Strömungsfeedern mit Andree Lukas Teil 3

  • von Jan Käbler
  • 17. Juli 2008 um 00:52
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Wenn es gut läuft sind beim Feederfischen bei 3 Stunden Angeln bis zu 20 kg Fischfang möglich. Was man bedenken muss, wenn die Fische so massiv auf dem Platz stehen und welche taktischen Veränderungen während des Angelns das Fangergebnis noch steigern, haben wir im letzten Teil unseres Praxisberichts Strömungsfeedern im Tidengewässer mit Andree Lukas thematisiert. Außerdem haben genauer betrachtet, wie sich die eingesetzten Ruten unter dieser Belastung verhielten.

Platzaufbau und Zubehör

Beim Platzaufbau ist die Funktionalität am wichtigsten! In der von vielen Feederanglern bevorzugten Feederbox, kommen sowohl Köder, Ersatz/Wechselkörbe, Futter und weitere Hilfsmittel in Griffnähe unter.


Ordnung in der Feederbox

Idealerweise baut man seinen Platz so auf, dass auf der gegenüberliegenden Uferseite ein markanter Zielpunkt zu finden ist, so dass man den Futterplatz immer wieder sicher anpeilen kann. Eins der wichtigsten Hilfsmittel beim Feeder-Angeln ist die Ablage. Im Fließwasser sollte diese mehrere Rillen aufweisen, so dass der Korb durch Versetzen der Rute aktiv bewegt werden kann. Die Mosella Feederablage bietet beidseits der Hauptablage mehrere Rillen, so dass ein Versetzen bei jeglicher Strömungsrichtung möglich ist. Im Fließwasser wird die Rutenspitze aufgestellt und diese zeigt in Richtung des Futterkorbes.


Typische Feederablage

Auch mit der Feederrute kann gelotet werden. Dazu wird nach dem Auftreffen des Futterkorbs auf der Gewässeroberfläche die Zeit gezählt bis sich die Feederspitze wieder entlastet. Je länger die Absinkphase desto tiefer das Gewässer. Wirft man in verschiedenen Entfernungen ein, kann man sich ein Bild von der Unterwasserstruktur, wie Kanten, Untiefen u. a. machen. Hat man die Entfernung gefunden, in der gefischt werden soll, wird die Schnur im Clip der Rolle arretiert.


Schnur im Clip

Im Folgenden sollte getestet werden, ob an der angepeilten Futterstelle ein ebener Boden vorhanden ist und keine Hänger drohen. Dazu wird der Korb eingeworfen, Spannung aufgenommen und die Rute seitlich langsam ca. 3-5m zurückgezogen. Dabei beobachtet man die Rutenspitze:
Lädt diese sich langsam auf und verharrt in gebogener Stellung während des Rückziehens so haben wir einen hängerfreien Platz vor uns. Nimmt die Biegung allerdings während des Zurückziehens abrupt zu und lässt dann wieder nach, so ist der Boden am Angelplatz uneben, z. Bsp. durch Steine oder Äste, und der Korb hat sich festgesetzt. In diesem Fall ist es sinnvoll den Platz in Richtung der Strömung zu verlagern oder aber etwas länger oder kürzer zu angeln, so dass man ebene Bedingungen vorfindet.

Abtasten des Angelplatzes


Das Angeln:

 

Zu Beginn legt Andree den Futterplatz an. Hierzu können spezielle Futterkörbe verwendet werden die größere Mengen Futter transportieren können. Man muss jedoch bedenken, dass die Strömung auf diese Körbe stärker einwirkt und das Absinkverhalten auf Grund des unterschiedlichen Eigengewichts und vermehrten Strömungswiderstands unterschiedlich ist.

Am Anfang werden dem Grundfutter viele Maden zugefügt um die Fische zu aktivieren und zum Platz zu locken. Haben die Fische den Platz gefunden wird Andree den Anteil an Maden reduzieren und über den Einsatz von Castern versuchen die Fische am Platz zu halten.
Zu Beginn dienen auch 3 Maden als Hakenköder, wobei im weiteren Verlauf die Kombination aus Maden und Caster sich als fängiger erweist.


Beide Futterplätze werden mit 6 Körben vorgefüttert, ohne dass das Vorfach montiert ist. Andree peilt hierbei ganz genau das Heck eines an der gegenüberliegenden Seite liegenden Bootes an. Durch die Weitenbegrenzung mit dem Schnurclip erreicht er so eine optimale Genauigkeit und gewährleistet, dass das Futter zentriert eingebracht wird und nicht auf mehreren m² verstreut zum liegen kommt. Auch im Fließwasser ist diese Genauigkeit enorm wichtig und spiegelt sich im späteren Fangerfolg wieder.



Auftreffen des Futterkorbes am Platz bei gleichzeitigem Abfeedern mit quer gehaltener Rute

Um sicher zu gehen nicht schon früh die Montage und damit Zeit zu verlieren, federt Andree jeden Auswurf mit der Rutenaktion ab. Dazu wird die Rute nach dem Auswurf in eine lockere waagerechte Position gebracht. Wenn der Schnurclip erreicht ist, federt Rutenspitze und die durch die lockere waagerechte Haltung mögliche Bewegung der Rute in Richtung Gewässer die Kraft des Auswurfes ab.
Ebenso wird durch das Vorfüttern ohne Vorfach ein rasches Verdrallen verhindert. Ein weiterer Tipp hierzu ist, dass man bei häufigem Verdrallen des Vorfachs probieren sollte, den Korb mit abgesenkter Rutenspitze einzuholen. Dadurch vermindern sich die Reibungskräfte, die beim Einholen auf den Korb wirken, und dieser gerät weniger ins Rotieren, was zum Verdrallen des Vorfachs führen würde. Außerdem beugen stärkere Vorfächer in den Durchmessern 0,12-0,14 dem Verdrallen vor, da diese steifer sind als die mit dünneren Schnurdurchmesser.

Andree beginnt das Fischen mit der Seitenarmmontage und versucht von Beginn an durch leichtes Anzupfen des Korbes jede 1-2 Minuten die Fische zum Anbiss zu betören.
Während er den Anfang der Drift ungefähr in der Mitte der Rutenablage beginnt, endet er am Ende auf Höhe der letzten Rille stromab.


Hierbei bestehen zwei Möglichkeiten den Korb in der Drift zu führen:
Beginnt man die Drift in der Mitte und bewegt sich mit den Rillen des Rutenhalters Stromabwärts so wird der Korb und Hakenköder unterwasser eher hinter dem Futterplatz in der Futterspur geführt.
Bewegt man sich mit der Rute jedoch stromauf, so zieht man automatisch den Korb näher zum eigenen Ufer und angelt somit vor dem Futter. Dies hat den Vorteil, dass der Hakenköder nun eher im Bereich des angelegten Futterplatzes zu liegen kommt.

optimale Reaktionsbereitschaft

Keineswegs bleibt die Rute hierbei ständig im Rutenhalter liegen! Den Griff mit beiden Händen ruhig umgreifend hält Andree die Rute schwebend 1-2 cm über der Rutenablage, um noch schneller auf einen Anbiss reagieren zu können.

Die Spannung der Spitze lässt nach und blitzschnell wird die Rute angehoben - der erste Fisch hängt! Während bei monofiler Schnur, gerade auf weite Distanzen, ein ordentlicher Anschlag gesetzt werden muss, reicht es bei der Geflochtenen meist die Rute anzuheben und über die Rolle Kontakt zum Fisch aufzunehmen. Hierbei gilt es die exakte Bremseinstellung zu finden, da auf Grund der fehlenden Dehnungsreserven der Schnur die Fische leichter ausschlitzen.

Beide Methoden bieten also Vor- und Nachteile und jeder muss auf Grund seiner Vorlieben, bzw. der örtlichen Bedingungen (Strömungsstärke, erwartete Fischgröße und -art) sich für die entsprechende Methode entscheiden.

Gefühlvoll drillt Andree die erste Güster und landet sie sicher im Mosella MIP Club Putover Handle Unterfangkescher.

Für das Angeln an Tidegewässern sind lange Kescherstäbe von Nöten, da auf Grund des Tidenhubs gerade am Ende des Angelns ein größerer Abstand zur Wasserkante besteht als zu Beginn. Mit einer Länge von bis zu 4,50m deckt der Putover Handle Kescherstab diese Anforderungen bestens ab.


Da die Fische gut beißen ist es nun an der Zeit sich näher mit den unterschiedlichen Aktionen der Rute zu beschäftigen, bzw. diese zu vergleichen:

Beim Auswurf lädt sich die Mosella Evo Longcast Feeder bis in das Handteil auf und kann dadurch viel Kraft auf den Wurf übertragen. Auch im Drill zeigt sich eine über die Spitze hinausgehende durchgehende Aktion bis in das 2. Rutenteil hinein, so dass die Fluchten langsam größer werdenden Fische gut abgefedert werden.



Beim Auswurf lädt sich die Mosella Evo Longcast Feeder bis in das Handteil auf und kann dadurch viel Kraft auf den Wurf übertragen.

Auch im Drill zeigt sich eine über die Spitze hinausgehende durchgehende Aktion bis in das 2. Rutenteil hinein, so dass die Fluchten langsam größer werdenden Fische gut abgefedert werden.


Die Mosella Evo Strong lädt sich beim Wurf bis in die Mitte des 2. Teils auf. Dadurch besitzt sie größere Kraftreserven und lässt sich auch mit Körben bis über 180g noch gut werfen. Hierbei hat sich gezeigt, dass man über eine unterschiedliche Auswurftechnik auf größere Weiten kommen kann. Während es bei den Longcast Ruten wichtig ist, dass sich der gesamte Blank gut auflädt, was durch einen runden, pendelnden Ablauf erreicht wird, reicht es bei den Strong Ruten aus, den Korb mit einer kurzen reißenden Bewegung aus dem Handteil zu beschleunigen



Im Drill zeigt sich eine reine Spitzenaktion, welche aber auch weich genug ist, um Fluchten abzufedern.


Bei diesem Test zeigte sich auch, dass auf der weiteren Distanz heute keine Beute zu machen war, so dass Andree sich dazu entschloss diese Spur nicht weiter zu befüttern und damit Zeit falsch zu investieren.


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Andree hat mittlerweile 10 Güstern und kleinere Brassen gefangen und kann bei jedem Auswurf einen Fisch landen. Jetzt gilt es die Bisse schnell und sicher zu verwerten und die Fische am Platz zu binden. Dazu setzt Andree die Selbsthakmontage ein und erhöht den Köderanteil an Castern.
Bei der Selbsthakmontage ist es wichtig zu bedenken, dass der Fisch beim Anzeigen des Anbisses in der Rutenspitze bereits gehakt ist. Ein darauf sich addierender Anschlag würde den Fisch also vom Futterplatz wegreißen und andere Fisch verscheuchen. Auch in diesem Fall reicht es also aus, Kontakt zum Fisch aufzunehmen und diesen vorsichtig vom Angelplatz wegzuführen.


Sauber gehakter Brassen

Während die Fische den Köder vorher noch tief geschluckt hatten, sind sie jetzt ideal direkt vorne im Maul gehakt. Nach 5 weiteren Fischen stellt sich eine Beißpause ein und Andree hat mehrfach ausgelutschte Maden…
„ Jetzt ist es wichtig nicht auf die Montage zu vertrauen und stur weiter zu fischen“, sagt er, „sondern sich Gedanken zu machen und dementsprechend etwas zu verändern! Ich glaube, dass die großen Brassen unseren Futterplatz gefunden habe, sie aber noch sehr vorsichtig sind und den Hakenköder schnell wieder ausspucken".
Er verlängert das Vorfach auf 120 cm und verschiebt die Perlen seiner Montage, so dass er jetzt ähnlich einer Schlaufe fischt und der Fisch den Köder ohne Widerstand des Korbes aufnehmen kann. Außerdem konzentriert er den Lockstoff, in dem er die nächste Korbfüllung mit dem Mosella Mystery Mix nachwürzt. Dies zahlt sich aus und Andree kann den ersten großen Brassen über 1 kg landen und diesem folgen zwei weitere.



Andree mit Brassen

Jetzt ist es wichtig die Fische zu halten um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Dazu füttert Andree ab jetzt mit sogenannten Sandwich Futterkörben an. Im Futterkorb wird ein Boden aus Futter festgedrückt, darauf wird eine handvoll Caster aufgefüllt und der Korb mit einem „Deckel“ aus Futter abgeschlossen. Der effektive Lebendköderanteil ist dadurch noch größer, was die Fische am Platz hält.


Ein Sandwich für Fische

Und auch diesmal lässt das Ergebnis nicht lange auf sich warten:
Andree bekommt einen energischen Biss, und nach Kontaktaufnahme zeigt sich enormer Widerstand. Jetzt kann die Mosella Evo Strong zeigen, was in ihr steckt, denn immer wieder legt der Fisch Zwischensprints ein. Mittlerweile ist Andree auch aufgestanden, denn diesen Fisch will er unbedingt sicher landen, und er verbessert durch die höhere Position den Winkel zur Steinschüttung.


Drill im Stehen

In vielen Strömungsgewässern ist das Aufstehen im Drill enorm wichtig, da die Fische über steile Kanten geführt werden müssen, an denen sie häufig verloren gehen. Durch die höhere Position im Stehen, verbessert man hier seine Quote der gelandeten Fische.
Andree hat mittlerweile einen starken Aland von ca. 1,5 kg an den Uferbereich herangedrillt und kann ihn sicher landen. Ein Blick in sein Maul zeigt, dass er sich die eingebrachten Caster köstlich hat schmecken lassen.


Die Krönung eines guten Angeltages - ein Aland von ca 1,5 kg


Im weiteren Verlauf fängt Andree noch 2 gute Brassen und danach lassen die Bisse nach. Da das Wasser mittlerweile schon mehr als 3m gefallen war, entschlossen wir uns die Sitzung zu beenden.  Mit 5 Brassen über 1kg, dem großen Aland und ca. 15 weiteren Fischen dürfte das Fanggewicht heute bei bei 10 kg gelegen haben. Die Fische wurden alle auf der kürzeren Bahn gefangen, wo sie sich im Strömungsschatten der Sandbank, die während des Laichgeschäfts verbrauchten Reserven wieder anfressen wollten.

Es konnten unterschiedliche Techniken eingesetzt werden, die alle entsprechend Fisch brachten und zeigen, dass auch beim Feederangeln der Kopf eingeschaltet sein muss um auf entsprechende Begebenheiten zu reagieren.

Bis zum nächsten Mal! Jan Käbler und Andree Lukas

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