Sommerbarben mit Kopf- und Feederrute

  • von Achim Tomasits
  • 03. August 2011 um 00:51
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Sie ist eine der kampfstärksten Fische in unseren Gefilden und bietet dem Angler einen wahrlich großen Sport – die Barbe. Die rasanten Fluchten und die große Ausdauer der Bartelträgerin fordern uns Angler wie kaum ein anderer Fisch in unseren Gewässern. Die immer besser werdende Wasserqualität der deutschen Flüsse bieten exzellente Voraussetzungen für das Gedeihen der Barbenpopulation und Stückgewichte bis zu 5 kg sind längst keine Seltenheit mehr. Ein gezielter Ansitz auf diesen Schwarmfisch können dem engagierten Petrijünger Sternstunden in seinem Angelleben bescheren.

Der Main bei Trennfeld – fischreiches Gewässer im Norden Baden-Württembergs
Der Main bei Trennfeld – fischreiches Gewässer im Norden Baden-Württembergs

Anfang Juli – das Thermometer zeigt in den vergangenen Tagen Werte an, welche doch sehr an die Temperaturen in Spanien zur besten Urlaubszeit erinnern, 35 Grad bieten nicht gerade gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ansitz auf unseren Zielfisch. Nichtsdestotrotz verabredeten sich Jayson Greatorex  und ich uns am idyllisch gelegenen Main in der Nähe von Trennfeld, einer Stadt im Grenzgebiet von Baden-Württemberg und Bayern, um auf die kampfstarken Barben zu angeln. Wir wollten diverse Angeltechniken testen, der erste Tag stand ganz im Zeichen der langen, unberingten Stippruten. Für diese Session suchten wir uns einen Bereich oberhalb einer Schleuse aus und hofften hier die Barben anzutreffen. Für einen erfolgreichen Ansitz sind einige Vorbereitungen zu treffen, hierzu zählt in erster Linie ein auf den Zielfisch abgestimmtes Futter. Hier bietet die Firma Browning ein sehr fängiges Barbenfutter an – Easy Cheesy. Dieses Futter ist mit seinem Käsearoma prädestiniert für den Fang der Bartelträger und bietet des Weiteren anderen Großfischen reichlich grobe Partikel, welche die Fische lange am Angelplatz halten. Zusätzlich kann dem Futter noch das Additiv Big Fish zugegeben werden. Die Zugabe erfolgt meistens dann, wenn das Beißverhalten der Fische nachlässt und die Fische wieder zum Anbiss verleitet werden sollen. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Barbenfang ist der Einsatz von reichlich Lebendködern, hier ist der Einsatz von geklebten Maden besonders erfolgsversprechend. 2-3 Liter Maden für einen 4 stündigen Ansitz sind gerade richtig, das hört sich im ersten Moment recht viel an, bedenkt man aber, dass die Barbe ein Schwarmfisch ist und in Trupps von 50 Fischen und mehr am Futterplatz auflaufen können, ist diese Menge durchaus berechtigt. Die Anfangsfütterung besteht aus 10 Futterbällen und 2 Bällen mit Kies geklebten Maden.

Futtermischung  
Futtermischung 02
Die Futtermischung

Futtermischung:
3kg Easy Cheesy von Browning
400g Hanf, gekocht
1 Beutel Additiv Big Fish von Browning
3 Liter Maden geklebt (mit Kies und Madenkleber)

Zur Vorbereitung gehört selbstverständlich auch die Auswahl des richtigen Angelgerätes, zu feines Material lassen den Traum vom Fang einer Barbe schnell platzen oder schlimmsten Falles die Gerätschaften zerbersten. Die Abstimmung des verwendeten Materials sollte daher sehr sorgfältig vorgenommen werden.

Für das Angeln mit der langen Stipprute empfiehlt sich folgende Zusammenstellung:
13 m Steckrute, robuste Carp-Modelle sind zu bevorzugen
2,5 mm Hollow-Elastic
Strömungsposen bis 8g
Lutscherposen ab 8g
0,20 mm Hauptschnur
0,18 mm Vorfach
stabiler Rundhaken der Größen 12-8

Die Posen sollten den Strömungsverhältnissen angepasst werden, bis 8g werden dickbauchige Strömungsposen mit Stahlkiel und dicker Plastikantenne, über 8g Lutscherposen wie z. B. der Exner Butterfly oder der Cralusso Torpedo verwendet. Falls die Barben exakt auf dem Futterplatz stehen, sind Lutscherposen zu bevorzugen. Mit ihnen kann exakter blockiert werden und diese Posenform ist durch den geringeren Wasserwiderstand einfacher zu handeln. Auch hat es sich herauskristallisiert, dass am Anfang des Angelns leichtere Strömungsposen das Auffinden der Barben erleichtern. Die Pose wird dann so eingestellt, dass der Köder 10-15cm über den Grund schleift. Dies hat zum Ersten den Vorteil, dass auch andere Fischarten beim Durchlaufen der Pose durch die Futterspur angesprochen werden und zum Zweiten kann beim Eintreffen eines Barbenschwarms die exakte Stelle für das gezielte Beangeln dieser Fische herausgefunden werden. Erfolgt dann ein Anbiss einer Barbe wird beim nächsten Trieb auf  eine Lutscherpose umgestellt und statisch exakt auf der Stelle der Köder präsentiert, an welcher der Anbiss erfolgte. In den meisten Fällen halten sich an dieser Stelle noch mehr Barben auf und es kann mit weiteren Anbissen gerechnet werden. Wichtig ist es dann, kontinuierlich geklebte Maden und Futter einzubringen, um die Fische in Fresslaune zu halten. Dies erfolgt in der Regel mit einem Cuping-Kit, da mit diesem punktgenau gefüttert werden kann und die Fische sich auf diesen speziellen Punkt konzentrieren lassen.

Der Lauf der Pose wird konzentriert beobachtet
Der Lauf der Pose wird konzentriert beobachtet

Als Köder werden 5-7 Maden auf den Haken gebracht, Versuche mit Kombi-Ködern wie z. B. Mais-Made, Wurm-Made oder auch der Einsatz von speziellem Teig bringen ebenso Erfolg. Auch der Einsatz von diversen Dipps reizen die Barben zum Anbiss, besonders fischige Aromen oder bei warmen Wasser Fruchtaromen sind für unsere Zielfische unwiderstehlich. Man sollte kontinuierlich verschiedene Dipps im Wechsel ausprobieren, selbst wenn ein Dip erfolgreich ist, können die Bisse nach ein paar Fischen ausbleiben. Hier kann ein Wechsel auf einen anderen Dip das Misstrauen der Fische gegenüber dem Köder minimieren und die Bisse erfolgen wieder. Hat eine Barbe nun den Köder genommen, kann der Tanz beginnen. Die Fische kennen nach dem Anbiss nur eine Richtung – ab zur Flussmitte. Jetzt ist das Können und Geschick des Anglers gefragt, eine Barbe mit 3kg entwickelt ungeahnte Kräfte und ist nicht ganz einfach an der Pole zu bändigen. Die richtige Materialzusammenstellung erleichtert den Drill ungemein und gibt dem Angler des Weiteren die benötigte Sicherheit. Die Karpfenmodelle unter den langen Stippruten besitzen die nötigen Aktion um die Schläge der Barbe abzufangen. Gepaart mit einem adäquaten Elastic und passender Hauptschnur kann der nötige Druck aufgebaut werden und der Fisch kann sicher über den Kescherkopf geführt werden.

Schöne Barbe kurz vor der Landung 
Schöne Barbe kurz vor der Landung

Eine weitere, sehr erfolgreiche Angelmethode stellt das Angeln mit der Feederrute und Futterkorb dar. Für den zweiten Angeltag suchten wir uns eine Angelstelle mit einer stärkeren Strömung als am Vortag aus. Gerade wenn die Fische nicht ufernah sondern sich eher direkt in der Hauptströmung aufhalten ist diese Angelart zu wählen. Wichtig hierbei ist, analog zum Angeln mit den langen Stippruten, das richtige anlegen des Futterplatzes. Zuerst sollte eine Angelstelle gefunden werden, bei welcher der Untergrund sauber, sprich frei von Muschelbänken oder anderem Unrat ist. Hat man so eine Angelstelle gefunden, wird die Hauptschnur in den Clip der Rolle fixiert, so erhält man bei jedem Wurf immer die exakte Entfernung. Diese Angelstellen haben wir heute in Entfernungen zwischen 45 und 50m gefunden, mitten in der Fahrrinne der Schiffe.

Anvisieren der Angelstelle – genaues Anwerfen ist sehr wichtig
Anvisieren der Angelstelle – genaues Anwerfen ist sehr wichtig

Gerätezusammenstellung:         
Futtermischung:
Feederrute heavy, WG –150g

1,5kg Easy Cheesy von Browning
Weitwurfrolle 6000er Größe

100g Hanf gekocht
0,25mm Hauptschur (monofil)

100g Hanfmehl geröstet
0,18-0,22mm Vorfach, 1m
1 Liter Maden
Edelstahlfutterkörbe 60-100g
(je nach Strömungsverhältnissen)

1 Beutel Additiv Big Fish
abgedunkelt mit brauner Futterfarbe
12-8er Haken, stabiler Rundbogen

 

Eine große Auswahl von Feederspitzen
Eine große Auswahl von Feederspitzen – entscheidend für eine optimale Bisserkennung

Gegenüber dem Futter für das Angeln mit der Stipprute differenziert sich das Futter für das Fischen mit der Feederrute in einigen Punkten. Damit sich das Futter zügig aus dem Futterkorb löst, wird das Futter trockener angemischt und zusätzlich wird dem Futter noch Hanfmehl zugegeben. Durch den hohen Fettanteil des gerösteten Hanfmehls wird das Futter aktiver, d. h. die Bindung wird reduziert und es entstehen grundnah kleine Futterwolken. Der gekochte Hanf wird nicht sofort in das Futter eingebracht, sondern in kleinen Portionen mit jedem Futterkorb. Die Zugabe des Additivs erfolgt ebenso durch das direkte einstreuen in den Futterkorb, jedoch erst wenn die Bisse nachlassen. Beim Anfeuchten des Futters sollte penibel darauf geachtet werden, dass das Futter nicht übernässt wird, die Zugabe von Wasser sollte daher sparsam dosiert in kleinen Mengen erfolgen. Ein zu stark klebendes Futter verliert seine Lockwirkung, löst sich zu langsam aus dem Futterkorb und die Fische verlieren schnell ihr Interesse daran. Zu Anfang des Angelns werden 5-10 Körbe mit Futter und Lebendködern ausgebracht, dies erfolgt in einem schnellen Rhythmus. Der Ablauf dieses Füttervorgangs gestaltet sich wir folgt: Auswerfen – Korb ca. 5 Sekunden liegen lassen – mit 2-3 schnellen Anschlagbewegungen den Futterkorb leeren. Nach der Vorfütterphase wird dann das Vorfach montiert und mit den Ködern bestückt. Die Frequenz des Auswerfens des Futterkorbes ist zu Anfang des Angelns recht hoch, d. h. in der ersten halben Stunde bleibt der Korb nicht länger als 2-3 Minuten liegen. Erfolgt dann kein Anbiss wird der Futterkorb eingeholt und neu befüllt. So wird kontinuierlich ein Futterplatz angelegt und gewährleistet, dass beim Eintreffen der Barben genügend Futter und Köder vorhanden sind. Nach dem Prozedere der ersten halben Stunde verlängert sich dann die Phase zwischen dem Auswurf und dem Einholen des Futterkorbes, bis zu 10 Minuten wird der Korb dann auf dem Futterplatz liegen gelassen. Diese Frequenz wird natürlich erhöht, falls ein Schwarm unserer Zielfische die Angelstelle entdeckt haben. Dann ist es wichtig, einen großen Anteil an Lebendködern/ Maden einzubringen, um die Fische am Platz zu halten.

Barbe
Schöner Fisch nach spannendem Drill

Beim Angeln mit der Feederrute muss mit der gleichen Konzentration zu Werke gegangen werden wie beim Angeln mit den langen Stippruten. Der Anbiss der Barbe kommt so vehement, dass bei der kleinsten Unachtsamkeit die Rute sich aus der Feederablage verabschiedet und auf  Nimmerwiedersehen im Wasser verschwinden kann. Auch muss beim Drill der Barbe bei den ersten Metern der Flucht darauf geachtet werden, dass der Fisch die „richtige“ Richtung einschlägt. Der Angler muss versuchen den Fisch in seine Richtung zu bewegen, dies kann nur mit einer exakt abgestimmten Ausrüstung erfolgen. Hierzu wird die Feederrute in einem steilen Winkel aufgestellt und kein Centimeter Schnur nachgegeben. Dies hat zur Folge, dass die Barbe sich für den Weg zum Angler entscheidet und somit der Drill positiv für den Angler gestaltet werden kann. Genau hier spielt eine Rute mit parabolischer Aktion ihre Vorteile aus, sie federt die erste Flucht ab und lenkt die Barbe in die „richtige“ Richtung. Jetzt gibt es eigentlich nur noch eine brenzlige Situation und zwar kurz vor der Landung im Nahbereich. Hier entwickelt die Barbe ihre letzten Kraftreserven und es ist ratsam, diese Fluchten durch entriegeln der Rücklaufsperre der Rolle abzufangen. Der Drill mit der Rücklaufsperre hat gegenüber dem Einsatz der Rollenbremse den Vorteil, dass die Hauptschnur nicht verdrallt und die Dosierung der Schnurfreigabe exakter erfolgt. Diese Drilltechnik erfordert zwar ein wenig Übung, doch die Vorteile liegen klar auf der Hand und es lohnt sich allemal, sich diese spezielle Drilltechnik anzueignen.

Ein Netz voller kampfstarker Bartelträger
Ein Netz voller kampfstarker Bartelträger

Nach zwei schweißtreibenden aber auch fischreichen Tagen beenden wir unsere Barbentour am Main mit der Erkenntnis, dass mit den richtigen Vorbereitungen und einer entsprechenden Ausrüstung der Fang dieser kampfstarken Fische dem Angler ein großer Sport geboten wird.
Ende August geht es dann zur Feeder-Weltmeisterschaft nach Italien wo es ähnlich heiß hergehen wird, denn dort warten kampfstarke Karpfen auf uns.


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