Steve Gardener - Double Leam Teil 2

  • von Dave Ewing / Matchangler.com
  • 08. April 2010 um 06:18
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Double Leam Strategien

Es gibt zwei unterschiedliche Strategien, wenn es darum geht "Double Leam" einzusetzen. Einerseits ist es möglich diesen zum Nachfüttern eines bei der Startfütterung mit Futter angelegten Angelplatz einzusetzen. Auf der anderen Seite ist es aber auch möglich den Lehm von Anfang an und für die gesamte Session einzusetzen. Diese beiden Taktiken sollen im folgenden Artiekl näher beschrieben werden:

Nachfüttern

Beim Nachfüttern wird die "Double Leam" Strategie am häufigsten von den Engländern bei internationalen Fischen eingesetzt. Steve war es sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass man erkennen muss, wie sich ein Gewässer im Verlauf des Trainings in der Woche vor einem Wettkampf verändert. Man muss herausfinden, wo und vor allem wann Grundfutter oder eben Lehm zum Nachfüttern eingebracht werden müssen. Er gibt zu, dass es für diese Frage keine feste Antwort gibt und dass eben viel vom Gewässer, den Fischarten und ihrem Beiß- und Fressverhalten abhängt. Ein Gewässer mit großer Wasserfläche, wie zum Beispiel ein Stausee, an dem die Fische eher von draußen auf die Angelstrecke ziehen wird zum Beispiel mehr Grundfutter vertragen, als beispielsweise ein schmaler Kanal, an dem der zu beangelnde Fisch immer aus der unmittelbaren Umgebung auf den Futterplatz gelockt wird. Steve erklärte bereits, dass an jedem Angelplatz am Ende einer WM oder EM Trainingswoche 5 Angler an den 5 Trainingstagen 5 verschiedene Grundfuttermixe eingeworfen haben, jeweils mit unterschiedlichem Ergebnis. Zum Start der Trainingswoche reagieren die Fische meistens positiv auf Grundfutter, aber im Verlauf der Woche sieht man es häufig, dass die Fanggewichte weniger werden, was ein Zeichen dafür ist, dass die Fische das Grundfutter satt haben. Gleiches gilt auch für jedes Gewässer mit einem hohen Befischungsdruck. Und genau dies ist der Moment, in dem Nachfüttern mit "Double Leam" zu einem essentiellen Teil der Futterstrategie werden sollte.

Steve beim cuppen



Dies gilt insbesondere in den Jahreszeiten des Spätherbstes bis in den Winter. Jeder von uns hat sicherlich schon mal Sitautionen erlebt, in denen die Fische nicht mehr auf das Nachfüttern mit Grundfutter reagiert haben, insbesondere, wenn die Wassertemperaturen fallen. Auch in diesem Fall kann das Nachfüttern mit "Double Leam" von Vorteil sein, was uns zurück zu Steves erster Aussage zum Thema führt:  “Double Leam ist das Transportmedium für Lebendköder”. Wenn die Angelbedingungen schwieriger werden, muss man sich auf auf das konzentrieren, was die Fische anlockt:... Lebendköder!

Fassen wir nun nochmal die Vorteile des Nachfütterns mit Double Leam zusammen:

Genauigkeit: Double Leam ergibt einen sehr viel schwereren Ballen als Grundfutter, der schneller und direkter absinkt, so dass wir uns sicher sein können direkt über bzw. auf dem gefütterten Platz zu fischen.

Langsames Freigeben der Lebendköder: Wenn der Lehmballen aufbricht, wird er die Lebendköder (insbesondere Mückenlarven) bedecken. Durch deren Drang aus dem Ball ins Wasser werden nach und nach Mückenlarven freigesetzt, welche die Fische für längere Zeit interessieren. Andres verhält es sich beim Einsatz von Futter was unterschiedliche Gründe hat: Die Bestandteile des Grundfutters zum Beispiel sind leichter und werden ausgewaschen und driften ab oder steigen auf (im Stillwasser). Mückenlarven, die sich im Grundfutter befinden tendieren sogar, durch das enthaltenen Salz lebensgefährlich bedroht, dazu, diesen Ballen möglichst schnell zu verlassen. Letztendlich bricht der Grundfutterballen im Gegensatz zu den Lehmbällen zum Beispiel auch seitlich auf.

Selektion: Das Nachfüttern mit "Double Leam" scheint die besseren Fische zu selektieren, insbesondere wenn Rotaugen der Zielfisch sind. Auf Grund ihrer Inaktivität entsteht weniger Hektik auf dem Futterplatz, da keine Futterpartikel auf und absteigen oder abtreiben und damit auch weniger Kleinfische angelockt werden, welche durch ihre Neugierde Unruhe auf dem Futterplatz verbreiten, was die größeren Exemplare abschreckt.

Steve's Profilenormal MixStevie's TOP TIP
Beim Formen der Double Leam Bälle ist es wichtig darauf zu achten, diese so rund wie irgends möglich zu formen. Dies verhindert, dass der Ballen unter der Wasseroberfläche  ins Trudeln gerät und vom Futterplatz abdriftet. Die gleiche Sorgfalt sollte man beim Cuppen der Ballen aus dem Pole Cup an den Tag legen: Man setzt den Ball zielgenau über dem Futterplatz ab und vermeidet es ihn in einem Bogen aus dem Cup fallen zu lassen. Die "Double Leam" Strategie wird die Fische auf dem Futterplatz konzentrieren und deshalb ist es unabdingbar hundertprozentig zu wissen, wo der Futterballen zum liegen kommt!


Startfütterung

In Europa kennen viele Angler die Double Leam Strategie nur als Methode des Nachfütterns. Steve jedoch benutzt in vielen Situationen den Double Leam sowohl für die Startfütterung, als auch zum Nachfüttern. Während internationaler Angeln ist dies aber eher unüblich und Steve verwendet Grundfutter für die Startfütterung und füttert dann mit Double Leam nach.
Ein Match mit Double Leam als Startfütterung zu beginnen ist die typische Methode, um Mückenlarven in englischen Kanälen und Stillgewässern in den kalten Monaten zu füttern. Häufig ist es im Winter der Fall, dass man mit der Startfütterung über mehrere Stunden auskommt und nicht nachfüttern muss. Von den Bälle wird genug Anziehungskraft ausgehen und die eingebrachte Ködermenge reicht für eine Matchdauer von bis zu 5 Stunden. Diese Zeit zeigt noch einmal deutlich, wie lange die Double Leam Strategie es ermöglicht, die Köder auf dem Futterplatz zu präsentieren und diesen damit für Fische attraktiv zu machen.

initial feed

Unsere Startfütterung setze sich aus 4 mückenlarvenreichen Double Leam Bällen zusammen, welche Steve in direkter Linie zu einem Baum auf einer Insel ablegt. Der Rest der Startfütterung mit weniger Lebendködern wurde in einer Bahn zwischen 11 und 1 Uhr plaziert, so dass ein Teppich mit zentrtaler Fangzone resultierte.

Steve erklärte, dass unser heutiges Gewässer eine große Anzahl an Weißfischen beherbergt, insbesondere Skimmer und Brassen. Gemeinschaftsangeln werden hier normalerweise mit mehr als 25 kg an Skimmern gewonnen, welche auf Expander Pellets gefangen werden. Wie an vielen anderen Seen in der Umgebung haben Pellets hier die Vorherrschaft von den konventionelle Köder übernommen, da mit dieser Methode alles gefangen werden kann, was Schuppen hat und vor uns im Wasser schwimmt. Niemand verwendet in England Mückenlarven, um andere Fischarten, als Barsche oder Rotaugen zu fangen, so dass Steve interessiert war, wie die hier vorherrschenden Skimmer auf seine Herangehensweise reagieren würden. Zum Start fütterte Steve ungefähr ein dutzend Bälle, wobei vier davon wie bereits geschreiben mit reichlich Mückenlarven präpariert wurden. Diese wurden, wie folgt auf dem Futterplatz verteilt:
  1. Die normalen Bälle wurden in einem leichtem Bogen gefüttert in einer Entfernung von 11 m in einer Spur von ungefähr einem Meter Länge. Da wir heute nur die kurze Distanz füttern werden, ist dies nicht zu sehr ermüdent, aber wenn man die schweren Lehmbälle auf eine Distanz von 14,5m schieben muss, dann wird dies schon zu einer schweren körperlichen Herausforderung und es bedarf Muskelkraft und Kondition dies akkurat auszuführen.
  2. Dann nahm Steve die lebendköderreichen Bälle und legte sie vorsichtig genau in der Mitte der vorher angelegten Spur ab. Es ist sinnvoll sich einen markanten Punkt am gegenüberliegenden Ufer zu suchen, um jeden Ball genau auf demselben Platz abzulassen. So weiß man genau, wo die reichhaltig mit Lebendköder gefüllten Bälle liegen und dies ist wichtig, um im späteren Verlauf die Bisse der besseren Fische an dieser Stelle zu bekommen.

Wie Steve es erwartet hatte, musste er nach der Startfütterung mit neuen Double Leam Bällen nicht nachfüttern, weil z.B. die Bisse nachließen. Es reichte lediglich ein paar lose Caster, über den vorhandenen Teppich zu streuen, um das Interesse der größeren Barsche und Rotaugen aufrecht zu erhalten. Man kann es kaum glauben, dass 350gr Mückenlarven und ein paar Caster die Fische für 4 Stunden in Beißlaune hielten.

fishfollowIm Verlauf des Tages fing Steve durchgehend seine Fische und obwohl viele der Fische kleiner waren, als sie es z.B. bei einer Taktik mit Pellets gewesen wären, fing er gerade gegen Ende der Session auch größere Fische. Kritisch merkte Steve an, dass es vermutlich besser gewesen wäre nicht nur pure Lebendköder nachzufüttern, sondern man durch Nachfüttern von "Double Leam" Bällen noch mehr Gewicht bringender Skimmer angelockt hätte. Enttäuscht war Steve darüber, dass keine größeren Rotaugen den Futterplatz aufsuchten. Im Gegenteil hatte er sogar erwartet, dass die Rotaugen die Hauptbeute ausmachen würden, da die Skimmer viel zu verrückt auf die Pellets geworden sind in den vergangenen Jahren. Dadurch hat der heutige Test aber auch bewiesen, dass obwohl die Skimmer die Pellets lieb gewonnen haben, sie immer noch die gute alte Mückenlarve als Nahrung nicht verschmähen. Steve schien ziemlich überrascht von dem großen Interesse der Skimmer auf die angebotenen Mückenlarven und wird beim nächsten Fischen an diesem Teich die gefütterte Menge nochmal erhöhen. Wie immer hat er uns aber nicht enttäuscht, wenn es darum geht einige Fische für die Kamera zu fangen. Ein Fang von 7kg in einem Gewässer an dem eigentlich Pellets die Vorherrschaft haben, lässt ihn und uns immer noch strahlen:

Fang des Tages


Zusammenfassung

Steve hat es geschaffte eine gutes Netz voll Skimmer, Rotaugen und Barsche für unsere Kamera zu fangen. Er hat uns gezeigt, wie er beim Mixen des Double Leams vorgeht und uns damit diese effektive Methode Lebendköder auf den Angelplatz zu füttern, näher gebracht. Die wichtigsten Aspekte für Steve sind dabei:

  • Man muss sich immer an das feste Verhältnis von grauem Lehm und Erde halten, ganz egal, welchen Typ Erde man verwendet. Dies ist eminent wichtig, damit das Gemisch nicht viel zuviel oder viel zu wenig Bindung erhält. Man sollte immer 4 Kilo Erde mit einem halben Kilo grauem Lehm anrühren.
  • Beim Anfeuchten ist darauf zu achten, dass man mit einem großem Quirl und einem feinen Wasserzerstäuber arbeitet, damit das Gemisch nicht übernässt wird.

Wenn man diese Basis Regeln einhält, kann man dieses Lehm Gemisch an alle Gewässer, an denen man angelt, anpassen!

Erdpartikel


SINGLE LEAM:

Single Leam heißt für viele Angler, dass ein paar Mückenlarven einfach in Terre de Sommes oder Terre de Riviere gegeben und gefüttert werden. Im folgenden erklärt Steve, dass es aber auch noch andere Möglichkeiten gibt:

Mückenlarven mit grauem Lehm zu mischen ist eine bekannte Taktik, sowohl im Vereinigten Königreich, als auch auf dem Kontinent. Man erhält einen Futterballen, der nicht so schwer ist, wie bei der Anwendung von Double Leam und der nicht so schnell sinken wird. Wenn man nur grauen Lehm verwendet, wird sich der Ballen häufig sogar schon auf dem Weg zum Grund lösen, so dass diese Technik angewendet werden kann, um einen Köderteppich zu bilden. Das mag insebsondere dann sinnvoll erscheinen, wenn man über schlammigen Grund fischt, in dem die schweren Double Leam Bälle einsinken würden. Single leam ist genauso eine Möglichkeit schnell eine gewisse Menge Köder in die Futterspur einzubringen, ohne dass die Verzögerung dadurch besteht, dass die Mückenlarven sich erst aus dem Erdball befreien müssen. Steve verwendet den Single Leam häufig an flachen Gewässern. Single Leam Bälle herzustellen ist eigentlich relativ einfach:

  • Grauer Lehm 01 Herstellung des Futterballens
    Man beginnt mit losen Mückenlarven in einer kleinen Schale
  • Bestreut diese mit grauem Lehm. Man kann dabei recht großzugig vorgehen
  • Nun vermischt man die Mückenlarven und den grauen Lehm und fügt eventuell noch etwas Lehm hinzu, falls die richtige Konsistenz noch nicht erreicht ist.
  • Vorsichtig mit Wasser bespränkeln, damit der graue Lehm anzieht
  • Durch leichtes andrücken formen Sie nun aus einer handvoll Joker einen Ballen.

Das fertige Produkt sieht fast aus wie pure Mückenlarven, aber durch den grauen Lehm werden diese zusammengehalten. An Land wird der Ballen seine Form eine Zeit lang bewahren. Das interessante am grauen Lehm ist jetzt, dass eindringendes Wasser die Mückenlarven sehr rasch trennt und man so relativ viele Mückenlarven in einem Schub füttern kann. Der Nachteil beim Verwenden von Produkten, wie z.B. Joker Fix (eine Art des grauen Lehms) ist jedoch der fehlende Zeitfaktor, den man bei der Verwendung des Double Leams hat, denn alle gefütterten Köder sind hier sofort für den Fisch sichtbar und fressbar. Die Single Leam Ballen können schnell kleine Fische auf den Futterplatz ziehen und haben damit nicht die scheinbare Selektivität große Fische anzusprechen, wie z.B. die Double Leam Varianten. Wie alle erfolgreichen Angler passt auch Steve seine Futtertaktik den Erfordernissen des Gewässers und den Gegebenheiten des speziellen Tages an.

Einmal mehr möchten wir Steve dafür danken, dass er uns tief in seine Vorbereitungen und Trickkiste hat blicken lassen. Insbesondere bei einem Thema für das die Angler des Drennan Team England in der internationalen Szene als führende Spezialisten gelten. Wer also hätte uns besser durch dieses Themengebiet führen können, als der erfolgreichste internationale Teamangler - Danke, Steve Gardener!

Das Video zeigt Dave Ewing bei seinem Gespräch mit Steve Gardener direkt nach der Session ...

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