Mit Johannes Böhm am Ruderkanal in Halle

  • von Johannes Böhm
  • 11. Januar 2013 um 02:05
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Gerade im Winter ist der Ruderkanal in Halle an der Saale eine ideale Strecke zum Fischen auf Rotaugen. Oft treffen sich an den grauen und wolkenverhangenen Wochenenden die Leute hier um den zahlreichen Silberlingen nachzustellen. Der Kanal ist sozusagen ein stillgelegter Altarm der Saale und wird neben den Anglern noch vom Ruderverein genutzt. Er liegt in idyllischer Ruhe am Stadtrand, die Autos können nahezu direkt hinter den Angelplätzen abgestellt werden. Der Uferbewuchs hält sich durch die regelmäßige Nutzung in Grenzen, wir sitzen auf natürlicher Wiese ohne klapprige Steinpackung. Strömung gibt es nicht, nur bei Wind kann es zu teilweise heftiger Unterströmung kommen.

Der Untergrund ist auf den ersten Metern sehr uneben und steil abfallend. Stellenabhängig angelt man nach ca. 6 m Entfernung zum Ufer schon hinter der Kante. Ab hier fällt der Gewässergrund nur noch zentimeterweise bis zur 13 m Bahn. Aber gerade im Winter können diese geringen Tiefenunterschiede sehr entscheidend sein.

An meinem Angelplatz ist es auf der 13 m Spur ca. 4,00 m tief, etwa 15 cm tiefer als auf der Spur mit 11,5 m. Bedingt durch die kalte Nacht und auch nicht viel wärmeren Tagestemperaturen um die 5°Celsius ist es die bessere Variante die längere Rute zu nutzen. Vermeintlich ist die Frequenz der Bisse höher und auch der Anfang, wenn die Fische den Futterplatz suchen, läuft fischreicher ab als auf der kürzeren Spur. Nachteil der vollen Rutenlänge ist sicherlich die Geschwindigkeit, kann man mit einem Teil weniger deutlich schneller agieren.

Die Montagen und Geräte
Hier zum Rotaugenangeln sind meine Montagen sehr einfach und unkompliziert gehalten. Die komplette Bebleiung besteht aus Schroten. Die unteren drei Schrote sind alle Nr. 10. Der Abstand zwischen der Schlaufe und der Hauptbebleiung ist ca. 30 cm auseinander, dazwischen sind in ca. 10 cm Abständen drei der Nr. 10 Schrote angebracht. Die Schrote der Hauptbebleiung liegen nicht direkt aneinander, sondern haben alle einen Abstand von etwa einem Millimeter, so fallen die Schrote nicht wie eine Stange sondern eher wie beim Prinzip einer Stöpsel-Kette.

Eine einfache, effektive Bebleiung
Eine einfache, effektive Bebleiung

Meine Vorfachlänge ist je nach Beißverhalten der Fische zwischen 14 und 23 cm lang. Beißen sie gut, verwende ich ein kürzeres Vorfach, beißen sie verhalten oder nehmen lieber einen langsam abfallenden Köder, verwende ich ein etwas längeres Vorfach. Als Hautschnur verwende ich eine 0,10 mm Schnur, für die Vorfächer zwischen 0,07-0,85 mm. Meine Hakengröße variiere ich je nach Köder und Beißlaune zwischen 18-24. Als Haken verwende ich einen Tubertini Serie 2. Der Haken ist leicht und dünndrahtig. Ich baue drei Kits mit 0,75 mm dicken Gummis auf, an denen ich eine 1 g, eine 1,5 g und eine 2 g Montage einhänge, je nachdem wie der Wind auffrischt habe ich so für jede Gegebenheit die richtige Grammzahl. Für jede Montage verwende ich die Tubertini Pro 10. In meinen Augen ist der Schwimmer perfekt für diese Angelei. Er ist höchstsensibel, stellt sich schnell und steht auch bei Wind durch den langgezogenen Körper extrem stabil im Wasser. Alle Schwimmer sind sehr stark gebleit, es ragt wirklich nur die Spitze der Antenne aus dem Wasser, so sehe ich auch die zaghaftesten Anbisse der kleinen Rotaugen.

Die Tubertini Pro 10 ist perfekt für die Angelei auf kleine Rotaugen
Die Tubertini Pro 10 ist perfekt für die Angelei auf kleine Rotaugen

Das Futter

Die Futtermenge und auch die Menge an Lebendködern sollte man beim Fischen auf Rotaugen, gerade hier am Ruderkanal, sehr dezimieren. Weniger ist hier oft mehr. Ich rühre für 4 Stunden Angelzeit nur eine Tüte Günter Horler Roach an. Das Futter ist neu und überzeugt mich nach mehreren Angeltagen auf ganzer Linie. Durch die vielen Sämereien und den schon enthaltenen Rösthanf ist es wohl der ideale Begleiter für die Rotaugenangelei. Auf die Zugabe von Aromen kann ich bei dem Futter verzichten. Lediglich eine Spur schwarze Farbe gebe ich dem natürlich braunen Futter hinzu.

Die Futtermischung
Das neue Günter Horler Roach - ideal, wenn es auf Rotaugen geht - Slideshow -

Nach zwei Befeuchtungsdurchgängen hat es eine lockere Konsistenz, hart gedrückt ist es eine Ewigkeit aktiv, immer wieder lösen sich Partikel, die aufsteigen und Fische heranlocken. Ein Futterballen der Größe einer Mandarine löste sich beim Probieren im Eimer erst nach einer Stunde komplett auf. Das ist genau das, was ich für die neugierigen Rotaugen haben will. Einmal füttern und eine Ewigkeit Aktivität am Gewässergrund. Neben dem Futter habe ich mir etwa einen Liter Erde angefeuchtet um die Mückenlarven separat füttern zu können.

Die Startfütterung

Zu Beginn füttere ich drei Bälle Futter mit ein Handvoll Pinkies und einen Erdballen mit einer halben Handvoll kleiner Mückenlarven. Alle Bälle schiebe ich der Genauigkeit wegen mit dem Polecup, das Geräusch wäre nebensächlich. Rotaugen sind von Natur aus neugierig. Kurz vor Angelbeginn schiebe ich noch einen kleinen, nur ganz leicht gedrückten Futterballen. Der soll sich schon während des Weges nach unten auflösen und eine Art Futterwolke stellen. Der Tisch ist gedeckt.

Die Mückenlarven müssen getrennt werden
 
Getrennt verteilen sie sich gleichmässig in der Erde
Die Mückenlarven müssen getrennt werden
- vergößern -
 
Getrennt verteilen sie sich gleichmässig
in der Erde - vergrößern -

Das Angeln

Erfahrungsgemäß dauert es immer einige Minuten bis die Fische den Weg zum Futter finden. Auch hier am Ruderkanal kann das so sein. Meiner Erfahrung nach aktiviert man die Rotaugen am besten mit einem bewegten Köder. Die Montage einfach langsam aus dem Wasser heben und wieder absetzen, die Pose seitlich hin und her bewegen und irgendwann gibt es diesen kleinen unrunden Lauf des Schwimmers, der Zeitpunkt für den ersten Anschlag.

Mit zunehmender Zeit versammeln sich immer mehr Fische am Futterplatz, die Bisse kommen schneller und werden auch regelmäßiger. Ein Rotauge nach dem Anderen können wir so überlisten. Nach ca. einer Stunde lässt dann die Regelmäßigkeit der Bisse nach, es ist Zeit nachzufüttern. Je ein Walnuss großer Ballen Futter mit Pinkies für die Aktivität und ein Ballen Erde mit Mücken bewirken innerhalb von Minuten, dass die Fische wieder aktiv beißen.

Futterbälle
Die Startfütterung - vergrößern -

Diese Fütterung wiederhole ich immer dann, wenn das Beißverhalten nachlässt, schätzungsweise alle 30 Minuten.  Sowohl Pinkies als auch Mückenlarven sind sehr gute Köder am Haken. Mit zunehmender Angelzeit läuft es jedoch auf die Mückenlarve hinaus, die Bisse sind einfach schneller zu bekommen als mit dem Pinkie.

Nach vier Stunden habe ich jede Menge Rotaugen zwischen 20 g und 50 g im Netz.
Ein prima Fang für einen kalten Tag- vergrößern -

Nach vier Stunden habe ich jede Menge Rotaugen zwischen 20 g und 50 g im Netz. Ein herrlicher Angeltag mit einem durchaus zufriedenstellenden Fangergebnis neigt sich dem Ende.
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