Leserreise zum Gold Valley Lake in England

  • von ct Redaktion
  • 08. Januar 2013 um 23:58
  • 5

Als ich wieder einmal auf der Champions-Team Homepage unterwegs war, sah ich die Ankündigung einer Leserreise zum Carpodrom von Will Raison.

Mein englischer Angelkollege Paul schwärmte schon seit Jahren davon, wie toll die Angelei in seiner Heimat ist und versuchte unser Team seit langem zu einer Überfahrt zu überreden. Als wir uns dann einige Tage nach der CT-Ankündigung  wieder einmal zum Angeln trafen, stand eigentlich alles bereits fest. Die Telefonkette lief heiß und meine Angelkollegen Paul, Kevin und Ingo hatten die Teilnahme bereits fest im Blick. Am späten Nachmittag habe ich mich dann gleich bei Jayson gemeldet und mich über alle Modalitäten informiert. Wir hatten Glück und vier Plätze waren noch frei. Damit war es fast schon getan. Jayson hatte bereits alles organisiert und die Planung (Hotel, Angelkarten usw.) komplett übernommen. Er hat außerdem eine Facebook-Gruppe passend zur Reise eingerichtet, in der ein erstes Kennenlernen stattfand und wo auch erste Informationen zur Angelei an uns weitergegeben wurden. Später erstellte er dann, in Zusammenarbeit mit Dave Johnson (Matchangler.com),  ein Schreiben mit allen Informationen  über Gegebenheiten vor Ort und benötigtem Material. Dies umfasste neben Regelwerk auch Einkaufsmöglichkeiten, Reiserouten, Informationen zu Fähren und auch Gepflogenheiten, die in England beachtet werden sollten. Kurzum wir hatten einen Rundum-Service und mussten uns um fast nichts selber kümmern.

Lesereise zum Gold Valley


Ablaufplan:

Donnerstag    25.10.2012  Anreise, Kennenlernen in der Hotelbar
Freitag  26.10.2012  Lehrgang mit Will Raison und Trainingsfischen
Samstag  27.10.2012  Wettkampf Deutschland gegen England
Sonntag  28.10.2012  Evtl. Wettkampf, Abreise


Bereits im Vorfeld wurde aber schon abgesprochen, dass die meisten von uns bis Montag bleiben wollten, um Sonntag noch ausgiebig fischen zu können.

Donnerstag
Bereits am Mittwochabend haben wir unsere beiden Autos gepackt um am nächsten Morgen zügig starten zu können. Wir trafen uns um 06:45 Uhr um die knapp 450km von Dortmund Richtung Calais zu bewältigen. Die Anfahrt verlief reibungslos und wir trafen bereits gegen halb eins am Hafen in Calais ein. Nach mehreren Passkontrollen erfuhren wir, dass wir bereits eine Fähre früher fahren konnten und nicht auf die ursprüngliche Fahrt um 14:25 Uhr warten müssten. Das ist so üblich. Wenn Platz ist, nehmen die Fährgesellschaften die Fahrgäste auch gerne früher mit (zu spät kommen wird allerdings richtig teuer!).

Die Überfahrt verlief sehr ruhig, da wir nur wenig Wind und Wellengang hatten. Trotzdem lief Kevin im Gesicht sprichwörtlich  grün an. Er konzentrierte sich von nun an auf den Horizont und sprach seinem Magen beruhigend Mut zu.

Dank der Zeitverschiebung (England hinkt eine Stunde hinterher) waren wir bereits kurz nach zwei in England und konnten uns auf die letzte Etappe von ca. 225km  Richtung Premier Inn Hotel in Aldershot aufmachen. Der Linksverkehr war dabei nicht problematisch, nur die vielen mehrspurigen Kreisverkehre brachten uns das ein oder andere mal ins Grübeln.

In Aldershot angekommen fuhren wir aber dann doch nicht direkt zum Hotel, sondern erst bei den Gold Valley Fisheries vorbei. Der Drang zum Wasser hin war einfach zu groß und die Spannung greifbar. Vor Ort haben wir uns die Seen und den Tackleshop dann genauer angesehen. Letzterer war zwar klein, aber wirklich perfekt auf die Angelei am See eingerichtet. Wir konnten nicht widerstehen und haben uns kräftig mit Pellets, Haken, Gummizügen und weiterem Gerät eingedeckt.

Anschließend ging es Richtung Hotel, das nur 2km von der Anlage entfernt war. Auch dort gab es nichts zu beanstanden. Die Zimmer waren sauber und gut eingerichtet. Neben einem bequemen Bett gab es noch Fernseher und Badezimmer, samt Badewanne und Dusche. Direkt nebenan gab es einen Supermarkt, der 24/7 (also immer!) geöffnet war.

Am Abend begaben wir uns dann wie verabredet in die Hotelbar und trafen zum ersten Mal persönlich auf die anderen Teilnehmer. Inklusive Jayson war unsere Gruppe 13 Mann stark. Die Teilnehmer kamen aus Thüringen, NRW, Niedersachsen und sogar aus Österreich. Unsere Ösis Chris und Michi waren bereits am Sonntag zuvor angereist und hatten seitdem fleißig trainiert. Umso mehr hatten sie schon jetzt zu erzählen. Neugierig lauschten alle den beiden zu um erste Tipps zu ergattern.  Bei einem gemeinsamen Essen und dem ein oder anderem Bier lernte man sich dann näher kennen. Die Stimmung war super und wurde dann noch getoppt, als Jayson uns unsere „Geschenktüten“ überreichte. Jeder Angler erhielt eine kleine Grundausstattung bestehend aus Schnur, Pullabungs, Gummizug, Posen, Methodfeeder und vielem mehr, damit es Freitagmorgen gleich losgehen konnte.

Freitag
Nach einem sehr guten Frühstück mit Ei, Speck, Würstchen und Toast -auf Bohnen und Tomatensoße verzichtete ich gerne-, machten wir uns gemeinsam um 8 Uhr auf den Weg zur Anlage. Dort erwartete uns bereits Will Raison im Bistro. Bei einem Kaffee hieß er uns willkommen und gab eine kleine Einführung über die erfolgreichen Methoden am Gold Lake, wo wir fischen sollten. Will machte sich allerdings große Sorgen über das Wetter. Nach einem tollen Herbst mit Temperaturen über 20°C hatten wir heute um 10°C, und der Wetterbericht für morgen sagte noch eine deutliche Verschlechterung voraus.

Will erklärte uns, dass er bei diesen Wetterverhältnissen möglichst wenige Futterspuren aufbauen würde. Bis vor einer Woche war es kein Problem erfolgreich die Kopfruten-, Waggler-, Bomb- und Methodfeederspur parallel zu befüttern und somit  Fänge bis 177 Pfund zu erzielen. Nun seien wir vollkommen in der Winterangelei angekommen, und Sorgenfalten machten sich breit. Solange die Temperaturen konstant sind –egal wie hoch oder niedrig- beißen die Karpfen im See, Temperaturstürze mögen sie aber gar nicht, erklärte er uns. Will riet uns einfach nur eine Spur bei 20-25m regelmäßig mit Pellets zu beschießen. Auf dieser kann dann mit dem Splashwaggler (dicker Waggler) und mit der Feederbomb (Blei als Freilaufmontage) gefischt werden. Mit ersterem wird ca. 50-60cm unter der Oberfläche gefischt. Die Karpfen steigen vom Grund  den sinkenden Pellets entgegen. Sollte dies nicht passieren, sinken die Pellets zum Boden und dort kann dann mit der Bleiolive (Bomb) gefischt werden. So hat man gleich zwei effektive Methoden auf eine Futterspur konzentriert. Als zweite Spur empfahl Will uns direkt mit dem Methodfeeder am Seil zu fischen. Dies teilt den See mittig in zwei Hälften und verhindert, dass gegenübersitzende Angler sich in die Quere kommen.

Will erklärte uns die Gegebenheiten am See
Will erklärte uns die Gegebenheiten am See - vergrößern -


Nach dieser theoretischen Einführung sind wir dann zu Wills vorbereiteten Angelplatz gegangen, wo er uns anschaulich Methoden und Gerät erklärte. Natürlich hat er Daiwa-Ruten aus der Airity-Reihe gefischt. Egal, ob Feeder oder Wagglerrute, alle waren 10“ (3m) lang und wiesen eine weiche, durchgehende Aktion auf.  Er demonstrierte uns die Zubereitung der hauseigenen –nur diese Pellets sind als Futterpellet erlaubt-  2mm Pellets und empfahl uns eine Mischung aus 50% 2mm Pellets und 50% Sensas Crazy Bait (Fischmehlfutter) für die Methodspur. Alternativ hat er einen Banjofeeder umgebaut an dem -mit Hilfe eines Gummibandes- ein PVA-Beutel samt Hartpellets befestigt werden kann.

Geräte- und Montagekunde in der Praxis
Geräte- und Montagekunde in der Praxis - Slideshow -


Nach dieser Einführung in die Grundlagen der Commercial-Angelei holten wir unser Angelgerät aus den Fahrzeugen und bauten auf. Dies ging bei den meisten Teilnehmern besonders schnell, da Will uns geraten hat die Kopfrute heute wegzulassen. Die Bedingungen würden dagegen sprechen. Während des Aufbaus eilte er dann zu seinem Bully und holte für alle Teilnehmer passende Köder heraus. Jeder bekam einen Beutel 2mm, 6mm und 8mm Pellets und 1 Dose Mais sowie 1 Beutel Sensas Crazy Bait Futter als Grundausstattung für diesen Tag. Auch hier wurde wieder an alles gedacht und wir hätten uns den Großeinkauf zuvor wirklich sparen können.

Nun baute jeder Teilnehmer seine Gerätschaften auf, und Will eilte von Platz zu Platz um uns Fit für den morgigen Samstag zu machen und uns heute einen guten Start in die englische Angelei zu bescheren. Fragen waren natürlich reichlich vorhanden und so wurde seine Hilfe auch gerne angenommen.

Ich habe mich dazu entschieden einfach mal mit der Bomb auf 20-25m zu fischen. Allerdings bemerkte ich schnell, dass das ganze schiefzugehen drohte. Meine 6mm Pellets haben einfach viel zu sehr gestreut und ich kam nicht weit genug raus. Während ich schon an meiner neuen Schleuder zweifelte gesellte sich Will zu mir und machte mir praktisch deutlich, dass heute die 8mm Pellets sehr viel besser für diese Methode geeignet waren. Sie sind einfach viel schwerer und fliegen dadurch auch genauer. Auch beim Punkt Futterrhythmus gab er wertvolle Tipps. Am Anfang ein paar schnelle Schüsse und danach unbedingt alle 3 Minuten 3-4 Pellets schießen. Auch wenn das viel erschien, so machte mir Will deutlich, würden die Fische davon nicht satt. Das Geräusch würde sie aber locken und ist unbedingt erforderlich. Selbst wenn ich mehrere Stunden nichts fangen würde, müsse ich immer weiter schießen. Desweiteren riet er mir unbedingt den Methodfeeder auf der weiter-entfernten Spur am Seil zu fischen. Dort würden zu Beginn die Fische stehen und vermutlich erst nach Stunden auf die kurze Bahn kommen. Will tat wirklich alles, damit wir zu unserem Karpfendrill kamen und hielt mit seiner Erfahrung nicht hinterm Berg. Es ging wie erwähnt auch darum uns Fit für den Wettkampf am Samstag zu machen.
 

Will tunt Michis Pelletwagglermontage   Unglaublich aber wahr- sofortiger Erfolg stellte sich ein
Will tunt Michis Pelletwagglermontage

Unglaublich aber wahr-
sofortiger Erfolg stellte sich ein


Natürlich habe ich Wills Tipps befolgt. Allerdings kam ich nicht dazu die lange Spur zu befischen, da sich schnell die ersten Bisse auf der Bombspur einstellten. Während ich nämlich noch die Methodfeederrute zusammenbaute, drückte ich meinem Angelkollegen Ingo, der sein Gerät erst mal zur Montage im Shop abgegeben hatte, meine Rute in die Hand und bot ihm meine Kiepe an. Schneller als jemals gedacht stieß er mich dann breit grinsend an und präsentierte mir eine bis ins Griffteil gebogene Rute. Das Resultat war ein Karpfen von 5-6 Pfund. Sichtlich nervös baute ich umso schneller die zweite Rute auf, während Ingo nur 1-2 Minuten später den nächsten Fisch im Drill hatte. Während er kurz vorher noch betont hatte, dass er nur sehr ungern feedern würde, kescherte er nun laut feixend seinen zweiten Karpfen, der bestimmt 8 Pfund aufwärts hatte. Meinen Platz wollte er natürlich so lange nicht mehr räumen, bis ich die zweite Rute fertig habe.

Eine Brasse später war es dann endlich auch so weit und ich konnte endlich Platz nehmen. Auch bei mir ging das Spektakel dann weiter. Am Ende des Tages füllten dann 4 schöne Karpfen, alle um 8 Pfund, und acht Brassen meine beiden Setzkescher. Es ist einfach ein riesiges Erlebnis einen schweren Karpfen an den dünnen Ruten zu bezwingen. Auch Will war die Zufriedenheit und die Freude an unserem Erfolg anzusehen. Alle Teilnehmer fingen vernünftige Fische und der Spaß daran war deutlich überall sichtbar.

Heinz mit gewaltigem Fisch   Toni konnte ebenfalls einen schönen Fisch zum Landgang überreden
Heinz mit gewaltigem Fisch und auch Toni konnte einen schönen Fisch landen


Meine persönliche Lehre aus den Erfahrungen vom ersten Tag ist, dass die Carpodrom-Anglei auf den ersten Blick einfach zu sein scheint. Simple Montagen und Methoden, wie man sie in jeder Zeitschrift sieht und die nicht schwer nachzubauen sind, fanden Verwendung. Allerdings entschieden dann aber doch die Kleinigkeiten über den Fangerfolg. Einige Teilnehmer versuchten ihr Glück z.B. mit dem Splashwaggler (häufig auch Pelletwaggler genannt). Mit einem 50cm Vorfach erfolgte kein einziger Biss. Mit einem 60cm Vorfach dagegen kamen diese dann plötzlich umso heftiger. Gleiches galt für die Bebleiung der Kopfrutenmontagen. Ein winziges Schrot mehr, 3-4 cm tiefer gestellt, und plötzlich klappte es mit dem Fischfang. Auch das Füttern spielte eine enorme Rolle. Wenig aber oft hieß hier die Marschroute. Um es klar auszudrücken: ohne Will Raison und seinen Helfern Jimmy Bullard (wem der Name bekannt vorkommt: Jimmy war bis vor kurzem Fußballprofi in der Premier League), Gary Mourant sowie Dave Johnson wäre dieser Tag bestimmt nicht so erfolgreich abgelaufen, wie er es dann war. Danke dafür!

Die Freude ist auch Coach Jimmy anzusehen.   Auch für Autogramme und Fotos von und mit Will war reichlich Zeit
Die Freude ist auch Coach Jimmy anzusehen
  Auch für Autogramme und Fotos von
und mit Will war reichlich Zeit


Samstag:
Direkt nach dem Aufstehen schaltete ich den Fernseher für die Nachrichten und den Wetterbericht ein. Leider stimmte die Vorhersage. Im Norden Englands (Durham) ist der erste Schnee gefallen und auch bei uns sanken die Temperaturen bis knapp an die Gefriergrenze. Dazu wurde nun auch noch Wind bis 60mph (also 100km/h) vorausgesagt. Ein Blick aus dem Fenster ließ dies leider wahr werden. Die Wolken rasten nur so über uns hinweg.

Trotzdem war die Stimmung beim Frühstück ausgelassen und wir schnatterten beinahe wie Gänse über den bevorstehenden Tag. Zwar musste Des Shipp seine Teilnahme kurzfristig absagen, weil er als Nachrücker bei einem hochdotierten Wettkampf einspringen konnte, doch boten Will Raison und Steve Gardener (beide mehrfache Weltmeister und Teammitglieder der englischen Nationalmannschaft) mehr als ausreichende Konkurrenz zu unserer deutschen „Anfängertruppe“.  Nun ging es um alles, Deutschland gegen England hieß die Parole des Tages. Im Bistro angekommen wurde zügig gelost. Dabei wurden die Angler so zugelost, dass Deutsche und Engländer immer abwechselnd saßen. Ich loste die 22, Ingo die 24. Als Will nach dem losen dann bekannt gab, er habe die twentythree (23) wurde mir ehrlich gesagt ein wenig bange. Er saß genau zwischen uns. Das kann ja nur schiefgehen, waren meine Gedanken. Getreu dem Motto „Bange machen gilt nicht“ machten wir uns auf den Fußweg zum Wasser auf.

Michi höchst zuversichtlich   Karl konnte sowieso Nichts aus der Ruhe bringen   Dave Johnson wusste schon vorher, dass es schwierig würde und schnitt große Mengen Würmer für die Barsche
Michi höchst zuversichtlich   Karl konnte sowieso Nichts
aus der Ruhe bringen
  Dave Johnson wusste
schon vorher, dass es schwierig würde...


Dort angekommen orientierten Ingo und ich mich dann wieder an Will, der die Kopfrute gleich ganz weg ließ und nur die kurzen Feederruten aufbaute. Da alles sehr schnell vonstattenging, kamen wir dann ins Plaudern über den heutigen Tag. Will teilte uns ein wenig traurig mit, dass heute doch der ein oder andere oF (ohne Fisch) vom Wasser gehen würde. Die Bedingungen wären zu schlecht. Man merkte ihm einfach an, dass er damit nicht zufrieden war. Er wollte unbedingt, dass wir unseren Spaß an der Angelei hätten und möglichst viel fangen sollten.

Geangelt wurde dann von 10:30 Uhr-15:30 Uhr. Eine ganze Weile geschah dann aber wie befürchtet nichts, bis Will eine erste Brasse mit der PVA-Methode kurz vorm Seil fing. Bei mir und meinem einsehbaren Umfeld herrschte leider weiterhin nur Funkstille. Kurze Zeit darauf  netzte Will dann noch eine Brasse ein, gefolgt von einem Karpfen von 4-5 Pfund.

Aus der Verlegenheit heraus begannen einige Teilnehmer dann einzelne, aber doch riesige Barsche zu fangen, die aber nur dazu taugten das oF vom Papier zu bekommen und beim Sieg keine Rolle spielten. Ich angelte weiter mit der Feederbomb. Die Barschangelei musste für mich nicht sein, schließlich bin ich ausgezogen um Karpfen zu fangen! Kurz darauf  wurde es ein wenig unruhig an unserem Teil des Sees und mein Blick wanderte am Ufer entlang. Die von mir an Ingo verliehene Matrix Carpmaster bog sich gewaltig im Halbkreis, nur unterbrochen von heftigen Stößen Richtung Seemitte. Auch wenn es sich keiner anmerken ließ, verfolgten doch alle den lang-anhaltenden Drill. Am Ende entpuppte sich der Gegner als 12 pfündiger Spiegelkarpfen, der Ingo sofort an die Spitze des Sektors katapultierte.  Als wisse er nun, wie es ging, fing Ingo dann noch 2 Brassen direkt in Folge, die auch bei Will hektisches Treiben hervorriefen.

Alleinig-führender im Sektor   … bis Ingo einen 12 Pfünder nachlegte
Alleinig-führender im Sektor ...   ... bis Ingo einen 12 Pfünder nachlegte


Sollte sich der „Meister“ etwa einem Deutschen geschlagen geben, der zudem gestern noch keine Ahnung vom Karpfenangeln hatte?! Es folgten 3 ½ Stunden Dauertelefoniererei mit den anderen englischen Teilnehmern, das immer wieder von Wills Rufen „Com´on Stevie, do it for England!“  (Komm schon Stevie, tu es für England!) unterbrochen wurde. Offenbar konnte Steve Gardener am anderen Teil des Sees recht gut fangen. Leider war bei uns weiterhin nicht viel los, bis Will, buchstäblich in letzter Minute, tatsächlich noch zwei Karpfen fangen konnte und somit die Niederlage verhinderte.

Bis auf die Knochen durchgefroren und vom Wind geschüttelt packten wir unser Gerät ein und eilten zum Bistro, wo schon warmer Kaffee auf uns wartete. Die Auswertung hing bereits schon am Board aus und hielt die eine oder andere Überraschung parat. Heinz Möller konnte sich, von uns unbemerkt, den Champions-Team Sieg mit über 18 Pfund sichern. In meinem Sektor siegte Will Raison mit 26-5-0 vor Ingo Möller mit 14-11-0.  Den Preis als bester Matchangler.com-Fischer errang Jimmy Bullard mit 45-1-0 vor dem Sektorensieger Jamie Harrison mit 29-3-0 und unserem Angelkollegen Paul Welford mit 18-5-0. Eindeutiger Gesamtsieger und Gewinner des Pokals wurde Angellegende Steve Gardener mit 49-14-0. Steve hat wie Will mit PVA Beuteln direkt vorm Seil gefischt. Dabei, so wurde mir berichtet, hat er wie alle anderen auch mit dem starken Seitenwind zu kämpfen gehabt, weshalb seine Würfe genauso ungenau wie bei uns auch ausfielen. Anders als die meisten wiederholte er aber seine Würfe so lange, bis der Köder genau dort lag, wo er ihn haben wollte, egal wie dies nach außen hin wirken mochte. Der  Weltmeister blieb cool und der Erfolg gab ihm recht!

Auf dem Weg zum Sieg!   Die Beute- ein Netz voller Karpfen
Auf dem Weg zum Sieg!
 
Die Beute- ein Netz voller Karpfen
Da wird wohl ein Weltmeisterpokal weichen müssen- Gesamtsieger Steve Gardener mit CT-Trophäe
Da wird wohl ein Weltmeisterpokal weichen müssen-
Gesamtsieger Steve Gardener mit CT-Trophäe


Am Abend resümierten wir den Angeltag bei einem gemeinsamen Umtrunk. Alle waren trotz des extremen Wetters hellauf begeistert. Das lag natürlich auch an den lockeren und redseligen Angelprofis, die mit ihrer Erfahrung nicht hinterm Berg hielten. Die lockere Stimmung in der Gruppe und der sympathische Umgang miteinander rundeten das Gesamtbild mit Sicherheit noch ab. In dieser Gruppe konnte man sich nur wohlfühlen.

Sonntag:
Der ursprünglich letzte Tag stand zur freien Verfügung. Unsere Österreicher Chris und Michi hatten noch 1300km vor sich und sind nach dem Frühstück bereits abgereist. Die restlichen Gruppenmitglieder sind dann wiederum zur Gold Valley Anlage aufgebrochen, wo heute ein Wettkampf stattfand. Der größte Teil der Gruppe begab sich zur entspannten Angelei an den Bungalow Lake bzw. Syndicate Lake, der andere Teil nahm am Wettkampf teil, der am Middle Lake und Gold Lake ausgetragen wurde. Ums vorweg zu nehmen: heute bekamen wir den Beweis, dass wirklich jeder Tag hier anders sein kann. Der Wind kam aus Richtung Westen und wehte nur schwach. Die Temperaturen stiegen um fast 10°C und ohne den Wind fühlte es sich dann nochmal erheblich wärmer an als am Vortag. Und genau dies schien den Fischen zu gefallen. Es wurde mehr als nur ordentlich gefangen. Im Wettkampf waren Gewichte deutlich über 50Pf die Regel und gleich mehrere Angler knackten die 100Pf Grenze. Der Sieger brachte sogar das Kunststück fertig weit über 150 Pfund zu fangen! Bestplatzierter Deutscher wurde Ingo Möller, der nur einen Fisch am Sektorensieg vorbeischlitterte und sich mit Platz zwei zufrieden geben musste. Offenbar hat er den Freitag sinnvoll genutzt, indem er seine Lehren aus den gemachten Beobachtungen gezogen hat und sein Gerät vor Ort optimal vorbereiten ließ. Aber auch Jayson und Paul konnten in ihren Sektoren teils gewichtige Fische fangen und so die deutsche Fahne hochhalten.

Paul   Jayson
Wussten auch im Wettkampf zu überzeugen
Paul und Jayson


Die Pleasureangler (Genußangler) an den beiden anderen Seen konnten sich ebenfalls nicht über Fischmangel beklagen und konnten neben Rotaugen und Brassen auch wieder ordentliche Karpfen fangen. Einfach unglaublich wie unterschiedlich zwei Tage verlaufen konnten. Insgesamt war der Sonntag genau das, was wir zum Abschluss brauchten. Viel Fisch auf allen Plätzen und strahlende Gesichter wohin man schaute.

Kevin E. mit schönem Karpfen vom Syndicate Lake   Georgs Schuppi steht dem in nichts nach
Kevin E. mit schönem Karpfen   Georgs Schuppi steht dem in nichts nach


Montag:
Schon früh machten sich die meisten Teilnehmer auf den Weg Richtung Fähre auf. Kevin, Paul, Ingo und ich hatten aber noch andere Pläne. Wir haben schon vorher besprochen, dass wir uns einmal einen englischen Angelladen ansehen möchten. Der wohl größte Englands befindet sich in Birmingham, namentlich Fosters of Birmingham. Nach ca. 2 Stunden Fahrt kamen wir an einer unscheinbaren Blechhalle an, die von außen aber viel eher einem Hochsicherheitstrakt als einem Angelladen glich. Mehrere Lagen Stacheldraht, Videokameras und Warnschilder prägten das Bild. Birmingham scheint ein hartes Pflaster zu sein. Schon auf dem Weg fielen uns die vielen „Zu-verkaufen-Schilder“ vor unzähligen Häusern auf.  Im Laden dann ein ganz anderes Bild. Überall wuselten Verkäufer durch den Laden, meist im kompletten Dress eines Geräteherstellers bekleidet. Die Telefone dort klingelten im Sekundentakt und wir mussten uns erst einmal vorsichtig umsehen. Im Grunde genommen war dieser Laden ein gut ausgerüsteter Angelladen wie es ihn in Deutschland auch geben könnte. Die Unterschiede wurden dann aber bei genauem Hinsehen deutlich. Einmal um die Ecke gebogen stand ich plötzlich vor einem Kopfrutenstand der seinesgleichen sucht. Neben einer Sitzkiepe lagen ca. 60-80 Kopfruten aller Preisklassen testbereit in den angrenzenden Regalen. Egal ob Sensas, Daiwa, Maver, Garbolino und Co, von allen Herstellern waren Ruten bis hin zum Topmodell direkt verfügbar. Ein Regal weiter gab es dann die passenden Ersatzteile. Was ein wenig chaotisch anmutete war im Prinzip eine riesige Schatzkiste. Rutenteile und Kits aller Hersteller aktueller und vergangener Modelle standen grob nach Marke sortiert in den Regalen. Das fing bei einer simplen Spitze an und endete dann bei 16m Teilen modernster Ruten. Auch einige ältere Modelle (wie z.B. die Browning Black Magic 3) hätten komplett aus Ersatzteilen zusammengebaut werden können. Gleiches galt auch für moderne Ruten wie die Sensas Powermatch Reihe oder Daiwa Airity. Einfach ins Regal greifen und Ersatzteil mitnehmen!

Ein Highlight waren für mich dann auch die ausgestellten Hardyruten. Das gesamte Komplettprogramm war vorhanden und das zu Preisen, die eigentlich dazu aufriefen den Geldautomaten qualmen zu lassen. Im Schnitt lag der ausgeschilderte Preis bei ca. 60% des in Deutschland üblichen Preises.

Die Preisgestaltung war insgesamt ein Punkt der uns als Deutsche erst ein wenig irritierte. Die ausgezeichneten Preise erschienen meistens auf den ersten Blick nichts Besonderes zu sein, bis deutlich wurde, dass einfach die VVKs ausgeschildert wurden. Bei einem persönlichen Gespräch mit einem der knapp 20 Verkäufer wurden dann Preisvorschläge gemacht, die uns beinahe in Goldgräberstimmung versetzten. Dabei lohnt es sich gemeinsam einzukaufen. So kostete z.B. ein einzelnes Daiwa Hydrolastic im Schnitt knapp 15 Pfund. Bei Nachfrage kam dann sofort ein Rabattangebot, wenn man mehrere kaufen würde. So wurden aus 15 Pfund mal eben 12 Pfund. Das gilt natürlich nicht nur bei Fosters, sondern überall in englischen Shops.  Wer  gezielt einen Großeinkauf machen möchte, sollte sich hier einmal umsehen und nicht scheuen das Gespräch mit den Verkäufern zu suchen.

Fazit
Im Gespräch mit den anderen Teilnehmern wurde deutlich, dass alle rundum begeistert waren. Trotz des harten Samstages war jeder richtig zufrieden. Schließlich gelang es ja auch jedem „seinen“ Karpfen zu fangen und erste Erfahrungen an einem der bekanntesten Seen Englands, in Begleitung von echten Superstars der Szene, zu sammeln. Dabei mussten wir einsehen, dass das Wetter nicht planbar ist und deshalb Fangergebnisse von oF bis weit über 100 Pfund innerhalb weniger Stunden Differenz möglich sind. Für mich war auch überraschend welchen Einfluss winzige Veränderungen bei der Montage oder auch beim Füttern haben können. Karpfenstippen ist offenbar ein aktives Angeln bei dem persönliche Entscheidungen eine sehr viel größere Rolle als der Faktor Glück spielen. Dazu gehört aber auch eine Menge Erfahrung. Die Karpfen im See waren nicht die „einfältigen“ Rüssler, die ich ursprünglich an einem Commercial erwartet hätte.  Das wir dann doch noch einige schöne Fische überlisten konnten war mit Sicherheit Verdienst unserer Helfer.

Am Ende waren wir uns einig, dass wir gerne wiederkommen würden und haben Will direkt gebeten, einen Termin in einer etwas konstanteren Jahreszeit möglich zu machen. Trotz seiner vielen internationalen und nationalen Verpflichtungen sagte er spontan zu. Sobald es einen Termin gibt, wird er auf der CT-Seite veröffentlicht werden!

Gruppenfoto - Danke für die Superzeit mit euch!
Danke für die Superzeit mit euch!


Tipps:
An dieser Stelle möchte ich euch unbedingt noch ein paar Ratschläge geben, falls ihr ebenfalls mal einen Trip auf die Insel plant.

  • Tackle:
    Kauft im Vorfeld so wenig Angelgerät wie möglich. In England sind alle Angelläden auf die Commercialfischerei ausgerichtet und alles ist vorhanden. Gebundene Haken, Pelletwaggler, Bomb usw. gibt es en masse.  Vor Ort kaufen heißt hier tatsächlich Geld zu sparen. Ich habe mir dieses Jahr unnötige Gedanken über Gerätschaften, aber auch über Montagen gemacht und im Endeffekt hunderte Euros für überflüssiges Material rausgeworfen. Nehmt einfach eure Standardausrüstung (natürlich auf die Karpfenangelei abgestimmt) mit und ergänzt diese vor Ort. Die Händler wissen was gerade angebracht ist und bauen euch auch Gummizüge in eure Kits ein oder spulen die passende Schnur auf eure Rollen auf. Gerade am Gold Lake war die Geschichte dieses Jahr sehr einfach. Die Karpfen mochten Hardpellets an einer simplen Freilaufmontage. Alles andere war unnötig.
  • Raucher:
    Eine Packung Zigaretten kosten in England knapp 10€. Wer also raucht sollte seine Freimenge ausnutzen.
  • Fähre:
    Lieber früher als später ankommen. Zwar kann man meistens noch eine Fähre später als gebucht nutzen, doch verpasst man auch diese, dann steigt der Fahrpreis unglaublich in die Höhe. Also lieber früher losfahren und ggf. auch eine Fähre früher nehmen. Alternativ bietet sich auch der P&O Flexi-Tarif an. Man kann am gleichen Tag noch bis zu vier Stunden später fahren ohne Aufpreis zu zahlen. Bei langen Anreisen mit Staugefahr ist dies absolut empfehlenswert.
  • Verkehr:
    Der Linksverkehr bereitete keine Probleme. Ein wenig Umgewöhnung war in den vielen Kreisverkehren notwendig. Diese sind meistens 2-spurig angelegt. Die linke Spur ist für direktes Abbiegen gedacht, die rechte für alle weiteren Ausfahrten.

Einladung zur Gold Valley Experience 2013 (PDF)

Jayson Greatorex, der diese super Reise organisierte, hat über die Tage natürlich auch die Kamera laufen lassen und viele Eindrücke in einem Video zusammengefasst - zum Video

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5 Kommentare
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  • fishhunter
    aus Bruck an der Leitha
    Gold Valley
    Echt Super Bericht! Danke an die Organisation dieses tollen Events nur nette Leute dort kennengelernt, Danke Danke Danke
  • Teichstipper
    goldvalley
    Hallo zusammen, War eine tolle Reise bis auf das Wetter leider. Danke für alles. Gruß Kevin
  • Jayson
    Tolle bericht Markus!
    Ja, die einzige was ich nicht steuern konnte, war das Wetter aber... Naechste reise geht anfang Mai, da gehts hoffenlich ein tick warme/Stabile. Habe mit Will gestern telefoniert, Sonntag war hochst gewicht 150 pfund beim Open Match! Die nennen es ein Tropische Winter auf die Insel. Also wer will mit?
  • borchi
    Jayson...
    mensch Jayson, alter Tommy.... Das Du die deutsche Fahne wieder hoch hälst, bist halt schon ein halber Kraut :-) Ist schon eine schöne Angelei in good old England....
  • ToniWeise
    aus kahla
    GoldValley
    Super Bericht! es war wirklich eine rundum, perfekt organisiert reise. selten kann man sagen das es an nichts gefehlt hat, danke nochmal dafür!