Auf der Bleilochtalsperre mit Stefan Posselt

  • von Steffen Quinger
  • 13. Januar 2009 um 23:55
  • 0
Was machen Champions-Team Mitglieder bei minus 10 Grad?
Richtig, sie gehen angeln! Etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch mit einem hohen Spaßfaktor verbunden: Eisangeln!

 

Am vergangenen Wochenende waren wir mit Stefan auf dem Eis der Bleilochtalsperre unterwegs. Unser Zielfisch war diesmal nicht Brassen oder Plötze, sondern der sonst etwas ungeliebte Barsch. Oft fällt dieser Fisch im Angelvergleich aus der Wertung heraus, aber jeder der ihn schon einmal in der Pfanne hatte, wird mir beipflichten, es gibt kaum etwas besseres!!!

Die Bleilochtalsperre in Thüringen ist bekannt für ihre großen Barsche. Also Angelkarte geholt und ab auf den See. Grundvoraussetzung ist natürlich eine genaue Ortskenntnis und die Gewissheit, das dass Eis trägt! Bitte betretet nie das Eis ohne euch dessen vorher genau zu versichern!

Nach den letzten kalten Tagen und Nächten und vorsichtigen Kontrollbohrungen waren wir uns aber sicher, es trägt. Wichtig sind natürlich auch warme Kleidung und die richtige Ausrüstung wie z.B. ein guter stabiler Eisbohrer, eine Schaumkelle um Eisstücke und Schnee vom Eisloch zu entfernen und eine spezielle Eisangel.

   

Stefan benutz wie fast alle Eisangler ein Eigenbaumodell, denen aber allen eines eigen ist, eine kleine Multirolle, kurzer Griff und ein ultra kurzer "Blank". Eisangeln sind teilweise nicht länger als 30 cm, sie werden in der Regel mit einer Mormyschka gefischt.


Dieses Teil kommt aus dem russischen und stellt einen horizontal angeordneten, in einen Bleikern eingegossenen Haken dar, oft farbig angemalt, verchromt oder auch kupfern.


Diese Mormyschka wird in der Regel beködert gefischt (Zückmückenlarven, Pinkys, Maden) und leicht zupfend kurz über dem Grund bewegt.

Klingt einfach, ist es auch! Die Kunst dabei ist es aber, jetzt nur so zu zupfen, dass der Barsch zum Anbiss animiert wird. Bisse kommen oft sehr zaghaft und vorsichtig.

Da in der Regel ohne Pose geangelt wird, muss eine andere Art der Bisserkennung ran. Und hier nutzen wir die Mutter Natur.

Das Nackengrannenhaar eines großen Wildschweins (hier ist guter Kontakt zum Jäger gefragt!) wird so präpariert, dass an einem Ende ein Öhr entsteht.

Dieses Haar wird dann an der Spitze der Angel so befestigt, dass durch das Öhr die Schnur durchläuft.

Das Haar ist sehr elastisch, über das Biegeverhalten kann man jetzt ziemlich gut erkennen ob die Mormyschka den Boden berührt, im freien Wasser schwebt oder ob sich ein neugieriger Barsch dafür interessiert.

Durch das Gewicht der Mormyschka ist das Haar sozusagen vorgespannt, saugt ein Fisch diese ein, entspannt sich das Haar oder biegt sich stärker durch. Einfacher geht’s nicht! Im Grunde wie eine Art Mini-Feederrute für das Vertikale!

Soviel zur Theorie. Zurück zu Stefan und der Bleilochtalsperre. Ohne Schweiß kein Preis, denn man muss viele Frösche küssen um einen Prinzen zu finden oder besser gesagt, man muss viele Löcher bohren um große Barsche zu fangen. Und bei einer Eisdicke von fast 45 cm ist das schon richtige Arbeit! Ein Tipp, ein guter Eisbohrer ist zwar teuer, hält aber ein Leben lang. Alles andere, ob Axt oder Schlageisen ist bei weitem nicht so effektiv.

Das Finden der richtigen Stelle ist mit viel Mühe verbunden, hält aber warm. Ein Hinweis in eigener Sache, bitte beachtet das ihr nur Eislöcher bohrt oder hackt die nicht größer als ca. 20 cm sind, gerade jetzt laufen viele Leute Schlittschuh und auch dies sollten sie tun können ohne Gefahr zu laufen in riesigen Eislöchern zu verschwinden.

Nach dem 12. Loch innerhalb von 30 min. hatten wir endlich die von uns erwarteten großen Barsche gefunden. Mit 12er Schnur, zwei Zuckmücken und einer fetten Made bestückt zupften wir vorsichtig die Mormyschka vom Grund weg und ließen sie dann provokatorisch wieder fallen.

 

Ab und zu einige wenige Maden in das Loch fallen lassen war nicht verkehrt. Jetzt braucht man nur noch eine ruhige Hand und etwas Glück mit der Wahl des Eisloches. Am besten findet Stefan geht hier oft ein Kombiköder aus Zuckmückenlarven und 1 großen Made.

 

Dieser Methode konnten letztendlich einige dicke Stachelritter dann nicht wiederstehen, regelmäßiger Platzwechsel und warmer Tee waren dann der Schlüssel zum Angelerlebnis mit großen Barschen bei minus 10 Grad.

Wer denkt, Eisangeln ist langweilig, der irrt! Drillt mal einen 40ziger Barsch nur mit der Schnur in der Hand! Das ist Angeln pur. Übrigens kann man beim Eisangeln nicht nur Barsche fangen.

Neben uns zeigten 2 russische Freunde wie man durchaus auch mit diesen einfachen Mitteln größere Fische, wie hier einen schönen Zander fangen kann!

So zeigte uns Stefan, dass kein Angler in Winterstarre verfallen muss und es immer etwas zu Angeln gibt. Übrigens, abends gab es dann lecker Barschfilets!!!

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