Feierabendkarpfen mit der Kopfrute

  • von Alex Dittrich
  • 15. Mai 2009 um 13:28
  • 0
Wer kennt dieses Gefühl nicht. Die Sonne lacht einem entgegen und die Temperaturen frohlocken im oberen Bereich des Thermometers. Ein perfekter Tag also. Doch ein Problem gibt es da ja leider noch – es ist ein ganz normaler Wochentag: also Arbeitstag.

Glücklich ist jedoch der, der über Gleitzeit verfügt, und somit auch mal ein Stündchen früher als die Rushhour den Heimweg antreten kann. Noch glücklicher ist man, wenn man dann noch wenigstens für ein paar Minuten ans Wasser kann. Denn schönes Wetter kann man ja als Angler bekanntlich nur am Wasser richtig nutzen und genießen.

Aber natürlich hat man keine Lust für eine kurze Angelsession stundenlang im Auto zu sitzen, oder voll bepackt mit der Ausrüstung übers Feld zu schieben, bis dann endlich mal das Gewässer zu erkennen ist. Dieses würde alles eine Menge Zeit kosten, die man an einem Abend in der Woche nun mal nicht wirklich hat. 

Gar nicht so selten gibt es in unmittelbarer Wohnnähe kleine Gewässer, die selten bis überhaupt nicht beangelt werden, obwohl sie einen respektablen Fischbesatz aufweisen. Das können kleine Gräben, etwas größere Viehtränken oder Wiesenteiche sein.


Sind meist kleine Juwele - die Dorfteiche

Zurzeit befische ich einen Teich, der Luftlinie 500 Meter von meiner Wohnung entfernt ist und der nur selten aufgesucht wird, da er wohl für einen Verein zu klein ist und keiner so richtig weiß, ob es in dem Gewässer überhaupt Fische gibt. Doch der Teich wurde wahrscheinlich vor Jahren mal als Angelteich verpachtet und erste Versuche ergaben, dass er nur über zwei Fischarten verfügt. Eine davon sind Barsche. Barsche, Barsche und nichts als Barsche, und dies in „beachtlichen“ Längen bis etwa 20cm. Das ist natürlich wenig Reizvoll für einen Stippangler. Doch da war ja noch eine andere Fischart, die in diesem etwa 0,8h großen Teich beheimatet ist. Diese weiteren Flossenträger sind  wesentlich interessanter und reizvoller. Setzt man sich an einem lauen Sommerabend mal für eine viertel Stunde an das Ufer, so sieht man sie springen, buckeln, schwimmen und auch gründeln. Klar! Gemeint ist der Karpfen. Schon lange war es mein Traum mal einen Karpfen anders als mit meiner 2.75 lbs Karpfen-Rute aus dem Wasser zu befördern. Also logischerweise nutze ich nun jeden freien Feierabend, um diese – wie ich finde – wunderbaren und anmutigen Fische mit der Kopfrute und dem entsprechenden Zubehör nachzustellen.

Ich komme also nach Hause, schlüpfe aus dem Anzug direkt in die muffigen und dreckigen Angelklamotten und packe die Angelsachen zusammen. Doch ich brauche nichts weiter, außer meiner Kiepe, einem Kescher (nicht zu klein), 1,0 kg Futter, einer Dose Mais, einigen Maden und meiner Kopfrute.


Der Reiz der schnellen, spartanischen Vorbereitung - Angeln im Dorfteich

Bei der Rute habe die Spitze entfernt und einen 1,6er Vollgummi über Teil 2-4 gezogen. An diesem Gummi binde ich direkt eine durchgehende 0,16er Schnur mit einer 0,5-1gr Karottenpose. Daran etwa 6 Schrote, wovon das Unterste der Nummer 6-8 sich 35cm unter dem Bulk und etwa 30cm über dem 8er bronzenen Haken befindet und auf dem Boden aufliegt.


Eine einfache, aber zuverlässige Montage für Karpfen

Die Montage ist denkbar einfach und unkompliziert gehalten, da die Fische dort bis dato solche Angelarten noch nicht kennen und hoffentlich recht zutraulich sind. Der Gummizug wird auf die übliche Weise in der Rute nur mit einem Stück geflochtener Schnur befestig. Zwischen der Düse und der aufgeschnittenen Schlaufe aus einem Spiderknoten am oberen Ende des Gummizuges schützt eine kleine Gummiperle den Gummizug vor dem Verschwinden im Ruteninneren.


Das Futter aus dem Hause Grebenstein

Als Futter nehme ich gerne ein gelbes, grobes Großfischfutter für Karpfen und Brassen. Gerne fische ich dort das Shock XXL in Vanille der Firma Grebenstein. Es hat einen hohen Nährwert und besitzt eine grobe Struktur. Die Partikel dieser groben Struktur halten die Karpfen lange auf dem Futterplatz und sind daher genau die richtige Wahl für dieses Gewässer.


Deutlich zu erkenne ist die grobe Struktur vom XXL Vanilla Power

Da der Teich relativ flach ist, rühre ich das Futter nur handfeucht an und lasse es nur eine knappe Stunde ziehen. Ein zu schweres Futter würde im schlammigen Gewässergrund versinken - ein Fakt den man bedenken sollte.


Das Futter sollte nur handfeucht sein

Als Anfangsfütterung schmeiße ich ein bis zwei große Futterbälle und cuppe dann mit dem Pole Cup ein  paar Maiskörner hinterher.


Zusätzliche Köder werden mit dem Pole Cup eingebracht

Danach wird in regelmäßigen Abständen loses Futter mit dem Pole Cup nachgecuppt, so dass ständig eine Wolke über meinem Futterplatz herunterrieselt und die Fische auf den Futterplatz aufmerksam werden.


Das Futter wird als Wolke über dem Futterplatz abgeladen

Nun heißt es erstmal warten. Da es im Wasser keine Brassen oder Rotaugen gibt, kann dies am Anfang schon mal 20 bis 40 Minuten dauern bis die Pose sich meldet. Einige Tage vorzufüttern ist sicherlich hilfreich, so dass die Karpfen an den Platz gewöhnt werden. Doch irgendwann werden sie schon kommen. Und wenn sie dann kommen und die Pose abtaucht, dann weiß man auch sofort, was die Stunde geschlagen hat. Die Bisse erfolgen meist durch sachtes Abtauchen der Pose, sobald das untere Schrot angehoben wird. Dann wandert die Pose langsam aber zielstrebig davon. Das langsame Davonziehen legt sich aber schnell, wenn der Anhieb erfolgt. Sofort schießt das Wasserschwein am anderen Ende los und das Gummi wird länger und länger. Da ich nur etwa 1.5m vom Ufer entfernt in einer Tiefe von 70cm meinen Köder angeboten habe, fische ich auf 10 Meter Rutenlänge schräg zum Ufer. Nah am Ufer, weil dort die Karpfen langziehen, aber nicht direkt vor meinen Füßen, da sie doch sehr scheu sind und sich jede Erschütterung und Bewegung am Ufer sofort überträgt.


direkt nach dem Anhieb ist der Fisch kaum zu halten

Sobald der Anhieb gesetzt ist und ich merke, dass der Fisch sitzt, heißt es nun die beiden verbleibenden Teile der 13 Meter Rute aufstecken, um so dem Fisch weiter folgen zu können.


Die Rutenteile zum Aufstecken sollten immer griffbereit sein

Die Drills können sich durchaus auch mal über zwanzig Minuten hinziehen. Aber genau diese Minuten sind es ja, für die ich mich ans Wasser begebe. Wichtig ist es auch, dass während des Drills gleich wieder etwas Futter eingeworfen wird, damit die anderen Karpfen den Platz nicht sofort aus Schreck verlassen bzw. sich schnell wieder auf ihm einfinden.

Nach dem Anhieb merkt man sofort was da an der Leine hängt. Die Schuppenkarpfen sind besonders kämpferisch und ausdauernd und schwimmen los, als wäre dort überhaupt kein Widerstand.

Die Spiegler sind da doch eher etwas der behäbigere Typ. Dazu ist auch logischerweise die Größe für das Verhalten und die Länge des Drills entscheidend. Je größer der Karpfen, desto gemächlicher ist sein Verhalten. Gleichmäßig werden die Runden gezogen und anfangs hat man das Gefühl, dass der Fisch niemals ermüdet.


Der Karpfendrill an einer Kopfrute erfordert höchste Konzentration

Es macht schon einen rieseigen Spaß, an dem relativ feinen Gerät einen Karpfen der 15-20 Pfd. Klasse zu drillen, und es gibt wohl wenig, was man mit der Kopfrute anstellen kann, was mehr Spaß bringt. Natürlich sollte der Drill nicht unnötig in die Länge gezogen werden, denn das Wohl des Fisches geht immer vor. Sobald der Karpfen erste Ermüdungserscheinungen zeigt, sollte versucht werden, den Karpfen an die Oberfläche zu bekommen, wo er dann nur einige Male Luft schnappen muss. Denn hat er den Kopf erst einmal über Wasser, dann ist er meist kurz danach im Kescher.


Ein kleinerer Karpfen ist bereit zum Keschern

Ein 80iger Spiegelkarpfen schwimmt und schwimmt und schwimmt. Gerne auch mal bis ans andere Ufer hinüber, welches etwa 30 Meter entfernt ist. Der Gummi nimmt dabei Längen an, die ich bisher auch beim Barbenfischen nie für möglich gehalten hätte. Aber solch ein Cyprinide bringt ja auch mal round-about 20 Pfund auf die Waage. Es erstaunt immer wieder, was die modernen Materialien im Matchbereich wirklich zu leisten in der Lage sind, denn weder die Kopfrute noch der Gummizug zeigen Schwäche.


Ein gewaltiger, uralter Spiegelkarpfen - gefangen mit der Kopfrute

Eine Problematik der ganz anderen Art, lernte ich als eigentlicher Fließwasserangler erst dort an diesem Teich kennen: sie sind schwarz, klein und zu abertausenden unterwegs. Sie lieben Futter und Partikel die aufsteigen. Sie schwimmen in die Schnur, saugen und lutschen an der Pose herum und bringen sie gelegentlich auch arg in Bedrängnis, bis sie nur noch die Flucht nach unten als Wahl hat. Genau, hier ist die Rede von der gemeinen Kaulquappe…


Riesenschärme von Kaulquappen

Es sind richtige schwarze Wolken, die sich in Richtung Futterplatz bewegen, sobald auch nur das sachteste Geräusch zu vernehmen ist. Eine Möglichkeit ist dann, das Futter doch schon einen Abend vorher anzufeuchten, so dass keine Partikel mehr aufsteigen, was allerdings auch zu Lasten der lockenden Futtersäule geht. Maden und Mais, mit dem Pole Cup oder auch der Futterschleuder eingebracht, interessieren die Kaulquappen dagegen nur wenig und sind auch eine Alternative, sofern die Quappen überhand nehmen.


Madenschiessen - immer eine gute Wahl wenn es auf Karpfen geht

Die Karpfen hingegen sind erstaunlicherweise manchen Geräuschen gegenüber eher abgeklärt an dem von mir beangelten Teich. Der Besitzer, ein befreundeter und äußert netter Landwirt interessiert sich wenig für die Karpfen. Aber viel mehr für das Gras/Heu, was um die Karpfen herum am Ufer wächst. So fährt auch schon mal der Trecker mitsamt Anhängsel bedrohlich nah an mir vorbei, so dass ich meine Ausrüstung noch schnell in Sicherheit befördern muss. Ein angsteinflößendes Vibrieren und Getöse begleitet ihn dabei. Doch 30 Sekunden nachdem er meinen Rücken passiert hat und ich gerade wieder die Teile zum Nachstecken in Position gebracht habe, beißt ein 82cm-Spiegler ungeniert auf meinen Köder, und das obwohl ich erst vor 30 Minuten angefangen habe zu Fischen.


Die Ausbeute eine Feierabendsession - zwei Wildkarpfen und ein grosser Spiegelkarpfen

Für mich bedeutet das "Feierabendfischen" an diesem kleinen Dorfteich Entspannung und relaxen pur und ich kann mir keine bessere Methode vorstellen, um den Stress des Arbeitstages zu vergessen bzw. zu verarbeiten.

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