Englandreise Teil 3 - Unterwegs mit Des Shipp - Part 2

  • von ct Redaktion
  • 03. Mai 2012 um 10:19
  • 2

Genug der Theorie, jetzt wird geangelt.

Zu Beginn fütterte Des 6 Bälle aus Futter mit einigen Castern, Maden und geschnittenen Würmern auf die 13m Bahn. Neben den geworfenen Bällen cuppte er noch 4 sehr köderreiche Bälle in die Mitte seines Futterplatzes. Dazu schoss er 10 Bälle auf die Matchrute, diese Bälle waren durchsetzt mit Ködern und wesentlich „reicher“ als die geworfenen Bälle auf der 13m Bahn.

Ein Ball für das Zentrum des Futterplatzes
Ein Ball für das Zentrum des Futterplatzes

Die kurze 7,5m Bahn befütterte er gar nicht. Auf unsere Frage, warum er die 7,5m Bahn als Option nicht gleich mitfütterte, antwortete Des dass er sich sehr sicher sei, dass die 13m Bahn „laufen“ würde und er die Fische nicht zwischen den Bahnen zerstreuen will. Würde er weniger Vertrauen in die 13m Bahn haben, dann hätte er die kurze Bahn gleich mitgefüttert.

2 tote Maden - der Köder mit dem Des das Fischen begann
2 tote Maden - der Köder mit dem Des das Fischen begann

Des begann mit dem Fischen und setzte seinen Hakenköder (2 tote Maden) sauber auf dem 13m Platz ein, natürlich  begann er typisch „britisch“ und fischte mit dem Köder bündig. Bei über 5m Wassertiefe braucht die Pose einen Moment um sich komplett aufzustellen, doch Des dauert es  dieses Mal ein bisschen zu lange und er setzt einen Anhieb. Der Doppelgummizug nimmt seine Arbeit auf und nach knapp 30 Sekunden gleitet der erste kleine Brassen (in England werden Brassen dieser Größe „Skimmer“ genannt) in den Kescher. Er beginnt sofort mit einer Erklärung wie er sich den Futterplatz vorstellt. Da sich die Pose beim ersten Einsetzen gar nicht erst aufstellt hat, geht er davon aus, das eine Menge Fische auf dem Futterplatz stehen bzw. die Fische ein bisschen über dem Grund stehen.

Was kann dieses bedeuten:

  • Stehen sehr viele Fische auf dem Platz, so wird es mit ziemlicher Sicherheit zu einer Menge „Phantombisse“ kommen. Die Pose geht unter – oder zur Seite weggezogen, der folgende Anschlag geht jedoch ins Leere, oder der Drill endet nach einigen wenigen Sekunden. In England nennt man diese beiden Phänomene „Liner“ (Schnurschwimmer) oder „Foul Hooked“ (gehakt). Entkommen kann man dieser Problemen nur mit der richtigen, angepassten Futtertechnik.
  •  Die Fische stehen über dem Grund und nehmen den Köder beim Absinken. Sinkt der Köder jedoch ohne „Anfasser“ bis zum Grund ab, so ist nicht mit einem Biss zu rechnen. Die Fischen stehen nicht immer im gleichen Abstand zum Grund - stehen sie direkt über den Grund, so ist dieses gut, stehen sie 20cm-30cm über den Grund so ist dies auch noch gut, aber aus irgendeinem Grund (der Des auch nicht ersichtlich ist) lassen sich die Fische nicht fangen, wenn sie circa 10cm über dem Grund stehen. Natürlich ist es schwieriger herauszufinden in welcher Tiefe die Fisch gerade stehen, als das sie direkt auf dem Grund stehen und Fressen. Ziel ist es deshalb immer die Fische auf den Grund zu bekommen und dort dann zu beangeln. Wie bekommt man die Fische jedoch auf den Grund? Die Antwort darauf lautet, wie beim ersten Punkt „mit der richtigen Futtertaktik“. Doch aufgepasst, eine verkehrte Taktik verschlimmert die Situation und kann zu mehr Schnurschwimmer, gehakten Fischen, zu kleinen Fischen oder auch zu gar keinen Bissen führen.

Skimmer Nummer 1 ist im \"Anflug\"
Skimmer Nummer 1 ist im "Anflug"

Zurück zum Fischen… des weiß was er tut, und will den Fischen einige Minuten Zeit geben, sich auf den Futterplatz fallen zu lassen und lebt mit einigen Fehlbissen. Interessant ist, dass er, wie Will am Donnerstag, die Tiefe der Montage nicht nachreguliert, sondern immer weiter bündig fischt. Neben den Fehlbissen fängt Des immer noch eine Menge Fische und zwar ausschliesslich Brassen. Wir können sehen wie viel Spaß Des das Fischen bereitet und wie offen er Informationen und Wissen an uns weitergibt. An dieser Stelle möchten wir noch einmal erwähnen, das sowohl Will Raison, als auch Des Shipp wirklich nette Jungs sind. Bei Des hat man das Gefühl mit einem Freund zu fischen.

Die Gespräche mit Des waren sehr aufschlussreich
Die Gespräche mit Des waren sehr aufschlussreich

Während wir sitzen und Angeln kommt ein weiterer Angler zu uns und beginnt kurz mit Des zu quatschen, dann stellt er sich vor. Es ist Paul Dicks, der Vater von Callum Dicks, einem der erfolgreichsten englischen Jugendanglern. John bringt Des circa 3 Liter tote Maden und es entwickelt sich eine lustige kleine Konversation: Kontext „Bist du wahnsinnig, was soll ich mit soviel toten Maden“ „Diese Frage habe ich mir auch gestellt, aber ich weiß ja das Du verrückt bist!!" Ergebnis – beide trinken einen Tee und Lachen über sich selbst. Uns wird natürlich auch ein Tee angeboten, und während wir diesen Schlürfen, fängt Des wieder an zu angeln. Jayson behielt ihm dabei im Auge. Ich kam mit derweil mit Paul ins Gespräch. Paul betreibt einen Tackle-Shop in Bristol und wollte heute mit der Matchrute auf Brassen angeln, jedoch als er mitbekam, dass wir aus Deutschland kommen, war er sofort sehr interessiert und fragt uns ob wir die Weser und die Aller kannten. Er hatte dort in den 80zigern geangelt und schwärmte von den damaligen Fischen. Er erzählte von einem Event mit über 1000 Teilnehmern an der Weser und von einem Deutschen, der in diesem Fluss nicht zu schlagen war. Wir erklärten das wir aus dieser Ecke kommen und wissen, wer dieser Angler ist – Karl Heinz Bollmann. Wir erklärten ihm, dass es keine Schande war, gegen „Kalle“ zu verlieren und das er auch den Anglern am Rhein so manche empfindliche Niederlage beigebracht hat und dies zu einer Zeit, wo die wahrscheinlich besten Flussangler Europas vom Rhein kamen. Paul bedankte sich für das Gespräch und den Tee und ging zurück zu seinem Angelplatz.

Des verlor während der Gespräche nie den Fokus auf das Angeln
Des verlor während der Gespräche nie den Fokus auf das Angeln

Des fing weiter Fische und ich fragte Jayson was in der Zwischenzeit passiert war. Jayson erklärte, dass Des nun weniger Fehlbisse hatte und etwas besser Fisch fing. Des erklärte dies mit dem Umstand dass jetzt weniger Fisch am Platz sei und sich diese kleine Anzahl besser beangeln ließe. Für mich war das ein neuer Gedankengang - "Zuviel Fisch auf dem Futterplatz" - bisher ging ich immer dem Gedanken nach "je mehr - desto besser". Bei  Gewässern mit einem "normalen" Fischbestand mochte dieses auch so sein, bei Gewässern mit einem grossen Fischbestand (z.B. Silokanal, SPK, Main, Donau) war dies jedoch scheinbar ein Fehler. Ein Zuviel an Futter und Ködern machte den Futterplatz zu aktiv, Folge waren Schnurschwimmer und gehakte Fische. Allerdings ist der Grad zwischen einem „Zuviel“ und einem „Zuwenig“ an Futter sehr schmal. Die Lösung könnte sein: "kleine Mengen füttern aber dafür häufig". Dann würden wir aber das Problem bekommen, welches uns Will am Donnerstag erklärte - die Fische würden anfangen dem Futter entgegen zu steigen - dies wollen wir jedoch nicht, denn unser Ziel ist es, die Fische am Grund zu halten. Wie man sieht ist das Ganze ein Drahtseilakt, und diesen Akt beherrscht kaum ein Angler so gut wie die Mitglieder des Team Drennan England.

Neben der Köderpräsentation sicherlich das Wichtigste beim Fischen - das Nachfüttern
Neben der Köderpräsentation sicherlich das Wichtigste beim Fischen - das Nachfüttern

Nach circa 30 Minuten war es auch für Des an der Zeit nachzufüttern, dies geschah ausschließlich mit dem Pole Cup. Die Futterbälle waren durchsetzt mit Maden und Castern, sowie toten Maden. Des drückte die Bälle relativ fest, wollte er doch nicht, dass sich zu viele Partikel im Mittelwasser lösten und die Fische vom Grund gezogen werden. Er cuppte zwei Bälle nach und begann zu Fischen. Sofort häufte sich die Anzahl der Fehlbisse wieder, konnte er kurz vor dem Füttern noch nahezu 100% der Bisse verwerten, so sank die Rate jetzt auf 60-70%. Da die Pose sich nach dem Füttern nicht mehr richtig hinstellte, ging Des davon aus, dass die Fische über dem Grund standen. Er vermutete das er nicht genügend Anreize geschaffen hatte um die Fische auf den Grund zurück zu bekommen. Von daher beschloss er zwei weitere Bälle nachzucuppen. Es dauerte circa 5 Minuten und die Rate der verwandelten Bisse verbesserte sich wieder auf 90%. In der Zwischenzeit wurden die Fische jedoch etwas kleiner und Des vermutete, dass sich die Fische mittlerweile auf die Würmer im Futter konzentrierten.

Des nimmt sich während des Angelns die Zeit um zu erklären was unter Wasser vor sich geht
Des nimmt sich während des Angelns die Zeit um zu erklären was unter Wasser vor sich geht

Bisher hatte Des fast ausschließlich mit zwei Maden als Hakenköder gefischt, auf Caster verzichtete er bisher fast komplett, um nicht bei jedem Fehlbiss neu anködern zu müssen. Er köderte einen viertel Dendrobena an, und auf die Frage warum er sich nicht einen Rotwurm auf seinem Wurmmix suche, entgegnete er, dass der Dendrobena im Frühjahr und Sommer sein bevorzugter Wurmköder sei und der Rotwurm erst im Herbst, bei schlechteren Beißverhalten zum Einsatz komme. Mit dem neuen Hakenköder setzte Des die Montage ein, übrigens tat er dies auch nach circa 75 Minuten noch mit äußerster Akribie. Die Pose stand jetzt etwas länger als die üblichen 20-40 Sekunden, nach circa 1 Minute tauchte sie jedoch ab und der Anhieb wurde mit einer entschiedenen Flucht quittiert. Wir fragten ihn, ob er wieder einen Fisch gehakt hatte, er verneinte dies jedoch und verwies auf einen guten Fisch. Wie immer hatte er recht und ein Brassen der 3 Pfund-Klasse glitt in seinen Kescher.

Ein grosser Brassen - gezeichnet vom Laichgeschäft und trotzdem noch 3 Pfund schwer
Ein grosser Brassen - gezeichnet vom Laichgeschäft und trotzdem noch 3 Pfund schwer

Auch bei den nächsten Einsätzen setzte Des auf einen Dendro als Köder und das Durchschnittsgewicht der Fische stieg spürbar an. Nicht jeder Fisch war ein Brocken, aber die Anzahl der besseren Fische nahm stark zu. Des cuppte nach weiteren 10 Minuten wieder 4 Bälle Futter nach und diesen Rhythmus, also alle 20 Minuten 4 reiche Bälle, hielt er auch während der nächsten 60 Minuten bei.

Gummis in Aktion - Des hat den richtigen Rhythmus gefunden
Gummis in Aktion - Des hat den richtigen Rhythmus gefunden

Des schien jetzt einen Rhythmus gefunden zu haben - dieser war ein guter Mix aus einer kurzen Wartzeit zum Biss, wenig Fehlbisse und einer guten Größe der Fische. Während er weiterhin Fisch auf Fisch fing, machte ich mich auf den weg zu Paul. Dieser saß circa 50m rechts von uns und fischte wie angekündigt mit der Matchrute. Schnell viel mir auf, dass ein vertrauter Duft in der Luft lag, es roch nach süßem Futter. Erstaunt fragt ich Paul ob er denn nicht mit Fischmehlfutter fischen würde. Paul antwortet das er „natürlich“ mit Fischmehl angelt, er sein Futter aber mit einer Tüte Lake vermischt hatte. Ich nahm die Mischung in Augenschein, bei der Mischung handelte es sich laut Paul um ein Gemisch aus Supercrush Green von Sonusbait und ein Sensas Lake (Etang), zusätzlich hatte Paul sein Futter mit 2mm Pellets von Sonusbait versetzt. Ich beobachte ihn und konnte sehen, dass er ähnlich gut wie Des auf der Kopfrute fing, natürlich nicht ganz in der hohen Frequenz. Wir plauderte noch etwas und ganz nebenbei fütterte er noch sehr präzise seine Matchrutebahn, „gelernt ist gelernt“ dachte ich mir und verabschiedete mich von Paul für das nette Gespräch.

Ich ging zurück zu Des und fügte an, dass ich mich bald Richtung Flughafen verabschieden müsse und sprach noch einmal das Thema „Matchrute“ an. Wir fragten Des, ob er die Matchrute im Wettkamp auch sowenig befütterte hätte, wie er dies in den letzten 2 Stunden getan hatte? In einem Gewässer wie diesem, an dem die Kopfrute eine solch sichere Option ist, würde er auch im Wettkamp voll auf die Kopfrute setzen und die Matchrute erst bei Bedarf nachfüttern. Auf unseren Wunsch hin fütterte er aber noch einmal auf die Matchrute und begann dort 15 Minuten später zu angeln.

Die Matchrute ist eine gute Alternative an jedem Baggersee, auch in England
Die Matchrute ist eine gute Alternative an jedem Baggersee, auch in England

Wie schon weiter oben beschrieben angelte Des in einer Entfernung von knapp unter 30 Metern. Das Angeln mit der Matchrute ist bei ihm keine Hexerei, alles sieht sehr einfach, flüssig und präzise aus. Die Futterbälle landen alle in einem kleinen Areal, nicht perfekt aber gut. Von der Pose ragt die Spitze gut sichtbar raus, ist aber nicht hypersensibel im Wasser. Geht die Pose unter, so schlägt Des mit einer sanften Bewegung nach seitlich-oben an, nach dem Anhieb geht die Rutenspitze Richtung Wasseroberfläche und er drillt den Fisch ruhig (take your time) zum Kescher. Wie schon geschrieben, alles geht sehr ruhig, flüssig und präzise von statten, Hektik und unkoordinierte Bewegungen sieht man kaum.

Ein Anschlag - vollkommen ohne Hektik
Ein Anschlag - vollkommen ohne Hektik

So kann Des dann auch rasch einige schöne Brassen an der Matchrute landen. Die Fische meinen es an diesem Tag gut mit uns und haben sich nicht über die Wassertiefen der Angelstelle verteilt. Schon nach wenigen Futterintervallen mit der Schleuder findet Des den richtigen Rhythmus und das richtige Verhältnis von Futter und Köder. Es macht Spaß ihm beim Fischen zu beobachten, bei jedem Anschlag verneigt sich seine wundervolle, klassische Matchrute bis in das zweite Teil und der Fisch am anderen Ende hat immer wieder das Nachsehen.

Die Matchrute arbeitete im Drill bis in das Teil 2
Die Matchrute arbeitete im Drill bis in das Teil 2

Des behält jedoch die Ruhe und behandelt jeden Fisch, auch nach dem Hakenlösen, mit sehr viel Respekt (Will Raison hat übrigens genauso agiert, er wurde richtig sauer, wenn jemand einen gefangenen Fisch nicht mit dem nötigen Respekt behandelte). Ich schaute zur Uhr, es war mittlerweile viel zu spät und ich würde Probleme bekommen meinen Flieger zurück nach Hannover noch zu erreichen. Wir teilten Des mit, dass wir uns verabschieden mussten und baten noch um ein Gruppenfoto mit Des und den Fischen. Er kam unserer Bitte gerne nach und wir waren gespannt wie groß der Fang schlussendlich ausgefallen war. Sehen sie selbst.

Kein so schlechtes Ergebnis - circa 50 Pfund Brassen
Kein so schlechtes Ergebnis - circa 50 Pfund Brassen

 

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2 Kommentare
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  • BenniSR
    aus Bremen
    schon nicht schlecht.... der Bericht
    komme immer ins Grübeln wen nich lese, wie einfach und effektiv die Engländer Fischen/Denken und Fangen. Hat einer ne Idee warum die mit Dendros angeln und nicht mit Mistwürmern?
  • breamer
    Weltklasse!!
    Hallo,wieder ein weltklasse :-) Bericht!!! Sehr interessant. Weiter so. Grüße