Distanzfeedern auf Winterbrassen Teil 1

  • von Jörg Heise
  • 12. Dezember 2007 um 13:22
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Der Winter steht vor der Tür oder hat schon Einzug gehalten. Für die meisten Friedfischangler ist die Saison damit beendet, doch vielen Anglern entgeht damit ein schöner Part der Saison. 
Für eine erfolgreiche Angelsession im Winter sind jedoch einige grundlegende Gedankengänge notwendig. 
Der Stoffwechsel der Fische und damit die Nahrungsaufnahme sind im Gegensatz zum Sommer deutlich reduziert und die Fische also wesentlich schneller gesättigt.
Bedingt durch den reduzierten Stoffwechsel sind die Fische nicht mehr so mobil und suchen nicht mehr so große Strecken nach Nahrung ab. Sie ziehen sich um Kräfte zu sparen in ruhigere Regionen im Gewässer zurück. Dies sind im Allgemeinen die tieferen Regionen eines Gewässers. Nicht jedes Gewässer ist allerdings ein Wintergewässer und es empfiehlt sich bei Freunden oder Vereinskameraden nach Weißfischfängen im Winter umzuhören. 
Werden diese Gedankengänge berücksichtigt, dann steht einer erfolgreichen Angelsession auch im tiefsten Winter nichts entgegen.  

das Gewässer
Das Gewässer - im Hintergrund die Weser

Jörg Heise hat sich mit FOX Angler Carsten Röschl zu einer solchen Wintersession verabredet. Bei dem  Gewässer handelt es sich um einen tideunabhängigen Hafen an der Unterweser. Dieser Hafen ist circa 200 Meter breit und bis zu 12 Meter tief. Das Hafenbecken ist bekannt für seinen guten Bestand an Fried- und Raubfischen. Carsten möchte den gewichtigen Brassen dieses Gewässers nachstellen. In der Nacht zuvor hatte es kräftig gefroren und auf dem Weg zum Gewässer waren bereits viele kleine, flache Gewässer mit einer dünnen Eisschicht überzogen waren. Mal sehen, wie die Fische nach dem Frost reagieren würden.

Das Angelgerät: 

Wie schon angemerkt, gilt es im Winter einige Randbedingungen zu beachten. Betrachten wir hierzu als erstes die Gewässerstruktur. Das Gewässer hat seinen tiefsten Punkt in der Mitte des Gewässers und vorzugsweise sollte hier gefischt werden. Für unser Gewässer heißt dies eine Entfernung zwischen 80 Metrer und 100 Meter, wobei sich nun folgende Frage stellt:

Wie bekommt man sein Futter und seinen Köder punktgenau auf  knappe 100 Meter relativ punktgenau in das Gewässer transportiert?

Wie erkennt man einen zaghaften Winterbiss über diese Entfernung verlässlich?

Carsten Roeschl 
Name  Carsten Röschl 
Wohnort  Oldenburg / Niedersachsen 
Jahrgang  1976 
Team  Hunte Team 
bevorzugte Angelart Matchrute


Erfolge 


Mitglied im Team
Niedersachsen

mehrmalige Teilnahme am
Anglertreff für Mannschaften und Einzelangler

mehrmalige Teilnahme an  der  Browning Champion´s Trophy

 

Die Lösung hierfür ist das Fischen mit der Feederrute. Jedoch braucht man für dieses Feederfischen eine besondere Feederrute. Machen wir uns einige generelle Gedanken was die Anforderungen für den Aufbau der Rute bedeuten.
Der Auswurf: Hier muss die Rute sehr viel Energie bei der Aufladung der Rute aufnehmen und dann beim „Abschuss“ des Futterkorbes freigeben. Die hier freigesetzte Energie bestimmt zum großen Teil, wie weit unser Korb fliegt. Ab dem Zeitpunkt, an dem der Korb sich im Flug befindet, beginnen Kräfte auf den Korb zu wirken, welche der Energie des Auswerfens entgegen wirken. Einige dieser hemmenden Punkte lassen sich beeinflussen, andere wie z.B. die Erdanziehungskraft und der Windwiderstand nicht. Interessant sind für uns die Punkte, die wir beeinflussen können. Kommen wir als erstes zum Reibungswiderstand der Schnur. Für jeden Meter, den der Korb in der Luft zurücklegt, muss ein Meter Schnur von der Spule der Rolle genommen werden. Dieser Vorgang erzeugt eine Reibung, welche sich als Widerstand entgegen der Wurfrichtung auswirkt. Dieser Reibungswiderstand lässt sich durch eine Schnur mit einem geringen Durchmesser, sowie einer Spule mit einem sehr großen Spulendurchmesser optimieren. Der große Spulendurchmesser birgt noch einen weiteren Vorteil, denn der Schnureinzug pro Kurbelumdrehung ist bei einer Rolle mit großem Spulendurchmesser wesentlich höher als bei einer Rolle mit kleiner Spule. Eine Rolle der Größe 10.000 hat einen Schnureinzug von annähernd einem Meter pro Kurbelumdrehung. In erster Linie erfüllen hochwertige Brandungs- oder Karpfenrollen in den Größen 8.000 - 10.000 unsere Anforderungen.

Feederrollen für kurze-mittlere und große Distanzen
Oben eine Rolle für große Distanzen - unten für kurze bis mittlere Distanzen

Um mit einem geringen Schnurdurchmesser zu angeln und trotzdem den auftretenden Kräften beim Wurf Herr zu werden, hat Carsten sich für eine geflochtene Hauptschnur mit dem Durchmesser 0,08mm entschieden. Ein weiterer Vorteil der geflochtenen Schnur ist die nicht vorhandene Dehnung. Sie sorgt dafür, dass selbst kleinste Zupfer zur Rutenspitze übertragen werden. Gerade die nicht vorhandene Dehnung ist jedoch auch eine Gefahr. Man stelle sich vor, ein kapitaler Fisch nimmt den Köder auf, der Angler setzt den Anhieb und bewegt die Rutenspitze damit um 2 Meter nach hinten. Die nicht vorhandene Dehnung der Schnur lässt damit auch den gehakten Fisch um 2 Meter nach vorne/oben schnellen. Dabei reisst dann im Allgemeinen das Vorfach. Wir benötigen also einen Puffer und dieser Puffer ist ein circa 10 Meter langes Stück monofile Schnur der Stärke 0,27mm. Diese Schnur, auch Schlagschnur genannt, sorgt für den Puffer, der für die Dehnung der Schnur verantwortlich ist und damit verhindert, dass große Fische beim Anschlag oder einer blitzartigen Flucht ausschlitzen. Ein Problem ist die Verbindung zwischen den beiden Schnüren, wobei sich der Albright-Knoten bei vielen Angler durchgesetzt hat.


Der Albright-Knoten

Der Albright-Knoten ist zum sicheren Verbinden zweier Schnüre ein idealer Knoten. Man sollte aber beim Abschneiden der beiden überstehenden Schnurenden darauf achten, dass diese nicht zu kurz abgeschnitten werden, da die länger überstehenden Enden beim Auswerfen besser durch die Rutenringe gleiten.
Zurück zum Ablauf des Auswerfens. Der Korb ist nach dem Auswerfen in der Luft und nimmt die Schnur von der Rolle. Die abgenommene Schnur schießt durch die Rutenringe und es entsteht Reibung, die es zu minimieren gilt. Erreicht wird dies durch möglichst große Rutenringe. Diese Rutenringe sollten einen möglichst hartes Inlett haben, um der harten geflochten Schnur zu widerstehen und keine Schnurrillen zu hinterlassen. Das Zauberwort hierfür heißt „Slik“ Einlage. „Slik“ Einlagen sind extrem hart und widerstandfähig in Bezug auf Abrieb. Ideal also für alle Angelruten mit denen häufig und auch unter großen Belastungen geworfen wird.

Fox Horizon Extrem Feederrute
Die großen, mit SLIK Einlagen versehenen Rutenringe der Distanzfeederrute

Die Rute muss während der Beschleunigungsphase sehr viel Energie aufnehmen und diese beim Abwurf dann wiederum freigeben. Diese Abspeicherung der Energie wird durch den Blank erreicht. Der Blank nimmt die Energie beim Beschleunigen auf und gibt sie beim Abwurf frei. Diese Aufladung wird durch eine Verformung/Krümmung des Blanks erreicht und der Blank einer Feederrute, welche für das Fischen auf Distanz ausgelegt ist, lädt sich nur  bei einer entsprechenden Belastung (hohe Korbgewichte/große Beschleunigung) ideal auf. Ein kleiner Korb und eine geringe Beschleunigung lassen den Blank passiv und damit eher hemmend auf die Wurfweite wirken. Eine leichte Feederrute würde sich dagegen bei einem großen Korb und hoher Beschleunigung überladen und es bestünde die Gefahr, dass die Rute Schaden nimmt. Eine 3teilige Distanzfeederrute lädt sich also nur bei großen Gewichten und starken Beschleunigungen bis zum 2ten Teil optimal auf. Der Blank einer solchen Feederrute ist relativ steif und lässt sich nicht mit einer Federrute für kurze Entfernungen vergleichen. Trotz diesen harten Blanks soll die Feederrute aber natürlich sensibel sein, damit der Angler den Fisch am anderen Ende der Schnur spürt und auch die berühmte letzte Flucht des Fisches vor dem Kescher von der Rute abgefangen wird. Mit einem sogenannten Besenstiel ist dies nicht möglich. Es ist also die Kunst eines jeden Herstellers den Spagat zwischen einer sensiblen Bissanzeige, einem Blank, der einen jede Bewegung des Fisches spüren lässt und dazu kräftig genug ist für weite Würfe, zu finden.

Carstens Wahl ist heute auf die FOX Horizon Extreme Feederrute gefallen. Diese Feederrute vereint die gewünschten Eigenschaften perfekt und zeichnet sich durch einen angenehm leichten und schmalen, aber trotzdem kräftigen Blank aus.

die Fox Horizon Extrem Feederrute

Der Fox Blank ist angenehm steif in Bezug auf die seitlichen Abweichungen (X-Achse) beim Wurf. Durch diese Stabilität ist es für einen geübten Feederangler relativ einfach, immer wieder punktgenau auf den Futterplatz zu werfen. Die Fox Horizon ist in den Längen 425cm, 450cm und 490cm erhältlich, jede der Ruten ist mit 3 Kohlefaserspitzen sowie einer Glasfaserspitze ausgerüstet. Die 490er Version ist für das Fischen in schnellen Strömen gemacht und zur Standardausrüstung dieser Rute gehört eine 10oz Spitze. Diese dürfte die härtesten Spitze sein, welche im Markt erhältlich ist. Für das heute zu befischende Gewässer hat sich Carsten Röschl für die Version in 425 cm entschieden. Diese Rute hat immer noch ein Wurfgewicht von 175 Gramm und ist für Distanzwürfe mit 100 Gramm Körben geradezu prädestiniert.

perfekte Verarbeitung
Perfekte Verarbeitung der Dreistegrutenringe

Der Angelplatz:

Fangen wir mit dem Platz an, an dem Carsten seine Ausrüstung aufbauen will. Bevor er seine Sitzkiepe platziert, nimmt er sich die Zeit für einen kurzen Blick auf die äußeren Umstände. Die Sitzkiepe sollte einen vernünftigen Stand haben, nicht wackeln und nicht kippeln. Dieser Punkt ist für die meisten von uns selbstverständlich aber den nächsten Punkt beachten schon nicht mehr alle Angler. Ein versierter Feederangler legt die Feederrute immer mit dem Wind ab. Warum dies? Würde man die Feederrute gegen den Wind ablegen, so würde der Wind die Rute entgegen der Anzeigerichtung der Rutenspitze drücken. Eine sensible Bisserkennung ist so unmöglich, viele Bisse, gerade auf große Entfernung, bleiben dem Angler so verborgen. Will man es richtig machen, so legt man die Rute in Windrichtung aus. Der Wind hält die Schnur zwischen Spitze und Köder gespannt und es ist sichergestellt, dass jeder kleinste Zupfer angezeigt wird. Kommt der Wind also von links auf den Angelplatz sollte die Rute nach rechts ausgelegt werden. So ist klar, dass auch der Standplatz der Sitzkiepe möglichst weit links am Angelplatz sein sollte. Man sollte aber nicht den Fehler machen sich ganz an den linken Rand des Angelplatzes zu setzen, um ein bisschen Platz zum keschern zu haben, wobei Rechts- oder Linkshänder entsprechend ihrer Kescherseite verfahren. 

Kommen wir zurück zu unserem Angeln. Carsten hat sich seinen Platz ausgesucht begonnen seine Sitzkiepe aufzubauen. Auffällig war, wie viel Zeit er sich hierzu genommen hat. Die Sitzkiepe wurde sorgfältig in einem rechten Winkel zum Wasser aufgebaut und dann waagerecht ausgerichtet. Akribisch wurden die Beine seiner Sitzkiepe an die Gegebenheiten angepasst und der sichere Stand der Sitzkiepe dann durch kräftiges Wippen auf dem Fußpodest der Kiepe getestet. Auf die Frage hin, warum er soviel Zeit zum Ausrichten der Kiepe aufwendet, antwortete Carsten, dass es nichts schlimmeres gibt, als eine beim Angeln wackelnde Sitzkiepe. Nachdem ein sicherer Stand gewährleistet ist beginnt Carsten die Anbauteile seiner Kiep zu installieren. Hier ging jetzt dank des Vario Systems der FOX STAX Sitzkiepenserie alles sehr schnell. Das Seitentableau wurde ebenso rasch angebracht wie das Ködertableau, nach einigen wenigen weiteren Handgriffen war auch die hintere Rutenablage angebracht.

Carsten Angelplatz
Der sorgfältig ausgerichtete Angelplatz

Mehr Zeit hat sich Carsten dann beim installieren des Feederarms genommen. Da Carsten mit feinen Bissen rechnete und außerdem der Wind auffrischen könnte hat Carsten sich für ein Modell entscheiden, welches zu einem am Bein der Sitzkiepe und am anderen Ende mit einem Bankstick fixiert wird. Der Feederarm hat damit keine Eigenbewegung und bietet so die Möglichkeit, jeden feinen Zupfer an der Rutenspitze zu erkennen. Da das zu beangelnde Hafenbecken so gut wie keine Strömung aufweist, hat Carsten den Feederarm außerdem so positioniert, dass die Rutenspitze kurz über die Oberfläche ragt. Damit stellt Carsten sicher, dass die Schnur keiner Beeinflussung durch den Wind ausgesetzt ist.

Das Zubehör:

Das Zubehör positioniert Carsten so, dass es für ihn in Reichweite der Sitzkiepe ist. Der Kescher ist zur Linken auf einer extra Rutenablage abgelegt und somit immer griffbereit. Carsten kann sich also beim Drill auf Rute und Fisch konzentrieren. Auf  dem Seitenplateau positioniert Carsten eine Auswahl an unterschiedlichen Feederkörben. Die Körbe haben neben den unterschiedlichen Größen auch die Möglichkeit das Gewicht der Körbe durch Wechselgewichte zu verändern. Auffällig an den Körben sind die kleinen Flügel. Diese Flügel verleihen dem Korb eine stabile Flugbahn und erhöhen so die Wurfweite. Ein weiterer positiver Nebenaspekt ist, dass sie beim Einholen vom Futterplatz sehr schnell an die Oberfläche steigen und damit vor hängerträchtigen Kanten oder Gegenständen sicher sind. Weitere Accessoires von Carsten sind einige Dipps und Additive sowie kräftige Feederhaken der Größe 10 -16. Nicht zu vergessen auf seinem Tableau ist aber natürlich der Falteimer mit dem vorbereiteten Futter.

der Angelplatz
Ein perfekt ausgerüsteter Angelplatz

Die Köder:

Hier vertraut Carsten auf Altbewährtes. Neben Maden und Pinkis setzt Carsten noch auf frische Caster. Für jede Sorte nutzt Carsten eine separate Köderbox in seiner Köderablage. Eine 4te Box nutzt Carsten, um einige Köder in Dipps einzulegen. Hierzu nimmt er jeweils einige Maden und betreufelt sie mit dem entsprechenden Dipp. Die Caster hält Carsten im Wasser, denn durch den fehlenden Sauerstoff im Wasser verpuppen sich nicht Caster nicht weiter. Eine weitere Verpuppung ist nicht gewünscht, da die Caster im Endstadium der Verpuppung anfangen zu schwimmen. Dieses Auftreiben vom Futterplatz wäre tödlich da dies die wenigen Fische vom Futterplatz fortlocken könnte. Auf  Würmer verzichtet Carsten an diesem Gewässer, da diese die ein Massen auftretenden Wollhandkrabben anlocken und darauf kann Carsten natürlich gerne verzichten. Sind die Wollhandkrabben massiv auf dem Platz verzichtet Carsten übrigens auch auf den Einsatz von Maden und setzt nur auf Caster, denn mit Castern als Hakenköder oder als Lebendfutter hält sich der Krabbenansturm meist in Grenzen.


Das Ködertableau mit Pinkis - Maden und Castern

Im 2. Teil geht es dann um die Vorbereitung des Futters, die Einstellung der Angelentfernung und das Anfüttern.

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