Der richtige Draht zum Fisch

  • von Jörg Heise
  • 19. März 2009 um 17:01
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Es gibt Zeiten, da sind die Fische durch sehr intensive Befischung entweder extrem vorsichtig oder aber durch die kalten Wassertemperaturen sehr träge. In beiden Fällen können vermeintliche Kleinigkeiten eine große Wirkung haben. In diesem Fall ist mit dem Einsatz der Stahl- oder auch Drahtantenne die Wahl der richtigen Posenantenne entscheidend für den Erfolg am Angeltag.


Meister der feinen Angelei: Stipp-Profi Ralf Herdlitschke

Während Kunststoff-, Hohl-, Glasfieber- oder Carbonantennen keinen Biss mehr bringen, taucht die feine Pose mit der Stahlantenne doch noch ab und bringt den einen oder anderen Fisch in den Kescher. Es ist verblüffend, dass der millimetergenau ausgebleite Schwimmer mit der Glasfieberantenne regungslos im Wasser steht und nur noch die Pose mit der Stahlantenne unter Wasser gezogen wird.
Wenn man also alles versucht hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass einfach keine Fische am Platz sind, dann kann die kleinste und feinste mit einer Stahlantenne versehene Pose aus der Sitzkiepe noch einen Fisch bringen.


Eine Auswahl verschiedener feiner Posen mit Stahlantenne

Jetzt, wo das letzte Eis von den meisten Gewässern verschwunden sein sollte, ist es auch wieder möglich erfolgreich mit der Stipprute zu sein, wenn einige Grundsätze beachtet werden. Da das Wasser mit unter 10° Celsius noch sehr kalt ist, muss dementsprechend defensiv angefüttert werden. Defensiv heißt dabei wenig nahrhaft aber durchaus mit einer hohen Aktivität. Eine gute Mischung für die Übergangszeit vom Winter auf das Frühjahr ist dabei ein Mix aus:


Die richtige Futtermischung trägt natürlich auch zum Erfolg bei


1 kg Mosella Match Mix Rotauge
1 kg Mosella Rotauge Gros Gardons 4000
1 Tüte Mosella Favourite Power Powder Mystery Mix
2 kg Mosella Terra Angellehm River
¼ Dose schwarze Farbe

     
              Futter + Lockstoff + Farbe + Erde =                                             ein attraktives Futter

Die zwei kg Futter werden dazu mit dem Mystery Mix und etwas schwarzer Farbe gemischt und angefeuchtet. Erst wenn das Futter die richtige Konsistenz hat und sich gut drücken lässt ohne auseinanderzufallen kommt die Erde hinzu. Alles noch mal mit dem Quirl gut vermischen und ggf. noch ein bisschen nachfeuchten und fertig ist das Futter. 5 apfelsinengroße Futterkugeln mit wenigen kleinen Mückenlarven und einigen Pinkies werden geworfen und dann noch 3 kleinere Kugeln mit einem erhöhten Köderanteil mit dem Pole Cup punktgenau abgelegt.
Die Futterkugeln können ruhig etwas fester gedrückt werden, so dass sie geschlossen zum Grund kommen und sich erst dort auflösen. Die vielen Sämereien und leichten Bestandteile des Futters sorgen nun dafür, dass ständig Partikel aufsteigen und die Fische auf den Futterplatz aufmerksam machen. Insgesamt wurde durch die Zugabe des Lehms und der wenigen Köder aber sehr wenig Nahrung für die Fische eingebracht, so dass sie zwar angelockt, aber nicht gleich gesättigt werden.
Den Mittelpunkt der superfeinen Angelei bilden allerdings die Pose und die Montage. Bei drei Metern Wassertiefe, leichter Strömung und dazu auch noch Seitenwind in Strömungsrichtung darf allerdings auch nicht zu leicht geangelt werden, wobei bei diesen Bedingungen ein 1 Gramm Schwimmer schon die absolute Untergrenze bildet, denn es gilt die Pose auch noch ruhig zu führen und den Köder optimal anzubieten.

     
                                Ernie 14               Eine Kette aus vielen kleinen Bleien bildet den Bulk


Zum Einsatz kommt mit der Ernie 14 aus der Stipp-Profi Kollektion eine Pose für die ultrafeine Angelei. Der große Vorteil und Unterschied zu Posen mit Nichtmetall-Antennen ist, dass die dünne Stahlantenne keinen Auftrieb hat und so selbst vorsichtigste Bisse zu erkennen sind. Optimal ausgebleit stößt der Fisch beim Einsaugen des Köders auf keinen Widerstand und bleibt somit arglos. Die sehr schlank zulaufende Posenform ist ideal um auch Hebebisse mit kleinsten Schrotbleien anzuzeigen. Doch Posen mit ultrafeinen Stahlantennen haben nicht nur Vorteile.  Bei Gegenlicht können diese Posen manchmal schwer bis nicht mehr zu erkennen sein und auch eine wellige Wasseroberfläche kann dafür sorgen, dass eine zu schlechte Sichtbarkeit der Antenne das Angeln unmöglich macht. Die Posen bleiben aber natürlich erste Wahl, wenn es darum geht, den einen Fisch mehr zu fangen, doch die Vorraussetzungen müssen stimmen.
Filigran ist auch die Bebleiung. Eine Kette aus Bleischroten der Nr. 8 bildet die Hauptbebleiung 40 Zentimeter über der Schlaufe, in die später das Vorfach eingeschlauft wird. Darunter befinden sich weitere 4 Bleischrote der Größe 13 in jeweils 10 Zentimeter Abstand. Mit weiteren Bleischroten der Größe 12 oder 13 wird die Pose nun so ausgebleit, dass die Antennenspitze bündig mit der Wasseroberfläche abschließt, die Antenne also eigentlich nicht mehr zu sehen ist, die Pose also geradeso nicht absinkt. Der Clou ist nun Antenne für den Angler wieder sichtbar zu machen, so dass jeder noch so feine Biss erkennbar ist.


Mit einem Lippenfettstifft wird die Antenne eingefettet und die Tragkraft der Pose erhöht

Das geschieht mit Hilfe eines Fettstiftes aus dem Drogeriediscounter, bekannt auch unter der allgemeinen Bezeichnung „Labello“, den es aber sicherlich auch von anderen Marken gibt. Mit diesem Fettstift wird nun die Antenne eingefettet, so dass sie zusätzliche Tragkraft erhält. Optimal ausgebleit ist die Pose, wenn wirklich nur noch der letzte Millimeter über die Wasseroberfläche ragt. Da die meisten Posen im Wasser immer ein bisschen Wasser ziehen und sich auch das Fett an der Antenne verflüchtigen kann, gilt es während des Angelns die Antenne immer wieder nachzufetten und optimal abzustimmen.
Als Köder kommen ein bis zwei der lebendigsten Mückenlarven aus der Köderdose auf den 24er Haken. Kurz hinter dem Kopf eingestochen ist darauf zu achten, dass sie nicht auslaufen und sich noch schön bewegen. Wenn nun ein Weißfisch oder Barsch am Futterplatz auftaucht sollte er diesem verführerischen Angebot nicht widerstehen können.

     

 Die Antenne ist gerade so zu sehen

 

Ein bis zwei Mückenlarven kommen auf den Haken


Dabei müssen allerdings zusätzlich noch alle Register der Führungskunst der Pose gezogen werden. Also sauber auf dem Futterplatz einsetzen, mal die Pose blockieren, so dass sich der Köder vom Grund abhebt und dann auch immer wieder im freien Trieb natürlich laufen lassen. Das 15 Zentimeter lange Vorfach sollte dabei maximal 10 Zentimeter aufliegen, wobei es am sinnvollsten ist in einer bündigen Angeltiefe zu beginnen, denn ein aufliegender, schleifender Köder kann die feine Antenne sehr schnell unter Wasser ziehen und einen Biss vortäuschen. Bei aufliegendem Köder sollte daher die Antenne etwas stärker eingefettet werden, bei bündigem oder über Grund angebotenem Köder dagegen so wenig wie möglich.
Nach 20 Minuten stellen sich die ersten Bisse ein und kleinere Rotaugen können über den Kescher geführt werden. Die Pose geht nur minimal unter und die Bisse sind von einem Hänger kaum zu unterscheiden. Das macht die Angelei besonders kniffelig aber auch interessant, denn jeder Fisch muss überlistet werden.

     
           Kleine Futterbälle mit weingen Ködern ...                               ... werden punktgenau gecuppt 


Nachgefüttert wird mit dem Pole-Cup. Maximal wallnussgroße Bällchen mit einigen Mückenlarven und 5 bis 10 Pinkies reichen dabei, denn die Fische sind am Platz und solange sich dort ein wenig Nahrung befindet gibt es für sie auch keine Veranslassung diesen zu verlassen.

     

 Anhieb ...

 

 ... mit dem feinen Geschirr ...

     

 ... vorsichtig drillen ...

 

 ... über den Keschr führen ...

     
      ... und eingenetzt ist der halbstarke Brassen

18 Brassen, Rotaugen und Barsche konnten am Ende überlistet werden. Ein ordentliches Ergebnis, denn einige Angler, die zu viel Futter und zu viele Köder einsetzten und dabei auch nicht fein genug angelten blieben gar ganz ohne Fang.


Und zum Schluss noch ein farbenprächtiger Barsch


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