Carassio - Karauschen in flachen Gewässern

  • von ct Redaktion
  • 14. August 2012 um 17:05
  • 3
Da gibt es nur Karauschen! "Nur", ein Wort, zwei Bedeutungen. Einerseits das mitleidige "nur", das bedeutet, dass es sich dort nicht zu angeln lohnt, da es dort keine "ordentlichen" Fische, nichts für die Pfanne oder wenigstens in respektabler Größe zu fangen gibt, sondern eben nur Karauschen. "Nur" Karauschen kann andererseits aber auch heißen, dass ausschließlich Karauschen in dem Gewässer leben, ein Teich voll dieser kleinen, kompakten Kämpfer, dem sogenannten Bauernkarpfen. Wahnsinn, also nichts wie hin.

Meist wird von Karauschen gesprochen, doch oft sind es Giebel, die sich in den kleinen verschlammten Gewässern tummeln. Giebel haben 28-32 (also größere) und Karauschen 32-35 (also kleinere) Schuppen entlang der Seitenlinie. Sie sind sich allerdings sehr ähnlich und daher war es uns auch egal, ob es nun Karauschen oder Giebel sein würden, Hauptsache der Tipp mit dem Gewässer voller Fische ging auf.

Karauschen oder auch Giebel sind sehr nervöse Fische und dementsprechend müssen sowohl die Futtertaktik als auch die Montagen passen. Meist kommen sie im Schwarm und flitzen kreuz und quer über den Futterplatz. Eine im Zentrum des Futterplatzes positionierte Montage erzeugt dabei viele Fehlbisse bzw. Schnurschwimmer, so dass es ratsam ist immer am Rand des Futterplatzes seinen Köder anzubieten. Die Bisse kommen kurz und knapp und so schnell die Pose auch verschwunden ist, so schnell taucht sie auch wieder auf, sofern das Abtauchen nicht mit einem reaktionsschnellen Anhieb quittiert wurde.

Die Pose Perfect Gardon und der Milo T195
Eine gute Wahl für flache Gewässer und kleine Kämpfer. Die Pose "Perfect Gardon" und der "Milo T195"

Karauschen sind in allen Wassertiefen aktiv und es ist entscheidend, wie der Köder eingesetzt und präsentiert wird. Unter der Hauptbebleiung sollten sich daher 3 bis 4 sehr kleine Fallschrote (Gr. 10 bis 12) befinden und nicht selten beißen die Fische beim ganz langsamen Einsetzen der Montage bereits im Mittelwasser.

Ein Bulk und 3 oder 4 kleine Fallschrote der Größe 10 bis 12
Ein Bulk und 3 oder 4 kleine Fallschrote der Größe 10 bis 12 - vergrößern -

Vor uns lag ein kleiner, trüber und wohl auch sehr verschlammter Tümpel, der wohl nur wenige Angler im Jahr sieht und das Angelgerät musste zu dem am nächsten gelegenen Platz durch einen Wald von Brennnesseln getragen werden, Natur pur also. Es gab einige aussichtsreichere Plätze, für die wir unser umfangreiches Gerät allerdings nochmal genausoweit durch Brennnesseln und Mückenschwärme schleppen mussten, so dass wir uns entschieden auf diesem ersten Platz unser Gerät aufzubauen. Ein bisschen Skepsis machte sich breit, denn hinten links im Teich gab es ein schönes Seerosenfeld und hinten rechts einige im Wasser liegende Bäume. Die Sonne brannte vom Himmel und vielleicht wollten die Karauschen (oder doch noch andere Fische?) lieber etwas Schatten? Wir entschieden uns für die schnelle Variante, einen Kompromiß, der uns alle Möglichkeiten offen ließ. Das hieß Kiepe hinstellen ohne groß aufzubauen, Futter anrühren, die Kopfrute mit einer Montage rausschieben, loten, dann anfüttern und sehen, was passiert. Zeigen sich in der nächsten Stunde Fische so war die Wahl in Ordnung, passiert nichts, wechseln wir den Platz.

Ein kleiner, ca. 1 Hektar großer verschlammter Teich
Ein kleiner, ca. 1 Hektar großer verschlammter Teich

Das Loten machte nicht gerade Hoffnung, denn in 6 Metern Entfernung vom Ufer war es gerade mal 30 Zentimeter tief. Eigentlich dachten wir, dass wir nicht auf voller Länge angeln müssten, doch Richtung Teichmitte wurde es immer tiefer. Auf 13 Metern waren es schon satte 50 Zentimeter und dorthin flogen dann auch 5 mandarinengroße Futterkugeln mit einigen Maden. Beim Futter setzten wir auf viele hungrige Mäuler und vielleicht doch den einen oder anderen Bonusfisch in Form eines Karpfens oder einer Schleie.

Passendes Futter, Aroma und natürlich Mais
Ein grobes, helles Großfischfutter, dass durch die Zugabe von relativ wenig Wasser nur wenig Bindung haben sollte wurde somit angefeuchtet. Im Einzelnen bestand die Mischung aus den Futtersorten aus dem Hause Van den Eynde.
  • 1 kg Van den Eynde Big Fish
  • 1 kg Van den Eynde Catch
  • 200 Gramm Van den Eynde gelbes Brotmehl
  • 0,5 Liter Liquid Aroma Big Fish

Also eine klassische Großfischmischung, die auch für Karauschen passt und die wir aufgrund der geringen Wassertiefe nur sehr vorsichtig anfeuchteten, denn bei einer Zugabe von zu viel Wasser bindet das Futter zu stark. In unserem Fall sollte es sich aber entweder als Futterball geformt schnell auflösen oder aber auch ungedrückt mit dem Polecup eingebracht als Säule ins Wasser stellen und langsam auf die Schlammschicht legen. Eine Futtertaktik, die natürlich bei wenigen, kleinen oder auch nicht-karpfenartigen Fischen in einem derart flachen Gewässer schnell nach hinten losgehen kann und eher einen Scheuch- denn einen Lockeffekt mit sich bringt.

Bisher hatte sich im gesamten Teich noch nicht ein Fisch gezeigt und wir waren gespannt, ob sich auf unserem flachen und dazu sehr schlammigen Futterplatz Fische einfinden würden. Doch sie kamen. Wie aus dem Nichts war auf einmal ein quadratmetergroßer Blasenteppich auf dem Futterplatz und mit zwei Maden am 14er Haken dauerte es nicht lange, bis die erste Karausche im Keschernetz zappelte. Na also, der Platz war in Ordnung, der restliche Aufbau konnte beginnen. Zwei Topsets mit Posen von 0,5 und 0,75 Gramm plus einem Polecupkit sollten genügen, Kiepe, Anbautische, Schirm, Setzkescher Futter und Köder konnten platziert werden.

Maden, Mais und Würmer kommen als Köder zum Einsatz
Maden, Mais und Würmer kommen als Köder zum Einsatz

Ab und zu kam eine leichte Brise über den See, die die Wasseroberfläche kräuselte, so dass die Wahl bei zusätzlichem Sonnenschein auf eine nicht zu feine Posenantenne fiel. Die Perfect Gardon mit Stahlkiel und etwas stärkerer Glasfiberantenne war hier genau richtig, denn eine zu feine Antenne könnte schlecht zu sehen sein und auch die verschiedenen Köder brachten noch einiges an Eigengewicht mit und durften die Antenne nicht unter Wasser ziehen. Bei der geringen Wassertiefe ist die Pose zudem nicht zu lang und steht durch den Stahlkiel sehr schnell und sehr stabil im Wasser. Mit einer 14er Hauptschnur sollte eigentlich nichts passieren und an das Ende des 12er Vorfachs kam ein 14er T195 von Milo. Ein Haken, der keinen Fisch wieder loslässt und mit dem wir auch auf der sicheren Seite sind, wenn größere Fische unseren Köder nehmen.

Drei Futterplätze werden angelegt. Auf 13 Meter und jweils rechts und links vor dem Schilf
Drei Futterplätze werden angelegt. Auf 13 Meter und jeweils rechts und links vor dem Schilf

Spontan und situationsbedingt wurde die Taktik festgelegt. Neben einer auf Karauschen abgestimmten Futtermischung hatten wir als Köder Maden, Mais und Würmer dabei und bei einem derart flachen Gewässer und keinerlei Kenntnis, was besser oder schlechter funktionieren könnte, entschieden wir uns drei Futterplätze mit jeweils verschiedenen Ködern anzulegen. Geradeaus hatten wir bereits auf 13 Metern mit Futter und Maden gefüttert, so dass wir noch jeweils einen Futterplatz rechts und links vom Angelplatz aufbauen wollten. Zur linken Seite lagen in 10 Meter Rutenentfernung und 5 Meter vom Ufer einige Zweige im Wasser. 30 Zentimeter war es hier tief und der Platz wurde mit einer kleinen Kugel Futter und einigen Maiskörnern vorgefüttert. Rechts waren ca. 6 Meter vom Ufer entfernt in 11 Metern Rutenlänge einige Schilfhalme im Wasser. 5 Zentimeter tiefer war es dort und gefüttert wurde eine halbe Polekappe frisch geschnittener Würmer. 
Würmer werden frisch geschnitten
Würmer werden frisch geschnitten

Die Tiefen wurden auf den Topkits markiert und nun konnte es losgehen, die Futterplätze im Wechsel befischt werden. Möglicherweise sollte sich ja auch ein Karpfen für die Maiskörner oder eine Schleie für die Würmer interessieren, die Spannung stieg. Auf dem 13 Meter Platz stiegen immer noch Blasen auf und einige Fische von 200 bis 500 Gramm konnten über den Kescher gezogen werden.

Eine gute 300 Gramm Karausche
Eine gute 300 Gramm Karausche


Der Maisplatz zeigte bisher keine Reaktion, doch die Schilfhalme auf dem rechten Platz wackelten ab und zu. Dort kam die 0,5 Gramm Montage mit einem halben Wurm am Haken zum Einsatz. Bündig ausgelotet tauchte die Pose auch hier ab und eine weitere Karausche konnte über den Kescher geführt werden.

Bei dieser sehr geringen Wassertiefe brauchte jeder Platz nach dem Haken eines Fisches einige Zeit um sich zu erholen. Maximal zwei Fische konnte man fangen, dann war erst einmal Pause. Daher war die Strategie drei Futterplätze anzulegen genau richtig, denn nach jedem zweiten Fisch konnte nachgefüttert und der Platz gewechselt werden.

Mais war heute keine Option
Nur wenige Maden kommen in den Polecup
Mais war heute keine Option
  Nur wenige Maden kommen in den Polecup

Allerdings gab es keine Bisse auf ein Maiskorn auf dem mit Mais vorgefütterten Platz. Entweder waren keine Fische da, oder sie wollten einfach keinen Mais. Ein Versuch mit Maden brachte dagegen sofort einen Fisch, so dass wir diesen Platz ab sofort nur noch mit losen Maden aus dem Polecup befüttern wollten.

Es zeigte sich, dass die Karauschen nicht auf alle Aktionen gut reagierten. Mit der Schleuder auf die 13 Meter Bahn geschossene Maden hatten eine zu große Streuung und die Bisse wurden spärlicher, so dass dieser Versuch, die Fische auf einer größeren Fläche massiv zu aktivieren fehlschlug. Dazu wollten die Karauschen auch nicht nur Köder, sondern immer auch gerne mal ein Futterbällchen bzw. wie wir im Laufe der Zeit feststellten pures, nicht gedrücktes Futter. Die gedrückten Futterkugeln verschwanden möglicherweise im sehr weichen Schlamm und lose gecupptes Futter legte sich auf die Schlammschicht. Zudem erzeugte es eine Wolke, die die Karauschen zum Fressen animierte.

Das Futter wird teilweise ohne Köder gefüttert
Das Futter wird teilweise ohne Köder gefüttert


Es zeigte sich, dass es auch besser war eine beangelte Stelle nicht noch einmal vor dem Platzwechsel nachzufüttern, sondern sie lieber nach einem gefangenen Fisch in Ruhe zu lassen. Effektiver war es, einen Futterplatz zu befüttern und dann direkt auf ihm zu angeln. Futter und Köder schienen die Fische sofort anzuregen und Fressneid auszulösen, so dass man umgehend mit Bissen rechnen konnte. Maximal drei Fische galt es zu fangen, dann war der Spuk vorbei und der Futterplatz musste gewechselt werden.

Nach drei Stunden war das Netz gut gefüllt
Nach drei Stunden war das Netz gut gefüllt

Am Ende war dann doch trotz anfänglicher Skepsis ein ordentliches Netz voller kompakter und kampfstarker Karauschen geworden. „Nur“ Karauschen? Nein, keine einzige Karausche, es waren „nur“ Giebel.

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3 Kommentare
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  • grabenangler
    aus Varel
    Klasse Berichte!
    Danke für diese beiden Berichte. Einmal der über das Ukeleiangeln und der letzte jetzt über`s Karauschenangeln. Gut auch mal Berichte zu lesen, die nicht durch die jeweilige farbige Brille eines Herstellers verfast sind! Das Angeln auf Giebel ist übrigens eine kurzweilige und Laune machende Angelei. Wer diese kleinen Kraftpakete an feinem Geschir je drillen durfte, wird dies bestätigen. Danke noch mal der ct Redaktion für solche Berichte!
  • Praxx
    Berichtqualität
    die Qualität der Berichte in der letzen Zeit ist wirklich gut. Ganz Besonders möchte ich hier den Bericht über das Ukeleifischen hervorheben, dazu noch der Karauschenbericht. Vielen Dank an die Autoren für die hervorragende Arbeit. Darf ich vielleicht eine Frage stellen. Ich habe die Organisation Champtions-Team.de noch nicht wirklich verstanden. Wer betreibt die Seite und machen die Mitarbeiter dies hauptberuflich? Danke und Grüße
  • René
    aus Dessau-Roßlau
    Super Bericht!
    Sehr interessanter Bericht über eine Fischart, die in unseren Breiten selten Beachtung findet (oder gefangen wird?). Die Fotos sind Extraklasse! Ich habe auf anderen Angelseiten noch keine besseren gesehen. Großes Lob für die Mühe und den nicht ungefährlichen Einsatz!