Feedern – (k)ein Vergleich! Die Länge des Vorfachs

  • von Stefan Orth
  • 19. Oktober 2009 um 02:15
  • 6
Feederangler, das sind die Fallensteller unter den Matchanglern. Diese etwas abfällige Bezeichnung wird von den Anhängern oft mit einem Lächeln ertragen, denn die Fakten sprechen eindeutig für diese Methode und das zu Recht, wie ich meine. Die Angelart erfreut sich einem regen Zulauf und viele Hegefischen, mit freier Wahl der „Waffen“ werden mit der Feederrute entschieden. Der Materialeinsatz was Equipment, sowie Futter und Köder betrifft, hält sich in überschaubaren Grenzen und dennoch sind teilweise hervorragende Fangergebnisse möglich. Das nenne ich Effektivität und darauf kommt es doch oftmals an. Da wird der eingangs zitierte Lästerer aus dem anderen Lager schnell zum Neider.

Selbst Ungeübte kommen mit der Feederrute recht schnell zu ordentlichen Erfolgen. Die Methode deshalb als banal zu bezeichnen ist aber falsch. Nicht um sonst sind es doch oftmals die gleichen Namen, die auf den Ergebnislisten ganz oben anzutreffen sind. Zum einen macht auch hier die Übung den Meister und zum anderen liegt der Teufel im Detail und in den vielen Stellschrauben, die man bedienen kann und beherrschen sollte. Genau diese Stellschrauben oder Variationen möchte ich mal näher beleuchten. Die Theorie dazu kennen wir alle aus den Diskusionen und Gesprächen mit Kollegen oder in Foren. Jetzt ist es Zeit für den Praxistest. In einer Serie von Vergleichsfischen möchte ich hier Licht ins Dunkel bringen.

Folgende Themen hierzu sind bereits geplant:

- Langes Vorfach  vs.  Kurzes Vorfach 
- Helles Futter   vs.  Dunkles Futter 
- Köder mit Dip vs.  Köder ohne Dip 
- Aufgepoppte Köder  vs.  Aufliegende Köder 
- Geflochtene Schnur vs.  Monofile Schnur 

Weitere Themen kommen vielleicht später noch hinzu. Vorschläge werden gerne entgegen genommen.

Gefischt wird jeweils im Tandem, also zwei Anglern, mit gleicher Montage und ähnlichem Gerät auf einem gemeinsamen Futterplatz. Die einzige Variante besteht lediglich in dem Punkt, der das Vergleichsfischen aus macht.

Im ersten Beitrag möchte ich mich dem Thema Vorfach widmen. Wer hat den nun Recht? Die Engländer mit ihren teilweise extrem kurzen Vorfächern oder doch die Festland Europäer mit Vorfachlängen von 80cm und mehr. Ein Praxistest im Rahmen eines Vergleichsfischens soll hier Klarheit bringen.

Am Sonntag den 02.08.09 habe ich mich deshalb mit dem Feederteam S&G an deren Privatgewässer, ein Baggersee von 1,5 ha Größe, getroffen. Das Gewässer hat einen ordentlichen Brassenbestand, was sich später beim Fischen auch zeigen sollte. Beide Angler verwendeten vergleichbares Gerät, bis auf das Vorfach, aber dazu später mehr. Die Ausrüstung bestand aus Medium Feederruten, Stationärrollen mit 0,10mm geflochtener Schnur und 0,25mm monofiler Schlagschnur. Die Montage war in beiden Fällen eine einfache Schlaufenmontage. In die Schlaufe wurde ein 40gr Speedkorb eingehängt. Beide Angler fischten mit 14er Gammakatsu 2210 Haken an 0,12mm Vorfachschnur. Der Unterschied bestand lediglich in der verwendeten Vorfachlänge. Jürgen fischte ein Vorfach mit einer Länge von 80cm, was allgemein als Standartlänge angesehen wird und Rüdiger montierte ein lediglich 20cm langes Vorfach, wenn auch mit gemischten Gefühlen.

Vor Angelbeginn wurde die Hauptschnur auf exakt gleicher Angeldistanz eingeclipt, indem die Montagen auf dem Feldweg abgelegt wurden. Als Markierung wurde ein Bankstick auf dem Feldweg in Angeldistanz eingesteckt, falls nach einem Abriss oder Ausclipen erneut abgelegt werden muss.

Angelentfernung

Jürgen misst die Angelentfernung auf dem Feldweg ab...

Nach dem Einrichten der Angelplätze wurde der gemeinsame Futterplatz auf etwa 35m Entfernung angelegt. Als Orientierung beim Wurf diente ein Busch am gegenüberliegenden Ufer, sodass der Futterplatz von den geübten Anglern mit einer bemerkenswerten Präzession ein ums andere Mal sicher getroffen wurde. Natürlich verwendeten beide Angler das gleiche Futter, nämlich das dunkle Futter Modial-F. Wir wollten bewusst kein helles Futter einsetzen, um eine mögliche Scheuchwirkung aufgrund der Futterfarbe zu vermeiden, was das kurze Vorfach stärker benachteiligen würde. Wie die Futterfarbe sich auswirkt, werden wir in einem gesonderten Vergleichsfischen behandeln. Als Köder wurden Maden verwendet. Einige davon kamen auch ins Futter.

Rüdiger und Jürgen 02Rüdiger und Jürgen 02

Rüdiger (links) und Jürgen (rechts) nehmen Maß …


16:00 Uhr - es ging los, bis etwa 21:00 Uhr sollte gefischt werden. Wie das oft so ist, tat sich in den ersten 30min rein gar nichts, ehe die ersten sehr feinen Bisse an der Rutenspitze von Jürgen angezeigt wurden, der das lange Vorfach fischte. Nach 3 Fehlbissen konnte er nach 45min den ersten Brassen, mit dem für dieses Gewässer durchschnittlichen Gewicht von etwa 800gr, landen.


JürgenBrassen
Jürgen fängt am langen Vorfach den ersten Fisch

In der nächsten halben Stunden folgten noch weitere 4 Brassen von ähnlicher Größe. Rüdiger blieb bis dahin völlig ohne Fisch am kurzen Vorfach. Lediglich kurze Zupfer konnte er verzeichnen. Es sollte ein klarer Sieg für das lange Vorfach werden und Rüdiger, der zum Fischen mit dem ungewohnten kurzen Vorfach verdonnert wurde, war schon etwas missmutig. Um 17:30 Uhr wendete sich aber unvorhergesehen das Blatt. Die Brassen standen nun massiv auf den eng begrenzten Futterplatz. Rüdiger fing die ersten Fische. Die Bisse kamen so vehement, dass sie sich regelrecht selbst „aufhängten“. Der Selbsthakeffekt am kurzen Vorfach zeigte seine Wirkung. Biss und Drill gingen fließend ineinander über. In dieser Phase war nahezu jeder Biss ein Treffer und Rüdiger konnte deutlich Boden gut machen.

Rüdiger

Rüdiger fand Gefallen am kurzen Vorfach. 


Jürgen hatte zwar auch seine Bisse und konnte Fische fangen, doch das kurze Vorfach war eindeutig effektiver. Eine Wandlung, die so nicht zu erwarten war. Dies führte dazu, dass Rüdiger bis 19:30 Uhr im Vergleich zu Jürgen geschätzt doppelt so viele Fische im Setzkescher hatte. Siegessicher hellte sich seine Mine auf. Das ehemals ungeliebte kurze Vorfach wurde zur Trumpfkarte im Spiel um die Brassen. In der Gewissheit, dass es so weiter geht, wurde das rege Beissen durch Raubfische am Futterplatz unterbrochen.

Schwarzes Futter

Das schwarze Futter sollte eine mögliche Scheuchwirkung aufgrund der Farbe verhindern.


Danach war nichts mehr so, wie es vormals war. Zuerst blieben die Bisse völlig aus, ehe sich wieder die ersten zaghaften Bisse bemerkbar machten. Die Brassen waren durch die Unruhe am Futterplatz wieder wesentlich vorsichtiger geworden und siehe da, Jürgen konnte wie zu Beginn des Angelns wieder die ersten Fische landen. So rechte Beisslaune wollte auch bis zum Ende des Angelns um 21:00 Uhr nicht mehr aufkommen. Rüdiger konnte mit dem kurzen Vorfach nur sehr vereinzelt fangen, während Jürgen mit schöner Regelmäßigkeit keschern durfte.

Rüdiger und Jürgen03

Rüdiger (links) mit kurzem Vorfach und Jürgen (rechts) mit dem langen, am Ende des Angelns.


Wie das immer so ist, am Ende wird abgerechnet und auch bei diesem Vergleichsfischen war es so. Trotz der zeitweise deutlich unterschiedlichen Fangergebnisse im Verlauf des Fischens waren am Ende beide Angler nahezu gleichauf, was das Gesamtgewicht der gefangenen Fische angeht. Bis auf eine Karausche bei Jürgen und eine Schleie bei Rüdiger waren letztendlich nur Brassen im Kescher. Einen Unterschied gab es aber doch im Fangergebnis. Jürgen hatte mit dem langen Vorfach mehr aber kleinere Fische, Rüdiger dagegen fast ausschließlich gute Exemplare im Kescher.

beide Angler

Am Ende waren beide Angler glücklich und von den Fängen her in etwa gleichauf.


Trotz des annähernd gleichen Fanggewichts von jeweils etwa 10 kg lässt das Vergleichsfischen doch einige Erkenntnisse zu. Das kurze Vorfach hat in der Phase, als die Brassen gut gebissen haben, erstaunlich gut gefangen. Bei zögerlichen Beissverhalten kamen die Bisse aber so kurz, dass sie nicht oder äußerst schwer zu verwerten waren. Hier spielt das lange Vorfach seine Vorteile aus. Der Fisch kann beim Biss den Köder einfach länger im Maul halten ohne Widerstand zu spüren, was letztendlich dazu führt, auch solche Bisse erfolgreich anschlagen zu können. Als die Bisse jedoch deutlicher kamen musste Jürgen des Öfteren ausgelutschte Maden am langen Vorfach einholen, der scheinbare Vorteil wurde zum Nachteil. Zu erwähnen bleibt noch, dass die kleinen Brassen fast ausschließlich beim Absinken gefangen wurden, auch ein Vorteil des langen Vorfachs. Das kurze Vorfach wird einfach zu schnell durch den Futterkorb zum Grund gerissen und fing folglich auch fast keine kleinen Fische, die nicht direkt am Grund standen. Verblüffend und unerwartet waren die großen Unterschiede in der Bissausbeute. Auch hätte keiner der Beteiligten im Vorfeld dem extrem kurzen Vorfach ein so gutes Fangergebnis zugetraut. Wären die Raubfische nicht am Platz eingelaufen, hätte es sogar zum sicheren Sieg geführt. Am Ende waren sich beide Angler einig, dass ein Angler mit variabler Vorfachlänge leicht 25kg hätte fangen können.

Beim Bier und gegrillten Steaks und Bratwürsten wurde schon gemutmaßt, was die künftigen Vergleichsfischen für Ergebnisse liefern. Doch bis dahin darf spekuliert werden.

Auch Deine Meinung ist gefragt!
6 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren
  • Bernd Sesterhenn
    aus Binningen
    Sehr schöner Bericht. Ich freue mich schon auf weitere Berichte......
  • elbbrasse
    aus Uelzen
    Testen...
    ich werde diese Theorie auch testen und dann hier über meine Ergebnisse berichten. Finde die Idee um die Umsetzung des Tests super... Denke auch das eine abschliessende Feststellung gar nicht möglich ist, jeder Angeltag ist schliesslich unterschiedlich
  • Schrotti
    Hallo, freut mich, dass der Bericht so positiv aufgenommen wird. Ein abschließendes Ergebnis kann kein Vergleichsfischen und somit auch nicht dieses liefern. Durch experimentieren, Erfahrung und Intuition wird man sicher am ehrsten ein Gefühl dafür bekommen, unter welchen Bedingungen welche Vorfachlänge am fängigsten ist. Ich hoffe, dass sich viele im Stippforum am Erfahrungsaustausch beteiligen. Also, immer neugierig bleiben! Liebe Grüße Stefan
  • Praxx
    super
    ich finde den Bericht super, denn er zeigt mir das das Umstellen meiner Montagen im Angeln durchaus sinnvoll ist und signifikante Vorteile bringen kann, und nur darum geht es mir. Das Angeln jeden Tag anders ist, das wird auch nach jedem weiteren Test so bleiben, zum Fischen gehört auch immer ein Stück weit Instinkt....
  • Kai
    Eine super Idee!
    Ich bin schon auf die anderen Artikel gespannt. Aber, nur ein Angeln ist natürlich etwas schwach in der Aussage. Es wäre gut wenn es da zwischendurch noch ein paar Vergleiche geben könnte, und am Ende dann nochmal einen Rückblick darauf ob sie die Erkenntnisse des einen Angelns nun bestätigt haben. Denn das eine Angeln ist halt nicht sehr aussagekräftig. Es ließt sich so als wäre das kurze Vorfach dem langen deutlich überlegen gewesen, wenn der Raubfisch nicht gekommen wäre. Aber ist das nun auch bei anderen Bedingungen zutreffend oder war es eine Erkenntnis die aus Tagesspezifischen Gegebenheiten erstanden ist? Als Beispiel nehme ich mal die Temperatur. Evt. ist es im Sommer ja auch nochmal anders weil sie dann weniger Scheu haben und von Anfang an fängt das kurze Vorfach gut. Die Erkenntnis, dass man Experiementieren muss ist aber schon eine sehr interessant. Es ist zwar nichts neues, aber ich werde beim nächsten Mal sicher erst mit einem längeren Vorfach starten und es auch dann mit einem kürzeren versuchen wenn es eigendlich läuft weil die Fische auf dem Platz sind, Experiemente also vom Gefühl her nicht nötig wären.
  • Kilobrassen
    aus Langenhagen
    Sehr interessant!
    Super. Endlich mal ein Vergleich, bei dem wirklich nur ein Detail verändert wurde und man somit auch wirklich Rückschlüsse ziehen kann. Weiter so!
Werbepartner