Feedern mit Mückenlarven und Blumenerde

  • von ct Redaktion
  • 15. April 2013 um 10:01
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Wir hätten gedacht, dass sich mit der Durchführung der Feeder Weltmeisterschaft auch ein Trend zum leichten, feinen Feedern und insbesondere auch ein Trend zum Angeln mit der Mückenlarve beim Feedern entwickelt. Spezielles Futter, schnell lösende Erden, passende Körbe, dünne Schnüre und kleine Haken einzig auf diese vielleicht etwas andere Art des Feederns abgestimmt sucht man in den Katalogen der Hersteller oder in den Regalen der Angelfachgeschäfte allerdings noch vergebens. Die Abneigung ist groß, es fehlt die Tradition, es fehlt vor allem aber auch an Erfahrung und an dem Umgang mit der Mückenlarve beim Feedern.

Mit der Aufnahme der Feeder Weltmeisterschaft in den CIPS Veranstaltungskalender hat sich Jayson Greatorex intensiv mit der Mückenlarve an der Feederrute beschäftigt und jetzt zur kältesten und damit vielleicht schwierigsten Jahreszeit waren wir mit ihm am Wasser.

Vor uns liegt ein Baggersee mit einem durchschnittlichen Bestand an Rotaugen von 100 bis 150 Gramm und Brassen bis 2 kg. Die Wassertiefe beträgt an einer der tieferen Stellen dieses Sees in einer Entfernung von 30 Metern vom Ufer 7 Meter und hier sollten sich im Winter einige Fische versammeln. 4° Grad Celsius zeigt das Thermometer und das Wasser dürfte nicht viel Wärmer sein. Am Rand des Sees befindet sich noch ein bisschen Randeis von der letzten frostigen Nacht und wir sind gespannt, was heute geht.

Bei dieser Kälte ziehen die Fische nicht mehr im Gewässer auf der Suche nach Nahrung herum und lassen sich auch durch das leckerste Futter nicht mehr locken, so dass dort geangelt werden muss, wo die Fische überwintern, ihre Ruhezonen im Winter haben. Jayson hat den 12 Hektar großen Baggersee bereits im Sommer gründlich durchgelotet, so dass er sich jetzt eine der tiefsten Stellen ausgesucht hat und die Chancen noch ein paar Fische zu fangen nicht schlecht stehen.

Quicklebendige Mückenlarven sollen die Rotaugen und Brassen aus der Reserve locken und wild zuckende Mückenlarven auf den Grund des Gewässers zu bekommen und dazu auch noch lebendige Larven am Haken über die gesamte Angelzeit anzubieten ist dabei die große Herausforderung. Futter würde sicherlich die Aufmerksamkeit der Fische wecken, doch es würde sie auch sättigen und Mückenlarven fühlen sich umhüllt von Futter überhaupt nicht wohl, denn Salze und Zucker verkürzen die Lebenszeit der empfindlichen Larven dramatisch. Was bleibt ist Erde, doch Erde hat meist die Angewohnheit schwer und sehr klebrig zu sein. Normale Maulwurfs- oder auch Flusserde löst sich nur sehr unkontrolliert bis überhaupt nicht aus dem Korb und das ist natürlich kontraproduktiv beim Feedern. Jayson hat daher Blumenerde aus dem Gartenhandel oder Baumarkt dabei. Frisch aus der Tüte hat die Erde zwar schon die optimal Feuchtigkeit, doch es noch viele Zutaten in der Erde, die vor dem Angeln unbedingt ausgesiebt werden müssen. Rindenmulch, Kokosfasern und weitere gröbere Bestandteile werden mittels eines Futtersiebs entfernt und übrig bleibt eine leichte, feine Erde, die sich gerade so zu einem Ball drücken lässt.

Die Blumenerde (links) und nach dem Sieben (rechts)   Die Mückenlarven
Frische Blumenerde   Mückenlarven

Beim Füttern aus der Hand würde dieser Ball an der Oberfläche sofort auseinanderbrechen, doch im Korb bleibt die Blumenerde lange genug in diesem und explodiert erst auf dem Gewässergrund angekommen aus diesem. Die Erde ist so locker, dass noch viele Luft eingeschlossen ist, die im Wasser natürlich aufsteigen will und die Erde aus dem Korb drückt. Ohne chemische Zusätze ist die Erde dazu so neutral, dass die Mückenlarven in ihr quicklebendig bleiben.

Top Tipp: Nach dem Angeln war noch ca. ein Liter der gesiebten Blumenerde übrig und Jayson gab ca. 100 ml kleine Mückenlarven hinzu. Durchgemischt in einer kleinen Schale stellte er die Wanne offen bei einer Temperatur von ca. 6 ° Celsius auf den Boden seiner Garage und nach genau einer Woche waren die kleinen Mückenlarven noch immer lebendig in der Erde. Ein Zeichen dafür, wie gut die kleinen Larven mit der Erde harmonieren.

Damit sich die Larven in der Erde aber gut und gleichmäßig verteilen sollten die Futtermücken vorher getrennt werden. Jayson hat 200 ml kleine Mückenlarven dabei, die er in einer Schale mit handelsüblichem Mückenlarventrenner bestreut und die sich daraufhin sofort trennen. 100 ml kommen in ca. 2 Liter Erde, die restlichen 100 ml werden in einem Polecup in der Schale mit der Erde verwahrt, so dass je nach Beißverhalten der Fische der Anteil an Mückenlarven jederzeit erhöht werden kann.

Weniger ist mehr bei kaltem Wasser und so wird Jayson mit einem sehr defensiven Anteil an Mückenlarven starten.

200ml kleine Mückenlarven hat Jayson für den Angeltag dabei
200ml kleine Mückenlarven hat Jayson für den Angeltag dabei - Slideshow -

Kleine bis kleinste Körbe kommen heute zum Einsatz und zum Vorfüttern des Angelplatzes verwendet Jayson etwas größere Drahtkörbe, die die Erde mit den Mückenlarven sehr schnell freigeben. Beim Angeln wechselt er aber auf einen Minikorb, der zusätzlich vorher noch präpariert werden muss. Instinktiv krallen sich die kleinen Mückenlarven an allem fest, was sich ihnen bietet.

Beim Vorfüttern ist das nicht ganz so entscheidend doch beim Angeln provozieren die im Drahtgeflecht hängenden Mückenlarven Fehlbisse, die natürlich nicht in Fische umgewandelt werden können. Jayson umwickelt daher seine Futterkörbe zum Angeln mit Mückenlarven mit Isolierband, so dass die kleinen Larven keine Chance haben sich irgendwo am Korb festzuhängen. Ein zusätzlicher Effekt dieses nun nur noch an den beiden Enden offenen Korbes ist es, dass die sehr lockere und fluffige Erde mit den kleinen Mückenlarven nicht mit zu viel Wasser in Berührung kommt und damit zu schnell den Korb verlässt.

Jayson mit verschiedenen Korbmodellen
Jayson mit verschiedenen Korbmodellen und deren Präparation - Slideshow -

Geangelt wird mit einer internationalen Vorschriften tauglichen Montage. Natürlich funktioniert auch ein Seitenarm oder eine Schlaufenmontage, doch Jayson wird heute mit einer relativ einfachen  Durchlaufmontage angeln. Auf der Rolle ist eine monofile 16er Schnur, wobei der Korb mit einer Perle gestoppt wird und die letzten 10 Zentimeter so verzwirbelt sind, dass sie schön abstehen und Verwicklungen vermieden werden.

Eine Durchlaufmontage mit verzwirbelten Seitenarm kommt zum Einsatz
Eine Durchlaufmontage mit verzwirbelten Seitenarm kommt zum Einsatz - Slideshow -

Entscheidend ist die Vorfachlänge und hier hilft nur probieren. Jayson beginnt mit 35 Zentimetern und wird das Vorfach je nach Beißverhalten immer weiter verkürzen. Bei extrem vorsichtigen Bissen oder Fischen, die den Köder zwar ins Maul nehmen, sich dann aber kaum mehr bewegen, kann es nötig sein, das Vorfach bis auf 10 Zentimeter zu verkürzen. Hier ist Flexibilität gefragt.

Gamma Green und Gamma Black 
Von großer Bedeutung ist auch der Haken. Leicht und dabei stabil sollte er sein und dazu schwört Jayson beim Feedern mit Mückenlarven auf widerhakenlose Haken. Der Vorteil widerhakenloser Haken liegt in der verminderten Verletzung der Hakenmücken. Während Haken mit Widerhaken die Mücke gerne zum Auslaufen oder gar Platzen bringen oder ihr zumindest das Leben und damit die Beweglichkeit nehmen, bleiben die großen Mückenlarven auf Haken ohne Widerhaken unversehrter und damit wesentlich lebendiger. Bei schwierigen Bedingungen ein klarer Vorteil auch wenn doch mal ein Fisch aufgrund des fehlenden Widerhakens im Drill verloren geht.

Zwei Hakenmodelle haben sich besonders bewährt. Der Gamma Green und der Gamma Black sind nicht nur in England sehr beliebt, sondern haben auch den Weg in Jaysons Gerätebox gefunden. Beide Haken haben einen großen Bogen und sind superscharf. Während der grüne Haken sehr leicht und dünn ist und dabei unter schwierigsten Bedingungen eingesetzt werden sollte, ist der schwarze Haken wesentlich stabiler und im Draht natürlich entsprechend dicker. Eine sensible Spitze zusammen mit einer leichten Picker- oder Feederrute, die eine gleichmäßig durchgehende Aktion haben sollte, sorgen dafür, dass auch mit Vorfächern der Stärke 0,08mm geangelt werden kann, ohne das Fische durch Vorfachbruch verloren gehen.

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