Christoph Barra - Durch Caster schießen zum Erfolg

  • von Christoph Barra
  • 03. Mai 2013 um 13:00
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Die ersten warmen Frühjahrstage liegen hinter uns und die Fische beginnen wieder richtig zu fressen. Ich habe einen der ersten warmen Tage im April genutzt und bin an die Oste bei Bremervörde zum Angeln gefahren. Die Oste ist im Frühjahr eines meiner Lieblingsgewässer hier im Norden. Das verhältnismäßig flache Wasser erlaubt es bereits nach wenigen Tagen mit milden Temperaturen auf gute Fänge zu hoffen. In diesem gezeitenabhängigen Fluss gibt es einen guten Bestand an Alanden, aber natürlich auch alle anderen Friedfische, wie Brassen, Güstern und Rotaugen. Zu dieser Jahreszeit lassen sich aber besonders die Alande sehr gut beangeln und auf diese hatte ich es an diesem Tag auch abgesehen.

Ich wollte mit der Kopfrute angeln und die Fische durch das permanente Schießen loser Caster zum Platz locken und in der Drift fangen. Diese Technik funktioniert an vielen Gewässern sehr gut. Besonders jetzt im Frühjahr, wo die Fische aktiv beginnen nach Nahrung zu suchen, kann man diese so über weitere Distanzen an den Platz locken. Aber ganz generell bietet das Casterschießen zwei große Vorteile. Zum einen lassen sich die Caster ohne Geräusch füttern, was grade bei flachem Wasser manchmal entscheidend sein kann. Zum anderen ist es hier in Norddeutschland oft so, dass durch viele gefütterte Köder Wollhandkrabben auf den Angelplatz kommen. Diese können beim Angeln am Grund teilweise sehr lästig werden. Wenn permanent Caster geschossen werden, lassen sich die Fische auch über Grund beangeln und man kann den Krebsen so aus dem Weg gehen.

Zunächst möchte ich euch einige Dinge beschreiben, die bei dieser Technik meiner Meinung nach wichtig sind. Dies ist zunächst das Halten der Rute. Die lange Stippe zu halten, die Montage gezielt über den Platz zu führen und gleichzeitig mit dem Katapult Caster zu schießen erfordert etwas Übung, ist aber eigentlich nicht schwer. Hierzu wird die Rute auf dem kompletten Oberschenkel abgelegt und mit dem Ellenbogen hinten gehalten. Das andere Bein dient nun dazu, die Rute seitlich mit zu stützen. Mit dem Bein, auf dem die Rute liegt, kann angeschlagen werden, indem man das Knie nach oben bewegt. So sind beide Hände frei und können zum Schießen eingesetzt werden. Ich habe meine Köder auf der linken Seite stehen und befülle das Körbchen meiner Schleuder mit der linken Hand, während ich das Katapult mit der Rechten halte. Dann wechsel ich die Schleuder in die Linke und halte mit der rechten Hand das Körbchen. Mit der linken Hand kann ich nun die Spannung des Gummis bestimmen und zielen. Das Körbchen loslassen und schon landen die Caster dort, wo sie landen sollten. Das ist ganz einfach Übungssache.

Caster und Schleuder
Befüllen der Schleuder zielen Schießen Caster landen im Wasser
Befüllen der Schleuder... zielen... schießen...

Viel wichtiger ist es sich drüber Gedanken zu machen, wohin die Caster geschossen werden sollen. Hierzu müssen Tiefe, Strömungsstärke, Strömungsverlauf und der Radius, in dem man seinen Platz beangeln kann, bedacht werden. Je tiefer das Wasser und je stärke die Strömung ist, desto weiter unterhalt der Einschussstelle kommen die Köder zum Grund.  Somit sollten die Caster bei stärkerer Strömung und größerer Tiefe auch weiter oberhalb eingeschossen werden. Ich habe an diesem Tag in einer Innenkurve gesessen, in der die Strömung auf mich zu lief. Die Caster werden also durch die Strömung an dieser Stelle in Richtung Ufer getragen. Häufig beißen bei dieser Art des Angelns die Fische etwas weiter hinten im Auslauf. Hier muss nun auf den Radius geachtet werden, in dem die Pose über den Angelplatz läuft. Wenn ich meine Montage geradeaus auf 13m einsetze, dann komme ich durch das „Schräghalten“ der Rute im Austrieb ein erhebliches Stück von der 13m-Entfernung in Richtung Ufer. Treiben meine Caster nun auf 13m, so werden sich meine Fänge am Ende der Drift deutlich reduzieren.

An meinem Angelplatz habe ich mich dazu entschieden, die Köder auf einer Entfernung von etwa 12,5-13m etwas oberhalb meiner Pose einzuschießen. Die Tiefe betrug ca. 3m und die Strömungsstärke war so, dass man mit einer 6gr Pose hätte blockieren können. Durch die auf mich zulaufende Strömung rechnete ich damit, dass ich auch weiter hinten in meiner Spur noch dort angeln konnte, wo sich meine Caster befinden.

Die verwendeten Monatgen     Die Bebleiung
Die verwendeten Monatgen   Die Bebleiung


Ich baute mir Montagen von 1gr bis 4gr auf, um mit der Köderpräsentation variieren zu können. Als Posen kamen gedrungene Strömungsposen mit feiner Fiberglasantenne zum Einsatz (Matrix Poly Hold). Die Bebleiung bestand aus einer Olive und einer Kette von 40cm darunter. Diese bildeten von unten nach oben zwei No10, zwei No9 und zwei No8 Schroten. Die Abstände der einzelnen Schrote wurden zum Hauptblei hin kleiner. So lässt sich der Köder sehr natürlich anbieten und kann beim  Verzögern der Pose durch die Strömung vom Grund angehoben werden und fällt dann im Anschluss so wie die gefütterten Caster wieder zum Grund. Durch dieses „Stop and Go“ der Montage ließen sich auch die meisten Fische überlisten. Als Haken verwende ich beim Angeln mit Castern am liebsten ein langschenkliges Modell um den Köder komplett auf den Haken ziehen zu können (Serie 2 von Tubertini).

Nun zum Angeln:

Zu Beginn wollte ich nicht komplett auf Futter verzichten. Dieses hatte aber nur die Aufgabe die Fische schnell zum Platz zu locken. Somit reichten 1,5kg auch aus. Diese bestanden aus 1kg Mosella Prestige Passion und einem halben kg Mosella Prestige Feeder Brassen. Das Feederfutter sorgt für ein schnelles Öffnen des Futters und hat viele leichte Partikel, welche die Fische von weiter her anlocken. Das ganze wurde etwas abgedunkelt. Fünf von Hand geworfene Bälle sollten hierzu ausreichen.

Das fertige Futter    Anfüttern
Das fertige Futter zum Anfüttern


Nach dem Füttern begann ich direkt mit dem Casterschießen und angelte mit der 1gr Montage. Ein einzelner Caster mit einem Pinki davor brachte auch bereits nach wenigen Minuten den ersten Fisch, ein schönes Rotauge. Es folgten weitere Rotaugen und kleinere Alande. Ich bemerkte, dass ich die Caster ruhig noch etwas weiter in Strömungsrichtung schießen konnte, denn die Fische bissen nach etwa 20 Minuten direkt unter der Rutenspitze. Dies ist im Grunde nicht schlecht, aber an diesem Punkt der Drift fütterte ich immer mit der Schleuder und bin dadurch etwas abgelenkt. Ich habe dann statt etwas oberhalb direkt geradeaus geschossen. Die Fische ließen sich mit den Ködern fallen und die Bisse kamen etwas weiter hinten. So sollte es sein!

Erster Fisch, ein Rotauge
Erster Fisch, ein Rotauge


Nach etwa einer halben Stunde Angelzeit kamen auch vermehrt größere Fische an den Platz. Ich konnte dann zwischen vielen Alanden von 200-300gr auch einige schöne Fische bis etwa 800gr fangen und auch ein paar Brassen gingen an den Haken. Einen der richtig großen Alande hatte ich zwar am Haken, verlor ihn aber leider vor dem Kescher. Die beste Montage war die mit der 2gr Pose, denn durch den Wind war die leichte 1gr Montage teilweise nicht sauber genug zu präsentieren.

Hauptfisch des Tages, Alande    ein Brassen
Hauptfisch des Tages waren Alande aber auch ein paar Brassen gingen an den Haken


Wie ihr sehen könnt ist diese Methode gerade jetzt im Frühjahr sehr erfolgreich. Ich konnte auf diese Weise übrigens gerade am vorherigen Wochenende beim Treenecup in Schleswig-Holstein meinen Sektor mit über 27kg gewinnen und das in einem Bereich, in dem normalerweise die Rollenrute absolut dominiert! Ich wünsche euch viel Spaß bei euren kommenden Angelausflügen und vielleicht probiert der eine oder andere diese Technik auch einmal an seinem Gewässer.

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2 Kommentare
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  • brassenopa
    aus eichwalde
    HALLO CHRISTOPH! Schöner Bericht über unser liebstes Hobby!Weiter so,da kann man was lernen......... Aber Caster (mit Hanfkörnern) GERÄUSCHLOS mit der Schleuder einbringen!?Das dürfte schwer gehen oder? Gerade auf das Geräusch der auftreffenden Köder dürften die Fische sehr positiv reagieren! Am Silokanal funktioniert das auch super,leider nur auf der 6meter Bahn! Viele Grüße aus BRB.
  • Roby34
    aus Remscheid
    Schöner Bericht! Weiter so.