus hatte gegen Abriss durch Muscheln und Steine aber noch eine Geheimwaffe und rüstete Alex mit einem Vorfach aus 0.10 geflochtener Fireline aus. Für uns beide schien das jedoch recht unkonventionell und glich dem Schießen auf Spatzen mit Kanonenkugeln, trotzdem vertrauten wir auf seine Erfahrungswerte.
Also begaben wir uns wieder an unser Fanggerät und durften dazu auch gleich noch unsere Schirme aufspannen, denn zu allem Überfluss fing es nun auch noch an zu regnen.
Nach einiger Zeit spürte ich, dann doch endlich ein leichtes schlagen in meiner Rute, doch dies hat nicht wirklich viel zu heißen, da mit dem Hochwasser auch viel Treibgut mitgespült wird. Ich setzte also den Anhieb und irgendetwas befand sich am anderen Ende der Schnur, machte jedoch nicht wirklich den Anschein eines Fisches, ich rechnete also wieder mal mit einem Ast.


Pascal mit der nächsten Chance auf die erste Barbe

Doch irgendwie schwamm der Ast mit Rückführen der Rute in Richtung Ufer und parierte beim Heben des Kits mit leichter Flucht. Somit ließ auch ich mein lautes Organ tönen, um die Anderen an meinen eventuellen Barbenfang Anteil haben zu lassen. Das Herandrillen in den Uferbereich stellte sich recht unproblematisch dar, erst als ich den Fisch vom Grund lösen wollte zeigte er sich von seiner starken Seite und flüchtete immer wieder zum Grund. Die Tatsache, dass ich unter einem Schirm drillen musste, machte es nicht wesentlich leichter den Fisch zu dirigieren, also ließ ich von meinen zwei Zuschauern schnell den Schirm demontieren und konnte kurze Zeit später eine Barbe von ca. 65 Zentimetern landen.


Endlich die erste Barbe

Wir alle waren sichtlich erleichtert, vor allem Markus, der in seiner Funktion als Guide nun nicht gescheitert war. Das Klassenziel war nun erbracht und wir konnten entspannter den folgenden Tagen entgegensehen.
Nur Markus hielt sich ein wenig zurück, halt ein perfekter Gastgeber!!!


Markus mit Barbennachwuchs
 
Doch die nicht enden wollenden Sticheleien konnte auch er nicht auf sich sitzen lassen und überzeugte uns von seinem Können und fing dann, zu unserer Erheiterung, noch eine noch nie zuvor gesehenen Fisch (Verdacht Saugschmerle???) von fünf, vielleicht auch sechs Zentimetern und eine unwesentlich größere Barbe.



Zum 2. Teil

Pascal Brandenburg

Fotos: Alex Dittrich, Markus Fischer, Enrico Pankow, Pascal Brandenburg


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