Goldige Brassen - Das "Gold der Ruhr"

  • von Jens Koschnick
  • 08. Juli 2013 um 09:15
  • 7

Die Ruhr bei Duisburg ist unter Feederanglern ein bekannter und stark befischter Gewässerabschnitt. Jedoch werden trotzdem regelmäßig große Brassen gefangen. Zwar ist es in den letzten Jahren durch den zunehmenden Angeldruck und die sich verändernde Fischpopulation immer schwieriger geworden die Fische zu überlisten, doch mit ein paar Kniffs und Tricks kann man dort einen fischreichen Angeltag verbringen und wahrhaft wunderschöne, große Brassen fangen.

Jens Koschnick vom Team FTM Rheinland war dort, gibt Einblicke in seinen Angeltag und informiert über die Angelstrecke.

„Ich bin hier in der Region aufgewachsen und die Ruhr ist eines meiner Lieblingsgewässer an dem ich das Feedern gelernt habe. Ich habe eine besondere Beziehung zu diesem Fluss.“

Einige Namenhafte Angler haben hier viele Stunden an der Ruhr verbracht und bezeichnen diese Strecke als ihr Hausgewässer. Unter anderem Michael Zammataro, Markus Krawczyk, Peer Saddeler, Thorsten Küsters, Helmut Klug, Jürgen Schulz und Peter Altenschmidt, um nur einige zu nennen.

Die Ruhr ist in diesem Bereich zwischen 140 und 200m breit. Den Abschluss der Angelstrecke bildet ein Stauwehr. Der Bereich vor dem Wehr ist mit 3-4m als eher flach zu bezeichnen. Je weiter man vom Wehr entfernt sitzt, desto tiefer wird es (bis ca. 6m). Die Strömungsverhältnisse sind wie an jedem Fluss vom Wasserstand abhängig. Die Uferbeschaffenheit ist ideal um seine Sitzkiepe aufbauen zu können. Vom Auto, das oben auf dem Ruhrdeich geparkt werden kann, bis zu den Angelplätzen muss man ca. 30-40m laufen.

Die Angelsession

„Wir haben Samstag den 04. Mai und ich mache mich bei gutem Wetter auf zur Ruhr um ein paar Brassen zu fangen. Ich bin optimistisch und vermute bei den ersten lang ersehnten Sonnenstrahlen die Fische im flachen Bereich am Wehr. Nachdem ich meine Sitzkiepe inklusive Feederbox aufgebaut habe, mache ich meine Ruten fertig. Ich baue zwei 4,2m Next Generation Feederruten auf. Mit ihnen bin ich in der Lage weite Distanzen zu angeln und präzise Anschläge auf diese Entfernung zu setzen. Da der Ruhrabschnitt ja als absolute Weitwurfstrecke gilt, sind diese Ruten für mich ideal.“

Die Angelentfernung und das Loten

Nicht umsonst kommen mitunter die besten Weitwurfangler von der Ruhr. Hier gilt es Feuer frei! Immer wieder stellt sich heraus, dass bei Wettkämpfen hier meist die längste "Bahn" gewinnt. Es ist kaum Strömung und somit ideal um mit Speedkörben von 50-60g auf 90m fischen zu können. Ich hänge einen 60g Speedkorb in meine Montage und werfe auf 100m ein. Nun lasse ich ihn absinken, lege meine Rute auf die Ablage und spanne langsam die Schnur. Wenn die Schnur abgesunken ist und der direkte Kontakt zum Korb besteht, ziehe ich ihn langsam mit der Rute über den Gewässergrund, um die Bodenbeschaffenheit zu ertasten. Es ist ganz wichtig den Korb erst zu ziehen wenn die Schnur abgesunken ist, weil die schwimmende Schnur den liegenden Korb beim Ziehen anheben würde und man ein verfälschtes Gefühl beim Abziehen des Bodens erhält. Erstrebenswert sind immer sandige bis leicht schlammige Stellen. Überall wo der Korb nur schwer über den Grund ruckelt, bestehen keine guten Fangaussichten. Um den Köder während des Angelns hin und wieder mal über den Grund ziehen zu können, sollte man einen sauberen Boden von etwa 2m Zuglänge haben. Wichtig ist ebenso der Kraut- und Dreckanteil am Platz. Wenn man beim Loten des Platzes Kraut oder Dreck am Korb oder später beim Angeln am Haken hat, sollte man sich einen neuen saubereren Platz suchen. Ich habe eine super Stelle auf genau 93m gefunden und klippe meine Schnur ein.

Perfekter Angelplatz

Die Montage

Da diese Entfernungen nur mit geflochtenen Schnüren zu werfen sind, fische ich eine 10er Nanofil Schnur von Berkley. Sie ermöglicht extreme Wurfweiten und ist mitunter die glatteste Schnur auf dem Markt. Um einen gewissen Prozentsatz an Dehnung in meine Schnur zu bringen schalte ich 10m Schlagschnur vor die Geflochtene. Die zusätzliche Dehnung soll den Fischverlust auf ein Minimum reduzieren. Das Stück Schlagschnur steht unter enormer Belastung. Egal ob beim Abwurf oder beim Fischdrill, sie ist das absolute Herzstück der Montage und muss zuverlässig sein und halten. Die in meinen Augen beste Schnur für diesen Anspruch ist die UC4 Gorilla von Tubertini. Ich verwende bei Würfen über 70m eine Stärke von 0,30mm. Um Routine im Umgang mit der auf internationaler Ebene verlangten Durchlaufmontage zu bekommen, fische ich seit einiger Zeit ausschließlich das free running system. Ich behaupte sogar, dass der Durchlauf gerade die Bisse von großen Brassen zuverlässiger und widerstandsärmer anzeigt als die konventionelle Schlaufenmontage.

Das Futter

An der Ruhr ist ein hell gelbes Futter von großem Vorteil. Gerade große Brassen lieben die gelbe Farbe. Die Struktur des Futters spielt eine ebenso große Rolle. Ich halte die Körnung des Futters gerne etwas feiner, um die Gefahr der Übersättigung zu minimieren. Eine Mischung, die genau diese Kriterien erfüllt ist der Competition Mix der Futterserie Next Generation von Fishing Tackle Max. Feine Strucktur, hell gelbe Farbe, süßer Geschmack und genau die richtige Zusammensetzung um das Futter schnell aus dem Korb platzen zu lassen. Wenn viele Fische am Platz sind, erhöhe ich meinen Caster und Wurmanteil im Futter und kann sie darüber an meinem Futterplatz halten. Ich habe heute 0,5kg Competition Mix und 0,5kg Sweet Competition Mix kombiniert, um die Mischung noch süßer zu machen. Zusätzlich habe ich noch 100g gemahlenen Hanf zugefügt. Dadurch bekommt das Futter mehr Aktivität, die besonders zum Angelbeginn die Fische schneller an den Platz locken kann.

Das Futter
Das ideale Futter

Der Angelverlauf

Nachdem der Angelplatz auf 93m festgelegt ist und alle anderen Vorkehrungen getroffen wurden, beginne ich mit der Fütterung. Ich füttere 5 Körbe mit einigen wenigen Castern. Der sechste Korb wird ‟scharf“ gemacht mit einem 80cm langen 12er Vorfach und 14er Haken von Tubertini Serie 2.

Ich beködere 2 kleine Mistwürmer und einen Caster. Auswurf...

Köder2 kleine Mistwürmer und einen Caster
   Wurf
    Ich werfe aus


Nach dem Absinken des Korbes, ziehe ich diesen ca. 5-10 cm über den Boden, um sicher zu sein das er nicht festhängt. Die Schnur ist gerade gespannt, da fährt die Latte krumm, wie wir im Ruhrgebiet sagen. Der Widerstand ist recht heftig und die stumpfen Schläge in meiner Rute lassen mich auf einen großen Brassen hoffen. Doch nach ungefähr 20m Schnureinzug hängt der Fisch fest. Ich lasse die Schnur locker. Der Fisch ist immer noch dran, doch ich bekomme den festsitzenden Korb nicht frei. Mir reißt die Schlagschnur ab, sodass ich die zweite Rute nehmen musste, die ich zum Glück schon vorher auf dieselbe Entfernung abgelängt hatte.

Ich beködere erneut zwei Würmer mit einem Caster und werfe aus. Der Korb liegt ca. 5min. ohne irgendeine Bewegung. Plötzlich geht die Spitze zwei cm nach vorne, verharrt 2 Sekunden in dieser Stellung und geht wieder zurück. Das gleiche eine Minute später. Nach dem dritten Anfasser gehe ich mit der Rute nach und entlaste die Schnur. Jetzt nimmt der Fisch den Köder richtig auf und die Spitze wippt. Ein lupenreiner Wurmbiss!

Diesmal wollte ich dem Fisch keine Möglichkeit bieten den Korb fest zu setzen. Ich stelle mich auf meine Kiepe um den Fisch möglichst vom Grund fern zu halten. Es gelingt mir und ich kann einen schönen 2,5kg schweren Brassen keschern. Nach 10min. fange ich einen weiteren in dieser Größenordnung. Doch danach passiert erst mal nix mehr. Wie so oft, wenn die ersten Standfische gefangen sind, herrscht anschließend Ruhe.

Drill

  Ein 2,5 kg Brassen
Drill   Ein schöner Brassen von 2,5 kg

Ich verkürze meinen Fütterrhytmus und erhöhe den Casteranteil. Der Engländer sagt: „The dinner bell must ringing!“ (Die Essensglocke muss klingeln) Doch leider bleibt das in meinem Fall ohne Erfolg. Den nächsten Wurf wechsle ich den Köder von Wurm auf Caster und dippe in den Next Generation Dip Liver x. Der Wurf beschert mir den größten Fisch des Tages. Auch beim diesjährigen DAFV Anglertreff Feeder am Teltowkanal, brachte mir der Liver x Dip die entscheidenden Bisse für den Sektorensieg am zweiten Tag mit knapp 24 Kilogramm.

Fisch und FutterNach wenigen Minuten folgt ein weiterer kräftiger Brassen

Insgesamt konnte ich 6 große Brassen fangen und hatte 3 schöne Angelstunden. Mit diesen 6 Fischen hatte ich 14.800g. Das macht ein Durchschnittsgewicht von ca.2500g. Das ständige variieren des Hakenköders spielte eine große Rolle. Ebenfalls war es wichtig beim Anbiss den Druck von der Spitze zu nehmen, damit der Fisch den Köder richtig aufnahm. Nicht zu Letzt muss natürlich auch die Montage verwicklungsfrei am Gewässergrund liegen. Beim Drill auf die Kiepe zu steigen war an dieser Stelle absolut erforderlich, um die Brassen nicht an der Steinkante zu verlieren. In so einem Fall ist dies die einzige Möglichkeit diesem Problem zu entgegnen.

14,8 kg insgesamt
Drei erfolgreiche Angelstunden - 14.800 gr.

Vielleicht habe ich ja dem Einen oder Anderen die Ruhr schmackhaft machen können. Ich würde mich freuen, wenn man sich mal dort trifft.

Tight lines!

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7 Kommentare
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  • Der_Martin
    Es ist schön das junge Talente hier Berichte zum besten geben, hoffentlich kommt noch mehr… Das Foto mit den Fischen im Gras hätte mit einer Abhakmatte entschärft werden können, die Fische werden bestimmt noch immer in der Ruhr schwimmen und sich am Leben erfreuen, so wie sich gehört.
  • PL
    aus nienburg/saale
    Ich dauchte mir schon das du so etwas schreibst,aber da sieht man das du keine Ahnung hast.
  • Posenlot
    aus Jena
    Oooh, Entschuldigung, wusste nicht, dass man anerkannter Berichteschreiber sein muss, um Bedenken zum Umgang mit den Fischen zu posten. Kommt nicht wieder vor...
  • PL
    aus nienburg/saale
    Sehr guter Bericht Jens weiter so und Posenlot schreib erst mal selber einen Bericht.
  • defender1100
    aus Mauer
  • BrassenFeederer
    aus Brandenburg
    Und auf klassisch einen Haken mit Madenbündel beißen die großen Brassen gar nicht mehr?
  • Posenlot
    aus Jena
    Hast du die Fische gekillt oder behandelt man die Fische im Ruhrpott so? Ansonsten guter Bericht, auch für Posenkieker.