Jeder Stipper sollte einmal im Leben nach England pilgern...

  • von ct Redaktion
  • 07. Mai 2012 um 09:34
  • 3
"Jeder Stipper sollte einmal im Leben nach England pilgern" titelte Champions-Team vor wenigen Jahren. Nun liegt sie vor uns – die Gold Valley Anlage. Es ist Sonntag in der Früh, der Parkplatz der Anlage völlig überfüllt und die Sonne lacht uns freudig ins Gesicht. An diesem Morgen finden verschiedene Wettkämpfe an den Teichen statt, so dass etwa 200 Angler sich auf dem Parkplatz tummeln und den Shop aufsuchen, um die nötigen Köder und Pellets zu kaufen. Wir entgehen dem ganzen Trubel und genießen nun mit John und Will Raison eine Tasse Kaffee. Sie erzählen uns, dass zur Zeit die Karpfen sehr vorsichtig beißen, da die Nächte noch zu kalt sind und so der Method-Feeder die erste Wahl der meisten Angler ist.

Jayson ist guter Dinge – aber an die kurze Aufbauzeit muss man sich gewöhnen
Jayson ist guter Dinge – aber an die kurze Aufbauzeit muss man sich gewöhnen

Nach der obligatorischen Begrüßung durch John geht es relativ schnell Richtung Angelplatz am „Syndicate Lake“. Die Engländer sind sehr freundlich und erzählen uns, dass wir auf der falschen Seite des Sees sitzen und dazu auch noch in der falschen Ecke und es wohl eher um Silverfish gehen wird. Wir lassen uns nicht entmutigen und auch Mark Goddard neben uns ist zuversichtlich, dass wir ein paar Fische fangen werden. Das Match beginnt und schnell kehrt Ruhe in unseren Bereich ein. Fast alle beginnen mit dem Method-Feeder, aber keiner bekommt Bisse. Nach etwa einer halben Stunde haben wir den ersten Skimmer und somit einen der ersten Fische gefangen. Weitere gute Bisse können wir nicht verwerten und so vergehen die ersten zwei Stunden wie im Flug. Die ersten Karpfen konnten mit der Feederrute gefangen werden und auch wir kommen nun an den ersten herbeigesehnten Karpfen. Doch das soll es vorerst auch gewesen sein.

16m sollten es schon sein, 14,50m sind pflicht!
16m sollten es schon sein, 14,50m sind pflicht!

Mark neben uns ändert die Taktik und fischt ausschließlich auf Silverfish. Schlecht für uns, denn unsere Informanten sagten uns, dass die Rotaugen nicht beissen würden und nur die Karpfen entscheiden würden. Nichtsdestotrotz schaffen wir es noch ein paar Pfunde Rotaugen und Skimmer zu fangen und so auf einem vorderen Platz abzuschließen. Hätten wir mehr Maden gehabt, um mehr Silverfish zu fangen, wäre das Treppchen möglich gewesen. Die meisten Angler fingen keinen Karpfen in unserem Sektor und auch die Rotaugen waren sehr launisch so dass wir mit unseren knappen zehn Pfund sehr zufrieden sind. Gegen die Endplätze, bzw. „Eckplätze“ ist man zu dieser Jahreszeit chancenlos, fischten sie doch Gewichte zwischen 45 und 72 Pfund. Interessant war zu sehen, dass alle Angler die gleiche Distanz für den Method wählten. Mittig des Sees verläuft ein Seil, welches beide Seehälften voneinander trennt und somit Streit unter den Angler vermeidet. Jeder Angler versuchte so dicht wie möglich an dieses Seil zu werfen und auch wir konnten unseren einzigen Karpfen dort fangen.  Auf der anderen Seeseite sah es schon etwas anders aus, musste man hier doch über 30 Pfund fangen, um weiter vorne zu landen. Auch hier wurden fast alle Karpfen mit dem Method gefangen und die Höchstgewichte kamen ebenfalls aus den Ecken.

Dauergäste mit absoluter Vorfahrt: heimische Tiere
Dauergäste mit absoluter Vorfahrt: heimische Tiere

Die anderen Teiche und Wettkämpfe brachten ähnliche Gewichte zwischen 30 und 60 Pfund. Ein Teich interessierte uns besonders – der „Middle Lake“, welcher der Austragungssee des morgigen Wettkampfes sein wird. Hier wurde fast nur Silverfish gefangen und das immerhin mit etlichen Gewichten über 30 Pfund. Gespannt auf das morgige Match und vielen neuen Informationen beendeten wir diesen Tag zwar nicht mit vielen Karpfen, jedoch vielen neuen Informationen und einer völlig anderen Welt des Fischens.

Die Nacht brachte Temperaturen um den Gefrierpunkt und dichter Nebel umgibt uns an diesem doch sehr kalten Morgen. Die Gesichter der Einheimischen verraten uns, dass jeder hier gespannt auf das Beißverhalten ist, denn niemand weiß, wie ein solcher Temperatursturz sich auf das Beißverhalten auswirken wird. Immerhin 22 Angler finden sich an diesem Montag (!) am „Middle Lake“ zusammen, um eine weitere Runde zu fischen. Die Regeln heute sind etwas verschärft, denn es sind nur Maden, Caster, Hanf und Pellets, sowie browncrumb (Brotmehl) erlaubt.

Ein typisches Ködertableau
  Zwei Setzkescher sind ebenfalls pflicht. Einer für die Skimmer, einer für die Karpfen. Im Sommer benötigt man bis zu 4 Setzkescher, da nur 80 Pfund in jeden maximal dürfen
Ein typisches Ködertableau   Zwei Setzkescher sind ebenfalls Pflicht

Das Fischen beginnt und die meisten Angler beginnen wieder mit dem Method nahe des Seils. Bereits nach einer halben Stunde werden die ersten Karpfen gefangen, allerdings nicht in unserem Bereich. Wir versuchen verzweifelt an die Rotaugen zu kommen, doch wir können keine erbeuten. Nach einer Stunde werden immer mehr Karpfen gefangen und auch die ersten ein, zwei Karpfen in unserem Bereich, so dass wir umplanen und auch den Method fischen. Völlig in Gedanken, wie man an die Karpfen kommen könnte weckt uns ein lautes Platschgeräusch und wir sehen unsere Feederrute bereits im Wasser. Im letzten Moment bekommen wir das Handteil zu greifen und kommen so doch noch an unseren Karpfen. Die Engländer neben uns amüsieren sich köstlich über uns und geben uns den Rat, niemals die Rute aus den Augen zu verlieren.

Impressionen zum Match
Impressionen zum Match - Slideshow -

Allgemein sind die Engländer sehr freundlich und sprechen uns an, geben uns Tipps und klären mit uns die Regeln. Nach den Fischen geben sie ohne Widerworte ihre Strategie preis und erzählen, was warum wieso nicht funktioniert hat. Am Ende haben wir eine schöne Lehrstunde erhalten und können uns mit knappen 8 Pfund zwar glücklich schätzen, denn knapp die Hälfte der Angler fing weniger, jedoch gab es wieder einige, welche Gewichte bis 72 Pfund fingen. Immerhin schafften wir es als einer der wenigen noch eine handvoll Skimmer zu fangen. Beim Nachfragen erzählt man uns, dass heute der Method nicht die optimale Wahl war. Besser war es, mit einem normalen Futterkorb zu füttern und dann mit einem Bodenblei und 8mm Pellet auf dem Futterplatz zu fischen. Warum die Karpfen den Method oder normalen Futterkorb nicht nehmen wollten, konnte uns keiner sagen, allerdings fingen die Angler, welche die oben beschriebene Methode fischten ihre Karpfen und kaum einer von denen fing unter 20 Pfund. Ebenfalls fanden wir keine Antwort darauf, warum die Rotaugen überhaupt nicht beißen wollten.

Gut, wenn man in der richtigen Ecke sitzt und weiß, was man machen muss
  Gut, wenn man in der richtigen Ecke sitzt und weiß, was man machen muss
  Gut, wenn man in der richtigen Ecke sitzt und weiß, was man machen muss
Gut, wenn man in der richtigen Ecke sitzt und weiß, was man machen muss

Wir sprachen mit Dave Johnson über unsere Fänge, denn er konnte immerhin 29 Pfund fangen und er verspricht uns, am morgigen Tag eine andere Anlage aufzusuchen, wo normalerweise nur Wettkämpfe gefischt werden und wir bestimmt unsere Karpfen auf der Kopfrute bekommen werden.

Dave mit einigen schönen Karpfen
Dave mit einigen schönen Karpfen - Slideshow -

Auch Dave benutzt ein „Fighting-Top“
Auch Dave benutzt ein „Fighting-Top“
unerlässlich für eine schnelle Landung des Karpfens - vergrößern -


Gesagt getan, finden wir uns am nächsten Morgen auf der „MBK Fisheries“ wieder. Die Zeit ist knapp und so beginnen wir unter der Anleitung von Dave im flachen Wasser direkt am Ufer zu fischen. Das besondere an diesem Teich ist, dass die Fische nicht gefüttert werden und somit die Kleinfische sich gierig auf alles Fressbare werfen. Deswegen wir hier viel mit Frühstücksfleisch gefischt, doch selbst dieses bringt nur kleine Fische. Zu Beginn fangen wir sofort einige Karpfen doch dann brauchen wir zwei Stunden, um uns auf die neue Situation und den neuen Teich einzustellen und können lediglich in der letzten Stunde alle paar Minuten ein paar Karpfen fangen. Am Ende haben wir dann doch ein gutes Netz voller Karpfen und hätten wir erst alle Fische bekommen, welche auch gehakt wurden…

Jayson im Drill eines guten Karpfens
Jayson im Drill eines guten Karpfens - Slideshow -

Auch dieser Englandtrip findet nun sein Ende und wenn man bedenkt, dass wir Anfang März haben, konnten wir doch ein paar gute Fische fangen. Viele Engländer versicherten uns, dass wir nur zwei oder drei Wochen später wesentlich mehr Fisch gefangen hätten und im Sommer sogar an die 100 Pfund im Wettkampf auch in der Mitte.

Am Ende gab es dann doch noch ein paar Karpfen. Hier zusammen mit dem Besitzer Kenny Wright, welcher uns erlaubte, an seinen Teichen zu fischen
Am Ende gab es dann doch noch ein paar Karpfen.
Hier zusammen mit dem Besitzer Kenny Wright, welcher uns erlaubte,
an seinen Teichen zu fischen


Wenn wir die letzten Tage überblicken, dann haben wir eine Menge über das Karpfenfischen gelernt. Sei es den richtigen Mix zwischen Silverfish und Karpfen zu finden, die richtigen Montagen zur richtigen Zeit zu verwenden oder die richtigen Köder einzusetzen. Das Karpfenfischen sowohl mit der Kopfrute, als auch mit der Feeder ist weitaus mehr, als einfach an einem Teich zu sitzen und ein paar Karpfen zu fangen. Wir hatten eine Menge Spaß, trotz der Tatsache, dass wir nicht jeder 100 Pfund fangen konnten. Die Engländer sind sehr freundlich gegenüber Gästen und sehr hilfsbereit. Viele sind interessiert an der Angelei in Deutschland und wenn wir ihnen erzählten, dass wir vorwiegend breitere und tiefere Kanäle in Deutschland vorfinden, so waren sie vielerorts der Meinung, dass dort einen Menge größerer Karpfen als in England sein müssen. In diesem Sinne können wir jedem Leser empfehlen, sich einmal Gedanken über eine mögliche Reise ins Mutterland des Fischens zu machen. Vielleicht bereits dieses Jahr?

Mehr davon bald auf Champions-Team..
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3 Kommentare
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  • stratmann
    Wenn CT das sagt.....
    ...werde ich im Herbst auch mal rüber fahren. 1 Woche mit Familie im Anglers Paradise in Devon. Mal schauen, was das gibt! Eure Berichte machen mich echt neugierig.
  • Jayson
    FIGHTING TOP
    Sehr starke karpfen topkit
  • BenniSR
    aus Bremen
    Fishing Top
    was ist denn ein Fishing Top? Ist das ein anderes Wort für einen Puller Kit?