Matchangeln mit Günter Horler

  • von Dieter Schröder
  • 18. Dezember 2009 um 08:08
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Mehrfach hatte ich in der letzten Zeit die Möglichkeit Günter Horler, den Europameister im Stippangeln des Jahres 2008, zum Matchangeln zu begleiten. Wir angelten sowohl an stehenden als auch an langsam fließenden Gewässern. Wie der Champion vom Team Mosella dort seine Fische fängt, zeigt dieser Beitrag auf.

Stillwasser:

Beginnen wir mit dem Matchangeln im Stillwasser. Hierfür hatten wir uns an einem Baggersee nahe Mörfelden im Rhein – Main – Gebiet verabredet. Zielfisch sollte das Rotauge sein. Entsprechend wurde von Günter Horler das Futter ausgewählt. Wer glaubt, er mixe sein Futter aus unterschiedlichsten Zutaten selber, der irrt. Er setzt handelsübliches Futter aus dem Hause Mosella ein. Diese Mischung sah wie folgt aus: 2 Teile Favourite Gardon (Rotauge) und ein Teil Favourite Brassen.

Das Futter
Das Futter
Günter Horler
 Günter Horler
Nachdem er das Futter angefeuchtet hatte, gab er der Mischung die gleiche Menge Terra Angellehm hinzu. Wichtig ist es, dass der Lehm erst nach dem Anfeuchten des Futters hinzukommt. Würde man diesen mit anfeuchten, so ergebe sich eine unbrauchbare Futterplempe. Der so zugegebene Lehm gibt dem Futter eine gute Bindung und sorgt für eine Wolkenbildung, was die Fische zusätzlich anlockt. Um das Futter richtig durchzumischen, benutzt Günter einen großen Quirl, welcher mittels eines Akkubohrer betrieben wird. Anschließend kamen noch einige Maden und Caster ins Futter und fertig war die Herrlichkeit.

Nun wurde die Rute montiert. Zum Einsatz kam die neue, von Günter Horler mitentwickelte Mosella Matchrute Prestige Light Float in 4,20 m Länge. Auffallend war die recht große Rolle, welche er montierte, es war eine Größe 4. Eine solche Rolle hat den Vorteil, dass man mit ihr wesentlich mehr Wurfweite als mit kleinen Modellen erzielen kann. Bespult war diese mit einer 0,12er Asso Waggler Fishing Schnur. Damit diese dünne Leine beim Wurf der Waggler nicht reißt, schaltet er eine 0,16 – 0,18er Schlagschnur vor. Diese ist rund 8 – 10 m lang. Er braucht sie aber nicht am Wasser zu fertigen, sondern er hat, jeweils passend zum Gewicht der Waggler, die Schnur bereits fertig mit Bebleiung und Wagglerhalterung auf Wickelbrettchen montiert und braucht sie von dort nur an die Hauptschnur zu knoten. Dann wird der passende Waggler angebracht sowie das Vorfach, heute eines der Stärke 0,10 mm mit einem 18 er Haken in einen Microwirbel geschlauft, fertig ist auch diese Angelegenheit.

PosenBlei
An dieser Stelle ein Wort zur Bebleiung. Sie erfolgt wie folgt: direkt über den Microwirbel kommen zwei Schrote der Größe 8, rund 1 m darüber wird eine Bleikugel, welche rund 1 Gramm leichter ist als die Tragkraft des Waggler, aufgezogen und mittels weiterer Schrotbleie blockiert. So verhindert man ein Überschlagen des Vorfachs mit dem Waggler. 

Der nächste Schritt ist dann sorgfältiges Ausloten des Angelplatzes. Dieser lag an diesem Tag rund 40 m vom Ufer entfernt und wies eine Tiefe von 3,50 m auf. Es wurde so gelotet, dass der Köder bündig am Grund angeboten wurde. Je nach Beißverhalten kann es aber auch vorkommen, das Günter Horler den Köder auch ein Stück über Grund anbietet.

Der Angelplatz
Der Angelplatz Wurf02Wurf03

Nachdem die Montage beködert ausgeworfen und die Schnur unter Wasser gedrückt worden war, hieß es anfüttern. Hierfür wurden kleine feste Kugeln geformt, welche mittels Futterschleuder zum Angelplatz geschossen wurden. Hierbei zeigte sich die jahrelange Routine von Günter. Man konnte wirklich sagen, jeder Schuss ein Treffer, so punktgenau brachte er die kleinen Ballen zum Angelplatz.

Schleuder01
Routine mit der FutterschleuderSchleuder02

Schon nach kurzer Zeit kam der erste Biss, ein kleineres Rotauge. Weitere folgten. Als Köder dienten Maden und Caster. Auffällig war der recht starke Anhieb des Meisteranglers. Blitzschnell schlug er die Bisse an, indem er die Rute enorm hoch riss. So kam der Anhieb eigentlich jedes Mal durch. Wichtig bei einem solchen Anschlag ist aber natürlich die richtige, sehr feine, Einstellung der Rollenbremse und eine entsprechend weiche Spitze der Rute, was aber bei der Prestige Match voll und ganz gegeben ist.

rote Madeerste Bissedicke Plötze
 rote Made
Nachdem auf Maden und Caster eher nur kleine bis mittelprächtige Rotaugen bissen, wurde etwas anders ausprobiert. Hierzu schnitt Günter eine konservierte Camole Maden (erhältlich bei Mosella) in der Farbe rot in 4 Teile und köderte jeweils ein Teil mit einer normalen Made an. Nun wurden die Rotaugen doch schon etwas größer, für ihn aber nicht groß genug. So wechselte er auf Mais als Köder und siehe da, die dicken Plötzen landeten im Kescher. Fische zwischen 200 und 400 Gramm waren nun der Schnitt. Wurden die Bisse weniger, so wurden sofort ein bis zwei Futterbälle nachgeschossen. So hielt Günter die Fische über die gesamte Angeldistanz am Platz und am Abend konnte ein volles Netz bewundert werden.

Langsames Fließwasser
Viele Angler glauben, dass man mit der Matchrute und Wagglern im Fließwasser nicht angeln kann. Doch auch hier, insbesondere aber bei sehr schwacher Strömung, ist auch dieses möglich. So zum Beispiel oberhalb von Staustufen. An einer solchen angelte ich mit Günter in der Saar bei Schoden. Nachdem mit der Kopfrute nur kleine Rotaugen und Kaulis gelandet wurden, griff er zur Matchrute. Die Montage incl. der Bebleiung war identisch mit der aus dem Stillwasser, wobei allerdings, je nach Strömung, die Tragkraft der Pose höher gewählt wird. Auch hier wurde mit einer 12er Hauptschnur und 16er Schlagschnur geangelt. Allerdings zeigte sich während des Angelns, es ging hier auf Brassen, das es sinnvoller war, statt der zwei 8er Bleie über dem kleinen Wirbel besser vier 8er anzubringen. So wurde der Köder bei einer Wassertiefe von mehr als 5 Metern besser am Grund gehalten. Als Köder dienten an diesem Tag neben Maden auch Zuckmückenlarven (Vers de Vase) und kleine Rotwürmer. Diese Angelköder wurden auch unter das Futter gemixt. Ausgelotet wurde zum Brassenangeln so, dass das ca. 30 cm lange Vorfach rund 15 cm am Grund auflag. So zog die langsam treibende Pose den Köder über Grund durch die Futterspur. Die Bisse kamen überwiegend als Heber, wobei die Pose teilweise wie eine Rakete nach oben schoss. Auch hier wurde ein entsprechend harter Anhieb gesetzt.

Raketen PoseAnschlag03
Die Bisse kamen überwiegend als Heber und die Pose schoss teilweise wie eine Rakete nach oben

Statt der Prestige Light Float Rute kam am Fluss eine 4,50 m lange Strong Match zum Einsatz. Natürlich sah die Zusammensetzung des Futters am Fluss etwas anders aus als am See. Allerdings wurde auch hier mit Favourite Gardon und Favourite Brassen geangelt, jedoch im anderen Verhältnis und zwar: 2 Teile Brassen und 1 Teil Gardon, dazu 5 Teile Lehm plus die bereits erwähnten Lebendköder. Auch am Fluss wurde die Schnur unter Wasser gedrückt, dieses geschieht in dem man die Rutenspitze unter Wasser drückt und einige Meter Schnur einholt. Aus diesem Grund wird der eigentliche Angelplatz beim Angeln mit der Matchrute auch immer um einige Meter überworfen und dann genau zum Platz gekurbelt. Damit Günter Horler immer die richtige Entfernung, sprich den Platz wieder findet, markiert er die Schnur mittels eines wasserfesten Markers. Der Grund für das Unterwasser drücken der Schnur liegt darin, dass der Wind so keine  Schnurbögen erzeugt und die Pose dadurch verdriftet bzw. der Anschlag durch einen Schnurbogen ins Leere geht. Auch im Fließwasser brachte Günter die Futterballen per Schleuder aus, wobei aber auf Grund des Fressverhaltens der Brassen in wesentlich kürzeren Intervallen nachgefüttert werden musste, um die Fische am Platz zu halten.

ergenis
Das Ergebnis!

Der Autor Dieter Schröder dürfte den meisten Anglern aus zahlreichen Publikationen in vielen Angelmagazinen bekannt sein. Dieter Schröder hat auch eine eigene Homepage.

 
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