Miniboilies - Darf es etwas größer sein?

  • von ct Redaktion
  • 28. Juni 2010 um 10:05
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Würmer, Maden, Caster und vielleicht noch Mais, das sind die Köder mit denen wir im Allgemeinen den großen Friedfischen in unseren Gewässern nachstellen. Das es auch anders geht, zeigen uns unsere niederländischen Nachbarn. In den Niederlanden ist das Angeln mit Miniboillies und Pellets sehr beliebt. Preston Vertreter Andree Lukas konnte bei seinen Besuchen in den Niederlanden viel von dem niederländischen Wissen aufnehmen und testet dieses nun an unseren heimischen Gewässern.

Wir haben uns mit Andree an einem kleinen See in der Nähe von Bremen getroffen, dort konnte Andree in den letzten Wochen mit den Miniboillies und Pellets einige schöne Brassen überlisten. Es ist Mitte Juni und wir haben uns entschlossen einen Session zu fischen, welche in den Abendstunden liegt.


Ein typischer Vereinsee ist unser Testgewässers

Das Fischen mit Miniboillies, Pellets und Fischmehlfutter im Methodfeeder ist relativ unbekannt in Deutschland und da stellt sich dann schon die Frage, was das Besondere an dieser Art des Fischens ist. Nun, zu aller erst werden mit dieser Art der Angelei, also dem Fischen mit Miniboillies, Pellets und Fischmehl, weniger aber dafür deutlich größere Fische gefangen. Geeignet sind vor allem flache Gewässer mit einer maximalen Angeltiefe von 3m. Sind die Gewässer tiefer, so bekommt man durch die geringe Bindung des Fischmehls Probleme das Futter konzentriert zum Grund zu bekommen. Es ist auch nicht jedes Gewässer geeignet um kurzfristig mit Fischmehl und Pellets erfolgreich zu sein. Hier gilt es zu probieren und immer wieder zu testen. Haben Sie ein Gewässer gefunden, so kann Ihnen diese Art der Angel wahre Sternstunden bescheren, vor allem im Bezug auf die Größe der Fische. So konnte Andree in diesem Gewässer vor ca 3 Wochen einen Brassen von über 8 Pfund fangen. Bei süßem Futter und Matchrute sind die Fische meist nicht größer als 1,5 Pfund. Fische über 4 Pfund hat er an diesem Gewässer noch nie gesehen. Aber als dann er 8 Pfünder im Kescher lag war Andree von der Fängigkeit dieser Methode überzeugt.

Kommen wir jedoch zurück zum heutigen Fischen und gehen kurz auf das benötigte Gerät, Futter sowie Köder ein. Bei der Rute setzt Andree auf die Excel Feeder aus dem Hause Preston in 3,75m Länge. Die ideale Rute für das Fischen mit dem Methodfeeder sollte eine weiche Aktion haben und die dynamischen ersten Fluchten der großen Fische parieren / absorbieren können.

Die Exel Feeder von Preston
Die Exel Feeder von Preston - das Topmodell von Preston ist ideal für denMethodfeeder

Eine Stationärrolle der Größe 3000-4000 mit einer monofilen Schnur der Stärke 0,20mm bis 0,25mm rundet das passende Tackle ab. Feederrute und monofile Schnur - für viele Angler passt das nicht mehr zusammen, aber mit einer geflochtenen Schnur ist die Bisserkennung doch deutlich besser. Die Antwort hierfür lautet, man fischt den Methodfeeder meistens mit einer Selbsthakmontage. Mit dieser Methode zeigt sich ein Biss nicht durch ein zaghaftes Zupfen an der Rutenspitze, sondern durch ein kräftiges Ziehen an der gesamten Rute. Diese sollte man lieber immer in Griffnähe haben, um sie nicht in den Tiefen der beangelten Gewässer zu verlieren.

Tackle zum Feederfischen
Tackle zum Feederfischen mit dem Methodfeeder

Beim Thema „selbsthakende Montage" sind wir gleich beim Aufbau des Methodfeeders angekommen. Es gibt zwei Bauformen eines Methodfeeders. Da gibt es zum Einen der freilaufende Feeder, welcher in manchen britischen Gewässern vorgeschrieben ist und zum anderen die fixierte Methodfeeder. Dieser Typ ist zu bevorzugen, lässt sich mit ihm doch die traditionelle Methode des Methodefeeders, also die selbsthakende Methode, perfekt fischen.

ein Durchlauffeeder und der fixed Feeder
Links ein Durchlauffeeder rechts der fixed Feeder

Das Ende der monofilen Hauptschnur wird mit dem Methodfeeder verbunden. Das Vorfach wird in einem Karabiner eingeschlauft, welcher mit einem Hollowgummi im Methodfeeder verbunden ist. Dieser Hollow dient als Shockabsorber für die zu erwartenden wütenden Fluchten der Rüsselträger.

Kommen wir zum Vorfach. Dieses ist methodfeedertypisch sehr kurz, nämlich 10cm an einem kräftigen Haken der Größe 14 an einem 20er Vorfach. Typisch für das Fischen mit dem Methodfeeder ist der Gebrauch eines Pelletbändchen oder eines Haares am Vorfach. Für die Variante des Haares am Vorfach hat sich Andree heute entschieden und nutzt hierzu die Fertighaken aus dem Hause Korum.

Fertig gebundene Haus dem Hause Korum
Fertig gebundene Haus dem Hause Korum - ausgestattet mit dem Quick Stop

Zum Futter: Andree mischt ein Mischung aus der Supercrush Serie von Sonusbaits. Diese besteht zu einem Teil aus Supercrush Green und Supercrush Dark. Das Anfeuchten eines Futters, welches auf Fischmehl basiert, ist nicht ganz einfach, der Grund hierfür ist die enorme Menge Wasser die Fischmehl aufnimmt.

Futter aus der Serie Supercrush von Sonusbaits
Das Futter aus der Serie Supercrush von Sonusbaits

Es hat sich bewährt das Futter mindestens dreimal anzufeuchten. Die mit Abstand größte Wassermenge wird bereits im ersten Gang zugesetzt. Sie können das Futter bereits am Abend vor dem Fischen ansetzen. Dies verändert die Aktivität des Futters nicht, denn Fischmehl beinhaltet keine aufsteigenden/aktiven Partikel und ist sehr passiv. Beim normalen, süßen Futter, ist der schwarze Part meist der dominante Part, und gibt dem Futter die entsprechende dunkle Färbung. Anders ist dies jedoch bei den Supercrush Produkten, denn hier setzt sich die grüne Farbe ganz klar durch. Zu Beginn des Fischens haben wir zur Kontrolle einen kleinen Ball Futter ins ufernahe Wasser geworfen, der Ball löste sich sehr schnell auf (Achtung bei tieferen Gewässern) und erzeugte dabei eine schöne Wolke.

Das fertig angerührte Futter mit der intensiven, grünen Färbung
Das fertig angerührte Futter mit der intensiven, grünen Färbung

Die Köder: Hier setzt Andree vor allem auf Miniboillies aus dem Hause Sonusbaits. Die Miniboillies verfügen über ein süßes Aroma. Für die heutige Session setzt er auf 8mm Modelle mit den Geschmacksrichtungen Ananas, White Chocolate und Tutti Frutti. Sollten die Fische auf einen weicheren Köder setzen, der sich geschmacklich näher an das Futter, also Fischmehl ausrichtet, setzt Andree auf Softpellets in 8mm. Um auf "Nummer Sicher" zu gehen, hat Andree noch die traditionellen Köder im Ködertableau, nämlich Pinki, Made und Caster.

Das Ködertabelau
Das Ködertabelau mit den Miniboilies, den Pellets und dem Futter

Beim Fischen mit dem Methodfeeder gilt es einige Dinge zu erläutern. Nach dem Auswerfen des Methodfeeders wird dieser ohne weitere Aktionen an der Angelrolle in die Rutenablage gelegt. Die Schnur wird, anders als beim traditionellen Feederangeln, kaum vorgespannt, die Schnur hängt vielmehr locker nach unten durch. Erfolgt dann ein Biss, so ist es wichtig keinen Anschlag zu setzen, denn der Fisch hängt ja bereits durch das selbsthaken mit dem Methodfeeder. Meist wird die Rutenspitze energisch herumgerissen, es gilt dann die Rute vorsichtig hochzunehmen und Kontakt zum Fisch aufzunehmen.

die Spitze ist sehr leicht vorgespannt
Gut zu sehen, die Spitze ist nur sehr leicht vorgespannt

Soviel zur Theorie, jetzt aber zur Praxis. Beim Fischen mit Fischmehl und dem Methodfeeder dauert es oft etwas länger bis sich der Fisch auf den Futterplatz einstellt. Generell gilt es vor dem Fischen sich darüber im Klaren zu sein, dass man beim Fischen mit dem Methodfeeder keine prall gefüllten Setzkescher erwarten kann, sondern sich eher die kapitalen Exemplare des Gewässers als Ziel ausgesucht hat, und hierbei gilt „Gut Ding will Weile haben". Zu Beginn zieht Andree einen Boilies mit Annanas Geschmack auf das Haar. Hierzu führt er die Quick Stop Nadel in das Quick Stop Gummi des Hair Rigs ein. Dann fädelt er den Miniboillies auf die Nadel auf, und schiebt diese dann auf das Haar.


Step 1 - die Nadel in den Quick Stop einführen

Part 1 des Anköderns wäre damit abgehandelt. Es folgt nun das befüllen des Methodfeeders. Hierzu braucht man einen Methodfeeder und einen passenden Mould. Durch einen Farbcode kann man relativ leicht erkennen, welche Mould zu welchem Feeder passt. Zu Beginn legt Andree den Köder in die Form und beginnt diese dann mit dem Futter zu befüllen. Nachdem die Mould befüllt ist, presst Andree den Feeder in die Form. Jetzt dreht Andree den Mould um und presst den Feeder mit dem dafür vorgesehenen Knopf aus der Form. Fertig ist der Methodfeeder in dem der Köder nun perfekt eingebettet ist.

Befüllen
Step 1 - der Miniboilies wird in den Mould gelegt

Andree wirft den Köder aus und legt die Rute in die Ablage, den Rutengriff immer in greifbarer Nähe. Während des Wartens auf den ersten Biss erhaschen wir einen Blick auf eine neue, innovative Idee aus dem Hause Preston. Andree besitzt die neue CarryAll Tasche, die auf den Namen Monster Tackle and Accessory Bag hört! Die Tasche ist aufgeteilt in drei separate Taschen. Diese Taschen lassen sich dann über einen pfiffigen Aufbau zusammenfalten und dann kompakt transportieren. Sicherlich ist diese Tasche eine gute Lösung der Probleme von vielen Anglern.

Accessory Bag
Besticht durch ein innovatives Konzept - das Monster Tackle and Accessory Bag

Zurück zum Fischen. Hier zeigt sich wiedereinmal, das Theorie und Praxis beim Angeln oft zwei ungleiche Brüder sind. Heute ist es so, das die Fische sehr schnell auf dem Futterplatz erscheinen und es dauerte nur eine knappe halbe Stunde bis die Feederspitze das erste Mal energisch herumgerissen wird. Andree nahm routiniert, und sehr ruhig, Kontakt zum Fisch auf und drillte den Fisch langsam zu Richtung Kescher. Vor dem Kescher zeigte sich dann eine schöne Brassen von über 3 Pfund, ein wirklich gelungener Start.


Fisch Nr.1 eine schöne Brassen der Klasse 3 Pfund +

Die nächsten Minuten vergehen ohne weiteren Biss, Andree testen ob kleinere Fische am Platz sind. Hierzu wechselt er das Vorfach und nutzt ein Haken an dem er die Maden direkt beködert. Aber auch auf diesen Köder gibt es erstmal keine Bisse, es scheint als ob die Fische nicht in Fresslaune sind. Weitere 20 Minuten später wechselt Andree wieder auf ein Haarvorfach und ködert dort jetzt einen Pellet an, diesen zieht Andree genau wie ein Boilie auf eine Nadel und schiebt den Pellet dann auf das Haar.


Andree hat immer eine kleine Ausfall an selbstgeundenen Haken vorrätig

Den Feeder befüllt und dann ab auf den Futterplatz mit dem Köder. Kurz nachdem Köderwechsel auf einen Pellet wird der nächste Biss durch eine energische Bewegung der Rutenspitze Richtung Fisch signalisiert. Andree hat seine Nerven weiterhin im Griff und nimmt langsam Kontakt zum Fisch auf, die wütenden Flucht lässt auf einen weiteren guten Fischen vermuten, so dass Andree sich beim Drill etwas Zeit nimmt. Vor dem Kescher kommt ein Fisch um die 2,5 Pfund zum Vorschein, der jedoch durch das gerade abgehaltene Laichgeschäft ziemlich ramponiert aussieht und in ein paar Wochen sicherlich einiges über 3 Pfund wiegen wird.

Der Fisch des Tages, eine etwas ramponierte Laichbrasse
Der letzte Fisch des Tages, eine etwas ramponierte Laichbrasse

An den Lippen des Fisches war zu erkennen, das er auf dem angebotenen Futter gestanden hat und es dort aufgenommen hat. Der Haken hing perfekt in der Lippe des Fisches und saß dort bombenfest, ein mehr als vertraueneinflössendes Bild.

Perfekt gehakt durch den Fixed Feeder
Perfekt gehakt durch den Fixed Feeder

Durch den Erfolg bestärkt köderte Andree erneut einen Pellet an und warf auf den Futterplatz aus. In den nächsten Minuten konnten wir verstärkt Aktivität von Kleinfischen an der Oberfläche ausmachen, unsere Rutenspitze blieb jedoch ruhig. Nach einigen weiteren Köderwechseln ohne Biss, beschlossen wir unsere Sachen zu packen. Die Zeit war schon weit vorgeschritten und es stand noch eine 1,5 stündige Heimreise an.

der letzte Auswurf
Der letzte Auswurf in die Dämmerung

Das Fischen war interessant und ich denke das gerade in Gewässern mit einem überproportionalen Bestand an Kleinfischen das Fischen mit den Boilies oder Pellets eine sehr interessante und ergiebige Methode sein kann, um die oftmals vorhandenen aber nicht zu fangenden Großbrassen und Karpfen zu überlisten. Das Futter auf Fischmehlbasis muss an jedem Gewässer ausprobiert werden, denn gerade dort, wo viele Karpfenangler unterwegs sind, verspricht es Erfolg, handelt es sich bei dem Futter doch im Grunde um zerkleinerte Boilies. Nicht jedes Gewässer ist ein Fischmehl Gewässer, doch ein Versuch lohnt sich, erst recht, wenn das Gewässer nicht zu tief ist.

TopTipp

Möchten Sie Fischmehlfutter in tiefen Gewässern, oder mit der Schleuder an der Matchrute, fischen, dann empfiehlt es sich das Futter mit einem traditionellen Futter zu mischen. In England ist der Mix aus einem Teil Etang und einem Teil Sonusbaits Supercrush Green ein richtiger Renner und hat schon viele gute Ergebnisse hervor gebracht. Wichtig ist es hierbei die beiden Futtersorten getrennt von einander anzumischen, und erst dann zu Mixen, wenn beide Futter für sich angelfertig angerührt sind.

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