Strömungsfeedern im Tidegewässer mit Andree Lukas Teil 2

  • von Jan Käbler
  • 19. Juni 2008 um 00:50
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Beim letzten Mal haben wir die Bedingungen und eingesetztes Material behandelt, so dass wir uns heute auf Futter und Taktik für das Fischen in schneller Strömung konzentrieren wollen. Feeder Profis sitzen oft mit drei und mehr Ruten am Gewässer und können so ihre Köderpräsentation variieren und anpassen.
Welche Montagen in der Strömung zu welchem Zweck eingesetzt werden und welcher Korb zur Situation am Gewässer passt, wird in diesem Teil unseres Praxisberichts mit Feederprofi Andree Lukas thematisiert.


Futter

Bei der Futterzusammenstellung achtet Andree darauf, dass der verwendete Mix viele Lebendköder aufnehmen kann, um den Nahrungsaufnahmetrieb der Fische zu befriedigen. Dazu benötigt er ein gut bindendes Futter, das trotzdem nicht zu lange im Korb bleibt, sich am Grund löst, die Lebendköder freigibt und eine Futterfahne in der Strömung produziert. Durch das Angeln mit dem Futterkorb wird bei jedem Einwerfen, was am Anfang mindestens alle 2 Minuten erfolgen sollte, Futter und Lebendköder zielgenau auf dem Angelplatz eingebracht. Die Kontinuität dieser Methode ist ein enormer Vorteil und resultiert häufig in den hohen Fanggewichten, welche mit der Feederrute erzielt werden.

Andrees Mischung:


Die verwendeten Futtersorten

2 Teile Select Feeder Medium
1 Teil Mosella Favourite Brassen
½ Dose Neon Braun
1 Beutel Mosella Mystery Mix zum Nachwürzen

Das Favourite Brassen sorgt für die nötige Bindung, welche über die Zugabe von mehr oder weniger Flüssigkeit gesteuert werden kann. Wegen der enthaltenen Gewürzkomponenten, die auch den Mystery Mix ausmachen, erbringt es zusätzliche Lockwirkung und hebt durch die enthaltenen fetten Mehle den Nährwert des Futters.


Futteranteile vor dem vermengen(oben:Select Feeder/unten:Favourite Brassen)

Basierend auf dem bekannten  Feederfutter M7, sorgt der Anteil des Select Feeder Mediums dafür, dass das Futter schnell aus dem Korb kommt und die Lebendköder freisetzt. Außerdem enthält es einige Partikel, welche die großen Fische anlocken. Beide Futtersorten sind für mittel bis stark strömende Gewässer gut geeignet und somit der gegebenen Situation optimal angepasst.


Struktur des Futters

Zum Anfang werden dem Futter viele Maden zugesetzt um die Fische zu aktivieren. Wenn diese sich am Platz eingefunden haben, will Andree sie mit dem Zusatz von Castern am Platz halten. Auf den Einsatz von Würmern im Futter verzichtet er an diesem Abschnitt, da diese hauptsächlich Aale und die unbeliebten Wollhandkrabben anlocken würden. Deshalb sollten sie nur als Hakenköder eingesetzt werden.


Angefeuchtetes Futter im Korb

Für das Fischen im Fluss können 3 verschiedene Montagen eingesetzt werden:

Der Allrounder - Der Seitenarm

Die Seitenarm Montage kann sowohl im Still-, als auch im Fließwasser eingesetzt werden. Durch den Seitenarm spürt der Fisch beim Anbiss nicht direkt das Korbgewicht, sondern kann den Köder ungestört aufnehmen, was den Anbiss in der Rutenspritze signalisiert.


Seitenarmmontage

Für Vorsichtige - Die Schlaufenmontage

Beißen die Fische sehr vorsichtig und hat man es mit vielen Fehlbissen zu tun, sollte man auf  die Schlaufenmontage zurückgreifen. Insbesondere kann man hierbei durch unterschiedliche Schlaufengrößen bestimmen, wie schnell der Fisch den Widerstand des Korbes spürt. Gerade in besonders heiklen Situationen hat es sich bewährt eine große Schlaufe mit einem langen Vorfach zu kombinieren.


Eine Schlaufenmontage

Für Massenfänge/Wenn die Fische am Platz sind - Die Selbsthakmontage

Bei der Selbsthakmontage wird der Futterkorb zwischen 4 Stopperknoten (2 auf jeder Seite) und jeweils 1 Stopperperle auf der Schlagschnur/Hauptschnur fixiert. Die Stopperknoten werden mit 0,25er monofiler Schnur, wie beim Matchfischen gebunden und die Enden vor dem Angeln auf der gewünschten Position festgezogen und gekürzt.
Wichtig ist, dass beim Angeln mit der Selbsthakmontage kein Anhieb gesetzt werden brauch, denn wenn der Anbiss sich in der Rutenspitze zeigt, hat sich der Fisch am Korbgewicht schon selbst gehakt. Ein einfaches Anheben der Rute reicht um Kontakt zum Fisch aufzunehmen und die Schnur auf Spannung zu bringen.
Beißen die Fische vorsichtig ist die Montage kontraproduktiv, da der Fisch früh Widerstand spürt. Im anderen Fall jedoch, lassen sich mit dieser Montage wahre Massenfänge zu Stande bringen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass, je nach Beißverhalten, die Selbsthakmontage in kürzester Zeit in das Prinzip der Schlaufe umgewandelt werden kann, in dem die Stopperknoten weiter auseinander gezogen werden. Außerdem kann der Korb in größerer Entfernung vom Schlaufenknoten auf der Schnur fixiert und so ein längeres Vorfach imitiert werden.


Selbsthakmontake (die Stopperknoten wurden vor Beginn gekürzt und ganz an die linke Perle verschoben)

Neben den unterschiedlichen Montagen setzt Andree unterschiedliche Korbformen für unterschiedliche Situationen ein. Dabei variiert er neben den Formen auch die Korbgröße, Maschenweite und natürlich das Bleigewicht.


Korbvariationen


 Cagefeeder:

Der Standardfutterkorb kann in verschiedenen Größen und Maschenweiten eingesetzt werden, so dass unterschiedliche Mengen an Futter gefüttert werden können und diese unterschiedlich schnell austreten. Des Weiteren bietet diese Korbart die Möglichkeit das Bleigewicht durch zusätzliche Bleischlitten zu erhöhen, ohne dass gleich der Korb gewechselt werden muss!
Werden solche Bleischlitten eingesetzt, sollte man den Korb mit abgesenkter Rutenspitze einholen, da er durch das zusätzliche Bleigewicht ähnlich eines Propellers rotiert und sich das Vorfach verdrallt.
  
 Speedkorb:

Beim Speedkorb ist das gesamte Bleigewicht des Futterkorbs an dessen tiefster Stelle montiert. Durch den tiefen Schwerpunkt erreicht man eine optimale Beschleunigung und bessere Flugeigenschaften, als beim normalen Cagefeeder. Dies resultiert in eine größere maximale Wurfweite und höhere Genauigkeit beim Wurf.
  
Krallenkorb:

Der Krallenkorb kann im Fließwasser sehr variabel eingesetzt werden. Viele werden denken, dass die Krallen primär dazu dienen sollen, den Korb im Boden zu verankern, doch das ist nur eine von 3 Möglichkeiten der Krallenstellung die im Folgenden erläutert werden sollen:

1. Krallen vorwärts in Richtung der Montage gerichtet
Durch diese Stellung bilden Krallen, Bleigewicht und Gewässergrund ein Dreieck und der Korb stellt sich seitlich auf. Dies stabilisiert den Korb, gegenüber einem normalen Cagefeeder bezüglich des Wegrollens in der Strömung.
2. Krallen steil von der Montage weg gerichtet:
In dieser Stellung bohren sich die Krallen in den Gewässergrund, wenn dieser Weich genug ist und verankern den Korb so fest am Grund
3. Krallen abgerundet gebogen das Blei umgreifend
Durch diese Stellung liegt der Korb nur auf den Krallen dem Boden auf. Das Bleigewicht schwebt über dem Grund, so dass die Strömung voll auf den Korb einwirkt und er zu rollen beginnt. Häufig bringt der bewegte Köder so gerade am Ende eines Angeltages noch zusätzliche Fische.
  
Plastikkörbe:

Plastikkörbe haben den Vorteil, dass sie auf Grund der kleineren Löcher im Vergleich mit den Maschen des Cagefeeders oder Speedkorbs, das Futter viel langsamer freigeben. Dadurch kann man gegen Ende des Fischens, wenn die Bisse ausbleiben, längere Beißpausen überbrücken, ohne ständig den Korb neu füllen zu müssen, da das Futter auf Grund der großen Maschen ausgewaschen wurde. Auch, wenn die Lebenköder nur langsam freigesetzt werden sollen, ist diese Korbart zu bevorzugen.
Ein weiterer Vorteil zeigt sich an Gewässern mit steilen Kanten oder großer Hängergefahr am Grund- der Plastikkorb treibt durch sein niedriges Eigengewicht schneller auf als ein Drahtkorb und man meidet so Montagenverluste. Viele Hersteller haben diesen Vorteil aufgegriffen und dadurch verstärkt die Futterkörbe seitlich mit Flügeln zu versehen, welche durch ihre Neigung die Aufstiegsgeschwindigkeit auf Grund des Wasserwiderstands verbessern.

Da bei solch großer Varationsmöglichkeit auch viele Körbe mit an das Gewässer gebracht werden müssen, lohnt es sich diese in einer spezielle Tasche zu transportieren, welche gleichzeitig eine Ordnung der Körbe zulässt.


Körbe nach Gewicht sortiert

Die Anfangsfütterung nimmt Andree mit jeweils 8 Körben pro Futterplatz und hohem Madenanteil vor. Dann montiert er das 80 cm lange Vorfach, an dem eine Mosella TXR3 Haken in der Größe 14 gebunden ist und dieser wird mit 3 Maden bestückt. Jetzt beginnt das warten auf den ersten Biss, was allerdings keinesfalls statisch passiert. Alle 2 min wird neues Futter eingebracht und auch die Präsentation variiert! Was Andree genau für Tricks anwedet, um an den Fisch zu kommen erfahrt ihr im dritten Teil unseres Praxisberichts "Feederangeln in der Strömung".

Bis dahin Viel Spaß beim Ausprobieren der Futtermischung wünschen:

Andree Lukas und Jan-Hendrik Käbler


Bilder einiger Futterkörbe wurden uns freundlicherweise von Michael Schlögl zur Verfügung gestellt! Die oberen 3 abgebildeten Arten sind über seine Webseite zu beziehen.

www.michaelschloegl.de


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