Mit Matchrute und Mückenlarve Teil 1

  • von Alex Dittrich
  • 14. Januar 2008 um 17:29
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Stipp-Profi Ralf Herdlitschke mit der Matchrute

Beim Thema Mückenlarven denken die meisten Angler an kleinste Haken, dünnste Schnüre und sensibelste Posen an der Kopfrute. Stahlantennen sollen die feinen Bisse anzeigen und auf der Schnur befinden sich Schrote der Größen 12 und 13. Wem kommt da schon die Matchrute in den Sinn? Halten die empfindlichen Mückenlarven überhaupt Würfe aus und sind Waggler für eine sensible Bissanzeige überhaupt geeignet? Bei Stipp-Profi Ralf Herdlitschke sind Mückenlarven genauso oft wie andere Köder am Haken und der Erfolg gibt ihm Recht.
Wird mit Mückenlarven an der Kopfrute geangelt, dann besteht die Anfangsfütterung zu einem größeren Teil aus Lehm oder Erde. Lehm und Erde verhalten sich neutral zu den Mückenlarven, während Salz und Zucker in den meisten Futtersorten die Larven zerstören. Angelt Ralf mit der Matchrute, verzichtet er aber in den meisten Fällen auf die Zugabe von Lehm oder Erde, da sich das pure Futter besser mit der Futterschleuder schießen lässt und es sich zudem schneller öffnet und keine festen Bälle am Grund liegen sollen. Herrscht keine Strömung, so sollte  sich  der Futterball nach dem Aufschlagen auf die Wasseroberfläche schon in der Absinkphase lösen und dann am Grund sofort aufgehen, so dass die Fische keine festen Futterbestandteile vorfinden. Die Fische werden somit zum Suchen animiert  Im Kanal oder bis zu 3 Meter tiefem See setzt Ralf auf eine Mischung aus

2 kg Mosella Xedion Rotauge
1 kg Mosella Gros Gardons

Ca. 3 Teelöffel Mosella Mystery Mix Lockstoff dazu und fertig ist die Futtermischung. Diese sollte in mehreren Schritten angefeuchtet und abschließend gesiebt werden. Die Struktur des Futters ist passend zur Jahreszeit eher fein, die Farbe bräunlich und der Geruch würzig. Es ist sehr aktiv, was gerade jetzt sehr wichtig ist, denn die Fische müssen bei dem kalten Wasser zum Fressen animiert werden und stehen nicht selten über dem Grund, wohin nun immer wieder Partikel aufsteigen. Dabei kann es passieren, dass die über dem Grund stehenden Fische die Tiefe nicht wechseln und ein Versuch den Köder über Grund anzubieten sollte nicht außer Acht gelassen werden.

     
                          Der trockene Mix                                                   Das angefeuchtete Futter

Beim beangelten Gewässer handelt es sich um einen 40 Meter breiten Kanal ohne Strömung und einer Tiefe von 2,80 Meter. Zielfisch ist das Rotauge, doch mit zunehmender Dauer kann es passieren, dass auch einige Brassen und Güstern auf den Platz kommen und auch Karpfen und Schleie kann man mit ein bisschen Glück noch an den Haken bekommen. Seine maximale Tiefe erreicht der Kanal erst auf 16 Metern und bei den äußeren Bedingungen Anfang Dezember kann man davon ausgehen, dass sich die Fische bereits in den tiefsten Bereich zurückgezogen haben. Das Ufer ist durch eine Packlage befestigt und bedingt durch die Unruhe auf der Packlage und die übertragenen Geräusche in den Kanal, entscheidet sich Ralf an der Kante am gegenüberliegenden Ufer, also auf ca. 25 Meter mit dem leichten Waggler zu angeln. An der leichten, 4,20 Meter langen Matchrute mit durchgehender Aktion wird an der 0,14 mm starken Hauptschnur ein vorgebleiter Pfauenfeder Waggler montiert.


Der Ernie W3 Waggler vor dem Auswurf

Ralf Herdlitschke nimmt dafür mit dem Ernie W3 aus seiner stipp-profi Kollektion einen Klassiker für die leichte Match-Angelei. Besonders für flache Gewässer ist dieser Pfauenfeder-Waggler ideal, weil er kaum ein Geräusch beim Eintauchen ins Wasser verursacht. Durch seine Pfeil-Form fliegt er auch mit kleinen Gewichten sehr weit und heute soll es das 6 Gramm Modell sein. Die Bebleiung besteht aus einem Bulk von ca. einem Gramm 60 cm über dem Wirbel und einem Schrot der Größe 10 direkt auf dem Micro-Wirbel der Größe 24. Das 0,08 mm starke Vorfach ist 25 cm lang und Ralf beginnt mit einem langschenkligen roten Haken der Größe 20.


Der Trenner wird auf die Mückenlarven gestreut

Jetzt müssen aber erstmal die kleinen Mückenlarven getrennt werden. Dazu wird die Zeitungsrolle mit den frischen Mückenlarven ausgerollt und den Mückenlarven einige Minuten Zeit gegeben ein bisschen Luft zu holen und sich der Temparartur anzupassen. Danch wird feiner Lehm, wahlweise auch Terre de Somme oder handelsüblicher Mückenlarventrenner über die Mückenlarven gestreut und mit der Hand vorsichtig verrieben.


Den Trenner vorsichtig mit der Hand unterreiben

Langsam lösen sich die kleinen Mückenlarven voneinander und je nach Bedarf muss noch weiterer Trenner hinzugegeben werden. Wo die Larven eben noch leblos nebeneinander lagen, ist nun plötzlich Leben auf der Zeitung und es zuckt und krabbelt nur so umher. Je frischer die Mückenlarven, desto besser lassen sie sich trennen und umso lebhafter sind sie nach der Trennung. Gerade bei geringen Wassertemparaturen ist es wichtig, dass die Larven auf dem Futterplatz sehr aktiv sind und die Fische zum Fressen animieren.


Links die ungetrennten Mückenlarven, rechts nach dem Trennen

Der Angelplatz ist aufgebaut, das Futter angefeuchtet und die Mückenlarven sind getrennt. Jetzt also noch die Tiefe einstellen und sauber ausloten. Gerade beim Angeln mit Mückenlarven spielt das exakte Ausloten der Wassertiefe eine entscheidende Rolle. Teilweise kann es entscheidend sein, wieviel Zentimeter des Vorfachs auf dem Grund aufliegen, die Mückenlarve bündig angeboten wird oder gar über dem Grund. Ralf klemmt ein zusätzliches Bleischrot von ca. 0,5 Gramm (BB oder Nr. 0) auf das Vorfach diekt über den Haken und wirft aus. Ist die Angeltiefe zu flach eingestellt, bleibt die Pose unter Wasser, da sie ja nun überbleit ist. Wurf um Wurf tastet sich Ralf an die tatsächliche Tiefe des Kanals bis die Antenne des Wagglers aus dem Wasser ragt. Nun liegt das BB Blei auf dem Grund und nur die Bebleiung auf der Schnur tariert den Waggler aus. Für diese Art der Tiefenermittlung ist einige Erfahrung notwendig, das Gewässer sollte nicht zu tief sein und es darf keine Strömung herrschen, da diese den Waggler durch das auf dem Grund liegende blockierende Blei unter Wasser ziehen würde. Einfacher und schneller geht es mit der Bolorute und einer 10 Gramm Pose mit Punktbebleiung. 


Die Markierung erfolgt auf Höhe der Antennenspitze


Aber wir sind ja mit keinem Anfänger unterwegs und Ralf kennt bereits die Tiefe des Kanals, so dass es nur noch eine Frage der Feinabstimmung ist, bis die Angeltiefe bündig eingestellt ist. Bündig zum Grund heißt im optimalen Fall, dass der Kopf der Mückenlarve einige Millimeter über Grund ist und der Schwanz der Mückenlarve auf dem Grund aufliegt, aber das bekommt realistischerweise nicht mal der Stipp-Profi hin. Es gilt daher beim Angeln die Tiefe bei ausfallenden Bissen immer wieder anzupassen. Vorher sollte die bündige Tiefe auf der Rute mit einem Fettstift markiert werden. Dazu wird der haken z. B. in den Rollenbügel gehängt und der Waggler parrallel an die Rute gehalten, so dass die Wagglerspitze zur Rutenspitze zeigt. Die Markierung an der Rute erfolgt dann auf Höhe der Wagglerspitze, denn würde man einen anderen Punkt, z. B. den Konnektor, wählen, dann würde man die bündige Tiefe bei einem Waggler- oder Antennenwechsel verlieren, sofern diese nicht die gleiche Länge aufweisen.


Verschiedene Antennen für alle Bedingungen

Sofern man auf keine Erfahrungswerte zu dem jeweiligen Gewässer zurückgreifen kann, empfiehlt es sich mit der bündigen Angeltiefe zu beginnen. Ralf fängt heute mit einer feinen Hohlantenne am Carbonstab an, doch wer weiß, ob die äusseren Bedingungen stabil bleiben. Noch ist die Oberfläche des Kanals spiegelglatt, doch ein bisschen Wind, sich ändernde Lichtverhältnisse und schon kann ein Antennenwechsel Sinn machen.

Jetzt wird aber erstmal angefüttert...

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