Mückenlarven - Die grosse Angst vor den kleinen Ködern

  • von ct Redaktion
  • 12. August 2010 um 10:58
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Heute möchten wir uns einer Phobie vieler Angler annehmen, dieses Schreckgespenst der heutigen Zeit ist die Zuckmückenlarve. Wenn man die Angler auf die Gründe dieser Verdammung befragt, wird oft eingeworfen, daß diese Köder nicht gut für das Gewässer sind und auch nicht in dieses gehören.

Zu Beginn unseres Berichts möchten wir mit diesen Vorurteil aufräumen, denn die Mückenlarve ist einer der ursprünglichsten Bewohner unserer Gewässer und kommt als natürlicher Bestandteil der Nahrungskette auch in sehr vielen Gewässern vor. In den 80iger Jahren gab es riesige Populationen von Mückenlarven in unseren Gewässern. Diese Population ging erst mit dem Einbau der 4. Klärstufe in den deutschen Klärwerken etwas zurück. Der Grund hierfür liegt in der Filtrierung von organischen Abfällen, denn genau diese organischen Bestandteile sind die Nahrung der Mückenlarven.

Verlieren wir aber zu Beginn ein paar Worte über die für uns Angler relevanten Mückensorten. Zu einem gibt es die kleine Mückenlarve, im englischen wird sie Joker und im französischen Foullies genannt. Die kleine, rote Mückenlarve kommt auch  heutzutage in fast allen kleinen Entwässerungsgräben vor und ernährt sich von organischen Stoffen wie z.B. Blättern. Die kleinen Mückenlarven werden dem Futter beigegeben, besser als Futter sind hier jedoch Angelerden. Der Grund hierfür liegt in dem Salz, welches in fast allen Futtersorten enthalten ist. Dieses Salz tötet die kleinen Mückenlarven und nimmt ihnen damit die Attraktivität.

Zum anderen gibt es die großen Mückenlarven, englisch Bloodworm, französisch Vers de Vase. Diese sind um einiges größer als die kleinen Mückenlarven. Die großen Mückenlarven leben in kleinen Tümpeln und ernähren sich dort wie ihre kleinen Artgenossen von organischen Stoffen. Die großen Mückenlarven dienen als Hakenköder und sollen die Fische zum Biß verlocken. Um die empfindlichen Mückenlarven beim Aufspießen auf den Haken nicht zu töten, ist es notwendig möglichst kleine und feine Haken zu nehmen.

Das Gewässer:
Um die Wirkung der Mückenlarven zu testen haben wir uns entschlossen einen kleinen Versuch durchzuführen. Hierzu wird ein Angler auf herkömmliche „Art und Weise“ mit Fertigfutter und Pinkis fischen und sein Nachbar nur mit kleinen Mückenlarven in Erde den Fischen nachstellen. Als Gewässer haben wir einen typischen Entwässerungsgraben ausgewählt. Der Graben ist kaum 13m breit und maximal 1m tief, meist bewegt sich die Angeltiefe jedoch zwischen 60cm und 80cm.


Das Gewässer - ein beschaulicher Kanal

In dem Kanal dominieren kleine Güstern und ab und zu sind Rotaugen sowie Brassen ein willkommener Beifang. Sicherlich keine Bedingungen um ein schönes Angeln mit vielen Fischen zu erwarten. Wir dürfen also gespannt sein, wie das Fischen verlaufen wird.

Die Vorbereitung:
Kommen wir zu den Vorbereitungen der beiden Parteien. Beginnen wir mit Elena, dem Part, der mit Mückenlarven und Erde angeln wird. Zu Beginn „trennt“ Elena ihre kleinen Mückenlarven. Der Grund hierfür liegt in der Lieferung. Um ein Austrocknen der Mückenlarven zu verhindern, werden diese in einer Art „Knäuel“ geliefert. Dieses Knäuel muß man jetzt trennen. Hierzu werden die Mückenlarven mit einem speziellen Mückentrenner, getrockneter „Terre de Sommes“ oder auch einfachen Kartoffelmehl getrennt. Es wird etwas von dem Trenner auf die Mücken gestreut und dann vorsichtig unter die Mückenlarven gemengt. Arbeitet man mit der richtigen Menge und den richtigen Trenner merkt man sehr schnell, daß sich das Knäuel auflöst und die Mückenlarven wesentlich aktiver werden. Als nächstes siebt Elena die Erde durch ein feines Sieb. Da es sich bei dem Gewässer um ein flaches, schwach strömendes Gewässer handelt hat sich Elena für eine leichte, dunkele Erde entschieden.

Erde

Die Erde - das Transportmedium für Elenas Mückenlarven

Man könnte hier auch auf einfache Maulswurfserde aus dem Garten zurückgreifen, sollte dann aber darauf achten, daß es sich um ungedüngte, unbehandelte Erde handelt. Abschließend vermischt Elena ca. 150 Gramm der Mückenlarven mit ca. 3 Litern der Erde – fertig ist ihr Futter.

Kommen wir jetzt zum zweiten Part. Frank wird „traditionell“ mit Lockfutter und Pinkis auf die vorhandenen Weißfische angeln. Beim Futter setzt er auf eine Mischung aus dem Hause Sensas. Da vor allem mit kleineren Fischen gerechnet wird, nutzt Frank eine feine und sehr aktive Mischung mit einem braunen Farbton (Sensas Etang und Sensas Fine Mouture Gardon). Mit dieser Zusammenstellung erreicht er, daß die aktiven Partikel die Fische schnell auf den Platz ziehen und sie dort durch den geringen Nährstoffwert nicht gesättigt werden. Um das Futter noch dezenter zu machen dunkelt es Frank mit einer Futterfarbe ab.


Franks bewährte Futterrezeptur für das Gewässer

Frank feuchtet das Futter circa 90 Minuten vor dem Fischen das erste Mal an und reibt es dann durch ein feines Sieb. Durch das Sieben verteilt sich das eingebrachte Wasser homogen im Futter und sorgt dafür, daß das Futter gleichmäßig durchzieht. Diesen Vorgang wiederholt Frank nach 30 Minuten und dies kurz vor dem Fischen noch einmal. Die zugegeben Wassermengen werden hierbei immer geringer. Schlußendlich soll sich das Futter gut Ballen lassen und sich dann im Wasser sofort zu einem Lockteppich auflösen.


Versehen mit einigen Pinkis lockt das Futter von Frank die Fische auf den Platz

Dem Futter gibt Frank zu Beginn ein paar Pinkis bei. Er achtet aber darauf, daß er nicht zu viele Pinkis zur Mischung gibt, da diese die Fische schnell sättigen.

Die Montagen:
Um einen möglichst neutralen Vergleich zu ziehen, fischen beide Kontrahenten die gleichen Montagen. Beide setzen auf feine Posen von ca. 0,6 Gramm mit einer feinen Glasfiberantenne und einer 3 Punkt Bebleiung. Die Bißbleie sind hierbei von der Größe 11 und 12 und beide Angler haben darauf geachtet, daß nur noch ungefähr 5mm der Posenantenne aus dem Wasser schauen.

Feine PosenFeine Posen 02
Feine Posen mit einer Tragkraft zwischen 0,4 und 0,8 Gramm sind die Wahl beider Angler

Bei der Hauptschnur handelt es sich um eine 10er Schnur, welche mit einem 15cm langen Vorfach der Stärke 0,08mm abschließt. Beide Angeln mit einer Rutenlänge von 11,5m und circa 1m vom gegenüberliegenden Ufer entfernt. Bei der Wahl der Haken unterscheiden sich die Beiden etwas. Frank setzt auf einen klassischen Maden- und Pinkihaken (Sensas 3410) der Größe 18, Elena dagegen bevorzugt einen etwas dünndrahtigeren Haken (Sensas 3012) der Größe 20, um die Mücken beim Anködern nicht zu töten.

Das Füttern:
In einem flachen Gewässer von nur einem Meter Tiefe würde ein geworfener Futterball die Fische für einige Minuten vom Futterplatz vertreiben. Um dieses zu vermeiden, haben sich sowohl Elena als auch Frank entschieden, das Futter punktgenau mit dem PoleCup auszubringen.


Elenas mit Mücken versehener Erdball wird mit dem PoleCup ausgebracht Erdball

Beide platzierten vier mandarinengroße Futterkugeln auf dem geloteten Futterplatz. Frank hatte hierbei die Futterballen unterschiedlich fest gedrückt um den Auflösevorgang der einzelnen Futterbälle unterschiedlich zu wählen. Elenas Mückenbälle waren eher etwas fester gedrückt und würden so etwas Zeit benötigen, die Mückenlarven freizugeben. Haben sich die Erdbälle jedoch aufgelöst, so würden die Mückenlarven einen verführerischen Teppich am Grund bilden und hoffentlich die Fische in einen Freßrausch bringen.

Der Angelbeginn:
Zum Angelbeginn beköderten beide Angler ihre Montagen. Frank setzte auf eine Made als Köder während Elena ein große Mückenlarve als Hakenköder aufzog. Beim Beködern einer Mückenlarve ist etwas Sorgfalt gefragt! Betrachtet man eine Mückenlarve, so hat sie ein etwas dunkleres Ende, dieses Ende ist durch einige abgedunkelte, zähe Hautsegmente gekennzeichnet.

Mückenlarve
Eine perfekt angeköderte Mückenlarve Perfekte Mückenlarve

In genau dieses Segment ködert Elena die Mückenlarve an, und zwar so vorsichtig, das die Mückenlarve nicht ausläuft und sich idealer weise lebhaft am Haken bewegt. Beide beginnen dann mit einer bündig zum Grund eingestellten Montage, so daß die Made und die Mückenlarve den Grund gerade so eben berühren. In der langsamen Drift von ca. 1,5m Länge geht die Pose bei Frank sofort in der ersten Drift unter und kann eine kleine Güster sicher landen.

Frank fängt sehr schnell die ersten Fische
Frank fängt sehr schnell die ersten Fische - meist handelt es sich hierbei um kleine Güstern

Bei Elena tut sich in den ersten Minuten nichts, während Frank 5 Fische fangen kann. Der Grund hierfür liegt im aktiven Futterplatz von Frank. Das Lockfutter verrichtet seine Arbeit und lockt die Fische auf Franks Angelplatz. In dieser Zeit löst sich Elenas Erdball mit dem „roten Gold“ erst langsam auf und zeigt noch keine Lockwirkung.

Nach ungefähr 10 Minuten geht dann auch bei Elena das erste Mal die Pose unter, der Anhieb sitzt und Elena kann ihre erste Güster überlisten.


Nach einigen Minuten kann Elena dann ebenfalls die ersten Fänge verzeichnen

Bei Frank sieht das Fangresultat weiterhin gut aus. In jeder 3. - 4. Drift bekommt er einen Biß und kann eine kleine Güster landen. Die Rotaugen und Brassen haben sich auf seinen Platz aber noch nicht eingefunden. Elena kann jetzt, ähnlich wie Frank, bei jeder 3. Drift ein Fisch überlisten, jedoch scheinen die Intervalle bei ihr kürzer zu werden. Die Vermutung liegt nahe, daß sich die Erdballen nun aufgelöst haben und die Mückenlarven am Grund von Elenas Futterplatz ihre volle Lockwirkung erzeugen. Es scheint also so, als ob Elena aufholen würde. Dieses Spiel geht in der nächsten halben Stunde so weiter, dann ist auf einmal Ruhe auf Elenas Futterplatz und die Bisse bleiben aus.


Langsam werden die Fische bei Elena grösser

Frank hatte in der Zwischenzeit nach circa 30 Minuten das erste Mal einen Futterball mit einigen Pinkis per PoleCup nachgefüttert. Der Futterball war nur sehr leicht gepreßt und rieselte in einer Wolke auf den Futterplatz nieder. Diese Art des Fütterns schien zu funktionieren, denn Frank konnte seine Fangfrequenz beibehalten. Elena entschied sich ebenfalls einen kleinen Ball aus Erde und Mückenlarven nachzufüttern und setzte dann ihre Montage wieder ein. Nach 5 Minuten ging die Pose dann langsam seitlich unter und Elena setzte einen Anhieb. Dann geschah etwas ungewöhnliches, entgegen der kleinen Güster schoß das Gummi aus der Rute und wurde länger und länger. Elegant parierte Elena die erste Flucht und ein angespanntes Lächeln huschte über ihr Gesicht, denn ihr war klar, daß sie einen der kapitalen Brassen am Haken hatte. Nach einigen aufregenden Minuten am feinen Geschirr konnte Elena dann einen schönen Brassen zum Kescher führen.


Ein stattlicher Brassen - gefangen auf eine Mückenlarve

Diesen Vorsprung würde Frank mit seinen kleinen Fischen kaum aufholen können und Elena fischte fortan etwas beruhigter weiter. Nach dem Fisch war bei Elena Ruhe auf dem Futterplatz angesagt. Mit einigen kleinen Erdbällen konnte sie diesen aber wieder aufbauen und nach 10 Minuten ging der Fang im schnellen Rhythmus weiter. Bei Frank wurde das Fischen jedoch schwieriger und er mußte um jeden Fisch kämpfen. Nach circa 2 Stunden schien es, als ob sich die Fische komplett zu Elenas Futterplatz orientiert hatten. Elena konnte auch in Bezug auf die Stückzahl an Frank vorbeiziehen. Um den Ehefrieden zu bewahren schlug Elena vor, das Fischen zu beenden und die Fänge zu begutachten.


Frank hält dagegen und fängt weiterhin kleine Fische Frank02

Beim Sichten des Fangs war schnell klar, das Elena sowohl mehr als auch den größeren Fisch hatte. Alleine durch den gewichtigen Brassen war die Gewichtswertung auf Elenas Seite. Frank fing zwar gerade durch die schnelle Lockwirkung des Futters zu Beginn mehr Fische, aber mit der Zeit stellten sie die Fische auf die Mückenlarven als Nahrung ein und wandten sich zu Elenas Platz. Für die Fische sind Mückenlarven nicht nur ein Leckerbissen sonder auch als natürliche Nahrung bekannt und wird daher eher aufgenommen, als eine Made oder Pinki.


An die Anzahl und die Qualität von Elenas Fischen kommt er jedoch nicht mehr heran

Sicherlich erkennt man durch diesen Bericht die Fängigkeit der Mückenlarven. Trotzdem gibt es weitere Vorbehalte gegenüber der Mückenlarve. Sicherlich ist es ein Problem, das man die Mückenlarve nicht bei jedem Angelhändler kaufen kann. Zum anderen ist die Mückenlarve nicht ganz günstig in der Anschaffung. Außerdem gibt es das absurde Vorurteil, das die Mückenlarven dem Gewässer schaden kann oder die Fische nach dem Verzehr der Mückenlarven keinen anderen Köder mehr anrühren. Im Folgenden möchten wir diese Probleme bzw. Vorurteile nacheinander durchzugehen.

Beschaffung:
Hier gibt es mehrere Lösungen. Sprechen Sie doch einfach mal Ihren Händler an und fragen, ob er Ihnen Mückenlarven besorgen kann. Am besten Sie tun sich mit einigen Gleichgesinnten zusammen und bestellen eine größere Menge, dann wird der Preis etwas günstiger. Bietet Ihr Shop nicht die Möglichkeit Mücken zu ordern, können Sie sich im Zoohandel meistens Mückenlarven bestellen (sie sind Nahrung für die Zierfische) oder Sie bestellen sich die Mückenlarven im Internet. Unter www.stipp-profi.de bietet mit Ralf Herdlitschke, einer der besten deutschen Stippangler, Mückenlarven zum Verkauf an. Auch hier bietet es sich an, in einer Gruppe die Mücken zu ordern um die Versandkosten pro Person zu minimieren.

Kosten:
Elena hat für den Durchgang circa 150 Gramm kleine Mückenlarven benötigt, dazu hat sie ca. 75 große Mücken verangelt. Zusammen kosten sowohl diese kleinen als auch die großen Mücken ungefähr 5€. Rechnet man das Futter und die Köder von Frank, so kommt man sicherlich auf einen gleichen Betrag. Was bleibt sind die Versandkosten, wenn man online bestellt. Hierzu sollte man auch eine kleine Gruppe bilden, die zusammen ordert.

Verträglichkeit für das Gewässer:
Die Mückenlarven sind natürliche Beute der heimischen Fische und sind daher keinesfalls schädlich für Fisch oder Gewässer. Der Erfolg beim Angeln mit Mückenlarven ist meist das größte Hemmnis bei deren Einsatz. Es ist genauso ein Irrglaube, daß die Fische nach dem Fischen mit Mückenlarven mit keinem anderen Köder mehr zu fangen sind. Fische fressen die Nahrung, welche vorhanden ist. Sind die Mückenlarven aufgefressen, so nehmen die Fische wieder ganz natürlich Maden, Caster und Würmer als Köder an.


Die Fische haben die Mückenlarve als Köder sofort akzeptiert und gierig aufgenommen

Nun noch ein paar Worte zum Fischen. Wir denken, daß der Erfolg der Session noch größer gewesen wäre, wenn man beide Futterstrategien miteinander kombiniert hätte. Die Lockwirkung des Futters in der Startfütterung kombiniert mit der unschlagbaren Langzeitwirkung der Mückenlarven hätte sicherlich ein noch besseres Ergebnis zu Tage gebracht. Wann probieren Sie die Mückenlarven aus, es lohnt sich....

Viele Produkte aus diesem Artikel gibt es unter www.match-tackle.de

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