Ein Spitzenbericht

  • von Jörg Heise
  • 10. Mai 2007 um 21:56
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Die Kohlefaser ist extrem leicht und sehr steif. Durch diese Vorzüge konnte man zwar stundenlang relativ ermüdungsfrei Fischen, jedoch gingen relativ viel Fische verloren. Bedingt durch die hohe Steifheit konnte die Ruten die Fluchten der Fische nicht mehr abfangen und meist brachen die Schnüre unter der Last der flüchtenden Fische oder diese schlitzten aus. Die Antwort auf dieses Problem war die Entwicklung des Gummizuges. Wurde ein Fisch gehakt, so nimmt nun der Gummizug die Kraft der Fluchten auf.

Die Aufgabe eines Gummizuges kennen mittlerweile viele Angler, den Einbau eines Gummizuges trauen sich viele Angler aber nicht zu. Der Einbau ist aber nicht sonderlich kompliziert. Verfügt man über etwas handwerkliches Geschick, dann stellt der Einbau keine grosse Hürde dar. Um den Einbau etwas zu erleichtern, wollen wir den Einbau einer Gummizugmontage in einem kurzen Bericht vorstellen.



Die Utensilien

Der Gummizug wird in die Hohlspitze der Rute eingebaut: Dies bedeutet, dass dort eine Teflonhülse als Abschlusskappe eingeklebt werden muss, durch die das Gummi dann „läuft“. Die Teflonhülsen sollten in allen Spitzen die gleiche Größe haben. Dies hat den Vorteil, dass die Spitzen somit die gleiche Länge haben und man somit sehr präzise und auf wenige Zentimeter genau  fischen kann. In unserem Fall haben wir uns für eine 2,0mm Teflon-Innenhülse entschieden, da wir mit dieser Hülse eigentlich alle Gummizugstärken von 0,60 mm bis 1,40 mm fischen können.



die Stonfo Teflonhülsen

 

 2,00 mm

Warum jetzt dieser große Durchmesser? Im ersten Moment ist es sicherlich ein Nachteil dass man die Spitze so stark einkürzt, da die Rute an Länge verliert und eine größere Düse auch mehr Wasser in die Rute lässt, sofern man die Spitze der Rute beim Angeln im Wasser hat. Die Vorteile sind jedoch einmal der bessere Transport der Spitzen und dazu noch die besseren Laufeigenschaften des Gummizuges in der stärker gekürzten Spitze. Eine lange Spitze biegt sich stärker durch und hindert durch die entstandende Biegung und damit Reibung des Gummizuges den Gummizug am reibungsfreien Arbeiten. Die Endhalterung des Gummizuges werden je nach Gummizugstärke im Teil 2 oder Teil 3 der kopfrute positioniert. Daher sollten beim Einbau des Gummizuges diese Teile griffbereit sein. Gummizüge ab der Stärke 1,00 mm bis 1,2 mm werden im allgemeinen im 3. Teil befestigt. Weisen die Gummizüge eine geringere Stärke auf, so werden diese im Teil 2 befestigt. Da der Durchmesser des Rutenblanks im Teil 2 wesentlich geringer als im Teil 3 ist, bedarf es Endhalterungen für beide Durchmesser. Die Industrie hat hierfür variable Endhalterungen auf den Markt gebracht.


 Endhalterungen für Teil2
Endhalterungen für Teil3


Am anderen Ende des Gummizuges, also am dünneren Ende der Spitze wird später der Konnektor, der Gummizug und Hauptschnur verbindet, angeknotet. Dieser Konnektor sollte nicht zu groß gewählt werden denn das Spitzenteil wird teleskopisch durch das Teil 2 geführt. Ist der Konnektor zu groß, so lässt sich dieser nicht durch das schmale Ende von Teil 2 schieben.

Konnektor

Um das Ganze zu verdeutlichen, werden wir den gesamten Arbeitsablauf in Text und Bild verdeutlichen.


Folgende Utensilien werden benötigt:

- Hohlspitze
- Gummizug
- Teflonhülse
- Endhalterung
- Konnektor
- Einfädeldraht
- starke monofile Schnur oder Dacron
- scharfes Messer, feine Metallsäge oder Drehmel
- Schere

Die Spitze vorsichtig mit dem Messer, der Säge oder bestenfalls auch einem Drehmel kürzen, um die Teflonhülse einzupassen. Hier gilt es lieber einmal zu wenig zu kürzen als einmal zuviel. Kürzt man die Spitze zu weit, so lässt sich die Teflonhülse nicht mehr befestigen, da der Innendurchmesser der Spitze zu groß ist. Kürzen Sie lieber vorsichtig und dafür einmal öfter!! Ein weiterer Tipp ist es, den letzten Schnitt extrem vorsichtig zu führen und die Spitze dabei etwas zu drehen, die Kohlefaser neigt sonst zum splissen. Ist doch etwas von Ihrer Spitze abgesplittert, dann können die die Bruchstelle mit Sekundenkleber vorsichtig reparieren. Den Schnitt mit der Messerspitze oder besser noch einer Feile entgraten und dann schauen ob die Teflonhülse passt.

das Kürzen der Spitze mit eingepasster Spitze 


Als erstes den Konnektor am Gummizug befestigen. Dazu den Überwurf auf den Gummizug schieben, dann mit einem Knoten am Konnektor befestigen. Lassen sie hierbei das Gummi etwas überstehen. Dann den Überwurf auf den Konnektor schieben und überstehende Ende kurz abschneiden.

 Gummizug zuschneiden Konnektor vorbereiten 
 Gummizug durch den Konnektor ziehen Gummizug knoten
 Überwürf verschieben

Nun das offene Ende des Gummizuges durch die Teflonhülse in die Spitze einziehen.


 
eingezogenes Gummi

An dem offenen Ende des Gummizuges nun eine kleine Schlaufe binden. Diese Schlaufe wird dann später in die Endhalterung eingehakt und dient als Anker des Gummizuges.


Um die Endhalterung an den gewünschten Durchmesser des Rutenblank anzupassen wird der Endhalter an den geriffelten Flächen abgeschnitten, so dass der Endhalter in das Teil 2 oder Teil 3 passt. Hierbei gilt zu beachten, das der Endhalter so tief im entsprechenden Teil sitzen muss, das die Rutenteile noch problemlos aufgesteckt werden können!

 Das Zuschneiden der Endhalterung

Da sich die Endhalterungen durch den Drill grosser Fische oder durch Hänger im Rutenblank festsetzen können, bedarf es einer kleinen Hilfe um die Endhalterungen nach dem Fischen wieder zu lösen. Hierzu wird ein Stück kräftiger monofiler Schnur oder Dacron an die dafür vorgesehene Öse der Endhalterung befestigt. Durch ein kurzes  Ziehen an dieser Schnur lassen sie die Endhalterungen nach dem Fischen aus dem Blank ziehen. Das überstehende Ende der monofile Schnur sollte dabei nicht zu kurz gewählt werden, da sich die Endhalterung in den genannten Situationen häufig noch tiefer in das jeweilige Rutenteil vorschiebt als üblich angenommen wird.  Man sollte also solch eine Situation simulieren, indem man bei montiertem Kit das Gummi weit aus der Spitze zieht und die monofile Schur erst dann entsprechend kürzt.



Nützliche Infos zu Gummizügen:

Beim Angeln mit dem Gummizug ist es elementar wichtig die richtige Gummizugstärke zu wählen. Ein Gummizug welcher für das Fischen auf kleine Rotaugen ausgelegt ist, wird beim Angeln auf grosse Friedfische wir Barben,Brassen oder Karpfen genauso fehl am Platz sein wie ein "Großfischgummizug" beim Angeln auf Kleinfisch. Um den Anglern die Wahl des richtigen Gummizuges zu erleichtern werden die unterschiedlichen Gummizüge in Stärken/Durchmessern angegeben. Bei diesen Stärken sind zwei unterschiedliche Sprachjargons im Gebrauch. Sprechen Angler von einem 10er Gummi, dann ist keinesfalls ein Gummizug der Stärke 1,0 mm gemeint, sondern ein Gummizug mit der Stärke 1,4mm. Zur Vereinfachung haben wir eine kleine Tabelle angefügt:


 Größe

Durchmesser 

empfohlene Vorfachstärke 

 2er

 0,66mm

 0,05mm-0,08mm

 3er

 0,75mm

 0,05mm-0,08mm

 4er

 0,86mm

 0,075mm-0,12mm

 5er

 0,93mm   

 0,075mm-0,12mm

 6er

 1,06mm   

 0,075mm-0,12mm

 7er

 1,13mm

 0,085mm-0,15mm

 8er

 1,20mm

 0,085mm-0,15mm

 10er

 1,40mm

 0,085mm-0,15mm

 12er

 1,60mm

 0,10mm-0,22mm

 14er

 1,80mm

 0,10mm-0,22mm

 16er

 2,10mm

 0,10mm-0,22mm
 
Anhand dieser Tabelle sollte ein einfaches Umrechnen der Gummizugstärken möglich sein.

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