Loten beim Feedern

  • von Stefan Orth
  • 25. Juni 2012 um 08:28
  • 3
Der Boom der Feederangelei ist nach wie vor ungebrochen. Land auf, Land ab, finden nahezu an jedem Wochenende während der Angelsaison Feederevents statt. Wer die Szene verfolgt, liest oft die gleichen Namen im vorderen Bereich der Ergebnislisten. Mit Zufall und Glück ist dies sicher nicht zu begründen. Zudem fällt auf, dass einige Plätze, oft sind es die Endplätze, teilweise deutlich bevorteilt sind. Das Los ist sehr wichtig für den Fangerfolg. Wie man am besten und glücklichsten lost, kann ich leider nicht verraten, allerdings möchte ich versuchen, in diesem Artikel dar zu legen, wie man seinen (zugeteilten oder gewählten) Angelplatz am effektivsten befischt. Ein wesentlicher Faktor für den Fangerfolg ist die richtige Wahl der Angeldistanz. Nur um diese zu finden, muss man seinen Angelplatz auch kennen und das bedeutet exakt ausloten. Dies gilt beim Angeln in der Reihe (Gruppe) ebenso wie für Einzelangler.

Eine Auswahl präparierter Feederkörbe
Eine Auswahl präparierter Feederkörbe

Ich möchte also erläutern, wie man seinen Angelplatz präzise und schnell auslotet. Allzu oft sehe ich Angler, die ihre Angeldistanz nahezu zufällig auswählen. Da wird irgendeine Entfernung gewählt und eingeclipt. Jetzt wird der Korb langsam über den Boden geschleift. Wenn der Grund sauber ist, der Korb sich also leicht und gleichmäßig ziehen lässt, ist das schon die gewählte Angeldistanz. Das ist wohl besser als nichts, mit loten hat es aber nicht nur wenig, sondern schlicht weg nichts zu tun. Sicher ist die Beschaffenheit des Untergrunds eine wichtige Frage die man für sich beantworten sollte, doch hier möchte ich nur das Ausloten der Wassertiefe vorstellen, weil ich oft feststellen musste, dass hier viele Angler große Probleme haben. Auf die Frage hin, wie tief das Wasser am Angelplatz sei, bekomme ich oft recht mystische Antworten. Die eigentliche Wahrheit ist, dass diese Angler keinen blassen Schimmer von der Wassertiefe haben. Loten hat entweder nicht stattgefunden, oder es wurde nicht beherrscht, oder eben beides.

Ist die Wassertiefe denn wirklich so fangentscheidend? Beim Feedern wird die Frage gestellt, ein Stipper würde nie auf die Idee kommen daran zu zweifeln, obwohl er einen wesentlich kleineren Bereich hat, den er beangeln kann. Stipper wissen, dass selbst kleinste Tiefenunterschiede über Fang oder nicht Fang entscheiden können. Glauben Sie mir, liebe Leser, bei allen anderen Angelmethoden und somit auch beim Feedern, ist das so. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ganze Fischschwärme manchmal wie angenagelt auf einer Bahn stehen. Alle Versuche sie woanders hin zu locken scheitern, selbst unter Einsatz sämtlicher Tricks und Mittelchen, die dem versierten Feederer zur Verfügung stehen. Auf der einen Bahn kommt Biss auf Biss, noch ehe die Schnur richtig gespannt ist und 5m weiter oder kürzer ist absolut tote Hose. Mit Zufall hat das nichts zu tun. Oftmals ist hier eine teilweise nur kleine Vertiefung oder Erhebung am Gewässergrund zu finden. Grundsätzlich ist jede Unterbrechung von Monotonie ein natürliches Fischmagnet. Da halten sich Fische auf und da müssen wir fischen. Die Kunst ist es nun, diese Plätze zielsicher zu finden.

20gr Schlittenkorb und 40gr Speedkorb mit Auftriebskörper; Beide haben etwa die gleiche Sinkratey
20gr Schlittenkorb und 40gr Speedkorb mit Auftriebskörper; Beide haben etwa die gleiche Sinkrate

Die Notwendigkeit der genauen Tiefenbestimmung sollte nun jedem aufmerksamen Leser hinreichend bekannt sein. Die Sensibilisierung in diese Richtung wurde erläutert, kommen wir nun zur praktischen Ausführung. Wie geht das denn jetzt mit dem Loten? In der Theorie, wissen es die meisten, in der Praxis scheitert es jedoch in ebenso hoher Häufigkeit. Die grundsätzliche Vorgehensweise geht folgender Maßen:
Der Feederkorb wird, wie üblich, ausgeworfen und zwar in den Clip. Nun wird die Zeit ermittelt, die der Korb vom Auftreffen auf die Wasseroberfläche bis zum Gewässergrund benötigt. Die Absinkdauer ist somit ein Maß für die Gewässertiefe an genau dieser Stelle. Soviel zum theoretischen Funktionsprinzip. Wie diese Absinkdauer nun ermittelt wird, ist grundsätzlich egal, es sollte nur exakt sein und da scheiden sich schon die Geister. Der eine macht es indem er (versucht) gleichmäßig zu zählen, der andere nimmt eine Stoppuhr. Jedes Handy verfügt mittlerweile über eine entsprechende Funktion! Der erste ist von vorne herein auf verlorenen Posten, der zweite wird sich zumindest unsicher sein, wann er denn jetzt genau Start und wann Stopp drücken soll. Zumindest misst die Stoppuhr genau und ist unbedingt zu bevorzugen auch wenn der Bediener unweigerlich einen Messfehler hervorruft. Dieser unvermeidliche Messfehler macht in der Tiefenbestimmung gerne mal 50-100cm aus, gerade an recht flachen Gewässern, wo die Absinkphase ohnehin sehr kurz ist.

Das Verhältnis zwischen Messfehler und Absinkdauer ist bei seichten Gewässern besonders ungünstig und wirkt sich da besonders nachteilig aus. Das Gesamtergebnis ist somit alles andere, aber bestimmt nicht aussagekräftig. Ein exakteres Ergebnis kommt zu Stande, indem man einen recht leichten Schlittenkorb verwendet, sagen wir mal einen Schlittenkorb von lediglich 20 Gramm. Dieser Korb sinkt deutlich langsamer ab als vergleichsweise ein 60 Gramm Speedkorb. Je länger die Absinkphase, bei gleicher Gewässertiefe, ist, desto exakter lässt sich die Tiefe bestimmen und desto weniger Einfluss hat der unvermeidliche Messfehler auf das Messergebnis. Somit ist der im Beispiel genannte 20 Gramm Schlittenkorb sicher die richtige Wahl der Mittel.

Soweit so gut, die Frage ist auch wie weit sich so ein Leichtgewicht an Futterkorb wohl werfen lässt. Ich denke bei so etwa 30m ist Schluss mit der Herrlichkeit. Den Nahbereich können wir abdecken, aber was ist mit den Bereichen über 30m, die gerade für Feederer besonders wichtig sind?
Der Griff zum schwereren Schlittenkörben oder gar zu anderen Formen wie Speedkorb, Düsenkorb oder gar Patrone, bringt aus oben genannten Gründen, nicht die Lösung aufs Tablett. Da muss es also noch etwas anderes geben. Ich würde einen solchen Bericht nicht verfassen, wenn ich die Lösung nicht parat hätte.

Das PU Material wird passend zugeschnitten
Das PU Material wird passend zugeschnitten

Ich habe mir also meine Gedanken gemacht, wie man es schafft, einen schweren Futterkorb recht langsam absinken zu lassen und bin auf folgende Idee gekommen. Dem Futterkorb muss etwas Auftrieb verliehen werden, der dem Korbgewicht, in der Absinkphase, entgegen wirkt. Die letztendliche Lösung ist gleichermaßen simpel wie praktikabel. Ein Stück extrudiertes Polystyrol wird so in Form geschnitten - mit einem Messer geht es ganz gut - dass es genau in den Korb passt. Ein Drahtstück wir quer so durch den Auftriebskörper gestochen, dass dieser im Korb fest fixiert ist. Schließlich möchten wir nicht, dass das Polystyrol Stückchen sich ungewollt löst und somit unser Angelgewässer verschmutzt. Bei dieser Methode ist es gar nicht notwendig die übliche Montage zu verändern.

Zu Beginn des Angelns wird lediglich der Auftriebskörper, zum Ausloten der Wassertiefe, in den Futterkorb gesteckt und mittels Draht fixiert. Ist dies dann geschehen, wird es schnell und unkompliziert wieder entfernt und das Angeln kann – hoffentlich erfolgreich - beginnen. Die Auswahl des Futterkorbs wird sowohl bezüglich der Form als auch des Gewichts von der Angelentfernung bestimmt. Wenn es die auszulotende Angeldistanz erfordert eben auch gerne mal ein 60 Gramm Speedkorb. Nur sollte man den Auftriebskörper hier etwas größer, sprich länger, gestalten um die Sinkrate zu reduzieren. Gerne darf das Polystyrol Stück auch aus dem Korb nach oben heraus ragen. Gerne kann, gerade bei solch schweren Körben, ein Auftriebskörper als Adapter vor den Futterkorb geschaltet werden.

Patronenkorb mit Auftriebskörper als Adapter
Patronenkorb mit Auftriebskörper als Adapter

Wer Auftriebskörper und Futterkorb im richtigen Verhältnis dimensioniert, schafft es, die Sinkrate so zu minimieren, dass der absinkende Futterkorb etwa 3 Sekunden für 1 Meter Absinkstrecke benötigt. Bei dieser Absinkrate ist der Aufschlag auf dem Gewässergrund, mit den üblicherweise verwendeten geflochtenen Schnüren, noch gut fühlbar. Bei noch niedrigeren Absinkraten wird das Ergebnis zwar genauer, die Bestimmung des Aufschlags jedoch erschwert. Dies ist sicher auch vom Gewässergrund abhängig. Bei weichen, schlammigen Gewässergrund ist dies sicher schwerer als bei Kiesgrund. Hier muss jeder selbst etwas experimentieren und mit der Übung kann die Absinkrate weiter reduziert werden. Ich möchte behaupten, dass die Bestimmung der Gewässertiefe so bis auf etwa 20cm genau erfolgen kann und das ist in den meisten Fällen absolut ausreichend und jedenfalls besser als mit der üblichen Methode. Im Übrigen kann der Messfehler reduziert werden, indem man die gleiche Distanz mehrfach auslotet und misst. Der Mittelwert kommt dem exakten Ergebnis umso näher, je öfter gemessen wird.

Zuerst jedoch messe ich meinen Angelplatz in 5m Schritten ab und notiere mir die Absinkdauer in Sekunden auf ein Blatt Papier. Wenn ich interessante Stellen gefunden habe, wird das Raster verfeinert. So wird die mögliche Angeldistanz präziser ermittelt. Im nächsten Schritt mache ich mehrere Würfe auf die gleiche Distanz, um den unvermeidlichen Messfehler ein zu grenzen. Vielleicht hört sich das etwas kompliziert und theoretisch an, mit etwas Übung geht das jedoch ganz leicht und automatisch von der Hand.

Das Handwerkszeug: Feeder mit Auftriebskörper und Stoppuhr
Das Handwerkszeug: Feeder mit Auftriebskörper und Stoppuhr

Auf die Frage hin, wie tief denn nun mein Angelplatz sei, habe ich immer eine exakte Antwort, die die meisten Fragesteller dennoch verwundert. Die Antwort lautet nämlich z. B. 14 Sekunden. Ja, Sie lesen richtig, viel wichtiger als die Tiefenangabe in Meter oder Zentimeter ist mir die Dauer der Absinkphase meines Futterkorbs. So ist es mir einfach egal, ob der Angelplatz nun 3,80m oder doch 4,20m Tief ist. Letzt endlich kann ich mir sicher sein, dass mein gewählter Angelplatz in einer Vertiefung liegt, die sich von der ansonsten monotonen Gewässertopographie der näheren Umgebung abhebt.

Während die einen teilweise 1 Stunde auf den ersten Biss warten, haben die anderen schon einige Standfische im Setzkescher. Es ist einfach besser die Fische da zu beangeln, wo sie sich ohnehin aufhalten, als sie mühsam und zeitraubend an zu locken, falls dies denn überhaupt gelingt.

Zum Schluss bleibt noch an zu merkten, dass diese Lotmethode nicht mit den internationalen Regeln konform ist. Hier ist aber selbst das Loten mit dem leeren Futterkorb nicht zulässig, sondern nur mit einem Bleigewicht. Doch, wer fischt schon ständig auf einer EM oder WM ;-)
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3 Kommentare
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  • Pascal Brandenburg
    aus Berlin
    Bericht
    Hut ab, sehr guter Bericht.... sehr angenehme Art zu schreiben*chapeau
  • Jayson
    Hi
    Hi Geri, deine korb rollt nicht entgegen, die schurr entspannt sich... Uberleg mal, wann dein korb ans boden kommt, ist die schnurr nocht nicht gerade von spitze bis korb. Es dauert ein zeit bis die schurr "gerade" ist. Die tiefe des wasser des langer braucht es bis du direkte kontakt hast zum korb.
  • geri78
    aus Sommerein
    Loten mit Feeder
    Hallo, Danke für den Bericht ! Ja, ja das loten, in der letzten Zeit ist mir immer klarer geworden wie wichtig das ist. Egal ob nun bei einem Wettkapmf oder beim reinen Spaßfischen. Daher auch meine Frage zum Feederloten. Nach dem Auswurf merke ich oft, daß mir der Futterkorb "entgegenrollt", ich spanne die Schnur vorsichtig nach bis dieses "entgegenrollen" aufhört. Kann ich nun davon ausgehen, daß ich nach dem Auswurf auf einer Schräge/Kante gelandet bin und der Futterkorb tatsächlich die Kante runtergerutscht ist ? Ist diese Endposition vom Futterkorb dann eigentlich ideal, oder ? Für Comments wäre ich dankbar. lg Geri