Lockstoffe - Sein oder Nichtsein....

  • von Jörg Heise / Jens Becker
  • 15. April 2008 um 09:03
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Pro Dipp/Lockstoff von Jörg Heise

Eine kleine Dippsammlung fehlt in meiner Kiepe genauso wenig wie eine kleine Box mit Lockstoffen!! Warum? Weil ich mit den Dipps und Lockstoffen einfach mehr Fische fange und das ist für mich Grund genug.

Dippsammlung
Meine kleine Dippsammlung

Ich warne aber vor dem Prinzip „viel hilft viel“ denn unsere Fische haben empfindliche Nasen!! Lockstoffe gehören für mich in einem Futter genau wie Lebendköder, aber immer schön vorsichtig. In meiner Jugend war in jedem Futter ein Vanilliezusatz und auch heute noch hat mein Futter immer eine dezente Vanillienote. Ist es richtig heiß und das Wasser dementsprechen warm, dann gehe ich zu Tutti Frutti und anderen fruchtigen Aromen wie z.B. Erbeere über. Mein Tutti Frutti Futter riecht zwar wie „Hubba Bubba“ und ich denke jedes Mal wieder, dass es die Fischer eher vergrault denn anlockt, doch es funktioniert im Sommer immer spitze! Im Winter fange ich besser mit herben oder würzigen Aromen meine Rotaugen und Spekulatius ist ein Aroma, welches mich im Winter noch nie im Stich gelassen hat. Ich denke, dass ich mit meinen Gedankengängen nicht so verkehrt liegen kann, denn immer mehr Hersteller geben ihren Futtersorten eine kräftige Geruchsrichtung und immer mehr Lockstoffe und Dipps kommen auf den Markt.

Vanille feangt noch immer
Und Vanille funktioniert noch immer  

Genauso nutze ich Dipps, jedoch nie zu Beginn des Fischens, es sei denn ich kenne das Gewässer und weiß, dass ein bestimmer Dipp ein Trumpf ist, welcher immer sticht. Bei fast allen Fischen beginne ich mit unbehandelten Ködern, denn eigentlich fängt man darauf immer seine Fische. Lassen die Bisse nach, so ändere ich als erstes die Köderpräsentation, aber nur um Nuancen und dann kommt die Zeit der Dipps. Bleibt der Erfolg aus, so wechsele ich wieder auf meine Erfolgsmontage vom Anfang und beginne unterschiedliche Dipps zu probieren. Ich probiere jedoch nicht wahllos und bei jedem Wurf einen anderen Dipp, sondern gebe eher wenigen, dafür sehr unterschiedlichen Dipps die Chance sich zu bewähren. 

Generell verfahre ich so, dass ich im Sommer mit süßen Dipps (Vanillie, Tutti Frutti) beginne. Jeder Dipp erhält bei mir die Chance über 10-15 Minuten seine Fängigkeit zu beweisen. Merke ich das die süßen Dipps keinen Erfolg bringen, so wechsele ich auf herbe Dipps (Garlic, Wurm). In der Regel bringt mir dieses Testen dann den einen oder anderen Bonusfisch. Besonders auffällig ist für mich, dass dieser Bonusfisch oft besonders groß ist, während bei meinen „nicht dippenden“ Nachbarn eine Beissflaute herrscht.

mein Karameldipp
Mein Karamelldipp

Jetzt möchte ich also mit dem Vorurteil aufräumen, dass Dipps nichts bringen und ich statt dessen meine Köderpräsentation ändern sollte. Generell bin ich für Flexibilität während eines Fischens, aber deswegen Dipps ausser Acht lassen? Nicht mit mir! Nehmen wir mal die Feederangelei, hier lässt sich an der Köderpräsentation nicht so furchtbar viel ändern, lassen meine Bisse nach, so wechsele ich Korbgewichte, Vorfachlängen und Köder. All diese Veränderungen bringen oft keinen Erfolg. Dippe ich dann meinen Köder aber ein, so habe ich wieder Bisse! Dieser Umstand ist nicht an den Haaren herbei gezogen, fragt doch mal einen Feederangler!! Als Umkehrschluss steht für mich dann fest, dass diese Maßnahme, die dem Feederangler den Erfolg bringt, bei einem Kopf- /Matchrutenangler nicht negativ sein kann. Vielleicht würden sogar diese erfolgreichen Angler mit dem einen oder anderen Dipp noch erfolgreicher fschen??

gut gedippt ist halb gefangen
Gut gedippt ist halb gefangen


Wer Lockstoffe braucht, ist nur zu faul zum Angeln (Jens Becker)

Klar, man kann mit einer Vielzahl von verschiedenen Gewürzmischungen, Lockstoffen, Dipps, usw. ans Wasser gehen und diese den Fischen nach und nach kredenzen, bis sie dann endlich zuschnappen. Volle Konzentration auf die Lockwirkung; Futterkonsistenz, die Eigenschaften des Gewässergrundes und unsere Montage stellen wir mal hinten an. Haben wir erstmal den richtigen Lockstoff gefunden, kann der Fisch unserem Köder nicht mehr widerstehen und beisst zwangsläufig an. Angeln kann doch so einfach sein und wenn ich erstmal den ultimativen Lockstoff gefunden habe, werde ich immer mehr fangen als die Anderen, immer die größeren Fische haben, der Ruhm und die Anerkennung meiner Mitstreiter ist mir sicher.
Die ständige Suche nach dem ultimativen Lockstoff kann sicherlich auch ein Sport oder eine Leidenschaft sein, doch wie wäre es denn mal mit Angeln.

     
    Wolken aus Futter oder Farbe können sehr erfolgreich sein, um die Fische auf den Platz zu locken

Eine Unebenheit im Gewässergrund in der ich mein Futter platziere, eine Futterkonsistenz mit der ich die Bisse auf dem ersten halben Meter in der Futterspur bekomme, eine Montage, die mir jeden Biss unmissverständlich anzeigt und bei der fast jeder Anhieb sitzt. Ob die Fische wie wild beißen beeinflusse ich lieber mit der Anzahl der Köder und dem Futterneid der Fische. Ob nun Rotaugen, Brassen, Güstern, usw., ich variiere die Köder am Haken und im Futter und werde schon feststellen, wer sich am Futterplatz eingefunden hat. Ich stelle die Pose tiefer, flacher; verzögere die Drift oder lasse den Köder frei durchlaufen. Wenn ich keine Bisse bekomme muss ich etwas verändern. Unzählige Möglichkeiten gibt es, um wieder Bisse zu bekommen und mein Erfahrungsschatz wird mit jeder Veränderung größer. Aus unzähligen Posenformen muss die Pose ausgesucht werden, die am jeweiligen Gewässer am besten läuft. Dazu muss natürrlich auch die Bebleiung passen, die dann wiederum während des Angelns durch Verschieben der Schrote noch optimiert wird.


Passt die Bebleiung oder müssen die Schrote verschoben werden?

Viele Möglichkeiten gibt es auch bei den Ködern und dem Futter. Maden kleben, Caster schießen, Erde mit ein paar geschnittenen Würmern cuppen, die Fische durch ein regelmäßiges Geräusch eines kleinen geworfenen Futterballs auf den Futterplatz aufmerksam machen oder einfach mal den kleinsten Haken an der dünnsten Schnur mit einer Mückenlarve über den Futterplatz treiben lassen – Angeln kann so schön und vielseitig sein.
International scheint man das schon länger erkannt zu haben. Futtertüte auf, Wasser dazu, Anfüttern. Keine mit der Digitalwaage abgewogenen 12,4 Gramm Spekulatiusgewürz, 36,2 ml Flüssigaroma und „vielleicht hiervon noch ein bisschen und davon könnte auch noch was helfen“. Wenn der Fisch nicht frisst, dann stimmt die Präsentation nicht oder die Fische fressen nicht so, wie wir es uns durch die Anlage des Futterplatzes erwünscht haben.


Nicht nur der Inhalt muss stimmen, wo die Kugeln am Gewässergrund liegen ist ebenso wichtig

Dann heißt es arbeiten, herausfinden, woran es liegt. Klar könnte man versuchen, die Fische mit Lockstoffen auf den Futterplatz zu ziehen, die im Mittelwasser stehenden Fische mit leckerem Duft auf den Grund zu locken, um dann festzustellen, dass die Fische heute nicht mal auf unsere nicht gerade kleine Palette von Lockstoffen reagiert haben. Aber wäre das nicht ein bisschen einfach?
Die Ehre gebührt dem, der den Köder so präsentiert, dass die Fische ihn arglos fressen und nicht dem, der den richtigen Lockstoff findet. Und deshalb habe ich erst gar keine Lockstoffe, Dipps, usw. dabei.

Zwei Meinungen und sicherlich nicht die Einzigen. Diskutiert werden kann hier:

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