Futtermehle- das Einmaleins der Inhaltsstoffe

  • von ct Redaktion
  • 17. Mai 2008 um 16:17
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Gutes Futter selbst gemacht...

War es vor 20 Jahren noch so, dass jeder gute „Stipper“ sein Futter aufgrund mangelnder Alternativen selber zusammenstellte, so hat man heute die Möglichkeit von verschiedensten Herstellern seine Lieblingsfuttersorten zu wählen. Aufgrund dieses großen Angebots von Fertigfuttersorten haben viele Angler die Fähigkeit verloren ein erfolgreiches Futter selber zusammenzustellen. Bevor wir mit dem Bericht starten, möchten wir auf einen Punkt aufmerksam machen, der uns in einem Interview mit dem Weltmeister und Futterexperten Wolf Rüdiger Kremkus besonders bewusst geworden ist. Ein wirklich gutes Futter muss frisch sein!!!!

Wer sich sein Futter selber mischt, der sollte immer auf frische Zutaten achten.

In dem folgenden Bericht wollen auf die einzelnen Futterbestandteile eingehen und deren Einsatzgebiete erörtern. Am Ende werden wir einige Futterrezepte vorstellen, die auf alltägliche Anforderungen ausgerichtet sind.

Gleich zu Beginn möchten wir uns allerdings beim Team des Angelmarkt Köthen bedanken. Bedingt durch das dort vorhandene Know-How in Bezug auf die Zusammenstellung eines erfolgreichen Futters, können wir garantieren, dass die folgenden Zeilen auf jahrelanger, erfolgreicher Arbeit mit Futtermehlen beruhen. Gleichzeitig hat uns Silvio Schranz die abgebildeten Futtermehle aus seinem Verkaufssortiment in überzeugender Qualität und Frische zur Verfügung gestellt. Den Angelmarkt Köthen finden Sie übrigens unter unseren Top Shops.

Generell werden sich die Einzelmehle verschiedener Hersteller in Bezug auf die Partikelgröße und Farbe sicherlich unterscheiden, unsere Fotos sind daher beispielhaft.

Man kann die einzelnen Komponenten des Futters in drei Kategorien einteilen.

  • Bestandteile die dem Futter die gewünschte Schwere und Bindung geben
  • Bestandteile die dem Futter die gewünschte Aktivität geben
  • Bestandteile die dem Futter ein bestimmtes Aroma und Geschmack geben

Gehen wir näher auf die einzelnen Kategorien ein.

Bestandteile für Schwere und Bindung

Dieser Faktor macht ein Grossteil des Futters aus. Jedes Mehl dieser Kategorie hat spezielle Eigenschaften in Bezug auf Schwere, Bindung und auch Geschmack. Diese Eigenschaften gilt es zu kennen und richtig zu mixen um ein Futter zu erhalten, welches den gewünschten Anforderungen entspricht.

Folgende Mehle werden hauptsächlich mit dieser Kategorie in Bezug gebracht:

Paniermehl:

Das wohl bekannteste Mehl. Fast jeder von uns kennt dieses Mehl aus seiner Jugend. Wir haben mit diesem Mehl unser teures Fertigfutter gestreckt oder es auch pur gefischt (und gefangen). Paniermehl wird aus gemahlenen Brötchenresten hergestellt und weist eine geringe Bindung auf. Es ist ein Grundbestandteil eines jeden Futters und alle Fischarten sind mit ihm zu fangen.

Brata Paniermehl (Hartweizenpaniermehl):

Dieses Mehl weist eine besonders hohe Bindekraft auf und ist außerdem sehr schwer. Diese beiden Eigenschaften machen es zu einem idealen Bestandteil und einem Grundbestandteil eines Fliesswasserfutters.

Brotmehl hell:

Ist dem Paniermehl sehr ähnlich und wird aus gemahlenen Brotmehlresten hergestellt. Sein leicht salziger Geschmack und die mittlere Bindekraft machen es zu einem guten Zusatz sowohl für ein Rotaugen- als auch für ein Brassenfutter.

Brotmehl dunkel:

Wird aus Graubrot und dunklen Brotsorten gewonnen und hat im Gegensatz zum hellen Brotmehl eine höhere Bindekraft. Dunkles Brotmehl ist weniger salzig als helles Brotmehl und dunkelt das Futter etwas ab. In England sehr beliebt und auch bei uns mögen es die Fische.

Zwiebackmehl:

Wird, wie der Name schon sagt, aus Zwiebackresten hergestellt. Zwiebackmehl hat einen sehr angenehmen Geruch, es ist leicht salzig und hat eine geringe Bindekraft. E ist eher leicht, arbeitet dafür aber gut am Grund und wird daher oft von Feederanglern und im Stillwasser eingesetzt.

 

Die oben genannten Mehle sind die Basis für jedes Futter. Der Anteil kann bis zu 50% am Futter betragen.

Biskuitmehle sind die nächste große Futtermehlgruppe. Je nach Fett- und Zuckergehalt binden Biskuitmehle unterschiedlich stark. Die Bindekraft schwankt auch je nach Hersteller teilweise enorm. Ein guter Biskuit sollte auch so schmecken wie er riecht. Gute Qualität schmeckt und riecht man!!! Es ist schwer die Anteile im Futter zu bestimmen, da es so viele unterschiedlich Biskuitmehle gibt. Da helfen nur Experimente und Erfahrungswerte. Der Anteil im Futter sollte bei fetten Biskuitmehlen 20% nicht überschreiten. Trockene Bisquitmehle können bis zu 50% verwendet werden.

Fließwasserbiskuit (Tortenbodenbiskuit):

Wird aus Tortenboden hergestellt. Je feiner der Tortenboden gemahlen ist, desto höher ist die Bindung. Fein gemahlener Tortenboden ist ein idealer Bestandteil für ein Brassenfutter im Fliesswasser und sollte dort auf keinen Fall fehlen.

Schokobiskuit:

Ist eine Biskuitsorte, die Schokoladenreste oder Kakao enthält. Durch diesen Schokoladenanteil bekommt der Schokobiskuit seine ganz besondere Note und ist oft ein Trumpf wenn die Fische andere Biskuitsorten gewöhnt sind. Die Bindung von Schokobiskuit ist gut, jedoch nicht so stark wie bei reinem Fließwasserbiskuit.

Waffelbiskuit:

Wird überwiegend aus Eiswaffelresten hergestellt und ist dem Fließwasserbiskuit sehr ähnlich. Waffelbiskuit hat einen stärkeren Eigengeruch, der in Richtung Vanille geht. Er ist etwas leichter und hat weniger Bindung als der Fließwasserbiskuit.

Honigkuchen:

Ist, wie der Name schon sagt, ein nach Honig schmeckender Biskuit und damit sehr süßer Bestandteil eines Futters. Honigkuchen wird daher gerne zum Brassenangeln genommen. Honigkuchen bindet gut und wird daher gerne im Fluss eingesetzt.

Pfefferkuchenmehl:

Ist wie Honigkuchen ein sehr guter Zusatz für Rotaugen und Brassen mit der sehr eigenen Note des Pfefferkuchengewürzes

Spekulatiusmehl:

Ein süßes Kuchenmehl mit Spekulatiusgewürz, dass alle Fischarten anspricht. Mittlere Klebkraft bei hoher Sättigung, wobei die Eigenschaften je nach Hersteller sehr unterschiedlich sein können.

 

Maismehle

Eine weitere Gruppe der Basismehle sind die Maismehle. Maismehle machen das Futter schwer.

Babycornmehl:

Ein Zusatz den die Brassen lieben. Wird aus gemahlenen Maispellets hergestellt und besitzt ein leichtes Röstaroma.

Anteil im Futter bis 15%

Maismehl geröstet:

Dieses Mehl wird aus gerösteten Mais gemahlen und weist einen, für geröstete Produkte typischen Geruch auf. Geröstetes Maismehl hat ein geringe Bindung und geringere Nährwert.

Anteil im Futter -10%

Maiskuchen (TTX Mais):

TTX Mais ist schwer und hat eine sehr gute Bindung, wenn er mit heißem Wasser eingeweicht wird. TTX Mais sättigt die Fische sehr stark und sollte daher nur eingesetzt werden, wenn die Fische sehr viel Nahrung aufnehmen. Große Fische lieben TTX Mais.

Anteil im Futter bis 30%

Maisflocken:

Gequetschter, getrockneter Mais.Vor dem Fischen werden die Maisflocken eingeweicht und dann dem Futter zugegeben. Maisflocken produzieren beim Absinken eine verführerische Wolke. Für Karpfen und große Weißfische ein absoluter Trumpf.

Polenta (Maisgries):

Ist ein Produkt welches aus der Haut des Maiskorns gewonnen wird. Polenta ist ein sehr schwerer Futterbestandteil und weist dabei so gut wie keine Bindung auf. Sehr gut für Futter, dass schnell absinken und sich schnell auflösen soll.

Anteil im Futter bis 20%

Maismehl:

Fein gemahlenes Maismehl hat wenig Bindung und löst sich mit starker Wolkenbildung aus dem Futter. Das hier abgebildete Maismehl ist gröber, der Nährwert damit höher und die Klebkraft etwas stärker.

Anteil im Futter bis 30%

 

Zutaten mit denen ich die Aktivität des Futters steuern kann

Nachdem ich mein Futter durch die Zusammenstellung der Basismehle dort arbeiten lasse wo ich es mir wünsche, kann ich mit den folgenden Zugaben die Aktivität des Futters verändern. Dies kann wichtig sein um Fische auf meinen Futterplatz aufmerksam zu machen und anzulocken. Steuere ich die Zugaben dieser Stoffe falsch, so werde ich die Fische damit von meinem Futterplatz abziehen und wesentlich weniger Fisch fangen.

Copra Melasse:

Copra Melasse ist ein sehr süßer und gut bindender Zusatz der vor allem für das Fischen auf Brassen im Fluss angewendet wird. Coprah Melasse ist außerdem dunkel und kann somit auch zum Abdunkeln des Futters genutzt werden.

Anteil im Futter -20%

PV1 Collant:

Hierbei handelt es sich um ein getrocknetes Melassenprodukt, PV1 ist genau wie Copra Melasse ein sehr süßer und gut bindender Futterzusatz. Bei der Brassenangelei in den BeNeLux Ländern wird es gerne eingesetzt und auch hier in Deutschland hat es viele Freunde.

Anteil im Futter -20%

Johannisbrotmehl:

Ist ein Zusatz der ebenfalls sehr süß ist und damit vor allem in einem Brassenfutter Verwendung findet. Johannisbrotmehl hat einen starken Eigengeruch der von den Brassen sehr gut angenommen wird.

Anteil im Futter -20%

Kürbiskernmehl:

Ein Mehl welches langsam Einzug in die Futter der Angler findet. Das Kürbiskernmehl ist ein fettiger, gut bindender Zusatz, der vor allem für Brassenfutter genutzt wird. Kürbiskernmehl wirkt stark verdauungsfördernd und lässt die Fische anhaltend Fressen.

Anteil im Futter: -5%

Erdnussmehl:

Geröstetes Erdnussmehl ist einer der besten Zusätze fürs Futter. Wirkt auf alle großen Fische.

Anteil im Futter 10%

Kartoffelmehl:

Da auf Kartoffelbasis hergestellt ein guter Zusatz für Futter die auf Karpfen und Schleien ausgerichtet sind. Kartoffelmehl bindet.

Anteil im Futter 10%

Haferflocken:

Haferflocken sind gemahlen ein Zusatz der die Bindekraft des Futters erhöht, ungemahlene Flocken erhöhen die Aktivität des Futters.

Anteil im Futter 5%

Hanfmehl:

Wenn es auf Rotaugen geht, dann ist Hanfmehl ein Trumpfkarte die man spielen sollte. Hanfmehl hat einen sehr herben, würzigen Duft und wirkt verdauungsfördernd. Am besten mahlt man die Hanfkörner frisch und überbrüht das Mehl mit Kochendem Wasser. Dadurch löst sich das Öl und es bildet sich eine milchige Wolke. Dann die ganze Brühe ins Futter und schon ist das Futter schön aktiv.

Anteil im Futter 10- 30%

Gerösteter Hanf:

Gerösteter Hanf hat einen für Rotaugen unwiderstehlichen Geruch, wirkt aber auch auf Brassen und Güstern. Der Geruch von geröstetem Hanf lässt sich schwer mit Lockstoffen überdecken. Am besten geht noch Vanille. Aber warum soll man ihn auch überdecken wollen?

Anteil im Futter 10%

Leinsamen:

Sehr aktiv im Futter, wirkt verdauungsanregend und abführend. Die Fische werden, obwohl sie viel fressen, nicht satt und bleiben damit auf unseren Futterplatz. Leinsamen sind ein guter Zusatz für Brassen und Rotaugen.

Anteil im Futter 10%

Mohnsaat:

Sehr guter Zusatz insbesondere für Rotaugen und kleine Güstern. Sehr aktiv und dabei wenig sättigend.

Anteil im Futter bis 10 %

Kokosmehl geröstet:

Ein Mehl welches nicht bindet und dem Futter Aktivität verleiht. Ist ein guter Zusatz für das Stillwasser mit sehr wenig Nährwert. Dunkelt gleichzeitig das Futter etwas ab.

Anteil im Futter -20%

Bachflohkrebsmehl:

Dieses sehr aktive Mehl wird aus Bachflohkrebsen gewonnen. Bachflohkrebsmehl hat eine sehr geringe Bindung und ist sehr aktiv.

Anteil im Futter 5-10%

Arachide braun:

Sehr guter Zusatz für das Stillwasser. Geringer Nährwert, gute Wolkenbildung und wenig Bindung sind Eigenschaften dieses Mehl.

Anteil im Futter -20%

Kokosraspeln:

Kokosraspeln sind eine ideale Zugabe um ein Grundfutter Leben einzuhauchen. Bei der Dosierung gilt es vorsichtig zu sein.. Eine zu hohe Dosis Kokosraspeln kann die Fische vom Platz wegziehen anstatt sie anzulocken. Man kann die Kokosraspeln auch wie beim Hanfmehl behandeln um den Auftrieb zu reduzieren.

Anteil im Futter 5-10%

Milchpulver:

Durch die Zugabe von Milchpulver erzeugt das Futter eine weiße Wolke, die vor allem für die Ukeileiangelei von nutzen ist. Milchpulver sollte immer kaltwasserlöslich sein!

Anteil im Futter -10%

Fischmehl:

Ein sehr proteinreicher Zusatz der sich als Trumpf beim Fischen auf Barben, Karpfen und Güstern erweisen kann. Doch vorsichtig, nicht überall ist dieser Zusatz erfolgreich. Fischmehl hat einen strengen Geruch und nimmt dem Futter Bindung.

Anteil im Futter -20%

Sojamehl:

Ebenfalls ein sehr proteinhaltiges Mehl. Hält die Ballen gut zusammen und löst sich mit starker Wolkenbildung. Sehr gut für das Matchangeln.

Anteil im Futter -20%

Parmesan:

Noch ein Kandidat aus der Riege der Stinker. Parmesan kann ein wahrer Bringer für Güstern sein. Doch auch hier gilt es vorsichtig zu sein und vorsichtig anzutesten ob die Fische diesen Zusatz annehmen.

Ei Cake:

Ein wahrer Brassenmagnet für das Stillwasser. Ei Cake ist ein leichter, flockiger Zusatz den man separat am Abend vorm dem Fischen anfeuchten sollte.

Anteil im Futter -10%

Vogelfutter:

Wird gerne und viel von den Feederanglern verwendet. „Birdfood“ wird dem Futter beigegeben um Fische anzulocken und Brassen am Platz zu halten.

Anteil im Futter -20%

Pastonchino:

Gefärbte Futterpartikel, welche oft und gerne beim Fischen auf Rotaugen, Güstern und Allande eingesetzt werden. Die Partikel sollten zusammen mit dem Futter einige Zeit Wasser aufnehmen können.

Gefärbte Futterpartikel:

Werden hauptsächlich in Rot und Gelb genutzt. Gefärbte Partikel sind nützlich um auf Alande, Güstern und auch Rotaugen zu angeln.

Anteil im Futter - 10%

 

Gewürz und Geschmack: Ein weitere Punkt unserer self made Futters ist der Geschmack und das Aroma unseres Futters. Ein bestimmtes Aroma kann den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Futter ausmachen.

Vanille: Ein Gewürz das wir alle noch aus unserer Jugend kennen (falls wir uns nicht noch in dieser befinden). Vanille ist ein Allroundgewürz und kann in jedem Futter eingebracht werden. Claus Müller, einer der deutschen Futterexperten schlechthin, geht sogar soweit zu sagen, dass Vanille in jedem Futter enthalten sein sollte. Vanille ist Geruchs- und Geschmacksverstärker.

Anis: Anis ist ein weitere Allrounder unter den Gewürzzusätzen. Anis ist sowohl auf Rotaugen erfolgreich als auch auf Brassen.

Curcuma: Curcuma ist bekannt als Gewürz, dem besonders dicke Rotaugen nicht widerstehen können. Curcuma hat eine gelbe Farbe und färbt auch das Futter gelb ein.

Zimt: Und weiter geht in der Reihe der Klassiker, auch Zimt ist ein Allrounder den man bedenkenlos einsetzen kann. Gut auch in Kombination mit Koriander und Brasem.

Koriander: Koriander ist ein sehr guter Zusatz für Rotaugen und Brassen zu verwenden. Es hat einen herben Geschmack und animiert die Fische zu fressen, außerdem wirkt es abführend auf die Fische, so das diese nicht gesättigt werden.

Tutti Frutti: Eine Duftnote die vor allem im Hochsommer Erfolge erzielt, außerdem ist Tutti Frutti ein erfolgreicher Zusatz für Alande.

Spekulatius: Dieser Zusatz ist momentan sehr populär und viele Angler schwören auf diesen Zusatz. Ab dem Spätsommer kann dieses Gewürz an jedem Gewässer eingesetzt werden

Salz: Ein einfacher, aber sehr wichtiger Bestandteil des Futters. Salz steigert die Fresslust der Fische, und gerade Rotaugen sind auf salzige Futter versessen. Im Winter kann der Salzanteil im Futter bis zu 300gr auf 3 Kilogramm Futter betragen, zum Sommer hin sollte dieser Anteil dann aber kleiner werden. Auch Brassen lassen sich durch einen hohen Salzanteil stimulieren, jedoch sollte beim Brassenfutter die Grundausrichtung süß sein.

Zucker: Um einem Futter eine süße Grundausrichtung zu geben kann dem Futter Zucker beigeben werden. Doch vorsichtig, da Zucker stark bindet sollte man mit der Zugabe von Zucker sehr vorsichtig sein.

Grundgedanken zum Aufbau eines Futters

Nachdem wir nun die einzelnen Zutaten für ein Futter kennen sollten wir uns jetzt Gedanken über die mögliche Zusammenstellung machen. Die Zusammenstellung der einzelnen Zutaten hängt von den Gegebenheiten des zu beangelnden Gewässers ab. Angelen wir in einem Gewässers welches einen sehr schlammigen Grund hat und nur einen Bestand an kleinen Rotaugen aufweist, dann sollte das Futter eine anderen Zusammensetzung aufweisen als ein Futter mit dem es im schnellen Strom auf gewichtige Brassen geht. Anhand einiger Gewässerbeispiele möchten wir die gewünschten Futtereigenschaften erläutern.

See, 1 Meter tief, schlammiger Grund, verbuttete kleine Rotaugen und Brassen:

Das Futter in diesem See darf vor allem nicht zu schwer und zu bindend sein, da es sonst im schlammigen Grund versinkt ohne auch nur einen Fisch angelockt zu haben. Dunkles Brotmehl, Zwiebackmehl oder Erdnussmehl sind eine gute Grundlage für ein solches Futter. Hanfmehl wäre ein weitere guter Zusatz da Hanfmehl keine zusätzliche Bindung in das Futter bringt und sehr anziehend auf Rotaugen wirkt. Als Zusatz könnte man noch tote Maden oder Pinkis zum Futter geben. Fischt man im Winter und möchte dem Futter Nährwert nehmen so empfiehlt es sich Maulwurfserde dem Futter bei zu geben. Mit Vanille als Lockstoff macht man nichts verkehrt, im Winter Koriander.

See, 3 Meter tief, fester Grund, Rotaugen und vereinzelnd Brassen:

Hier sollte das Futter eine bessere Bindung haben, gleichzeitig sollte der Nährwert nicht zu hoch sein um Rotaugen anzulocken sind aufsteigende Partikel hilfreich. Paniermehl sowie Brotmehle wären ein passender Basisbestandteil für unsere Futtermischung. Weißt der See einen guten Raubfischbestand auf, so würden wir dem Futter eine dunkele Note geben und daher dunkles Brotmehl bevorzugen. Um die Brassen im See anzusprechen kann man noch ein Anteil Waffelbiskuit dazu geben, das Waffelbiskuit gibt dem Futter außerdem eine Duftnote die nach Vanille riecht. Aktivität kann dem Futter mit gemahlenen Kokosraspeln eingehaucht werden.

See, 3 Meter tief, fester Grund, große Brassen in weiter Entfernung vom Ufer

Hier kommt es auf zwei Merkmale an, die zwei Merkmal wären

  • hoher Nährwert
  • gute Bindung

diese beiden Merkmale sind wichtig um den Brassen genügend Nahrung zu bieten und dem Futter genügend Bindung zu geben damit sich dieses mit der Futterschleuder schießen lässt und dabei noch genügend Lebendköder aufnehmen kann. Brassen bevorzugen süße Mehle, daher ist man mit Waffelbiskuit schon mal auf der sicheren Seite, eventuell lohnt ein Versuch mit Schokobiskuit. Sind Die Brassen in Fresslaune, dann sollte TTX Mais die Basis vervollständigen. Da wir mit Biskuit und TTX Mais zwei sehr gut bindende Mehle nutzen empfiehlt es sich die Mischung etwas „aufzulockern“. Zwiebackmehl wird von den Brassen gut angenommen und nimmt dem Futter Bindekraft, Paniermehl würde die gleichen Dienste leisten. Neben dem Vanille Zusatz durch das Waffelbiskuit könnte als weiteres Aroma Anis zum Einsatz kommen. Stehen die Fische massiv auf dem Platz verfügt das Futter über die Konsistenz um genügend Lebendköder aufzunehmen.

Kanal, 3 Meter tief, wenig Schifffahrt, Rotaugen und kleine Brassen, viele Ukelei die umgangen werden sollen

Was sollte dieses Futter können? Es sollte nährstoffarm sein und keine aktiven Bestandteile besitzen da sonst die Ukelei auf den Platz ziehen. Durch die geringe Schifffahrt muss es nicht allzu schwer sein.

Kanal, 4 Meter tief, viel Schifffahrt, Rotaugen und Brassen, viel Fisch auf der 13m Bahn

Dieses Futter ist das gleich wie zum Angeln in Fließgewässern. Schweres, bindendes Futter um reichlich Köder zum Grund zu bringen. Das Futter sollte eine leichte Wolke ziehen und einige aktive Zusätze holen den Fisch auf den Platz. Es empfiehlt sich dem Futter Lehm beizugeben damit ddas eingebrachte Futter nicht bei jedem Schiff vom Platz gezogen wird.

Kanal, 4 Meter tief, wenig Schifffahrt, Rotaugen auf 30m

Mittelschweres, gut arbeitendes Futter mit ausreichender Bindung um das Futter auf die Distanz zu schießen. Beißen die Rotaugen im Mittelwasser sollten die Ballen schon an der Oberfläche aufplatzen.

Fluss, 2 Meter tief, 6 Gramm Strömung, Güstern und Alande

Relativ schweres Futter das aber nicht zu stark kleben sollte. Es empfiehlt sich dem Futter einige aktive Komponenten wie z.B. Leinsamen, da Gütsern und Allande gut auf diese reagieren. Gefüttert wird wenig aber oft mit einem hohen Anteil an Maden und Pinkis im Futter.

Fluss, 5 Meter tief, 10 Gramm Strömung, grosse Brassen

Schweres, stark bindendes Futter um reichlich Köder zum Grund zu bringen. Typische Bestandteile sind Hartweizenpaniermehl und Biskuitsorten. Es hat sich oft bewährt, die Ballen der Anfangsfütterung unterschiedlich fest zu drücken die Auflösezeit zu beeinflussen.

See, grosse und viele Brassen

Grobes, gut bindendes Futter mit hohem Nährwert um die kleineren Fische zu sättigen. Auch Pellets kann man hier gut verwenden. Um Köder zu transportieren empfehlen sich Bestandteile aus Biskuit, es ist aberdarauf zu achten, dass das Futter nicht zu stark bindend ist.

See, Rotaugenfutter

Leichtes, gut arbeitendes Futter mit geringem Nährwert. Typische Bestandteile für dieses Futter sind Hanfmehl, geröstetes Kokosmehl und Arachide braun.

Fluss, sehr starke Strömung, Brassen und Güstern

Gut mit Kies beschwertes Grundfutter verwenden, welches aber auch nicht zu stark klebt, damit die Ballen nicht in der Strömung wegrollen. Das Futter sollte aus eigenschweren Mehlen, die am Grund liegen bleiben bestehen z.B. grobes Maismehl, Polenta

Futtermischungen:

Wenn man selber mischt kommt man im Normalfall mit 2 Futtermischungen aus. Eine fürs Fließwasser und eine fürs Stillwasser. Wenn man dann eine Mischung für z.B. Kanal braucht, kann man je nach Strömungsstärke entweder 2 Teile Fließwasser/ 1 Teil Stillwasser fischen oder umgekehrt. Der Vorteil ist das man diese Mischungen kennt und weiß wie sie sich verhalten. Das nächste ist der Kostenfaktor. Das selbstgemischte Futter kostet nur ca die Hälfte von Fertigmischungen. Mann brauch nur die Basismehle als Sackware und die anderen Zutaten in kleineren Abpackungen zu besorgen. Und man hat den Vorteil den Lockstoff einzusetzen den man gern mag und muss nicht den verwenden den das Futter vorgibt. Es rundet doch immer auch den Erfolg ab wenn man mit dem selbst zusammengestelltem Futter, der selbst gewählten Strategie und wenn möglich auch auf einem vielleicht schlechterem Platz der Gewinner ist.

Zum Abschluss noch zwei Beispiele wie man die Futter aufbauen kann:

Fliesswasser:

  • 50% Hartweizenpaniermehl
  • 20% Fliesswasserbiskuit
  • 20% Polenta
  • 10% geröstetes Erdnussmehl

Stillwasser:

  • 40% Zwiebackmehl
  • 20% Arachide braun
  • 20% Kokosmehl geröstet
  • 10% Erdnussmehl geröstet
  • 10% Hanfmehl

Man sollte das Futter und vor allem Lockstoffe nicht überbewerten. Köder im Futter sind dagegen durch nichts zu ersetzen und steigern die Attraktivität enorm. Wichtig ist immer der Glaube an sich und die eigene Strategie. Wer an sich zweifelt, wird keinen Erfolg haben.

Anmerkung der Redaktion:

Die Recherchen haben uns deutlich gemacht, dass die Vielfalt der einsetzbaren Mehle gigantisch groß ist. Es gibt alleine über 200 unterschiedliche Biskuitmehle und ähnlich viele andere Zusatzstoffe. Die Krux für jeden Futterhersteller ist immer die gleiche Qualität und auch Eigenschaft in den eingekauften Einzelmehlen zu haben. Gleiches sollte auch für Sie oberste Priorität haben, denn ansonsten kann es sein, dass eine erfolgreiche Zusammenstellung mit einem neuen Gebinde seine Eigenschaften und damit auch den Erfolg verliert.

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